1959 Tojeiro-Jaguar Ecurie Ecosse

1959 Tojiero Jaguar, Foto: Foto: Bonhams

Bonhams versteigert eine Serie von unglaublich wertvollen Rennwagen, die vor Schönheit und Einzigartigkeit nur so glänzt. Hier stellen wir den 1959er Tojeiro-Jaguar vor. Von Thomas Imhof

Schätzpreis: 360.000 – 600.000 Euro
Realisierter Auktionspreis: 462.804 Euro
Amtliches Kennzeichen: MFF 342/ RSF 301
Chassis Nr. TAD 1/59
Motor Nr. RA 1422-9

Dieser Tojeiro-Jaguar Baujahr 1959 gilt als ein ganz spezieller Schatz. Die lange Dominanz des zwar sehr zuverlässigen, aber schweren Jaguar D-TYPES war zugunsten leichterer Modelle vom Format der Lister-Jaguars, der kleinen Lotus 15 und der neuen Cooper Monacos mit Heckmotor zu Ende gegangen. Für 1958 hatte die FIA zu allem Überfluss auch noch eine neue 3-Liter-Formel für Sportwagen-Rennen ausgeschrieben – und schickte damit die 3,4 und 3,8 Liter großen Motoren für den D-TYPE aufs Altenteil. Gegen den Jaguar sprach auch seine hintere Starrachse, gegenüber den De Dion-Konstruktionen von Ferrari, Maserati, Lister… und Tojeiro führte sie ein lebhaftes Eigenleben…

1959 Tojiero Jaguar, Foto: Foto: Bonhams

1959 Tojiero Jaguar, Foto: Foto: Bonhams

Während der Saison 1958 setzte David Murrays Ecurie Ecosse neben dem einzig verbliebenen D-TYPE und einem neuen Lister-Jaguar bereits einen frühen Tojeiro-Jaguar mit Kennzeichen ‘7 GNO’ ein. Er zeigte so gute Anlagen, dass Murray bei Tojeiro Automotive Developments in Royston (Hertfordshire) den Auftrag zum Bau eines weiterentwickelten Modells für 1959 gab. ‘Wilkie’ Wilkinson entwickelte parallel eine neue 3,0-Liter-Version auf Basis einer 2,4-Liter-Ausführung des berühmten Jaguar XK-Motors.

Das Modell erhielt eine hübsche, bei Williams & Pritchard gefertigte Karosserie aus Aluminium mit einer D-TYPE-ähnlichen Kopfstütze, vertikaler Heckfinne und partiell verkleideten Rädern.

Als Premiere für den neuen Hoffnungsträger der Ecurie Ecosse waren die 24 Stunden von Le Mans 1959 vorgesehen. Mit dem Doppelsieger der Ausgaben von 1956/57, Ron Flockhart, und John ‘Jock’ Lawrence lag das Auto lange Zeit auf dem vierten und nie schlechter als auf dem siebten Platz. Als Handikap erwies sich dann jedoch das hohe Verdichtungsverhältnis des vom kleinen 2,4 Liter abgeleiteten 3,0 Liter mit quadratischen Abmessungen (86 mm für Bohrung und Hub). Als Folge schmorte nach bis dahin elf problemlosen Stunden die Zylinderkopfdichtung durch – und um drei Uhr in der Nacht zum Sonntag erlag der Motor dann zwangsläufig dem Hitzetod.

John Tojeiro, Vater einer portugiesischen Mutter und eines englischen Vaters, erinnerte sich: „Der Wagen für 1959 sah sehr gut aus und war für die damalige Zeit schon sehr windschnittig. Leider montierten die Jungs der Ecurie Ecosse die Radverkleidungen wieder komplett ab, weil sie ihrer Meinung nach die Boxenstopps unnötig verlängerten.“

Nach Le Mans erhielt der Tojeiro-Jaguar eine große Beule in der Motorhaube, um so einen größeren „Big Block”-XK-Motor unterbringen zu können. Bei der RAC Tourist Trophy in Goodwood am 5. September 1959 ging er damit an den Start, gesteuert vom amerikanischen Star Masten Gregory und einem schottischen Newcomer namens Jim Clark. Der spätere Formel-1-Superstar erinnerte sich: „Für mich war dieses Rennen der Wendepunkt meiner Karriere. Wir traten gegen die Werksteams von Ferrari, Porsche und Aston Martin an. Und ich hatte großen Respekt vor meinem Partner, dessen Rundenzeitenn ich dann aber im Tojeiro egalisieren konnte. Ich fuhr also auf einem Level mit den Helden meiner Schuljungenzeit und hatte zunehmend Spaß an diesem Rennen. Ich brachte das Auto bis auf Platz sieben, ehe Masten den ‚Toj“ in Woodcote Corner gegen den dort stehenden Erdwall setzte…..” Bei dem Unfall wurde Gregory aus dem Auto geschleudert und kam erst knapp vor dem Zaun zu den Zuschauerrängen zum Liegen. Er kam mit einer gebrochenen Schulter und einigen Prellungen davon, während das Chassis des Ecurie Ecosse-Modells nicht mehr zu retten war.

Was sich noch zu Geld machen ließ, wurde an einen Dr. Bothwell aus Nordengland verscherbelt. Der Doc erstand zugleich von John Tojeiro eine Ersatzmotorhaube.

Aus noch vorhandenen Teilen auch anderer Tojeiro-Jaguars entstand dann beim weltbekannten englischen Restaurationsbetrieb Crosthwaite & Gardiner eine originalgetreue Replica. Zum Teil noch mit Originalteilen, wie der Heckpartie mit der Originalstarnummer des Goodwood-Rennens von 1959, der De Dion-Hinterachse und der vorderen, für einen zweiten, aber nicht fertig gestellten Wagen gedachten Bugpartie.

Der Wagen wurde dann von Dick Skipworth in seine wachsende Ecurie Ecosse Sammlung aufgenommen und vom führenden Historic Racer Barrie ‘Whizzo’ Williams gleich beim ersten Einsatz zum Sieg gesteuert. Es war im Juni 1995, beim Hawthorn Memorial Race Meeting, und passend zum 60. Markenjubiläum von Jaguar. Die Schlagzeile der „Jaguar World” lautete denn auch: „Es hat 36 Jahre gedauert, doch nun hat es für den Tojeiro-Jaguar doch noch ein gutes Ende genommen.“

Mit Willams am Steuer wurde das Auto sehr bald ein gern gesehener Stammgast bei der jährlichen Sussex Trophy beim Goodwood Revival Meeting, in Le Mans und am Nürburgring. Angetrieben von einem bei Sigma Engineering für Renneinsätze präparierten 3,8 Liter großen Jaguar-Motor.

Hier geht es zum Sammel-Artikel und den weiteren einzelnen Autos.

Text: Autogefühl, Thomas Imhof
Fotos: Bonhams


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