Formula E: Zehn Rennen auf vier Kontinenten

Formula E Einheitsauto für die 1. Saison, Foto: Formula E

Langsam steigt die Spannung: Formula E Holdings, Promoter der neuen Formel E für elektrisch angetriebene Monoposti, hat einen ersten, noch provisorischen Kalender für das Debütjahr veröffentlicht. Danach gebührt Peking die Ehre des Eröffnungsrennens, während die über die Jahreswende 2014/15 gezogene Saison mit drei Europarennen in Monte Carlo, Berlin und London endet. Von Thomas Imhof

Mit zehn Rennen auf vier Kontinenten soll das 20 Wagen starke Feld der neuen FIA Formula E Championship ab dem 20. September 2014 weltweit Fans mit einer neuen, deutlich „grüneren“ Form von Motorsport elektrisieren. Nach der Vorstellung des endgültigen Sportgeräts auf der IAA werden nun auch immer mehr Details zum Format und Konzept der neuen Serie bekannt.

Startschuss in Peking – Finale in London

Der noch provisorische Kalender für die erste Saison wurde auf dem jüngsten World Motor Sport Council der FIA in Dubrovnik veröffentlicht und umfasst eine Zeitspanne zwischen September 2014 und Juni 2015. Danach wird nun doch Peking (statt London) als Austragungsort des ersten Rennens für elektrische Einsitzer in die Geschichtsbücher eingehen. Dafür erhielt die britische Metropole den Zuschlag für das Finalrennen.

Formula E Einheitsauto für die 1. Saison, Foto: Formula E

Formula E Einheitsauto für die 1. Saison, Foto: Formula E

Gegenüber der im März veröffentlichen ersten Kandidatenliste sind drei neue Locations dazugekommen: Das malerische Seebad Punte del Este an der Atlantikküste Uruguays, der weltberühmte Hafen von Monte Carlo und mit Hongkong eines der weltweit führenden Finanzcenter. Sie ersetzen (vorerst) Rom, Rio de Janeiro und Bangkok, die jedoch – ein Erfolg der Serie vorausgesetzt – noch später zum Zuge kommen sollen. Vor allem die Absage von Rom erstaunt, lief doch ein Großteil der seit dem letzten Jahr durchgeführten Promotion-Aktivitäten (samt spektakulärer Fotos vor dem Colosseum) in der „Ewigen Stadt“.

Nach dem Auftakt in Peking bleiben die zehn Teams mit zusammen 20 Fahren für die beiden folgenden Rennen in Asien. Am 18. Oktober geht die Formel E in Putrajaya, der als neues Verwaltungszentrum Malaysias 1995 gegründeten Planstadt, „ans Netz”; drei Wochen später steht die ehemalige britische Kronkolonie Hongkong auf der Agenda. Von dort geht es nach Südamerika, wo das Jahr 2015 nach dem Lauf in Uruguay am 10. Januar in Buenos Aires eingeläutet wird. Anschließend zieht der Elektro-Tross weiter nach Nordamerika – zu Läufe in Kalifornien (L.A.) und Florida (Miami).

Deutscher E-Grand Prix in Berlin-Tempelhof am 30. Mai 2015

Für die letzten drei Rennen geht es dann in den europäischen Frühling. Das deutsche Rennen auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof in Berlin wurde auf den 30. Mai 2015 terminiert; das Finale in London steigt am 27. Juni 2015. Besonders spektakulär verspricht das Rennen in Monte Carlo (9. Mai 2015) zu werden. Wobei sich drei entscheidende Fragen stellen: Nutzt die Formel E den identischen, schon seit den 1930er Jahren weltberühmten Kurs der Formel 1 (vorbei am Casino, Hotel de Paris und durch den Tunnel hinunter zum Hafen) oder eine in irgendeiner Form abgewandelte Piste? Läuft das Rennen am gleichen Wochenende wie der Zirkus von Bernie Ecclestone, der traditionell auch immer im Mai im Fürstentum gastiert? Oder – was wahrscheinlicher ist – laufen beide Attraktionen mit einem zeitlichen Abstand von zum Beispiel einer Woche?

Formula E Einheitsauto für die 1. Saison, Foto: Formula E

Formula E Einheitsauto für die 1. Saison, Foto: Formula E

Weltweit bewarben sich über 25 Städte für ein Formula E Rennen

Alejandro Agag, CEO der Formula E Holdings, sagte zum jetzt veröffentlichten Kalender: „Seit wir die Formel E 2012 aus der Taufe gehoben haben, erhielten wir Bewerbungen von weltweit über 25 Städten – entsprechend schwierig war die Auswahl für die zehn Rennen der Eröffnungssaison. Die jetzt beschlossenen Locations sehen uns im Zentrum einiger der weltweit bekanntesten Städte, vor einer spektakulären Kulisse und in einem für Elektroautos natürlichen Umfeld. Wir werden uns nun auf das finale Design der einzelnen Stadtkurse konzentrieren und zusammen mit unseren Partner sicherstellen, dass jedes Rennen so nachhaltig wie möglich über die Bühne geht.“

Der spanische Ex-Politiker weiter: „Dass wir ein Jahr vor dem Startschuss schon so konkret planen können, zeugt vom großen Interesse, dass die Formel E weltweit erzeugt. Und vom festen Willen der großen Städte, eine saubere und nachhaltigere Form von Mobilität aufzubauen. Wir stehen vor einer aufregend neuen Zeit für den Motorsport und können das erste Rennen kaum noch abwarten!“

Eintages-Events mit Live-Konzert zum Abschluss

Das kompakte und auf einen Tag (Samstag) komprimierte Format eines Formel E-Rennens sieht ein freies Training, ein Qualifying, ein Rennen über eine Stunde und – Überraschung – ein Live-Musikkonzert vor. Alles soll an einem Tag über die Bühne gehen, um Sperrungen im Stadtzentrum und der unmittelbaren Umgebung so kurz wie möglich zu halten. Zur Halbzeit des Rennens fahren die Piloten an die Box, um dort in einen zweiten Wagen – mit erneut voller Batterie – zu wechseln.

Genaue Streckenpläne wollen die Formula E-Macher zu einem späteren Zeitpunkt vorlegen; in jedem Fall gehen die Rennen durch Innenstadtbereiche, die zu 100 Prozent mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sind. Tickets für die ersten Rennen werden ab Anfang 2014 verkauft.

Nicht lautlos, aber mit 80 dB(A) deutlich leiser als ein Presslufthammer oder Formel 1

Anders als oft geglaubt werden die Elektro-Renner keineswegs lautlos durch die Innenstädte sprinten. Die Geräusche des Antriebs, der Reifen und der Karosserie erzeugen einen an den Start eines Jets erinnernden Sound-Mix von 80 dB(A).

Das sind immerhin zehn dB(A) mehr, als zum Beispiel ein Audi Q3 bei Tempo 160 erzeugt. Aus Sicherheitsgründen wird bei der Einfahrt in die Boxengasse zusätzlich ein künstliches Geräusch erzeugt, um so Mechaniker und anderes Boxenpersonal vor unliebsamen Überraschungen zu schützen.

Insgesamt sind die Lärmemissionen aber weitaus niedriger als zum Beispiel in der Formel 1 – was unter anderen den Vorteil hat, den Streckensprecher besser verstehen zu können. „Bild am Sonntag“ maß 2011 in Monaco einmal nach und kam auf einen Spitzenwert von 127,8 dB(A) für den Motor im Heck des Schumacher-Mercedes. Was zwischen einem Presslufthammer – 122 db(A) – und einem Heavy Metal-Konzert – 132 dbA – liegt. McLaren-Pilot Jenson Button gab zu: „Würde ich die Ohrstöpsel beim Fahren vergessen, wäre ich nach 100 Metern taub.“

Panorama-Blick auf Monte Carlo / Monaco, Foto: Formula E

Panorama-Blick auf Monte Carlo / Monaco, Foto: Formula E

Einheitsauto Spark-Renault nur für die erste Saison

Nur für die erste Saison werden alle Teams mit einem innerhalb von zehn Monaten entwickelten Einheitsauto antreten. Zum Einsatz kommt der auf der Frankfurter IAA erstmals gezeigte, unter Leitung von Frédéric Vasseur bei Spark Racing Technology produzierte Spark-Renault SRT_01 E. Für das Design des Chassis zeichnete Dallara in Italien verantwortlich, es besteht aus Aluminium und Kohlefaser und ist schon auf den für 2014 definierten Crashtest der FIA ausgelegt. Zugleich wurde die Aerodynamik so ausgelegt, dass Überholmanöver leicht möglich sind. 42 Autos werden für die ganze Saison gebaut – vier pro Team plus zwei Reserve-Chassis.

McLaren und Williams als Technologie-Partner an Bord

Den E-Motor, das Getriebe und die Elektronik stellt McLaren Electronics Systems zur Verfügung; Williams Advanced Engineering kümmert sich um die Konstruktion und die Lieferung der Batterien für die 200 kW (270 PS) starken Autos. Peter van Manen, Geschäftsführer McLaren Electronic Systems, sagt stolz: „Die Autos werden eine gute Show abziehen, dank der verzögerungsfreien Beschleunigung der E-Maschinen. Unser ursprünglich für den McLaren P1 entwickelter Elektromotor hat das weltweit beste Leistungsgewicht unter allen E-Maschinen – da ist Power garantiert!“

Für die nahtlose Integration aller Systeme, das Feintuning der Performance und die elektrische Sicherheit des Antriebsstrangs kommt Renault zum Zuge. Schließlich soll ein Formel E-Renner nicht nur sauber und schnell, sondern auch zuverlässig und sicher sein. Geschaltet werden die Renner stilecht über die Lenkrad-Wippen eines sequentiellen Hewland-Getriebes. Dessen Gang-Übersetzungen aus Kostengründen jedoch für alle Teilnehmer gleich sind.

Formula E Einheitsauto Lenkrad, Foto: Formula E

Formula E Einheitsauto Lenkrad, Foto: Formula E

Nach dem Publikumsdebüt auf der IAA und – mit einem zweiten Auto – auf dem parallel laufenden FIA Mobilitäts-Kongress in Den Haag – muss der Spark-Renault wie jedes neue Rennauto zunächst den obligatorischen FIA-Crashtest besehen. Zugleich startet ein umfangreiches Testprogramm mit Cheftester Lucas di Grassi. Als Rennbotschafter hat die Formel E übrigens einen prominenten Ex-Piloten aus der US-Indycar-Szene gewonnen: den Brasilianer Gil de Ferran.

Vier von zehn Teams – darunter zwei aus der US-Indycar-Serie – stehen bereits fest

Elf Monate vor dem ersten Rennen haben sich vier von zehn benötigten Teams in die Teilnehmerliste eingetragen: Drayson Racing aus England, China Racing sowie mit Andretti Motorsport und – als jüngstem Neuzugang – Dragon Racing zwei führende Teams aus der US-Indycar-Serie. Alejandro Agag kündigte bei der Vorstellung des Teams Dragon in Los Angeles am 25. September an, bis Ende November das komplette Teilnehmerfeld präsentieren zu können. Spannend wird sein, ob sich unter den verbleibenden sechs Mannschaften auch ein Formel-1-Team befindet. In der Vergangenheit hatte die finanziell stark gebeutelte Schweizer Sauber-Truppe Interesse bekundet.

Michelin liefert Allwetterreifen mit Profil – drei Satz pro Team und Renntag

Als Reifenlieferant der Formel E fungiert Michelin, die einen einheitlichen 18-Zoll-Allwetterreifen mit profilierter Oberfläche zur Verfügung stellen. Pro Event stehen jedem Team nur drei Satz Pneus – also anderthalb pro Fahrzeug – zur Verfügung. „Die Reifen ähneln eher Straßen- denn Rennreifen und sind sehr energieeffizient ausgelegt”, sagt Michelin-Motorsportchef Pascal Couasnon. „In dieser Hinsicht fungiert die Formel E durchaus als Forschungslabor für künftige Großserienreifen.“

Nicolas Goubert, Technischer Direktor, Michelin Motorsport, ergänzt: „Selbst für lupenreine Straßensportwagen gibt es ja keine Slicks. Und da die Formel E ausschließlich auf reinen Stadtkursen Straßenkursen antritt, lagen für uns Profilreifen nahe. Je näher wir uns an den Realitäten des täglichen Autoverkehrs orientieren, desto je relevanter und schneller wird ein Technik-Transfer zwischen Renn- und Straßenreifen gelingen.“

Formula E Einheitsauto für die 1. Saison, Foto: Formula E

Formula E Einheitsauto für die 1. Saison, Foto: Formula E

Dreijahres-Vertrag mit dem französischen Reifen-Giganten

Laut Alejandro Agag passe die Entscheidung pro Allwetterreifen zur auf Nachhaltigkeit und Kostenreduzierung zielenden Philosophie der Serie. „Weniger Gummi bedeutet weniger Verbrauch. Michelin schlug sehr früh diese Richtung ein – und das war auch ganz in unserem Sinne.” Der Vertrag mit dem Reifengiganten aus Clermont-Ferrand läuft im Übrigen über zunächst drei Jahre.

Der provisorische Kalender für die FIA Formula E-Serie 2014/15

2014

20. September Peking (China)
18. Oktober Putrajaya (Malaysia)
8. November Hongkong (China)
13. Dezember Punta del Este (Uruguay)

2015

10. Januar Buenos Aires (Argentinien)
14. Februar Los Angeles (USA)
18. April Miami (USA)
9. Mai Monte Carlo (Monaco)
30. Mai Berlin (Tempelhof)
27. Juni London (Großbritannien)

Der provisorische Formula E Kalender 2014/2015, Foto: Formula E

Der provisorische Formula E Kalender 2014/2015, Foto: Formula E

Alle Termine vorbehaltlich der Homologation der Strecken durch die FIA
Endgültige Absegnung beim FIA World Motor Sport Council im Dezember

Technische Daten Spark-Renault (Auswahl)

Länge: 5.000 mm (max)
Breite: 1.800 mm (max)
Höhe: 1.250 mm (max)
Spur: 1.300 mm (min)
Bodenfreiheit: 75 mm (max)
Gewicht (inkl. Fahrer): 800 kg (min), davon Batterie 200 kg

Leistung:

Max. Leistung (begrenzt): 200 kW (270 PS)
Renn-Modus: 133 kW (180 PS)
„Push-to-Pass“ (Knopf zum Überholen): 67 kW
Antrieb auf die Hinterräder, keine Traktionskontrolle erlaubt, ebenso keine Telemetrie
Die maximale Antriebsleistung ist im Training und Qualifying abrufbar. Im Rennen steht ein Push-to-Pass-Knopf bereit, der zum Überholen und nur für eine begrenzte Zeit die Maximal-Leistung bereitstellt.

Fahrleistungen (Schätzwerte)
Beschleunigung von 0 auf 100 km/h: 3,0 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 225 km/h (abgeriegelt)

Text: Autogefühl, Thomas Imhof
Fotos: Formula E


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