Lamborghini-Boot restauriert

Das Lamborghini-Boot Riva Aquarama, Foto: Riva World

Der niederländische Spezialist Riva World restaurierte in dreijähriger Arbeit eines der legendärsten Schnellboote der Geschichte: Eine 1968 als Einzelanfertigung für Ferruccio Lamborghini gebaute Riva Aquarama. 45 Jahre später pflügt der mit 25 Lackschichten versiegelte Holzrumpf des Italo-Beaus wieder durch das Wasser – angetrieben von zwei V12-Motoren aus dem ersten Lamborghini-Sportwagen, dem 350 GT. Von Thomas Imhof

Man kennt das von so genannten Scheunenfunden aus der Autowelt: Jahrelang sind sie in irgendeinem Schuppen abgestellt, vergessen von der Welt und – je nach Lagerungsbedingungen – entweder dem langsamen Rostverfall oder einem Kokon aus Spinnweben und Staub ausgesetzt.

Das Lamborghini-Boot Riva Aquarama, Foto: Riva World

Das Lamborghini-Boot Riva Aquarama, Foto: Riva World

Genauso ging es einem legendären Boot – der 1968 in drei Monaten gebauten Riva Aquarama für Sportwagen-Bauer und Ferrari-Erzgegner Ferruccio Lamborghini. Niemand wusste so genau, wo das Einzelstück mit der Rumpfnummer 278 nach dem Tode Lamborghinis 1993 gestrandet war. Bis es ein niederländischer Sammler der italienischen Riva-Boote in Punta Ala an tyrrhenischen Küste in einem Schuppen aufspürte. Und von Riva World, einem renommierten Spezialisten für Restaurierungen von Riva-Booten mit Sitz in Uithoorn bei Amsterdam wieder in den Originalzustand versetzen ließ.

Die Riva Aquarama am Lago d'Iseo, Foto: Riva World

Die Riva Aquarama am Lago d’Iseo, Foto: Riva World

Rivaboote waren vor allem in den 50er bis 70er Jahren ein Symbol für gehobenen Luxus und ausschweifende Lebensfreude. Brigitte Bardot, Sean Connery, Sophia Loren, Richard Burton, Gunter Sachs und der übrige Jet-Set von damals ließ sich nur zu gern in einem Riva-Boot ablichten.

Historisches Foto (Werksbesichtigung) mit Ferrucio Lamborghini und Carlo Riva, Foto Riva World

Historisches Foto (Werksbesichtigung) mit Ferrucio Lamborghini und Carlo Riva, Foto Riva World

Bei einem klassische Riva Boot wie der Aquarama besteht der elegante Bootskörper aus Holz mit fugenloser, tiefroter Mahagonibeplankung. Chromschmuck, eine Panoramascheibe, ein an Automobile erinnerndes Armaturenbrett mit weißem Steuerrad, weiße Ledersessel und eine gepolsterte Räkelfläche sind neben einem schlank auslaufenden Heck klassische Designmerkmale. So viel Luxus trug den Schiffen aus Sarnico am Iseo-See den Ruf eines „Rolls-Royce der Meere“ ein.

Edles Holz soweit das Auge reicht, Foto: Riva World

Edles Holz soweit das Auge reicht, Foto: Riva World

Beim dreijährigen Neuaufbau der Lambo-Aquarama überließ Riva World-Chef Sandro Zani nichts dem Zufall überlassen, scheute keine Kosten und Mühen, um das Unikat in allen Details originalgetreu wieder zu Wasser lassen zu können. Zani reiste sogar mehrmals nach Italien, unter anderem zum Ferruccio Lamborghini Museum, um vor dem eigentlichen Beginn der Arbeiten anhand von Original-Dokumenten und –fotos alles wasserdicht zu dokumentieren.

Riva Aquarama, Foto Riva World

Riva Aquarama, Foto Riva World

Dann konnte es losgehen: Der hölzerne Rumpf wurde abgeschliffen und mit sage und schreibe 25 Lackschichten versiegelt; auch die Einrichtung aufgemöbelt und die Sitze neu bezogen. Alle Knöpfe und Schalter wurden sorgfältig demontiert, falls nötig instandgesetzt und neu eingesetzt. Alle Chromelemente erstrahlten wieder in Hochglanz, so dass für diese nur einmal gebaute und schnellste Aquarama der Welt nur noch zwei neue Herzen fehlten: V12-Motoren aus dem ersten Lamborghini, der- wenn auch in nur 120 Exemplaren – je das Lebenslicht sah: dem Lamborghini 350 GT.

Im "Lamborghini-Boot" kommen zwei Lamborghini V12 zum Einsatz, Foto: Riva World

Im “Lamborghini-Boot” kommen zwei Lamborghini V12 zum Einsatz, Foto: Riva World

Die beiden Original-Motoren der Aquarama sind im 2001 in Sant’Agata Bolognese eröffneten Ferruccio Lamborghini Museum ausgestellt – standen also für das ambitionierte Projekt Zandis nicht zur Verfügung. Daher entschied man sich, in den USA und in Deutschland zwei andere V12-Motoren zu erwerben und diese für den maritimen Einsatz umzurüsten. Damit dies gelang, erhielten die Restaurateure vom Museum die Erlaubnis, gewisse Teile der Originaltriebwerke auszubauen und 1:1 nachzubauen. Wertvolle Hilfe kam auch von Lino Morosini, vor 45 Jahren Leiter der Motorenabteilung von Riva und einer der Väter der Aquarama Lamborghini. Er steuerte Informationen für den Umbau der Motoren bei, von denen der eine links- und der andere rechtsherum laufen musste.

Traumboot in Traumkulisse, Foto Riva World

Traumboot in Traumkulisse, Foto Riva World

Nach Probefahrten auf holländischen Gewässern wurde die legendäre Riva im Sommer 2012 an ihren Geburtsort gebracht: dem Lago d’Iseo in Norditalien (Provinz Bergamo), noch heute Sitz der Riva-Werft. Unter den strengen und zugleich glücklichen Augen von Carlo Riva durfte sich das Schnellboot erstmals wieder frei austoben.

Fabio Lamborghini (Neffe von Ferrucio) bei der ersten Ausfahrt des restaurierten Boots im letzten August, Foto: Riva World

Fabio Lamborghini (Neffe von Ferrucio) bei der ersten Ausfahrt des restaurierten Boots im letzten August, Foto: Riva World

Soll heißen: Zwei auch akustisch betörende Lamborghini 4,0-Liter-V12 mit jeweils 350 PS und sechs Weber-Doppelvergasern katapultierten die Riva Aquarama Lamborghini auf 48 Knoten. Was acht Knoten über jenen 40 Knoten liegt, die Riva den serienmäßig „nur“ mit zwei V8-Motoren bestückten Modellen zugestand. Der nutzbare Drehzahlbereich der über einen geschlossenen Kreislauf wassergekühlten Kraftwerke liegt zwischen 700 und 5.000 Umdrehungen pro Minute; das maximale Drehmoment beaufschlagt schon ab 1.500 U/min die Schrauben.

Edelstes Interieur auf dem Luxus-Boot, Foto Riva World

Edelstes Interieur auf dem Luxus-Boot, Foto Riva World

Der heute 91jährige Markengründer Riva hatte sich 1949 im Alter von 27 Jahren mit der Werft in Sarnico am Iseo-See selbständig gemacht. Zu Beginn mit Eigenkonstruktionen, die noch von den offenen amerikanischen Hacker Craft-Motorbooten beeinflusst waren. Die klassische Aquarama baute Riva zwischen 1962 bis 1996 – in insgesamt 769 Exemplaren.

Riva Aquarama mit Lamborghini 350 GT, Foto: Maurice Volmeyer

Riva Aquarama mit Lamborghini 350 GT, Foto: Maurice Volmeyer

Das Bild der restaurierten Aquarama und eines über ihr am Kai parkenden Lamborghini 350 GT ist ein Genuss für Liebhaber klassischer Riva-Boote und italienischer Sportwagen. Rund 4.000 Boote sind bis heute insgesamt bei Riva entstanden – und rund die Hälfte davon hat schätzungsweise noch immer regelmäßig Wasser unterm Kiel. Aber wohl keine ist so schnell und zeitlos schön wie das Spielzeug von Ferruccio Lamborghini.

Carlo Riva, Foto: Riva World

Carlo Riva, Foto: Riva World

Ein sehr schönes Video mit Bildern der majestätisch über den Iseo-See pflügenden Riva Aquarama Lamborghini gibt es hier. In den Hauptrollen: Carlo Riva und Fabio Lamborghini, Neffe des großen Feruccio.

Text: Autogefühl, Thomas Imhof
Fotos: Riva World, Maurice Volmeyer


Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *