Zukunft des BMW-Elektroautos zum BMW i3 Marktstart

BMW i3, Foto: BMW

Eines steht jetzt schon fest: Mit dem BMW i3 Marktstart am 16. November 2013 wird ein Aufruhr durch die Automobilbranche gehen. Noch nie hat ein Hersteller so viel auf eine Karte gesetzt, um mit einem Karbon-Chassis-Elektroauto die Welt zu erobern. Ob das Konzept mittel- und langfristig aufgeht, ist jedoch fragwürdig. Es gibt Hoffnung und Risiko – zehn Thesen zur Zukunft des BMW i3. Von Thomas Majchrzak

Um eines vorweg zu nehmen: Wir sind ganz klar für das Elektroauto und damit auch für einen BMW i3 – was nicht heißt, dass man keine Zweifel daran haben kann, ob das Konzept funktioniert.

Risiko

1. Der BMW i3 ist zu teuer.

Nein, das ist nicht BMWs Schuld, für ein Elektroauto hat der BMW i3 einen absoluten Kampfpreis, BMW lehnt sich damit sogar sehr weit aus dem Fenster. Doch Elektroautos allgemein sind einfach noch zu teuer, als dass sie für Ottonormal-Verbraucher interessant wären. BMW setzt sicher einen richtigen Impuls, aber der Preis reicht nicht aus, um für Normalverdiener eine ernste Alltags-Alternative zu einem vergleichbar großen Auto zu sein. Der allgemein noch hohe Preis ist natürlich dasselbe Problem der Wettbewerber-Autos, wie sie Mikhail Bievetskiy vorstellt.

BMW i3 Kohlefaser-Chasis auf IAA 2013 in Frankfurt, Foto: Autogefühl

BMW i3 Kohlefaser-Chasis auf IAA 2013 in Frankfurt, Foto: Autogefühl

2. Die Lithium-Ion-Akkus sind und bleiben teuer.

Die für Elektroautos essenziellen Lithium-Ion-Akkus sind schon günstiger geworden, aber machen immer noch einen Großteil der Mehr-Kosten eines Elektroautos aus. Viele Dinge werden mit Fortschritt der Technik billiger, aber bei den Akkus herrscht das Problem, dass viele verschiedene Materialien dabei zusammen gebracht werden und die exakte Trennung dieser Materialien innerhalb der Batterie (so genannte Separatoren sind notwendig) so aufwändig und teuer ist. Damit die komplizierte Elektrochemie günstiger wird, müsste eine Massenfertigung der Auto-Akkus im größeren Maßstab erfolgen. Und es gibt weitere Gründe gegen ein Elektroauto.

BMW i3 auf IAA 2013 in Frankfurt, Foto: Autogefühl

BMW i3 auf IAA 2013 in Frankfurt, Foto: Autogefühl

3. Der BMW i3 spricht optisch nicht an.

Das Design des BMW i3 wurde vielfach kritisiert und wird den Geschmack der Massen wahrscheinlich nicht ansprechen. Design sells, und hierbei war man wahrscheinlich ein Stück weit zu mutig. Manche Desingelemente wie die sehr schmalen Reifen sind dem Verbrauchsdiktat geschuldet, aber die allgemeine Kugelform des BMW i3 will vielen Beobachtern einfach nicht gefallen.

BMW i3 auf IAA 2013 in Frankfurt, Foto: Autogefühl

BMW i3 auf IAA 2013 in Frankfurt, Foto: Autogefühl

4. Man ist von Gönner-Kunden abhängig.

Wenn das Design nicht gefällt, das Auto noch zu teuer ist und insgesamt für die meisten Privatkunden ausfällt, dann bleiben nur die Gönner-Kunden. Etwa das DAX-Unternehmen, das sich die Seele reinwäscht, weil der BMW i3 eingeflottet wird. Diese Kunden zahlen sicher gut und nehmen auch in größeren Mengen ab, aber die Anzahl der Unternehmen, die das tut, wird sich auch in Grenzen halten. An dieser Stelle sei angemerkt, dass wir uns freuen würden, wenn dies ein Trugschluss wäre und mehr Unternehmen und Privatkunden den Kauf eines Elektroautos unterstützen. Allerdings sollten auch schon andere Autos die Welt verändern, und haben es nicht getan, wie man bei Tom Schwede nachlesen kann.

BMW i3 auf IAA 2013 in Frankfurt, Foto: Autogefühl

BMW i3 auf IAA 2013 in Frankfurt, Foto: Autogefühl

5. Die Reichweite ist noch nicht ausreichend.

130 bis 200 Kilometer soll die Reichweite rein elektrisch betragen, das ist schon mal nicht übel, aber angesichts der schlechten Ladeinfrastruktur immer noch zu wenig. So muss man den BMW i3 wohl eher mit Reichweitenverlängerer bestellen, aber dann ist man auch schon wieder beim zusätzlichen Verbrennungsmotor und wieder zurück bei der alten Leier.

Hoffnung

6. Der Preis setzt die Branche in Bewegung.

Durch den Basispreis von 34.950 Euro setzt BMW insofern ein Zeichen, als dass es die Wettbewerber zwingt, ebenfalls ihre Preise zu drücken. So hat Opel den Preis für den Opel Ampera um 7.600 auf 38.300 Euro gesenkt. Das könnte eine weitere Sogwirkung erzeugen.

BMW i3 Innenraum auf IAA 2013 in Frankfurt, Foto: Autogefühl

BMW i3 Innenraum auf IAA 2013 in Frankfurt, Foto: Autogefühl

7. Die gesellschaftliche Akzeptanz steigt.

Mit BMW bringt ein Hersteller ein Elektroauto auf den Markt, der in der Bevölkerung ein gutes, cooles und sportliches Image hat. Stellt so ein Hersteller ein Elektroauto her, bewegt dieses sich weg vom Grünkern-Umweltnarren-Image, was von konservativen Kräften so gerne stilisiert wird. Ein Elektroauto wird dadurch hip, modern und cool und durch die Serienproduktion nicht nur allein etwas für Freaks. Auch für Thomas Gigold und Jens Stratmann überwiegen die Vorteile des BMW i3.

BMW i3 Innenraum auf IAA 2013 in Frankfurt, Foto: Autogefühl

BMW i3 Innenraum auf IAA 2013 in Frankfurt, Foto: Autogefühl

8. Einer muss anfangen.

Wenn jede Firma wartet, weil alles zu teuer, zu kompliziert, zu unpraktisch ist, passiert letztlich nichts. Daher ist es gut, dass BMW die Initiative ergriffen hat und den Markt der Elektroautos voranbringt. Dies könnte auch positive Impulse für die Infrastruktur setzen.

BMW i3 auf IAA 2013 in Frankfurt, Foto: Autogefühl

BMW i3 auf IAA 2013 in Frankfurt, Foto: Autogefühl

9. Das Karbon-Chassis könnte alle Wettbewerber hinter sich lassen.

Geht der Poker von BMW auf und ist das Kohlefaser-Chassis erfolgreich, wird dies womöglich schnell auf andere Fahrzeugreihen ausgedehnt und vermarktet. Dann hat BMW einen riesigen Vorsprung vor allen anderen Wettbewerbern, die sich in puncto Leichtbau noch auf Aluminium konzentrieren.

BMW i3 Innenraum auf IAA 2013 in Frankfurt, Foto: Autogefühl

BMW i3 Innenraum auf IAA 2013 in Frankfurt, Foto: Autogefühl

10. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Viele technologische Fortschritte von Allradantrieb über Internet bis Handys wurden zunächst belächelt, haben dann aber schnell Eingang in unseren Alltag gefunden. Der BMW i3 ist endlich mal wieder ein Auto, das für Aufruhr sorgt – und das ist gut so. Wir werden es in den nächsten Wochen erleben, der BMW i3 Marktstart steht kurz bevor. Und selbst wenn der BMW i3 vielleicht nicht die Welt verändern wird, so wird es zumindest ein weiteres Auto sein, das BMW verändern wird.

BMW i3 auf IAA 2013 in Frankfurt, Foto: Autogefühl

BMW i3 auf IAA 2013 in Frankfurt, Foto: Autogefühl

Text & Fotos: Autogefühl, Thomas Majchrzak
Titelfoto: BMW


12 Responses to Zukunft des BMW-Elektroautos zum BMW i3 Marktstart

  1. NewCarz says:

    Zehn Alternativen zum BMW i3

    Wir haben den BMW i3 von Anfang an begleitet. Kurz nach der Premiere gab es erste Angaben sowie den Verkaufspreis. Die Reaktionen darauf im Team hätten unterschiedlicher nicht sein können: die Einen fanden das Konzept interessant, andere fanden ihn ein…

  2. […] Zum Schluss darf natürlich eines nicht fehlen: eine Bewertung, wo der BMW i3 nun denn eigentlich hin steuert. Der von Lesern der AutoBILD Classic schon jetzt zm “Klassiker der Zukunft” gewählte Elektro-BMW steht vor großen Herausforderungen. Und die beleuchtet euch Thomas von autogefuehl – mit seinen zehn Thesen zur Zukunft des BMW i3 […]

  3. […] und vor die Wand fuhren von Tom Schwede. Einen weiteren Thomas kann ich euch auch noch verlinken, Thomas Majchrzak hat sich mal Gedanken gemacht über die Zukunft vom BMW i3 und im BMW-Blog […]

  4. […] die Wand fuhren. Dass es gute Gründe für und gegen einen Erfolg des BMW i3 gibt, zeigen auch die zehn Thesen zur Zukunft des BMW i3 von Thomas […]

  5. […] zeigen. Und in ein paar Jahren können wir dann auch überprüfen, ob die zehn Thesen zur Zukunft des BMW i3, die Thomas Majchrzak aufgestellt hat, eingetreten […]

  6. […] AutogefühlZehn Thesen zur Zukunft des BMW-Elektroautos zum BMW i3 MarktstartAutogefühl – das Auto Blog! http://www.autogefuehl.de Eines steht jetzt schon fest: Mit dem BMW i3 Marktstart… […]

  7. Martin says:

    Lithium, das in den Batterien enthaltene Element, gehört nicht zu den Seltenen Erden (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Seltene_Erden).
    Lithium ist auch nicht besonders rar, sondern kommt aud der Erde häufiger vor als z.B. Blei oder Zinn.
    Zudem kann es prinzipiell aus Altbatterien recycelt werden, auch wenn dies zur Zeit noch nicht wirtschaftlich ist. Der vergleichweise hohe Preis von Lithium-Ion-Batterien hat eher mit der Fertigung und dem Separatoren-Material zu tun als damit, dass Lithium knapp wäre.

    • Autogefühl says:

      Hallo Martin,

      vielen Dank für die Info – völlig richtig. Wir haben die entsprechende Passage korrigiert :-)

      Herzliche Grüße

      Die Redaktion

  8. […] für den BMW i3 mit Gründen gegen den BMW i3 gegenübergestellt und sich dazu noch mit der Zukunft des BMWi3 […]

  9. […] Autogefühl.de Zehn Thesen zur Zukunft des BMW-Elektroautos zum BMW i3 Marktstart […]

  10. Am Ende muss man über jedes Elektroauto froh sein was freiwillig auf den Markt kommt bzw. gebracht wird. Dieses Thema wurde von der Politik dank der guten Lobbyarbeit der Erdölindustrie gut verschleppt. Wenn ich dran denke, das es ja vor hundert Jahren schon ein Elektroauto gab. Hätte man die Forschung für dieses Thema in den letzten 15 Jahren mehr gepuscht, dann wären wir heute schon bedeutend weiter. Aber wie schon im Artikel beschrieben, viele Dinge wurden am Anfang belächelt, wie auch das iPad, wo am Anfang fast jeder sagte, das braucht doch niemand. Natürlich ist der Preis für ein Auto mit etwas eingeschränkter Reichweite und Nutzung im Vergleich zum Verbrennungsauto noch viel zu hoch. Aber immerhin nähert man sich mal der 30.000 Marke etwas an. Eine stärkere finanzielle Förderung von Elektroautos – wie es in anderen Länder wie Frankreich oder Schweden schon passiert – in Verbindung mit einer besseren Infrastruktur also Ladestellen, würde der Akzeptanz einen deutlichen Schub geben. Und jedes Elektroauto mehr, hilft ja auch den Co2 Ausstoß zu verringern, wenn das kein Ansporn ist :-)

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