Volvo V60 Polestar Fahrbericht

Volvo V60 Diesel in Power Blau-Metallic, Foto: Autogefühl

Mit dem aktuellen Volvo V60 untermauert Volvo den Premium-Anspruch – und bietet einen alltagstauglichen Kompakt-Kombi, der eben das gewisse Extra hat. Edles Design und ein hochwertiger Innenraum sollen die Alternative zu Audi, BMW und Mercedes bilden. Auch zu den komplizierten Assistenzsystemen hat Volvo eine eigene Interpretation. Von Thomas Majchrzak

Für 810 Euro strahlt uns das Power Blau-Metallic an. Eine herrliche Farbe Sommer wie Winter, gerade wenn sie kontrastreich mit Ledersitzen in Beige zusammengestellt ist. Beim Volvo V60 dominieren die runden Formen, ein bewusster Gegenentwurf zu den Volvos der Vergangenheit, und jetzt ist man sogar noch runder als die Konkurrenz. Das verschafft dem Volvo V60 eine elegante Erscheinung, die eben irgendwie anders ist als der Rest.

Volvo V60 Diesel in Power Blau-Metallic, Foto: Autogefühl

Volvo V60 Diesel in Power Blau-Metallic, Foto: Autogefühl

Am Heck schöne geschwungene Linien, vorbei die Zeiten, in denen man einen Kombi nur wegen der Praktikabilität gekauft hat. Dazu kommen einige Designfeatures im Detail, wie etwa die Bi-Color-Felgen oder die optische Erweiterung der Endrohre.

Volvo V60 D5 AWD Felgen, Foto: Autogefühl

Volvo V60 D5 AWD Felgen, Foto: Autogefühl

Volvo V60 Diesel Auspuff-Styling, Foto: Autogefühl

Volvo V60 Diesel Auspuff-Styling, Foto: Autogefühl

Kein Wunder, dass sich in Deutschland vier von fünf “60er”-Volvo-Kunden für den Volvo V60 entscheiden und nur einer von fünf für den S60, die Limousine der gleichen Baureihe. Knapp 3.000 “60er” Volvo (und damit gut 2.400 Volvo V60) wurden in 2013 (bis inkl. Juli) bisher verkauft, das bedeutet markenintern Platz drei hinter dem Bestseller Volvo XC60 und dem Marken-Mini (der gar nicht mal so klein ist) Volvo V40. Der Volvo V60 basiert übrigens nicht nur auf derselben Plattform wie der Volvo S60, auch der Volvo XC60 macht seinem Namen alle Ehre.

Volvo V60 D5 AWD mit Polestar Tuning, Foto: Autogefühl

Volvo V60 D5 AWD mit Polestar Tuning, Foto: Autogefühl

Der Volvo V60 bietet ausreichend Laderaum für alle möglichen Gelegenheiten. Von manchen traditionellen Kunden wird zwar bemängelt, dass das neue Design die Innenraum-Maße einschränkt. Aber man muss sich eben entscheiden, was man möchte. Design ist wichtiger als die Nutzbarkeit bis in den letzten Winkel, wenn die emotionale Entscheidung des Autokaufs ansteht. Wir erfreuten uns jedenfalls daran, als wir umfassendes Filmequipment im Volvo V60 transportieren konnten. Die Ladefläche schluckt jedes Stativ. Kommen wir hier zu den Fakten:

Technische Daten Volvo V60 D5 AWD

Allrad
Fünfzylinder-Turbodiesel mit Direkteinspritzung
Hubraum: 2.400 cm³
Leistung: 215 PS
0 auf 100 km/h: 7,7 Sekunden
Max. Speed: 225 km/h
Kofferraumvolumen: 430 l (1.241 l mit umgeklappten Sitzen)

Länge: 4.635 mm
Breite: 1.856 mm (2.097 mm inkl. Außenspiegel)
Höhe: 1.484 mm

Angegebener kombinierter Verbrauch: 6,4 l / 100 km
Der Testverbrauch liegt bei gut 8 Litern, häufiger etwas mehr. Bei hohen Autobahngeschwindigkeiten könnte der Diesel weniger verbrauchen, da gibt es durchaus sparsamere Diesel.

Volvo V60 D5 AWD mit Polestar Tuning, Foto: Autogefühl

Volvo V60 D5 AWD mit Polestar Tuning, Foto: Autogefühl

Wir fahren eine etwas speziellere Version, und zwar leistet unser Volvo Diesel 230 PS, dank Polestar-Leistungsoptimierung. Die gibt es in Deutschland seit November 2011 für einige Modelle und Motorvarianten. Polestar Racing ist das offizielle Volvo-Racing-Team aus Göteborg, Polestar Performance der offizielle Tuner, der uns dann hier mal 0,2 Sekunden weniger für die Distanz von 0 auf 100 km/h beschert hat.

Volvo V60 Innenraum, Foto: Autogefühl

Volvo V60 Innenraum, Foto: Autogefühl

Treten wir dann mal aufs Gas. Dank des variablen Allradantriebs merken wir keinen großen Schlupf an den Vorderrädern, auch nicht, wenn man richtig kräftig aufs Pedal drückt. Bei anderen kräftigen Front-Trieblern wird die schnelle Beschleunigung sonst zum Schlingern, weil an der Vorderachse der stabile Lauf der Räder fehlt. Also bringt der Allrad-Antrieb sogar hier etwas Gutes, auch wenn man nicht gerade auf nassem Gras oder Schnee unterwegs ist. Das System funktioniert nach dem Prinzip vorne plus hinten. Standardmäßig ist der Volvo V60 also als Fronttriebler unterwegs, die Kraft kann dann bei Bedarf bis zu 50:50 vorne/hinten verteilt werden.

Volvo V60 Interieur Bedienelemente, Foto: Autogefühl

Volvo V60 Interieur Bedienelemente, Foto: Autogefühl

Der 230-PS-Diesel hat Kraft zu jeder Gelegenheit – und es tritt auch kein Diesel-Loch auf, d.h. wir fallen beim Beschleunigen nicht kurz in ein Drehmoment-Loch, der Volvo Diesel zieht sofort an und schaltet auch schön weich weiter hoch.

Volvo V60 Sportsitze, Foto: Autogefühl

Volvo V60 Sportsitze, Foto: Autogefühl

Den größten Kontakt mit dem Fahrzeug hat der Fahrer stets mit den Sitzen, zumindest die größte Auflagefläche. Daher sind gute Sitze auch so wichtig – schließlich machen sie damit einen Großteil des Autogefühls aus.

Beim Volvo V60 haben wir hier die Sportsitze für 2.150 Euro Aufpreis. Gut, man kann in der Regel nicht alle Extras nehmen und den Preis des Wagens verdoppeln – aber dieses Extra lohnt sich. Diese Sitze gehören vom Komfortgefühl zu den besten auf dem Markt. Es handelt sich um ein weiches, nicht perforiertes Leder mit dezent sportlichen seitlichen Wangen – gerade so richtig, dass sie guten Seitenhalt bieten, aber nicht zu sehr einengen. Einmal reinsetzen – und man könnte einfach so auf dem Parkplatz sitzen bleiben und die Sitze genießen.

Volvo V60 Kopfstützen, Foto: Autogefühl

Volvo V60 Kopfstützen, Foto: Autogefühl

Einen weiteren Anteil am Komfort haben die Kopfstützen – deren Form nun schon ein Erkennungsmerkmal eines Volvo ist. Diese edle geschwungene Form verleiht den Fahrzeugen auch innen einen eigenen Charakter. Und nebenbei sorgt sie noch dafür, dass die Kopfstütze nicht weit vom Kopf entfernt ist und man sich auch mal während der Fahrt angenehm und weich anlehnen kann.

Volvo V60 Fond, Foto: Autogefühl

Volvo V60 Fond, Foto: Autogefühl

Auch im Fond ist für Komfort gesorgt, wobei man sich natürlich bewusst sein sollte, dass wenn vorne jeweils zwei große Menschen sitzen und den Sitz hinten haben, im Fond nicht mehr allzu viel Platz für die Beine bleibt. Dafür ist das Auto schließlich auch nur weniger als 4,7 m lang. Hier ist also mehr der Fokus auf den praktischen Kofferraum und die kompakten Abmessungen, anstatt dass man täglich mit vier Erwachsenen fährt. Ist natürlich möglich, dann muss man aber eben vorne auf ein bisschen Beinfreiheit verzichten.

Volvo V60 Kofferraum, Foto: Autogefühl

Volvo V60 Kofferraum, Foto: Autogefühl

Auch das Innenraum-Design im Bereich des Cockpits sticht hervor. Wenige, klare geschwungene Formen, alles wirkt sehr clean und aufgeräumt. Gerade die Mittelkonsole unterstreicht den Premium-Anspruch – und macht irgendwie mehr Laune als bei den deutschen Mitbewerbern, weil es irgendwie anders und individueller ist. Die Premium-Konkurrenten sind übrigens Audi A4 Avant, BMW 3er Touring und Mercedes C-Klasse T-Modell.

Volvo V60 Innenraum, Foto: Autogefühl

Volvo V60 Innenraum, Foto: Autogefühl

An das Lenkrad muss man sich etwas gewöhnen, denn man spürt die ringförmige Einkerbung an der Vorderseite des Lenkrads. Das sieht toll aus, ist aber für den Griffkomfort nicht optimal. Merkt man aber kaum noch, wenn man ein paar Minuten gefahren ist. Was man viel stärker merkt, ist das Adaptive Fahrwerk (Aufpreis 1.250 Euro), das tatsächlich auch mal einen Unterschied macht, wenn man unterschiedliche Modi anwählt. Bei kaum einem Hersteller spürt man die Einstellung, im Volvo V60 merkt man dagegen sofort, ob man auf Komfort oder Sport steht. Komfort für die langen Autobahnfahrten oder die Stadt-Touren über Buckelpisten, Sport dann für das schnelle Kurven auf Landstraßen oder wenn es auf der Autobahn stabiler und schnell durch lang gezogene Kurven gehen soll.

Volvo V60 Interieur Bedienelemente, Foto: Autogefühl

Volvo V60 Interieur Bedienelemente, Foto: Autogefühl

Spitzenversionen mit Diesel, Diesel-Hybrid und Benziner

Preislich geht es beim Volvo V60 los mit dem 150-PS-Benziner für 29.750 Euro. Die von uns getestete Spitzen-Diesel-Version Volvo V60 D5 AWD mit 215 PS beginnt bei 39.250 Euro. Daneben gibt es noch den Diesel-Hybrid mit gleicher PS-Zahl, aber mit 19.400 Euro Aufpreis. Und kraftvoller geht es nur mit einem Benziner, hier markiert der T6 AWD mit 304 PS für 50.400 Euro die Spitze. Was lernen wir daraus? Der Hybrid ist beim Punkt Preis/Leistung einfach zu teuer. Und der Benziner ist für Menschen, die auf den Verbrauch achten müssen und auch keine Überleistung brauchen, nicht realistisch. Der Volvo V60 D5 AWD ist also die Variante, bei der man richtig gute Diesel-Power erhält, aber gleichzeitig einen noch akzeptablen Verbrauch und noch einen preiswerten Einstiegspreis hat. Die vernünftigste kraftvolle Wahl, um es zusammenzufassen.

Bei den Ausstattungslinien gibt es Volvo-typisch die Varianten Basis, Kinetic, Momentum und Summum, teilweise noch zu toppen mit dem Paket R-Design. 1.350 bis 8.580 Euro fallen dann für die Ausstattungspakete an. Die Top-Ausstattung hat zum Beispiel als plus zur Basis die automatisch ein- und ausklappbaren Außenspiegel, im Außenspiegel integrierte Blinkleuchten, einen Regensensor, beheizte Scheinwerferwaschdüsen, ein Performance Audiopaket mit USB-Schnittstelle, eine beheizte Frontscheibe, eine Mittel-Armlehne, Sitzheizung sowie einige Design-Finessen außen und innen. Soweit was alles möglich ist, die Optionen sind natürlich auch jeweils einzeln anwählbar, z.B. eine Basis-Ausstattung aber mit Sitzheizung (350 Euro Aufpreis). Lenkradheizung gibt’s übrigens für 250 Euro Aufpreis. Toll für den Winter.

Viele Assistenzsysteme mit Aufpreis möglich

Neben netten technischen Features, die man sonst nur etwa in einem Mercedes CLS hat – etwa das Abklappen der hinteren Kopfstützen auf Knopfdruck zur besseren Sicht – bietet Volvo eine Vielzahl an Assistenzsystemen. Damit wollen sich die Schweden am Premium-Wettbewerb messen, gerade Mercedes bietet in diesem Feld einiges an.

Serienmäßig bietet der Volvo V60 das City Safety System – was bis zu einer Geschwindigkeit von 31 km/h automatisch eine Vollbremsung einleitet, wenn man mal nicht so aufmerksam ist.

Ferner gibt es einen Spurhalteassistenten: Er beschwert sich mit einem “Düdelüd”, wenn man etwa auf die Mittelmarkierungen auf der Autobahn fährt – kann beim Sekundenschlaf passieren, und dann ist man bestenfalls wieder wachgerüttelt, bevor Schlimmeres passiert.

Volvo V60 Tempomat mit Geschwindigkeitsregelung, Foto: Autogefühl

Volvo V60 Tempomat mit Geschwindigkeitsregelung, Foto: Autogefühl

Dann wäre da der Tempomat mit automatischer Brems- und Beschleunigungsfunktion. Er erkennt vorausfahrende Fahrzeuge und bremst (wenn aktiviert) den Volvo automatisch herunter, so dass der Abstand gehalten wird. Den gewünschten Abstand kann man in einigen Stufen einstellen.

Und zu guter Letzt ergänzt eine rote Warnleuchte das Programm, die vorne unten an der Scheibe erscheint – durch eine Spiegelung von kleinen roten Lämpchen unsichtbar versteckt. Die Lämpchen warnen optisch und manchmal auch akustisch vor drohenden Gefahren. Das funktioniert und rüttelt richtig wach – geht aber manchmal dafür auch fehlerhaft an und man weiß dann nicht, wieso. Wenn man darauf aber vorbereitet ist, erschrickt man nicht mehr.

Insgesamt kann man sagen: Die Systeme funktionieren gut, wenn auch die von Mercedes einen Tick ausgereifter erscheinen. Bei der Wahl der Sonderausstattung kann man im Volvo V60 sicher auf das ein oder andere Extra verzichten. Und das ist auch der Knackpunkt. Mit vielen Extras wird der Volvo V60 doch zu teuer, daher sollte man sich gut überlegen, was man wirklich benötigt.

Allgemein stellt er eine gute Alternative zu den deutschen Premium-Herstellern dar, wenn man ein wenig mehr Individualität und edlen geschwungenen Stil möchte.

Autogefühl: ***

Text & Fotos: Autogefühl, Thomas Majchrzak


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