KIA Optima Fahrbericht

KIA Optima, Foto: Autogefühl

Der Kia Optima ist wohl die vernünftigste Option, wenn man den Wunsch hat, eine Mittelklasse-Limousine zu fahren. Dabei schließen sich hier Vernunft und Emotion nicht aus. Der Kia Optima bietet zu einem konkurrenzlosen Preis ein hohes Maß an Luxus und ein dynamisches Coupé-Design. Daher stellen wir einen gewagten Vergleich auf. Von Thomas Majchrzak

KIA Optima mit tollen Design-Linien, Foto: Autogefühl

KIA Optima mit tollen Design-Linien, Foto: Autogefühl

Im März 2012 war das Segment für Kia in Deutschland noch Neuland, aber schnell stellten sich die ersten Verkaufserfolge ein. Hier spricht der Preis: Ab 24.990 Euro gibt es den Kia Optima als Benziner, ab 26.990 Euro als Diesel – und unser Testwagen mit Vollausstattung kostet knapp unter 35.000 Euro.

Für diesen Preis eine Mittelklasse-Limousine anzubieten mit Lenkradheizung, aktiver Sitzlüftung, Komfort-Ledersitzen, Rückfahrkamera, Panorama-Dach, Holzeinsätzen an Seiten, Mittelkonsole und Lenkrad, 18 Zoll Felgen, Alu-Sportpedale, Ambience-Beleuchtung, USB, Bluetooth, Soundsystem mit 12 Lautsprechern und Endstufe sowie Einparkassistent… das sucht seinesgleichen. Jetzt könnte man sagen, gut, hat Kia eben an der Qualität gespart. Doch dann wäre es reichlich unklug von den Koreanern, gleich sieben Jahre Garantie zu geben. Zur Erinnerung: Audi, BMW und Mercedes geben zwei (!) Jahre Garantie. Selbst die Wartungszyklen sind bei Kia sehr lang gezogen, 30.000 Kilometer oder alle zwei Jahre. Das ist mal Vertrauen in die eigene Technik.

KIA Optima, Foto: Autogefühl

KIA Optima, Foto: Autogefühl

Vergleich: Kia Optima mit den großen Deutschen

Warum nicht einmal den scheinbar gewagten Vergleich anstellen, einen Kia Optima gegen einen 5er BMW zu setzen? Die Klasse bzw. Größe passt schon mal, der Kia Optima ist nur 5 cm kürzer als ein 5er BMW. Die Optik: 1a, dynamische Linien, moderne geschwungene Formen der Stahlkarosserie mit einem markant-aggressiven Kühlergrill und bei unserem Kia Optima noch eine Edel-Lackierung in Perlmutt mit schimmernden Farbpigmenten. Der Kia Optima ist “wie ein feiner, perfekt sitzender italienischer Anzug“, sagt Chefdesigner Peter Schreyer. Dabei kommt er dank der Stromlinienform auf einen cW-Wert von 0,29. Die Ausstattung ist wie beschrieben so umfangreich, dass man beim BMW schon den Preis verdoppeln müsste (ein BMW 5er geht übrigens bei 39.900 Euro los). Lediglich bei der Fahrdynamik mag der Kia nicht mit der deutschen Konkurrenz mithalten, dafür ist er besonders in schnellen Kurven vergleichsweise instabil.

KIA Optima Heck, Foto: Autogefühl

KIA Optima Heck, Foto: Autogefühl

Leichte Lenkung für die Stadt, etwas zu leicht fürs Schnellfahren

So ein BMW liegt viel satter auf der Straße. Doch erwartet das die Zielgruppe auch. Ein Kia Optima ist toll zum Reisen, das Fahrwerk klar auf Komfort abgestimmt. Die unfassbar leichtgängige Lenkung offenbart ihre Schwäche in schnellen Kurven, in den einfach keine ausreichende Rückmeldung an den Fahrer gegeben wird. Dafür gibt es wohl kaum eine andere Limousine, die so spielend leicht im Stadtverkehr zu dirigieren ist. Wendemanöver und einparken auf engstem Raum? Geht super schnell und ohne jeglichen Kraftaufwand. Dabei ist es immer wieder eine willkommene haptische Abwechslung, von der weichen Lederfläche des Lenkrads auf den oberen Holzteil zu greifen. Edel, angenehm, exklusiv.

KIA Optima Heck, Foto: Autogefühl

KIA Optima Heck, Foto: Autogefühl

Tolles Autogefühl inklusive Sitzlüftung

Das Wichtigste an einem Auto ist immer das Autogefühl, das dürfen wir hier natürlich immer betonen. Und obwohl der Kia Optima keine Sportskanone für die Kurven ist, macht er einfach Freude am Fahren, auch wenn es kein 5er BMW ist. Man fühlt sich wohl, genießt den Komfort und bleibt entspannt. Auch bei hohen Temperaturen, denn die Sitzkühlung auf dem Fahrersitz halten auch heiße Rücken und Gesäße angenehm kühl. Die Sitzlüftung wirbelt sogar stärker als bei Mercedes, wenn auch das vorderste Stück des Oberschenkels nicht mehr auf einer Perforierung mit Luftkühlung sitzt. An dieses Komfort-Feature kann man sich echt gewöhnen. Kein Kleben mehr im Sommer auf den Ledersitzen. Allgemein sind die Sitze äußerst bequem, die Sitzposition ist eher aufrecht, so dass sie für angenehmes Reisen sorgt. Rückenschmerzen sind den Sitzen des Kia Optima fremd.

Die Lenkradheizung ist ebenfalls ein Glanzstück, denn wenn man den etwas versteckten Knopf vorne links an der Lenksäule entdeckt und gedrückt hat, glüht das Lenkrad innerhalb von Sekunden und kalte Finger werden sofort warm. Gut dafür, wenn man eine wirklich kräfte Lenkradheizung möchte. Lediglich oben der Holzintarsie-Bereich ist vom Heiz-Zyklus abgekapselt.

KIA Optima Sitze mit Sitzkühlung, Foto: Autogefühl

KIA Optima Sitze mit Sitzkühlung, Foto: Autogefühl

KIA Optima Sitzkühlung Schalter, Foto: Autogefühl

KIA Optima Sitzkühlung Schalter, Foto: Autogefühl

Für sportlich ambitioniertere Limousinenfahrer wäre es grundsätzlich sinnvoll von Kia, ein Sportpaket mit härterer Federung anzubieten und das Lenkrad in dieser Version fester einzustellen, bzw. die geschwindigkeitsabhängige Einstellung so einzustellen, dass ein festeres Lenkverhalten früher erreicht ist. Spätestens dann kann der Kia Optima auch Fans anderer sportlicher Limousinenmarken in seinen Bann ziehen.

KIA Optima Alu-Pedalerie, Foto: Autogefühl

KIA Optima Alu-Pedalerie, Foto: Autogefühl

Motoren für Flottenkunden

Zweiter großer Unterschied zwischen einem Kia Optima und einer höherpreisigen Marke ist die geringere Auswahl an Motoren. Für Flottenkunden dürfte dies jedoch irrelevant sein, werden dort doch in der Regel ohnehin die sparsamen Motoren eingesetzt. Und genau eben diese Flottenkunden sind eine recht frische Zielgruppe für Kia, die der Optima nun anspricht. Der Diesel geht sogar runter bis auf 128 g/km CO2-Emissionen, was Steuervorteile bringt. Für manche ambitionierte Privatkunden wird jedoch der von uns getestete 1.7 CRDi mit 136 PS im Kia Optima nicht reichen. Im oberen Drehzahlbereich kommt er zwar richtig auf Touren, was z.B. gut für Überholmanöver auf Autobahnen ist. Doch im unteren Drehzahlbereich möchte der Diesel doch etwas mehr getreten werden. Aber für den Normalgebrauch sind die 325 Nm Drehmoment durchaus ausreichend, denn immerhin geht es in 10,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Der alternative Benziner liefert zwar 165 PS, aber nur 196 Nm, und geht in 9,8 Sek. von 0 auf 100. Eine Möglichkeit wäre dann noch der Hybrid, der einen 40-PS-Elektromotor mit einem 150 PS starken Benziner vereint und somit für mehr Power und weniger Verbrauch sorgt.

KIA Optima Innenraum, Foto: Autogefühl

KIA Optima Innenraum, Foto: Autogefühl

KIA Optima Cockpit, Foto: Autogefühl

KIA Optima Cockpit, Foto: Autogefühl

Panorama-Dach offen auch bei hohen Geschwindigkeiten

Egal wie schnell es vorwärts geht, eines kann man bei der Fahrt besonders genießen: das Panorama-Schiebedach. Der sich automatisch hochstellende Luftverwirbler vorne ist zwar nicht neu, aber irgendwie hat es Kia geschafft, dieses Schiebedach besonders effektiv zu machen. Heißt: Auch 80 oder 90 fahren macht mit diesem Schiebedach richtig Spaß, es gibt keine typischen Schiebedach-Flatter-Geräusche, die bei manch anderen hochpreisigen Limousinen schon bei 50 km/h beginnen. Feinfühlig muss man beim Sonnenrollo sein: Erst hat man das Gefühl, es öffnet und schließt automatisch mit dem Schiebedach. Doch man muss den Schalter nur ganz leicht antippen/ziehen, damit nur das Rollo geöffnet oder geschlossen wird. Einmal dran gewöhnt, dann klappt’s.

KIA Optima seitlich, Foto: Autogefühl

KIA Optima seitlich, Foto: Autogefühl

Dafür gibt es andere angenehme Features, die gut funktionieren. Wie zum Beispiel, dass der Fahrersitz beim Abschalten des Motors automatisch nach hinten fährt und beim Starten des Motors automatisch nach vorne. Das erleichtert das Ein- und Aussteigen. Etwas leichter dagegen könnten die Gänge einrasten, bei unserem manuellen Schaltgetriebe fehlt das “butterweiche” Gefühl. Aufpreis für eine Automatik wäre gut 1.000 bzw. 1.300 Euro, je nach Benziner oder Diesel. Wahrscheinlich eine lohnende Investition.

Infotainment-System

Das Infotainment-System ist einfach zu bedienen, eine Mischung aus Knöpfen und Touchscreen. Man ruft den grundsätzlichen Bereich über die Knöpfe auf, Detail-Funktionen dann per Touch. Der Slot für den USB-Stick ist direkt vorne unversteckt in der Mittelkonsole, da muss man dann nicht umständlich in der mittleren Ablage herumsuchen. Sticks und auch das iPhone über Blueetoth werden zügig erkannt, so muss es sein. Die Sprachqualität ist gefühlt sehr gut. Im Musik-Modus sorgt die Endstufe für ordentlich Wumms. Reicht sogar immer noch, wenn man die Tiefen etwas herunter regelt.

KIA Optima seitlich, Foto: Autogefühl

KIA Optima seitlich, Foto: Autogefühl

Kia Optima 1.7 CRDi MT Daten kompakt

Länge: 4,84
Breite: 1,83
Höhe: 1,45
Leergewicht: gut 1.500 kg
Kofferraum: 505 l
136 PS
0 auf 100 km/h: 10,3 Sekunden
Preis: Ab 25.000 Euro, für Top-Version mit Schnickschnack 35.000 Euro

KIA Optima Kofferraum, Foto: Autogefühl

KIA Optima Kofferraum, Foto: Autogefühl

Der Kofferraum ist wirklich riesig und wird nicht durch übermäßige Innenverkleidungen verkleinert. Gut, dafür sieht man blank die Endstufe von unten an der Decke des Kofferraums, aber man beugt sich auch nicht immer in den Kofferraum hinein. Wenn es noch mehr Ladefläche sein soll, lassen sich praktisch vom Kofferraum aus zwei Hebel betätigen, die die Sitze umklappen.

KIA Optima Innenraum, Foto: Autogefühl

KIA Optima Innenraum, Foto: Autogefühl

Eines konnten wir zum Glück nicht testen: Die speziell wasserabweisenden Seiten-Scheiben in der Top-Version Spirit. Es hat während des Tests eben nie geregnet.

Kommen wir zum Fazit:

Der Kia Optima ist richtig schick, sehr edel, bietet zahlreiche Komfortfeatures und ist selbst – oder gerade – in der höchsten Ausstattung ein Preis-/Leistungswunder. Dazu kommt das überzeugende Qualitätsversprechen, das ein Rundum-Sorglos-Paket ausmacht. Obwohl er nicht allzu sportlich ist, macht Kia Optima fahren richtig Laune. Für die ambitionierteren Fahrer wäre ein Kia Optima GT wünschenswert. Aufgrund des überzeugenden Gesamtpackages bekommt der Kia Optima eine besonders gute Wertung von uns.

Auf dem Markt in Deutschland ist das allerdings noch nicht angekommen: Inklusive Juli wurden 2013 bisher nur 417 Kia Optima neu zugelassen. Das ist für Kia mit der insgesamt beeindruckenden Neuzulassungszahl für Deutschland bis dato von 34.331 Fahrzeugen verschwindend gering. Selbst Jaguar hat viermal mehr Jaguar XF Limousinen verkauft als Kia den Optima im selben Zeitraum. Für den Kia Optima könnten die Verkaufszahlen steigen, wenn mehr Flottenkunden das Potenzial und die Wirtschaftlichkeit erkennen.

KIA Optima Felgen, Foto: Autogefühl

KIA Optima Felgen, Foto: Autogefühl

Autogefühl: ****

Text, Fotos, Video: Autogefühl, Thomas Majchrzak


3 Responses to KIA Optima Fahrbericht

  1. […] Kia Optima 2013 hatten wir hier bereits in Fahrbericht und Video. Jetzt folgt für 2014 das […]

  2. […] wird es übrigens leider vorerst nicht in Deutschland geben; hierzulande käme der kleinere Bruder Kia Optima in Vollausstattung dem noch am nächsten. Nichtsdestotrotz ist dieser Werbespot schon jetzt auf der ganzen Welt so […]

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