McLaren wird 50 und feiert in Goodwood

McLaren lineup an der Hauptzentrale, Foto: McLaren

Nicht nur Porsches 911 wird in diesem Jahr 50 Jahre alt – auch der 1963 vom Neuseeländer Bruce McLaren unter eigenem Namen gegründete Rennwagenbauer feiert heuer ein halbes Jahrhundert Lebenszeit. Auch wenn es in der Formel 1 gerade nicht so gut läuft, wird beim Goodwood Festival of Speed das Jubiläum gebührend gefeiert. Von Thomas Imhof

Als englische Rennwagen noch grün, italienische rot, französische blau und deutsche noch silbern waren, gründete der Rennfahrer und findige Konstrukteur Bruce McLaren in seiner neuen Wahlheimat England ein eigenes Racing Team. Bekannt wurden seine Wagen schon bald durch die leuchtende Farbe Papaya Orange, ab 1966 auch in der Formel 1, in der McLaren auf McLaren vier Siege erringen konnte. Beim diesjährigen Goodwod Festival of Speed zeigt die nach dem Tod McLarens bei einem Testunfall 1970 von neuen Besitzern weitergeführte Marke ein faszinierendes Potpourri aus 50 Jahren im Grenzbereich. Klassische CANAM-, Le Mans- und Formel 1-Rennwagen stellten sich vorab ebenso zum Gruppenbild vor dem McLaren-Hauptquartier in Woking (Surrey) wie jene Straßensportwagen, die nach dem Vorbild Ferraris seit einigen Jahren das zweite Standbein des weit diversifizierten Think Tanks bildet.

McLaren P1, Foto: McLaren

McLaren P1, Foto: McLaren

Doch beginnen wir mit den mächtigen CANAM-Rennern mit donnerndem Chevrolet V8-Motor und V-förmig gestaffelten Ansaugtrompeten. Sie holten zwischen 1967 und 1971 fünfmal infolge den Gesamtsieg bei dieser hochpopulären Big Banger-Serie. Je zweimal waren Boss Bruce und sein Landsmann Denny Hulme erfolgreich. Den Schlusspunkt setzte dann 1971 der Amerikaner Peter Revson im Typ M20. Trotz der ab 1972 einsetzenden Dominanz von Porsche mit den Turbo-Panzern 917/10 und 917/30 blieb McLaren die erfolgreichste Marke in der Geschichte des legendären Championats. Als Tribut an jene „Glory days“ setzt McLaren am kommenden Wochenende den Siegerwagen von Hulme aus dem Jahr 1970 ein, – ein M8D, wie ihn auch der nur 32jährige McLaren auf seiner letzten Fahrt steuerte. Bei hoher Geschwindigkeit hatte sich die Heckverkleidung gelöst, der Wagen wurde sofort instabil und prallte – ausgerechnet auf dem nur noch für Tests zugelassenen Kurs von Goodwood (!) – gegen ein Streckenpostenhäuschen. Zusätzlich zu sehen bei den modernen Wettfahrten auf den Goodwood Hill ist der Siegerwagen von 1971, ein M8F, den das Louwman Museum aus Den Haag für das Wochenende ausgeliehen hat.

McLaren lineup an der Hauptzentrale, Foto: McLaren

McLaren lineup an der Hauptzentrale, Foto: McLaren

Die Parade der ab 1974 nicht mehr orange, sondern in den Farben der Sponsoren lackierten Formel 1 führen der erste und bislang letzte WM-Siegerwagen McLarens an: Der M23 von Emerson Fittipaldi aus der Saison 1974 und Lewis Hamiltons MP4-23 aus 2008.

Darüber hinaus wird der unter Ayrton Senna unbesiegbare MP4/4-Honda in Aktion zu sehen sein. Mit diesem Wagen holte der Brasilianer 1988 den ersten seiner drei WM-Titel und gewann in dieser Saison zusammen mit seinem ungeliebten „Teamkollegen“ Alain Prost 15 von 16 Saisonrennen – ein bis heute ungebrochener Rekord. Komplettiert wird das Formel-1-Feld durch den MP4-13, mit dem Mika Häkkinen 1998 den Fahrer- und den Konstrukteurs-Titel für McLaren an Land zog. Dieses Modell hält mit Nick Heidfeld am Steuer seit 1999 den Rekord für den 1,78 Kilometer langen Mini-Bergrennkurs von Goodwood – an diesem Wochenende will der Mönchengladbacher nun im identischen Modell einen Angriff auf seinen eigenen Rekord machen. Zusätzlich statisch auf dem McLaren-Stand zu sehen ist zusätzlich der MP4-24. Dieser Monoposto schrieb 2009 beim GP von Ungarn Geschichte – als erster Grand Prix-Siegerwagen mit dem Energierückgewinnungssystem KERS.

Gleich drei McLaren erinnern an das kurze, aber erfolgreiche Intermezzo McLarens bei den 24 Stunden von Le Mans mit dem von Gordon Murray konstruierten F1. An der Spitze steht der Siegerwagen von 1995, der F1 GTR mit Chassisnummer F1/01R. Des Weiteren dabei ist einer jener fünf in Papaya Orange lackierten F1 LM, die in Erinnerung an die fünf 1995 ins Ziel gekommenen Le Mans-Autos aufgelegt wurden. Mit der Optik der Rennwagen, aber einer Straßenzulassung. Dritter im Bunde ist eine der wunderschönen Langheck-Versionen des F1 in Gulf-Lackierung, die 1997 bei den 24 Stunden noch einmal einen respektablen zweiten Platz erkämpften.

Schließlich die Straßensportwagen: Der als limitierte Sonderserie aufgelegte McLaren 50 12 C Spider feiert fünf Jahrzehnte McLaren-Motorsport und gibt beim Goodwood Festival sein Debüt. Das Exponat zeichnet sich durch eine Reihe von Stylingfeatures aus, die die breiten Möglichkeiten zur Individualisierung eines 12C zur Schau stellen sollen. Zu den von der für solche Spezialaufträge zuständigen McLaren-Abteilung MSO durchgeführten Änderungen zählen ein aerodynamisch optimierter Frontstoßfänger, spezielle Felgen und ein MSO-Track Pack, bestehend aus einem in Wagenfarbe lackierten Überrollbügel, zahlreichen aus Kohlefaser gefertigten Teilen und neuen Styling-Optionen. Die Farbe „Papaya Spark“ ist eine moderne Interpretation des berühmten McLaren-Orange.

Schließlich rollt McLaren GT den bislang stärksten und kompromisslosesten 12 C an den Start: die Can-Am Edition. Das ebenfalls limitierte Modell ist eine Hommage an die glorreiche Can-Am-Ära und ohne Rücksicht auf aktuelle Rennsportreglements als „ultimative Rennversion“ konzipiert. Ebenfalls angekündigt für Goodwood ist die lang erwartete dynamische Premiere des neuen McLaren P1.

Die McLaren-Formel-1-Piloten Jenson Button und Sergio Perez sind ebenfalls in Goodwood zugegen. In der Formel 1 rangiert McLaren aktuell nur im vorderen Mittelfeld. Die Crew um Martin Whitmarsh hofft, dass es spätestens 2015 wieder aufwärts geht. Wenn McLaren – heute noch mit Mercedes-Kundenmotoren unterwegs – mit dem alten Motorenpartner Honda ein neues Bündnis schließt.

Text: Autogefühl, Thomas Imhof
Fotos: McLaren


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