Seat Geschichte 60 Jahre

SEAT historische Foto, Foto: Seat

Drei Jahre nach der Gründung als Staatsunternehmen Sociedad Española de Automóviles de Turismo, S.A. („Spanische Gesellschaft für Pkw“) lief im November 1953 der erste Seat vom Band. Der Seat 1400 war eine Lizenzproduktion des Fiat 1400 und orientierte sich mit seiner Pontonkarosserie stilistisch an amerikanischen Vorbildern jener Zeit. Es dauerte lange, ehe auch deutsche Autokunden Seat nicht mehr mit Fiat verwechselten. Spätestens ab 1986, als die Spanier Teil des VW-Konzerns wurden. Von Thomas Imhof

Die Seat Geburtsstunde datiert auf dem 5. Mai 1950. An diesem Tag wurde der staatliche Autobauer in der Zona Franca, der Freihandelszone im Hafen Barcelonas, gegründet. Kapitalgeber waren zu 51 Prozent das staatliche Industrieinstitut Instituto Nacional de Industria, zu 42 Prozent spanische Banken und zu sieben Prozent der Lizenzgeber Fiat.

Nach der Werkseröffnung am 5. Juni 1953 dauerte es noch bis zum 13. November, ehe der erste Seat vom Band rollte. Zu Beginn handelte es sich noch um eine CKD-Fertigung – die Teile kamen aus Italien und wurden nur in Spanien zusammengesetzt. Der Seat 1400 hatte einen braven Vierzylinder-Motor, der aus 1395 cm³ Hubraum rund 44 PS holte und das Mittelklasse-Modell auf eine Spitze von 116 km/h trieb.

Fertigungslinie des SEAT 1400 in der Freihandelszone Zona Franca, Barcelona, im Jahr 1953, Foto: Seat

Fertigungslinie des SEAT 1400 in der Freihandelszone Zona Franca, Barcelona, im Jahr 1953, Foto: Seat

Anfangs schafften 925 Werker lediglich fünf Autos pro Tag, doch schon 1954 stieg der Anteil der lokal gefertigten Komponenten auf 93 Prozent, was Seat half, die zuvor praktisch nicht existente Zulieferindustrie schnell aufzubauen und das nach dem Zweiten Weltkrieg rückständige Land schnell auf Räder zu stellen. Immerhin wurden erst 1953 – also just im Jahr des Seat 1400-Anlaufs – die Benzinrationierungen in Spanien aufgehoben.

Parallel erhöhte SEAT nun das Produktionsvolumen. 1955 näherte sich die Jahresproduktion bereits der 3.000er Marke, praktisch alle Komponenten stammten jetzt aus Spanien.1956 stieg die Produktion auf 7.000 Seat 1400, im Jahr darauf wurden 10.000 gebaut – mit einem Tagesoutput von im Schnitt 42 Fahrzeugen.

Foto des ersten SEAT 1400, November 1953, Foto: Seat

Foto des ersten SEAT 1400, November 1953, Foto: Seat

Als der erste Seat 1965 durch den Seat 1500 abgelöst wurde, hatten die Spanier 98.114 Exemplare in vier verschiedenen Evolutionsstufen ausgeliefert. Die 1955 und 1957 nachgeschobenen Modelle 1400 A und 1400 B folgten stilistisch noch dem bisherigen, leicht veralteten Design. Doch der 1960 vorgestellte 1400 C sorgte mit seiner von Pininfarina entworfenen Karosserie nach Vorbild des Fiat 1800 dann für frischen Wind. Zwar blieb dem gegenüber Italien deutlich einkommensschwächeren Iberern ein Sechszylinder-Motor verwehrt, doch immerhin gab 1963 noch ein fünftüriger Kombi seinen Einstand. Ein Dieselmotor kam jedoch erst in der Nachfolgegeneration zum Einsatz.
Bis heute hat die seit 1986 zu Volkswagen gehörende Marke Seat über 16 Millionen Fahrzeuge produziert, darunter Modelle wie die noch von Fiat-Mustern abgeleiteten 600 und 127, den mit Hilfe von Porsche (und erstmals ohne Fiat) entwickelten ersten Ibiza und den bis heute zeitlos schönen ersten Leon. Seat produziert ausschließlich im Werk Martorell bei Barcelona und exportiert 80 Prozent seiner Produktion.

SEAT 1400 an der spanischen Küste, Foto: Seat

SEAT 1400 an der spanischen Küste, Foto: Seat

Gegenüber der sehr schnell gewachsenen Konzerntochter Skoda erlebt Seat bis heute eine wechselvolle Geschichte. Mehrmalige Designshifts, immer wieder wechselnde Markenwerte samt einer einseitig sportlichen Positionierung, lange unbesetzte Nischen und oft wechselnde Vorstände brachten die Marke immer wieder auf Schlingerkurs. So stark, dass Volkswagen sogar zeitweilig erwog, Seat abzustoßen. Erst in jüngerer Zeit wurden traditionelle Seat-Segmente wieder neu besetzt: Mit dem VW Up-Ableger Mii bei den Micro-Cars und den ST-Versionen von Ibiza und Leon bei den Kombis. Der neue Toledo (mit Stufenheck) löste den in diesem Jahr ausgelaufenen Exeo ab. Bei dem 2009 auch als Kombi ST eingeführten Top-Modell handelte es sich um nicht viel mehr als einen zum Seat umgemodelten Audi A4.

SEAT Leon ST, Foto: SEAT

SEAT Leon ST, Foto: SEAT

Noch immer aber fehlt Seat das Geld für ein reines Image-Modell wie einen Roadster oder ein Cabrio – extrem anmachende Studien dazu wurden auf den großen Automessen schon zuhauf gezeigt.

Seat Ibiza Sondermodell i-Tech Exterieur in Tossa-Blau, Foto: SEAT

Seat Ibiza Sondermodell i-Tech Exterieur in Tossa-Blau, Foto: SEAT

Das Motto heißt: Erst müssen die Volumen-Modelle richtig laufen und Gewinn abwerfen, ehe man sich den Luxus eines kleinen Sportwagens oder Roadsters leisten darf. Erst die Pflicht, dann die Kür, heißt die Order aus Wolfsburg für die Marke, die Konzernlenker Ferdinand Piech vor langer Zeit einmal als spanisches Pendant zu Alfa Romeo ansah.

Und hier noch die Sicht auf die Seat-Geschichte bei Der-Auto-Blogger.

Text: Autogefühl, Thomas Imhof
Fotos: Seat


2 Responses to Seat Geschichte 60 Jahre

  1. […] AutogefühlSeat Geschichte – Vor 60 Jahren lief der erste Seat vom BandAutogefühl – das Auto Blog! http://www.autogefuehl.de Drei Jahre nach der Gründung als Staatsunternehmen Soc… […]

  2. […] Einen netten Artikel zum Thema gibt es übrigens auch im Blog von Autogefühl zu lesen. Hier geht es zu dem Text. […]

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *