Erfolg von SUVs – bald auch mit Bentley und Lamborghini

Jaguar C-X17 crossover concept, Foto: Autogefühl

Für Ökos sind die sie die Feindbilder schlechthin: SUVs gelten als Spritfresser, Platzverschwender und Protzkarren. Doch weltweit finden immer mehr Kunden Gefallen an der erhöhten Sitzposition und dem Trutzburg-Gefühl der Hochsitz-Modelle. Nun grassiert das SUV-Fieber sogar in Luxusgefilden: Von Maserati, Jaguar und Bentley bis zu Rolls-Royce und Lamborghini ist nichts mehr Tabu. Von Thomas Imhof

Es war mehr als nur eine tektonische Verwerfung im festgefügten Sockel der Sportwagenmarke Porsche. Als der damalige Firmenchef Wendelin Wiedeking 2002 erste Bilder des neuen Cayenne präsentierte, ging ein kollektiver Aufschrei durchs Fanlager. Das Brutalo-Design und das Offroad-artige Konzept passe nicht zum auf Leichtbau und maximale Dynamik gründenden Image der Marke.

Porsche Cayenne als Erfolgsbeispiel

Porsche Cayenne, Foto: Porsche

Porsche Cayenne, Foto: Porsche

Zehn Jahre später sind die Kritiker von damals längst verstummt: Nicht nur sieht der Cayenne in zweiter Generation optisch weitaus sozialverträglicher aus – nein, er macht inzwischen auch über 50 Prozent des weltweit verkauften Absatzes der Zuffenhausener aus. In den zehn Jahren seit der Markteinführung wurde die damals dritte Porsche-Baureihe rund 430.000 Mal verkauft. Das aktuelle Modell ist leichter und deutlich sparsamer als sein Vorgänger, eine Hybridversion fürs grüne Gewissen gehört längst zum breitgespreizten Portfolio, das im 550 PS starken turbo S gipfelt. 2014 wird – analog zur Limousine Panamera – eine Plug-in-Ausführung die Ökobilanz weiter aufhübschen. Der Erfolg von SUVs ist bei Porsche ganz klar ersichtlich.

Höherer Verbrauch vs. mehr Platz

Der Porsche Cayenne war je nach Blickwinkel Brandbeschleuniger oder Inspirationsquelle für zahlreiche, vom regen Kundenzuspruch zur Aktivität getriebene Nachahmer. Die fraglosen Nachteile der SUVsschlechtere Aerodynamik, höheres Gewicht und höherer Verbrauch – werden seitdem weltweit scheinbar immer klagloser in Kauf genommen. Erhalten Autofahrer doch im Gegenzug mehr Platz, mehr Variabilität und in der Regel jene erhabene Sitzposition, die den Autos den Nimbus der Unzerstörbarkeit verschafft. SUVs taugen zum Großeinkauf, zum Transport von Sportgeräten oder die große Tour besser als Limousinen oder selbst Kombis. Und der Protzfaktor ist in Städten wie Moskau, Dubai oder Peking auch nicht zu vernachlässigen. Zudem sind die Restwerte für Gebrauchte laut Analysten höher.

Gegen den Markt-Trend

Die meistverkauften SUV in Deutschland, Fotos: Hersteller

Die meistverkauften SUV in Deutschland, Fotos: Hersteller

Ein anschauliches Beispiel für die Beliebtheit der SUVs liefert bereits Deutschland: Während Europas größter Automarkt 2012 insgesamt schrumpfte, legte das Geländewagensegment um nahezu ein Fünftel zu. Fast jedes sechste hierzulande neu zugelassene Auto war 2012 bereits ein SUV. Bis 2015 rechnen die Automobilexperten von PricewaterhouseCoopers mit einem Plus von weltweit 50 Prozent – im Vergleich zu nur einem Drittel Wachstum bei Pkw und leichten Nutzfahrzeugen.

Zuerst beliebt bei soccer mums

Wie sich aber auch die Zeiten ändern. Was in den 90er Jahren in den USA in Form kastenförmiger, meist von Pick-up-Trucks abgeleiteten Modellen wie dem Ford Explorer begann, gibt sich heute deutlich gefälliger und variantenreicher. Die ersten SUVs waren vor allem bei „soccer mums“ beliebt – Mütter, die ihre Kids den ganzen Tag von einem Schul- und Sportverein-Termin zum nächsten kutschierten. Bis heute sind SUVs bei Damen beliebt – gelten aber generell – und vor allem in höheren Einkommensschichten – fast schon als „must have“. Ein schlechtes Gewissen plagt die Kunden kaum, sorgen doch verstärkter Leichtbau, sparsame Diesel und neue Hybridantriebe dafür, dass die immer strengeren Abgasgesetze der Spezies nicht den Garaus machen.

Hersteller weiten ihre SUV-Modellpalette aus

Audi RS Q3 mit Allrad-Antrieb, Foto: Audi

Audi RS Q3 mit Allrad-Antrieb, Foto: Audi

Daher gehen Analysten von einem weiteren gesunden Wachstum aus, ist doch das SUV-Fieber inzwischen ein weltweites und alle Fahrzeugklassen durchziehendes Phänomen. Das fängt im Kompakt-Wagensegment an und setzt sich durch alle Segmente bis nach ganz oben fort. Die schon jetzt erfolgreichen SUV-Anbieter füllen fleißig letzte Lücken – wie aktuell Mercedes mit dem von der A-Klasse abgeleiteten Mercedes GLA. Porsche präsentiert im November auf der L.A. Auto Show den Baby-Cayenne Porsche Macan, BMW ergänzt 2014 mit dem coupéartigen BMW X4 seine dann fünfteilige X-Baureihe. Und Audi plant bis 2020 eine Verdoppelung seiner Q-Platte von heute drei auf sechs. Audi-Chef Rupert Stadler erwartet, dass bis dahin jedes dritte weltweit verkaufte Neufahrzeug ein SUV sein wird. Verkaufte Porsche 2012 rund 120.000 Autos, soll allein der Porsche Macan möglichst bald über 50.000 Kunden pro Jahr finden.

Auch Luxusmarken steigen ein

Das in der Golf-Klasse vom Volkswagen-Konzern bis zur Perfektion entwickelte Baukastensystem macht es möglich, dass künftig mit Bentley und Lamborghini auch zwei Luxusmarken des VW-Konzerns am SUV-Boom teilhaben können. „Solch exotische Produkte sind aber nur dann machbar, wenn sie sich an wesentlich größere Konzern-Plattformen wie die Q7/Cayenne-Zwillinge im VW-Konzern anlehnen können“, sagt Christoph Stürmer von IHS Automotive in Frankfurt.

Bentley SUV Studie EXP 9 F, Foto: Bentley

Bentley SUV Studie EXP 9 F, Foto: Bentley

Genau das tun denn auch der Bentley Falcon (ab 2016) und der etwas später startbereite Lamborghini Urus. Sie übernehmen Teile der auch für VW Touareg, Porsche Cayenne und Audi Q7 genutzten MLB Evo-Plattform. Ein konsequent auf Leichtbau getrimmter modularer Längsbaukasten. Bentley ließ auf dem Genfer Salon 2012 mit der Studie Bentley EXP 9 F schon mal einen ersten Versuchsballon steigen – erntete aber mehrheitlich hämische Kommentare. „Zurück ans Zeichenbrett“, hieß es daraufhin für die Designer. Mit hübscherer Frontpartie, besser proportioniertem Heck und einer coupéartigeren Dachlinie soll das Modell nun 2016 im eigens für 930 Millionen Euro umgebauten Stammwerk Crewe vom Band laufen. Zu Preisen ab 180.000 Euro und in drei Versionen: Als Fünfsitzer, Viersitzer (mit vier Einzelsitzen) und Siebensitzer.

Bentley erhebt den Anspruch, den teuersten und stärksten SUV aller Zeiten zu bringen –daher ist als Topmotorisierung ein Zwölfzylinder mit 6,0 Litern Hubraum fest eingeplant. Läuft alles nach Plan, könnte der „Falke“ den Bentley-Absatz bis 2018 auf jährlich 18.000 Einheiten erhöhen. Und auf dem Weg dahin Konkurrenten wie den Porsche Cayenne Turbo S (151.700 Euro), Mercedes-Benz GL63 AMG (131.300 Euro) und Range Rover 5.8 V8 (113.600 Euro) düpieren.

„Grundsätzlich werden die Volumen dieser Fahrzeuge vergleichsweise klein bleiben: Bentley hofft auf 3.000 bis 5.000 Fahrzeuge im Jahr, Lamborghini würde schon mit 2.000 Fahrzeugen sein Volumen verdoppeln“, dämpft Analyst Stürmer aber zu hohe Erwartungen.

Lamborghini Urus, Foto: Lamborghini

Lamborghini Urus, Foto: Lamborghini

Stichwort Lamborghini: 2012 sorgten die Italiener ausgerechnet in Peking mit der Studie Urus für mächtig Furore. Schon das Gerückt einer möglichen Serienversion löste in SUV-affinen Kreisen von Moskau bis Monte Carlo und Dubai bis Dallas Hochspannung aus. Und nach einigem Zögern gab Lamborghini dann passend zum 50. Firmenjubiläum der Stiermarke das Grüne Licht. Zu erwarten steht (ab 2016/ 17) die bis dato radikalste Inkarnation eines SUV. Der Designer der Studie, Filippo Perini, lässt keine Zweifel: „Wir wollen den Lamborghini unter den SUVs entwickeln, das extremste Auto, das überhaupt auf der Straße herumfährt.“ In der Tat hat der nach einer weiteren Stierkampfrasse benannte Lambo nichts mehr mit dem ursprünglichen Allrad- oder Offroad-Gedanken zu tun. Vielmehr soll der zweite Lamborghini-SUV nach dem glücklosen LM 002 (1986-93) mit mindestens 600 PS und dem verstärkten Einsatz von Kohlefaser anstelle von Aluminium und Stahl seine Rolle als Terminator klar herausstellen.

Concept Cars oder Serie?

Jaguar C-X17 crossover concept, Foto: Autogefühl

Jaguar C-X17 crossover concept, Foto: Autogefühl

Keine Design-DNA scheint mehr sakrosankt zu sein, wenn es um das lukrative Geschäft mit Luxus-SUV geht. Beispiel Jaguar: Was vor Jahren noch undenkbar schien, zeigten die Briten auf der IAA. Den C-X17, ein in der typischen Jaguar-Designsprache geformter Crossover, der sich optisch deutlich von den Land Rover-Konzernbrüdern absetzt. Noch hat Jaguar eine Serienproduktion nicht bestätigt, doch würde ein „No“ angesichts der überwiegend positiven Messe-Resonanz schon verwundern. Zumal das Auto Teil einer komplett neuen Modellfamilie wäre, die ab Ende 2015 mit Aluminium-Karosserie, neuen Vierzylinder-Motoren und Allradantrieb an den Start geht. Los geht es mit einer Limousine im Format des 3er BMW, danach könnte der intern als Q-TYPE oder QX bekannte Crossover folgen.

Maserati Levante, Foto: Maserati

Maserati Levante, Foto: Maserati

Während Jaguar die Kundschaft also noch ein wenig zappeln lässt, hat die zum Fiat-Konzern gehörende Sportwagenmarke Maserati unter ihrem deutschen Chef Harald Wester schon Nägel mit Köpfen gemacht. Der Maserati Levante – benannt nach einem warmen Wind der Stärke 3-5 – läuft ab 2015 von den Bändern des traditionsreichen Turiner Fiat-Werkes Mirafiori. Mit Stückzahlen von 20.000 Einheiten aufwärts soll er einen warmen Geldregen in die Kassen spülen und das Gesamtvolumen der Marke mit dem Dreizack auf 50.000 Stück pro Jahr hieven. Erfreulich, dass der Maserati wohl nur unsichtbare Komponenten vom Konzernbruder Jeep Grand Cherokee übernehmen muss. Ansonsten erhält er seine eigene ZF-Achtgangautomatik, den Q4-Allradantrieb von Magna Steyr (entspricht dem xdrive von BMW) und einen mit viel edlem Leder ausgeschlagenen Italo-Innenraum. Das Außendesign lehnt sich an die 2011 erstmals gezeigte Studie Kubang an, soll aber vor allem am Heck nochmal deutlich nachgeschärft werden.

Auch ein SUV von Rolls-Royce?

Zwei weitere Luxus-SUV-Projekte gedeihen – neben Bentley und Jaguar – darüber hinaus noch in England. Auf der am Wochenende zu Ende gehenden IAA bestätigte Rolls-Royce-Chef Torsten Müller-Ötvös Gedankenspiele in diese Richtung. „Das Segment ist auch während der letzten Wirtschaftskrise sehr stabil geblieben, da scheint sich eine spezielle Luxusnische zu entwickeln.“ Noch sei es zu früh für eine Entscheidung, sagt der einst für die Einführung des Mini zuständige langjährige BMW-Produktstratege. Jetzt sei erst einmal das Designteam um Chef Giles Taylor damit beauftragt, Vorschläge für einen möglichen SUV aus Goodwood zu unterbreiten. Mit einem Preis von mindestens 250.000 Euro würde ein solcher Rolls die Spitze des SUV-Segments einnehmen. Auch bei ihm kämen wesentliche Komponenten aus einer Baukasten-Matrix zum Zuge, konkret von der ab 2018 erwarteten neuen X5-Generation. In der Variante mit langem Radstand könnte sie als Plattformspender für einen möglichen X7 (mit drei Sitzreihen) und eben den ultra-elitären Rolls-Royce dienen. Das typische Konzept mit gegenläufig öffnenden Fondtüren wäre ebenso fest im Lastenheft verankert wie eine forcierte Leichtbau-Struktur, Luftfederung und Motoren mit zwölf und acht Zylindern – auch in Kombination mit Hybridantrieb.

Aston Martin und Bugatti SUV?

Dank der vor kurzem verkündeten technischen Kooperation mit AMG Mercedes ist selbst ein SUV von Aston Martin mittlerweile kein Hirngespinst mehr. Als Basis käme eine für 2016 geplante Coupé-Version des riesigen Mercedes GL infrage. Bis Ende des Jahres soll die Entscheidung fallen, ob das in der Preisregion um 175.000 Euro angesiedelte Modell eine Chance hat. Bleibt nur zu hoffen, dass ein solcher Aston Martin weniger martialisch aussehen möge wie die 2009 in Genf gezeigte Lagonda-Studie…

Neben Bugatti zeigt sich damit nur noch ein Luxuswagenhersteller immun gegen das grassierende SUV-Virus: Ferrari. Präsident Luca di Montezemolo stellte klar, dass es – zumindest mit ihm – weder einen SUV noch einen Viertürer gäbe. Begründung: „Bei einem SUV geht es nicht um Leistung und Fahrspaß, aber gerade für diese Attribute steht Ferrari.“ Mal sehen, wie viel dieses Gelübde am Ende wert ist.

Text: Autogefühl, Thomas Imhof
Fotos: Hersteller / Autogefühl (Jaguar C-X17)


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