Neuer Hyundai i10 legt Graue-Maus-Image ab

Hyundai i10, Foto: Hyundai

Der jetzt in der Türkei statt Indien gebaute neue Hyundai i10 für Europa sieht nicht nur schicker aus als sein schmalbrüstiger Vorgänger, sondern gibt sich auch geräumiger, qualitativ hochwertiger und erwachsener. Ab November geht er in den Handel, genaue Preise nennt Hyundai aber erst auf der IAA. Von Thomas Imhof

Der Hyundai i10 ist – die Nomenklatur legt es bereits nahe – der Einstieg in die Markenwelt von Hyundai. Hervorgegangen ist er aus dem bis 2004 noch ausschließlich aus Korea verschifften Hyundai Atos. 2011 erhielt das nun abgelöste Vorgängermodell noch ein Facelift, was seine Designschwächen aber kaum übertünchen könnte. Mit kleinen 14-Zoll-Rädchen und dem hohen Aufbau sah der i10 gegen Liga-Konkurrenten wie Chevrolet Spark, Fiat Panda oder den Konzernbruder Kia Picanto eher hausbacken aus. Da war es auch nur ein kleiner Trost, dass das baugleiche Kleinwagen-Duo Nissan Pixo/Suzuki Alto auch keinen Schönheitspreis an Land zog.

Hyundai i10, Foto: Hyundai

Hyundai i10, Foto: Hyundai

Design aus dem Europa-Center in Rüsselsheim

Das europäische Hyundai Designteam um den deutschen Chefdesigner Thomas Bürkle hat dem Hyundai i10 in zweiter Generation nun ein zweifellos deutlich schwungvolleres, in manchen Details an den Mazda 2 oder Toyota Yaris erinnerndes Design verschafft. Der Hyundai-Familiengrill im Hexagon-Muster taucht ebenso auf wie Elemente der markeneigenen Designsprache „Fluidic Sculpture“. Ein geschickt eingesetztes Element ist die grau abgesetzte Rammschutzleiste, die im Türbereich des Fünftürers einen Schuss Dynamik erzeugt.

Hyundai i10, Foto: Hyundai

Hyundai i10, Foto: Hyundai

Das Interieur des in Rüsselheim entwickelten Euro-Koreaners gibt sich deutlich wertiger als die Hartplastik-Landschaft des Vorgängers. Und ist vor allem auch geräumiger. Bei nahezu identisch gebliebenen Radstand (+ fünf Millimeter) streckt sich der neue i10 mit 3.665 mm nun acht Zentimeter länger als sein Vorgänger. Zugleich ist er 6,5 Zentimeter breiter und fünf Zentimeter flacher, was den Schwerpunkt nicht nur optisch, sondern auch real senkt.

Hyundai i10 von 2011 (Vorgänger-Modell), Foto: Hyundai

Hyundai i10 von 2011 (Vorgänger-Modell), Foto: Hyundai

Kofferraumvolumen stieg um zehn Prozent auf 252 Liter

Das Größenwachstum schlägt sich auch bei den Raumverhältnissen wieder. So bietet der neue Kleine eine respektable Innenraumlänge von 1.890 Millimeter; zugleich schluckt der Kofferraum nun 252 statt zuvor 225 Liter – und damit gleich viel wie die Ladehöhle des Klassen-Primus VW Up.

Das Sicherheitspaket umfasst ab Werk ESP, sechs Airbags und – ungewöhnlich für ein A-Segment-Auto – ein Reifendruckkontrollsystem. Zum Vergleich: Beim Vorgänger gab es den elektronischen Schleuderwächter und Kopfairbags nur als Paket für 930 Euro extra.

Beheizbares Lenkrad und automatische Reifendruck-Kontrolle

Bemerkenswert sind zudem einige sonst nur in höheren Preissegmenten anzutreffende Komfort-Features wie ein beheizbares Lenkrad (!), eine Sitzheizung oder ein drahtloses smart key-System. Aber auch eine Klimaautomatik und ein Tempomat mit einstellbarer Geschwindigkeitsbegrenzung gehören zu den ungewöhnlichen Zutaten. Schließlich sollen auch neue und frische Farben das Modell von seinem Graue-Maus-Image befreien

Benziner mit drei und vier Zylindern – kein Diesel

Als Motoren für den neuen i10 stehen der aus dem Vorgängermodell bekannte 1,2 Liter- Vierzylinder-Ottomotor mit 63 kW (86 PS) sowie der bereits im Kia Picanto Dienst verrichtende Dreizylinder-Benziner mit 1.0 Liter Hubraum und 50 kW (68 PS) zur Auswahl. Einen Diesel – wie es ihn zum Beispiel für die Indien-Variante des Typs gibt – wird wohl nicht hinzukommen – er käme schlicht zu teuer für das extrem preissensible Einsteiger-Segment. Dagegen wird es ergänzend zu den Versionen mit Schaltgetriebe auch solche mit Wandlerautomatik geben.

Auch für den i10 der zweiten Generation wird Indien der Hauptabsatzmarkt bleiben. Dort wurde er bislang ausschließlich gebaut und 2012 allein 251.000 Mal verkauft. Vom neuen Modell gibt es eine eigene Indien-Variante namens Grand i10 – sie hat einen im Vergleich zum Europa-Modell um 100 Millimeter verlängerten Radstand und eine waagerechte statt nach hinten ansteigende Fensterlinie.

Hyundai Grand i10 - Größe ersichtlich am 3. Seitenfenster, Foto Hyundai

Hyundai Grand i10 – Größe ersichtlich am 3. Seitenfenster, Foto Hyundai

Deutschland und Italien sind wichtigste Europa-Märkte

In Europa sind Deutschland und Italien auch weiterhin die wichtigsten i10-Märkte. Von März 2008 bis Juni 2013 wurden bei uns 91.637 Einheiten des i10 verkauft. Das erfolgreichste Jahr – künstlich angeheizt von der Abwrackprämie – war 2009 mit 30.220 Fahrzeugen. 2010 pendelte sich der Absatz dann wieder auf 16.703 Neuzulassungen ein.

Nur für Indien und andere ausländische Märkte bleibt die Produktion des i10 im indischen Chennai angesiedelt; die Modelle für Europa hingegen kommen ab September aus dem Werk Assan Otomotiv in der Türkei. Es liegt östlich des Großraums Istanbul und ist bislang schon für die Montage des i20 zuständig. Mit Anlauf des i10 erweitert sich die Kapazität des Standortes auf 200.000 Fahrzeuge jährlich. Ab dann werden rund 90 Prozent aller in Europa verkauften Hyundai auch in Europa gebaut.

Mehrgenerationen-Auto – beliebt bei Frauen unter 35 und der Generation 55+

Hyundai Deutschland geht beim neuen i10 von einem weiblichen Kundenanteil von 60 Prozent aus; das Auto gilt im Marketing-Talk als „Generationen-Generalist“. Spricht sowohl junge Frauen bis 35 als auch die Generation 55+ an, weiß Hyundai. Aber auch Flottenkunden im Boten- und Lieferverkehr gelten als sichere Abnehmer.

Löst nun Hyundai auch noch das Versprechen ein, den neuen i10 ähnlich fahrdynamisch ausgelegt zu haben wie den vier Meter langen i20, steht einem Erfolg höchstens noch der Preis entgegen. Aber gerade bei dem werden sich die Koreaner sicher keine Blöße geben. Da der Volkswagen Up bei knapp unter 10.000 Euro startet, wäre alles andere als ein noch vierstelliger Einstiegspreis für den i10 mit Dreizylinder-Motor eine Überraschung.

Historie von Hyundai im A-Segment

03/1998: Deutsche Markteinführung des Micro-Vans Atos 1.0i (40 kW/55 PS)
01/2000: Atos Prime als zusätzliche Variante mit Schrägheck
03/2004: Facelift-Modell (nur als Schrägheck) 1.1 (43 kW/59 PS) – Produktion in Indien
09/2005: Zweites Facelift – 1.1 mit 46 kW (63 PS)
03/2008: Deutscher Marktstart i10 (1.1 mit 49 kW/67 PS und 1.1 CRDi mit 55 kW/75 PS)
09/2008: i10 1.2 mit 57 kW (78 PS) als zusätzliche Variante
02/2011: Deutsche Markteinführung des facegelifteten Modells
09/2013: Weltpremiere der zweiten i10-Generation auf der IAA
11/2013 Start der deutschen Markteinführung

Text: Autogefühl, Thomas Imhof
Fotos: Hyundai


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