Skoda Rapid Spaceback – Kombi oder Nicht-Kombi?

Skoda Rapid Spaceback, Foto: Skoda

Manchmal sind PR-Abteilungen wirklich nicht zu beneiden. Weil ein paar unglückliche Pressebilder und der Name Spaceback eine Kombi-Karosserie vortäuschten, pries die deutsche Motorjournalisten-Zunft den neuesten Skoda voreilig als „neue Kombi-Version“ des Rapid. Nein, nein – beeilte sich der Importeur der tschechischen VW-Tochter klarzustellen – der Neue sei keineswegs ein Kombi, sondern ein „Kurzheck“-Modell. Die kurzzeitige Verwirrung zeigt einmal mehr, wie sehr sich mittlerweile die immer enger gesteckten Segmente des Automobilmarktes überlappen. Auch ein Volvo V40 will ja längst kein klassischer Kombi mehr sein. Von Thomas Imhof

Der Skoda Rapid ist eine mit einem riesigen Kofferraum gesegnete Limousine. Die aussieht wie ein biederes Stufenheck-Mobil, aber eine große Heckklappe besitzt. Ihr eckig-kantiges Design im bester Bauhaus-Tradition wurde jüngst sogar mit dem Red Dot-Design Award ausgezeichnet. Zur kommenden IAA erscheint nun eine zweite Karosserie-Variante – der Rapid Spaceback. Ein Name, wie ihn Marketing-Menschen lieben. Bei Audi gibt es den Sportback, bei Mitsubishi den Space Star, bei Jaguar den Sportbrake, bei Mercedes den Shooting Brake und bei Opel den Sports Tourer. „Space“ ist immer gut, weil es klingt nach viel Platz und zudem so schön progressiv. Viel Platz hat zwar auch der neue Skoda Rapid Spaceback – ohne aber ein Kombi sein zu wollen. Vielmehr outet er sich nach vollständiger Lektüre des Pressetextes als fünftürige Hatchback-Limousine. Und damit als das, was Skoda bislang immer noch fehlte: ein Modell im Golf-Format.

Skoda Rapid Spaceback, Foto: Skoda

Skoda Rapid Spaceback, Foto: Skoda

Doch genau diese Botschaft ging ins Leere. In Weiterstadt, dem Sitz der Skoda Deutschland Zentrale, beeilten sie sich daher, schon kurz nach der ersten Meldung noch eine zweite zum gleichen Thema nachzuschieben. Um klarzustellen, „dass es sich beim Skoda Rapid Spaceback um keinen Kombi, sondern um ein kompaktes ‚Kurzheck‘-Modell handelt.“ Das werde auch dadurch deutlich, dass der Wagen 18 Zentimeter kürzer sei als die Limousine und mit rund 4,30 Meter ähnlich lang wie ein Opel Astra oder Ford Focus.

In der Tat mangelt es Skoda nicht an schluckfreudigen „Combis“ – die gibt es schon vom Fabia, Octavia und Superb. Der neue Rapid Spaceback ist mit 4,30 Meter auch nur fünf Zentimeter länger als der allerdings im nächst niedrigeren Segment antretende Fabia Raumtransporter. 415 Liter Kofferraumvolumen sind trotzdem ein respektabler Wert für die Klasse, zumal sich nach Umklappen der Rückbank 1.380 Liter eröffnen. Der Golf bringt es im Vergleich nur auf 380 Liter, kann aber maximal bis zu 1.270 Kilo laden.

Den markanten Grill mit 19 vertikalen Lamellen und Chromeinfassung, das neue Markenlogo auf dem abgerundeten vorderen Abschluss der Motorhaube und die Kleeblatt-artige Anordnung von Scheinwerfern und Nebelscheinwerfern übernimmt der Spaceback von der Limousine – erst ab der B-Säule fangen die Unterschiede an. Die Seitenansicht wirkt durchaus sportlich-gestreckt, mit scharfer, hohe Tornadolinie fast Coupé-artig. Am Heck betont ein schwarzes Diffusor-Element ebenso wie die breiten Heckleuchten in Skoda-typischer C-Form die horizontale Ausrichtung aller Linien.

Skoda Rapid Spaceback, Foto: Skoda

Skoda Rapid Spaceback, Foto: Skoda

Als großen Trumpf sieht Skoda den langen Radstand von 2.602 Millimetern. Er beschere dem Spaceback die größte Knie- (64 Millimeter) und hintere Kopffreiheit (980 Millimeter) im Segment. Dazu habe er nützliche Features wie einen doppelten Ladeboden, einen Eiskratzer im Tankdeckel, einen Halter für die Warnweste unter dem Fahrersitz, einen doppelseitigen Bodenbelag im Kofferraum oder einen Abfallbehälter in der Seitentür aufzubieten.

„Der neue Rapid Spaceback ist für Skoda ein Meilenstein: Er bedeutet für uns den Einstieg in das strategisch wichtige Segment kompakter Kurzheck-Modelle“, betont Skoda- Vorstandsvorsitzender Winfried Vahland die Bedeutung des voreilig als Kombi gedeuteten Neulings. Der Rapid Spaceback verbinde die guten, praktischen Skoda-Eigenschaften mit der beliebten Kurzheck-Form. „Ein Kompakter mit sportlichem Chic, geräumig und praktisch, ideal für junge Menschen und Familien“, so Vahland weiter.

Skoda wird den neuen Rapid Spaceback ab Oktober mit vier Benzinern und zwei Dieseln anbieten. Neu für die Rapid-Reihe ist der 66 kW (90 PS) starke 1,6-Liter-TDI, der es mit Start/Stopp-Automatik auf 3,8 Liter/100 km und CO2-Emissionen von 99 g/km bringt.

Neben einem optionalen Panorama-Glasdach wird es eine „lange Heckscheibe“ geben. Bei dieser Lösung reicht das getönte Glas der Heckscheibe etwa zehn Zentimeter weiter in die Heckklappe hinein als bei der serienmäßigen Heckscheibe. In Verbindung mit dem Panorama-Glasdach soll sich so eine dunkel getönte Glasfläche von der Frontscheibe über das Dach bis weit in die Heckklappe strecken. Ein schwarzer Spoiler am oberen Ende der Heckscheibe unterstreiche die wie aus einem Guss wirkende Anmutung, verspricht Skoda.

Bei Skoda trauen sie dem Rapid Spaceback einiges zu – ja man hält ihn sogar für einen echten Siegertypen. Bis jeder Interessent verstanden hat, was sich hinter dem jüngsten Skoda wirklich verbirgt, haben die PR-Strategen zum Glück noch etwas Zeit: Spätestens bis zur IAA (geöffnet für das Publikum ab 12. September) sollten alle Missverständnisse rund um den Beinahe-Kombi ausgeräumt sein. Und bis dahin würden wir dann auch noch gerne wissen, wer sich bei Skoda die Bezeichnung „Kurzheck“ hat einfallen lassen.

Text: Autogefühl, Thomas Imhof
Foto: Skoda


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