Staus vermeiden – Die zehn besten Tipps

Im Stau eingequetscht, Bild: Svilen Milev, sxc.hu

Staus vermeiden möchte jeder Autofahrer. Ferienzeit = Stauzeit? Im Schnitt verbringt jeder Deutsche pro Jahr gut 50 Stunden in Staus – mehr als eine ganze Arbeitswoche. Allein an den zwölf Wochenenden im Sommer bilden sich in Deutschland jedes Jahr rund 1000 Staus mit über zehn Kilometer Länge. Aneinander gereiht würde die Autoschlange fast bis nach Australien reichen, hat der Automobilclub von Deutschland (AvD) errechnet. Auch für die diesjährige Feriensaison prophezeien die beiden großen deutschen Verkehrsclubs zum Teil apokalyptische Zustände auf deutschen Fernstraßen. Von Thomas Imhof

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Besonders kritisch sind die letzten Juli-Tage, wenn die drei bevölkerungsreichsten Bundesländer Nordrhein-Westfalen (20. Juli), Baden-Württemberg (25. Juli) und Bayern (31. Juli) in kurzer Staffelung in die „schönste Zeit des Jahres“ starten. Zwar sind die Zeitkorridore im Vergleich zu 2001, wo alle drei Länder fast simultan die Koffer packten, schon etwas entzerrt worden. Doch weil zugleich schon wieder Rückreiseverkehr die zentralen Verkehrsadern wie A3, A7 und A8 verstopft, sind sowohl die beiden letzten Juli wie die beiden ersten August-Wochenenden im ADAC-Staukalender dick rot angestrichen.

Ab wann ist der Verkehr zähfließend? Foto: Marcel Herber, sxc.hu

Ab wann ist der Verkehr zähfließend? Foto: Marcel Herber, sxc.hu

Verkehrsplaner sprechen von einem Stau, wenn der Verkehr länger als eine Minute mit weniger als 10 km/h fließt; bis etwa 30 km/h sprechen sie von „stockendem Verkehr“. Staus oder Phasen mit zäh fließendem Verkehr zu vermeiden, ist für viele der an einem neuralgischen Wochenende startenden Urlauber fast unmöglich. Dennoch gibt es eine Reihe probater Tipps, die Chancen für einen Zwangsstillstand auf glühendem Asphalt zumindest zu verringern. Hier die zehn besten Tipps, um Stau zu vermeiden:

1. Anreise nicht am Samstag: Auch wenn in den meisten Feriengebieten an diesem Tag „Bettenwechsel“ angesagt ist, sollte man wenn irgend möglich den Samstag als Anreisetag meiden. Wer dies nicht kann, sollte entweder schon in der Nacht von Freitag auf Samstag starten – schließlich wird es schon gegen 5 Uhr langsam hell – oder – falls die Distanz zum Reiseziel nicht zu groß ist – erst am Nachmittag losfahren. Denn gegen 15/16 Uhr haben sich in der Regel die größten Staus schon wieder aufgelöst.

2. Sonntag deutlich weniger kritisch, Dienstag und Mittwoch ideal: Generell stressfreier als der Samstag ist bei der Anreise der Sonntag. Statistisch gesehen sind Dienstag und Mittwoch die Tage mit der geringsten Staugefahr.

3. Wer statt morgens am späten Abend oder nachts fährt, geht ebenfalls ein geringeres Risiko ein. Optimalerweise wechseln sich dabei Fahrer und Beifahrer ab, um eine Übermüdung zu vermeiden.

4. Rückreise möglichst schon am Morgen: Bei der Rückreise sind laut AvD anders als bei der Anreise sowohl der Samstag als auch der Sonntag kritisch. Weil viele den Urlaub bis zuletzt auskosten wollen und erst gegen Mittag losfahren. Daher der Tipp: Auch wenn es schwerfällt – gleich nach dem Frühstück aufbrechen. Erfahrungsgemäß nimmt zum Beispiel im Raum München die Staugefahr ab Mittag durch die Rückreisewelle aus dem Süden exponentiell zu, um dann zum Nachmittag noch einmal richtig anzuschwellen. Wer am Montag noch nicht wieder arbeiten muss, sollte dagegen spät losfahren und es sich leisten, erst gegen oder nach Mitternacht zuhause anzukommen.

5. Ferienzeiten im nahen Ausland beachten: Reisende z.B. aus Nordrhein-Westfalen sollten bei einer Fahrt in den Süden jene Wochenenden vermeiden, an denen die bekannt reiselustigen Niederländer ebenfalls in die Ferien aufbrechen. Wer das nicht beherzigt, steht garantiert schon am Kölner Ring fest.

Albtraum! Foto: T. Rolf, sxc.hu

Albtraum! Foto: T. Rolf, sxc.hu

6. Bei Frankreich-Reisen empfiehlt es sich übrigens, nicht am ersten Juli-Wochenende loszufahren. Da ging nämlich die zentralistisch verwaltete Grande Nation nahezu geschlossen in Urlaub. Speziell wenn die Fahrt über den Großraum Paris oder über die Rhonetal-Route via Lyon ans Mittelmeer geht, droht deutschen Autofahrern ein böses Erwachen. 1980 stauten sich die Autos von Paris bis nach Lyon über eine Strecke von 176 Kilometer – ein Ereignis, das es bis ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft hat. Auch das Ferienende der Franzosen Anfang September sollte für gen Heimat steuernde Deutsche tabu sein.

7. Gleichmäßig mitschwimmen: Zur Stauvermeidung empfiehlt der AvD, hektische Spurwechsel und Bremsmanöver weitgehend zu unterlassen. Bei großen Geschwindigkeitsdifferenzen kommt es dagegen zwangläufig öfter zu Bremsmanövern, die den Verkehr ins Stocken kommen lassen. Am wirkungsvollsten lässt sich nämlich Stau-Prophylaxe betreiben, wenn alle Verkehrsteilnehmer möglichst gleichmäßig bei 100 bis 120 km/h mitschwimmen.
Gut zu beobachten ist der positive Effekt im Bereich des Frankfurter Kreuzes: Dort messen Verkehrsüberwachungsanlagen permanent das Verkehrsaufkommen und passen die zulässige Höchstgeschwindigkeit variabel und automatisch an. Hektische Spurwechsel sind ebenfalls kontraproduktiv – ein Effekt, den man im Übrigen genauso an den Schlangen vor den Kassen eines Supermarkts feststellen kann. Empfohlen wird dagegen ausdrücklich das späte Einfädeln vor einem Engpass im Reißverschlussverfahren.

8. Nur bei Vollsperrung Autobahn verlassen: Immerhin 44 Prozent aller Autofahrer versuchen laut AvD, bei einem absehbaren Stau die Autobahn zu verlassen. Doch Stauforscher wissen längst: Nur bei einer über den Verkehrsfunk gemeldeten und länger andauernden Vollsperrung lohnt sich ein solcher Entschluss. In den meisten Fällen ist es jedoch besser, den Stau abzuwarten und – falls noch möglich – einen Park- oder Rastplatz anzusteuern. Denn die Nebenstrecken sind schnell genauso überfüllt, weil man ja nicht der einzige ist, der sein Heil auf diese Weise sucht. Unterm Strich verliert man weniger Zeit (und Nerven), wenn man den Stau „aussitzt“, als sich über völlig verstopfte Bundes- und Landstraßen zu quälen.

9. Stau zur Pause nutzen: Wen trotz allem das Schicksal eines Stauerlebnisses ereilt, sollte das Beste aus der Situation machen. Sprich: Viel trinken, die Beine vertreten, ein Schwätzchen mit dem Nachbarn halten und die Kinder bei Laune halten.

10. Alternative Verkehrsmittel prüfen: Wer sich gar nicht erst ins Ferienchaos auf deutschen und europäischen Autobahnen stürzen will, sollte prüfen, ob nicht eine Anreise per Bahn oder Flugzeug dem Auto vorzuziehen ist. Auch ein Autoreisezug könnte eine interessante Alternative sein. Wie zum Beispiel jener, der von Hamburg, Düsseldorf und Hildesheim bis nach Bozen fährt. Aber auch Verbindungen bis nach Narbonne, Alessandria (Piemont), Innsbruck, Wien, Villach und Schwarzach-St. Veit. Terminals zum Aufladen von Auto und Passagieren befinden sich in Hamburg, Berlin, Düsseldorf, Hildesheim, Frankfurt (Neu-Isenburg), Lörrach und München.

Tiere haben weniger Probleme mit Staus ;), Foto: gemarijo, sxc.hu

Tiere haben weniger Probleme mit Staus ;), Foto: gemarijo, sxc.hu

P.S. Interessanterweise kennen Ameisenstraßen keine Staus. Der Physiker Prof. Andreas Schadschneider von der Universität Köln weiß: „Die Insekten überholen nicht und schnellere Tiere passen ihre Geschwindigkeit dem Vordermann an. So ergeben sich gleichmäßige Durchschnittsgeschwindigkeiten.“ Ein Geheimnis, das auch Ferienreisende nutzen könnten. Denn als Idealwert für einen optimalen Verkehrsfluss gilt eine Durchschnittsgeschwindigkeit zwischen 80 und 100 km/h. Reisen statt rasen also – das passende Motto für den Start in einen (erholsamen) Urlaub!

Text: Autogefühl, Thomas Imhof
Quelle für statistische Daten: AvD
Titelbild: http://efffective.com


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