Die teuersten Autos der Welt

Maserati 250 S von 1957, Foto: RM Auctions

Die teuersten Autos der Welt sind natürlich keine aktuellen Schlitten, sondern historische Klassiker, von denen es nur noch einzelne oder ganz streng limitierte Exemplare gibt. Der Maserati, der hier im Titelbild zu sehen ist, wurde für 2,5 Millionen Euro ersteigert. Aber es geht noch mehr: Im Rahmen des Goodwood Revival Meetings ist am letzten Wochenende bei einer Auktion von Bonhams ein neuer Rekord für einen Alfa Romeo erzielt worden: Ein Tipo 8C-35 Grand-Prix-Monoposto Baujahr 1935, unter anderem gesteuert vom legendären Tazio Nuvolari, ging für $ 9.321.875 (umgerechnet knapp sieben Million Euro) unter den Hammer. Von Thomas Imhof

Damit wurde der bisherige Rekord – 2010 erbrachte ein 1933 Alfa Romeo Monza 2300 Achtzylinder in Pebble Beach $ 6.710.000 (etwas über fünf Million Euro) – deutlich übertroffen. Der Vorkriegs-Monoposto – auch bekannt unter dem Namen „Tipo C“ – wurde 1935 vom berühmten Konstrukteur Vittorio Jano entwickelt, um gegen die Kompressor-Mercedes und die V16-befeuerten Auto Union Rennwagen mithalten zu können. Der von der Scuderia Ferrari als Alfa-Werksteam eingesetzte Wagen mit Chassisnummer „50013“ brachte es dank seines per Kompressor aufgeladenen Reihenachtzylinders auf 330 PS bei 5.500/mim.

Alfa Romeo Tipo 8C-35 Grand-Prix-Monoposto von 1935, Foto: Bonhams

Alfa Romeo Tipo 8C-35 Grand-Prix-Monoposto von 1935, Foto: Bonhams

Nach dem Vorbild der deutschen Konkurrenz erhielt der rote Einsitzer vorn wie hinten Einzelradaufhängungen und eine strömungsgünstigere Form. Der Motor (Bohrung 78, Hub 100 mm) war die auf 3,8 Liter aufgeborte und finale Entwicklungsstufe eines bereits im Monza und Tipo B einsetzten Triebwerks. 1936 setzte Alfa dann – mit leider ähnlich bescheidenen Ergebnissen – den Zwölfzylinder-Typ 12C-36 ein. Obwohl es keine endgültigen Beweise gibt, soll Nuvolari (der „fliegende Mantuaner“) auf dem nun versteigerten 8C 1936 zusammen mit Carlo Pintacuda die Coppa Ciano bei Livorno gewonnen haben. Sein eigener Wagen, ein 12 C-36, war gleich nach dem Start mit Hinterachsbruch liegengeblieben, woraufhin er nach drei Runden in das von Pintacuda gefahrene Auto wechselte. In der Folge fuhr der kleine Italiener dann eines seiner größten Rennen und sicherte Alfa Romeo nach dem Ausfall des führenden Varzi (Auto Union, Bremsprobleme) einen Dreifach-Sieg. Der viertplatzierte Auto Union von Stuck/Rosemeyer lag im Ziel drei Minuten zurück.

Alfa Romeo Tipo 8C-35 Grand-Prix-Monoposto von 1935, Foto: Bonhams

Alfa Romeo Tipo 8C-35 Grand-Prix-Monoposto von 1935, Foto: Bonhams

Ferrari verkaufte den 8C-35 im September 1936 an den Schweizer Privatfahrer Hans Rüesch. Nur einen Monat später gewann der 23 Jahre alte Züricher zusammen mit dem späteren Mercedes-Werksfahrer „Dick“ Seaman damit den Donington Grand Prix. Zuvor war er beim berühmten Bergrennen Shelsley Walsh Zweiter geworden. Ruesch setzte den Alfa Romeo 8C-35 in Südafrika, Belgien, Finnland, Rumänien sowie in Brooklands und Crystal Palace bei London ein, ehe er ihn 1939 an den Engländer Robert Arbuthnot verkaufte.

Während des Zweiten Weltkriegs verkaufte dieser Chassis „50013“ an den Sammler Reg Parnell, der den Alfa wiederum 1946 an Dennis Poore, dem Chef der Norton-AJS-Villiers-Motorradfirma, veräußerte. Poore gewann 1947 das erste britische Nachkriegsrennen auf dem Gransden Lodge Aerodrome. Im September 1948 nahm er am Goodwood Motor Race teil und holte im gleichen Jahr die britische Bergmeisterschaft. Noch bis 1955 dauerte die aktive Karriere des Vorkriegs-Heroen, ehe er in einen mehr als zwei Jahrzehnte langen Dornröschenschlaf verfiel. Nach dem Tod von Dennis Poore 1987 wurde der Alfa dann bei einer Auktion in Monaco für $ 2.850.000 versteigert und in der Folge wieder in einen Topzustand versetzt.

Das Ergebnis für den Alfa wird nur noch von jenen $ 29.496.308 übertroffen, die Bonhams beim diesjährigen Festival of Speed für einen Ex-Fangio Mercedes W196-Silberpfeil der Jahre 1954/55 erzielte. Damit hält das Auktions-Haus nun Verkaufsrekorde für elf Marken: Alfa Romeo ($ 9.321.875,) Aston Martin ($4,939,193), Bentley ($7,867,190), Jaguar ($ 4.957.000), Lagonda ($ 2.091.275), Lotus ($ 998.524), Maserati ($ 6.069.605), Mercedes-Benz ($ 29.496.308), Rolls-Royce ($ 7.342.867) und Talbot-Lago ($ 4.847.000.)

Neuer Weltrekord auch für einen straßenzugelassenen und serienmäßigen Jaguar E-TYPE: Ein seit 1963 im Erstbesitz einer Familie befindlicher 3,8 Serie 1 „Flat floor“ Roadster Baujahr 1961 erzielte am letzten Wochenene einen Erlös von $354.035.

Ein Lamborghini Miura SV aus dem Erstbesitz von Rock-Ikone Rod Stewart – nur einer von sieben mit Rechtslenkung, kam für stolze $ 1.444.243 unter den Hammer. Das Coupé wurde als 701. von insgesamt 765 gefertigten Miura am 31. Mai 1972 an den schottischen Barden ausgeliefert.

Obwohl restaurationsbedürftig, erbrachte ein 61er Ferrari 250 GT Serie II Cabriolet mit Karosserie von Pininfarina $ 1.110.147. Es befand sich seit 40 Jahren im Besitz ein und derselben Familie.

Maserati 250 S von 1957, Foto: RM Auctions

Maserati 250 S von 1957, Foto: RM Auctions

Derweil ließ auch RM Auctions bei seiner zweitägigen Auktion im Londoner Battersea Park den Rubel rollen. Von 134 Offerten fanden am Ende 121 eine neue Garage, womit die Veranstalter ein Gesamtspielergebnis von $ 33,8 Millionen einstrichen. Den Vogel schoss ein 1957er Maserati 250 S aus der Laidlaw Competition Car Collection ab. Chassis 2432 (ein Ex-Carroll Shelby/Jim Hall-Auto) ist der einzige 250 S, der im Neuzustand mit einem 2,5 Liter Motor ausgerüstet wurde. Er gilt als bestes erhaltenes Exemplar seines Typs und ging nach Ansicht der Experten völlig zurecht für $3,340,960 unter den Hammer. Ein weiteres Prunkstück aus der Laidlaw Collection, ein Porsche 904/6 Carrera GTS Baujahr 1965, erbrachte stolze $1,934,240.

Bester unter den vielen Ferraris war ein 1967er 275 GTB/4 – $ 2.584.848 bedeuteten einen neuen Weltrekord für dieses Modell bei einer Auktion.

Viele Augen ruhten auch auf dem berühmten Lotus Esprit “Submarine Car” aus dem 007-Streifen „Der Spion, der mich liebte”. Am Ende sicherte sich ein anonymer Telefonanbieter für $ 967.120 dieses einmalige Dokument der Filmgeschichte.

Am ersten Tag der RM-Veranstaltung stand die ‘Ultimate Mercedes-Benz Collection’ im Mittelpunkt. Gleich 74 Preziosen mit dem Stern am Grill standen zum Verkauf. Am Ende erzielte das 1938er 540 K Cabriolet B mit $1,287,400 das Top-Ergebnis, knapp gefolgt von einem 1932er 15/75 HP Mannheim 370 S Sport Roadster mit $ 1.208.900. Dass auch der berühmte 300 SL Flügeltürer weiter hohe Wertstabilität besitzt, bewiesen die $ 1.160.544 für ein feines Exemplar des Baujahrs 1956. Ein 300 SL Roadster Baujahr 1961 musste sich mit $ 1.125.376 aber kaum hinter der Coupé-Variante verstecken.

Text: Autogefühl, Thomas Imhof
Fotos: Auktionshäuser


One Response to Die teuersten Autos der Welt

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