VŪHL 05 wühlt Supersportwagen-Markt auf

Das VUHL supercar bei der Enthüllung, Foto: VUHL

VUHL 05 lautet der seltsame Name. Ein Mexikaner in der Formel 1 ist ja seit diesem Jahr keine Besonderheit mehr – ein mexikanischer Supersportwagen hingegen schon. Dabei klingt der Name des Roadsters – VŪHL 05 (hier original mit Strich über dem U) – eher deutsch. In den noblen Räumlichkeiten des Londoner RAC (Royal Automobile Club) fiel nun das Tuch über einen Zweisitzer, der uns entfernt an den puristischen Renault Sport Spider von 1995 erinnert. Von Thomas Imhof

Das Acronym VŪHL (ausgesprochen „wuhl”) steht für Vehicles of Ultra High-performance and Lightweight. Sehr leichte Autos mit sehr viel Power, was ein Mantra des seligen Lotus Gründers Colin Chapman sein könnte. Hinter dem Startup-Unternehmen stehen die Brüder Iker und Guillermo Echeverria, die in Mexiko-City das Designbüro Etxe betreiben. Mit Hilfe der mexikanischen Regierung und von Privatinvestoren gründeten sie zusammen mit Geschäftspartner Alberto Chapa ein Unternehmen zum Bau von ultraleichten Sportwagen für Straße und Rennstrecke.

Der VUHL 05, Foto: VUHL

Der VUHL 05, Foto: VUHL

Als Premierenort wählten die Mexikaner den Königlich Englischen Automobilclub (RAC) in Pall Mall, London – mit der Rennsportlegende Sir Stirling Moss als Ehrengast. Durchaus gezielt, soll doch das Roadster- und Rennsport-verrückte England Hauptabsatzmarkt sein. Der kompromisslos offene Aufbau des VŪHL 05 entsteht bei Multimatic aus Markham (Ontario, Kanada) – ein Spezialist, der bereits regelmäßig in Zusammenhang mit Aston Martin-Studien in Erscheinung getreten ist. Das aus Aluminium gefertigte Monocoque ist mit Kunststoffteilen verkleidet und soll nach Angaben des Herstellers dreimal höhere Steifigkeitswerte erreichen als das Chassis eines Lotus Elise. Als Vorteil ergäben sich größere Spielräume bei den Federwegen, was wiederum die Kompatibilität zwischen Straße und Rennstrecke ermögliche.

Die Endmontage, sprich Hochzeit mit Antriebsstrang, Aufhängungen und Interieur-Komponenten – erfolgt bei Adman Leku in Mexiko City. Offenbar in Handarbeit, nennt Sigñor Echeverria doch eine Jahresproduktion von maximal 50 Einheiten. Der Anlauf soll im November beginnen, erste Auslieferungen sind für Frühjahr 2014 geplant. Die Preise starten bei knapp 70.000 Euro; für das Einführungsmodell Edition One könnten knapp über 80.000 Euro fällig werden. Fahrwerkstests samt Feinabstimmung liefen bislang bevorzugt auf britischen Straßen, doch sind für das laufende Jahr zusammen mit Michelin weitere Tests in den USA und Europa geplant.

Camo-Bild des VŪHL Roadsters. Foto: VŪHL

Camo-Bild des VŪHL Roadsters. Foto: VŪHL

Als Entwicklungspartner und Zulieferer zogen die Mexikaner neben Multimatic und Michelin auch Magna Steyr und Ford mit ins Boot. Letzterer soll den Motor liefern. Nach Informationen des gewöhnlich gut unterrichteten Fachmagazins Autocar soll es sich dabei um das 2,0-Liter-Ecoboost-Triebwerk handeln – der gleiche Motor wie im Ford Focus ST. Der 285 PS starke Vierzylinder sitzt quer und in Mittelmotor-Position hinter den Sitzen samt Überrollhöckern und schickt über ein Sechsganghandschaltgetriebe bis zu 420 Nm Drehmoment an die Hinterräder. Bei einem Federgewicht von 725 Kilogramm reicht das, um die mexikanische Wühlmaus auf 245 km/h zu treiben und sie in 3,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen zu lassen. Damit der Wagen dabei die Bodenhaftung behält, spendierte man ihm einen respektablen und zudem in mehreren Stufen verstellbaren Heckspoiler.

Designer Iker Echeverria sieht im VŪHL 05 einen auf Leichtbau getrimmten Supersportwagen mit aufregender Performance. „VŪHL-Produkte zeichnen sich durch effiziente Einfachheit und eine an puristischer Funktionalität orientierte Designsprache aus”, so sein Credo. „Der 05 und seine Nachfolger sollen sich durch eine große Liebe zum Detail, ein außergewöhnliches Fahrerlebnis und eine kompromisslos hohe Fertigungsqualität hervortun.“ Hehre Ziele für einen Fertigungsstandort, der zwar in punkto Massenfertigung (Volkswagen und andere) seit langem Spitzenqualität liefert, sich jedoch bei exklusiven Kleinserien erst noch ein Renommee erarbeiten muss.

Das VUHL supercar bei der Enthüllung, Foto: VUHL

Das VUHL supercar bei der Enthüllung, Foto: VUHL

Seinen ersten Auftritt vor größerem Publikum wird der Roadster am zweiten Juli-Wochenende beim Festival of Speed in Goodwood haben. Im Rahmen des Michelin Supercar Runs tritt er an den beiden ersten Tagen mit Ex-Formel Ford Festivalsieger Duncan Tappy am Steuer in der „First Glance”-Klasse an; am Sonntag übernimmt dann kein Geringerer als der mexikanische Formel-1-Rookie Esteban Gutiérrez das Steuer.

In Goodwood ist VŪHL Automotive auf Stand 12 des Hauptausstellungsbereiches mit einem Komplettmodell und einem „nackten“ Chassis vertreten – das dann auch die Aufhängungen, die genaue Motoreinbaulage und weitere Details enthüllen dürfte. Nur nach Türen werden Fans vergeblich suchen, denn die hat Speedy Gonzalez nicht. „Unsere Kunden lieben den Motorsport”, begründet Echeverria diese Entscheidung. „Die fehlenden Türen steigern das Gefühl, in einem Rennwagen zu sitzen, den man bei schönem Wetter jederzeit auch auf der Straße bewegen kann.“

Der  VŪHL Roadster ist auf der Rennstrecke zu Hause. Foto:  VŪHL

Der VŪHL Roadster ist auf der Rennstrecke zu Hause. Foto: VŪHL

Gespannt sein darf man, ob VŪHL wie einst Renault beim 1995 für 56.900 DM angebotenen Sport Spider einen zumindest rudimentären Schlechtwetterschutz anbietet. Für den Franzosen gab es zum Beispiel gegen 1.600 DM Aufpreis eine vollwertige Windschutzscheibe anstelle des mickrigen Windabweisers. Und im Stand konnte der Innenraum beider Varianten mit einer aufknöpfbaren Persenning vor eindringendem Regenwasser geschützt werden. Feinheiten, die speziell bei englischem Wetter schnell eine gewisse Wichtigkeit erhalten können…

P.S.: Den Auto-Bazillus haben die Brüder Echeverria nach eigener Aussage von Vater Guillermo Senior eingeimpft bekommen. Der baute im Land der Azteken über 30 Jahre lang GT und Formelrennwagen. Und weckte dabei bei den ihm zur Hand gehenden Söhnen die Begeisterung für alles, was vier Räder hatte. Die Bezeichnung „05“ stammt im Übrigen von der Startnummer, die Iker und Papa Guillermo während ihrer aktiven Rennfahrerkarrieren trugen.

Das VUHL supercar mit Aberto Chapa und Iker Echeverria von VUHL, Sir Stirling Moss, Guillermo Echeverria Senior und Guillermo Echeverria, Foto: VUHL

Das VUHL supercar mit (v.l.) Aberto Chapa und Iker Echeverria von VUHL, Sir Stirling Moss, Guillermo Echeverria Senior und Guillermo Echeverria, Foto: VUHL

Die Enthüllung des VŪHL 05 in den Räumlichkeiten des Londoner RAC (Royal Automobile Club) nahmen (von links) Alberto Chapa (VUHL Automotive), Iker Echeverria (VUHL Automotive), Sir Stirling Moss, Guillermo Echeverria Senior und Guillermo Echeverria vor.

Text: Autogefühl, Thomas Imhof
Fotos: VŪHL


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