1960 Commer TS3 Three-Car Transporter Ecurie Ecosse

Ecurie Ecosse Transporter, Foto: Bonhams

Bonhams versteigert eine Serie von unglaublich wertvollen Rennwagen, die vor Schönheit und Einzigartigkeit nur so glänzt. Hier stellen wir den 1960er Commer TS3 Three-Car Transporter vor. Von Thomas Imhof

1960 Commer TS3 Three-Car Transporter
Karosserie von Walter Alexander aus Falkirk, Schottland
Amtliches Kennzeichen: VSG 7
Realisierter Auktionspreis: 2.171.176 Euro

Neben dem berühmten Mercedes-Transporter für die „Silberpfeile“ der Jahre 1954/55 und den Fiat-Bartoletti-Trucks der Scuderia Ferrari gehört der Renntransporter der Ecurie Ecosse zu den berühmtesten Modellen seiner Art aus den 1950er Jahren. Als Basis wurde ein Lkw des ehemaligen britischen Nutzfahrzeug-Herstellers Commer verwendet. Ab 1959 wurde der Truck nach Plänen des Luftfahrtingenieurs Selby Howgate und mit Geldern der Ecurie Ecosse Association sowie zahlreicher weiterer Sponsoren beim auf Lkw und Busse spezialisierten Karosseriebauer Walter Alexander aus Falkirk (Schottland) zum Renntransporter umgebaut. Weitere Unterstützung für das einmalige Projekt kam von British Aluminium (für die Karosseriebleche), Dunlop, Joseph Lucas und Wilmot Breeden.

Walter Alexander Design-Chef Selby Howgate schuf einen in jeder Hinsicht aufregenden Transporter. Der Aufwärtsschwung am hinteren Ende der Karosserie sollte an einen Fisch erinnern, laut Howgate „die aerodynamischste Form in der gesamten Natur”.
Aber auch die flach stehende Frontscheibe und die Raumaufteilung verblüfften: Neben einer geräumigen Kabine für die Crew gab es gleich dahinter einen quadratischen Arbeitsbereich (1,80×1,80 Meter). Ein Rennwagen fand im Bauch des Trucks Platz, zwei weitere auf dem Oberdeck.

Ecurie Ecosse Transporter, Foto: Bonhams

Ecurie Ecosse Transporter, Foto: Bonhams

Alexanders Briefing hatte einen maximal 9,15 Meter langen Transporter vorgesehen. Howgate wählte daher als Basis ein von einem Commer TS3-Motor angetriebenes und bei der Rootes Gruppe gefertigtes Buschassis aus. Der Dieselmotor nahm dabei so wenig Platz ein, dass sich eine komplett ebene Ladefläche und Kabine ergab.

Der TS3 Motor war die Entwicklung von Ingenieuren der später von Rootes übernommen Firma Tilling-Stevens (TS), die diesen unkonventionellen Motor in einem Werk in Maidstone (Kent) fertigten. Das Triebwerk bestand aus zwei im Zweitakt arbeitenden und gekoppelten Dreizylinder-Boxermotoren. Die zusätzlich von einem an der Stirnseite des Motors angebrachten Rootes-Kompressor unter Druck gesetzt wurden. Das alles verhalf dem 3,2 Liter großen Motor zu immerhin 105 Brems-PS bei 2.400 U/min. Das maximale Drehmoment von 366 Nm lag schon bei nur 1200 Touren an.

Seinen ersten Auftritt hatte der Ecurie Ecosse-Transporter am 29. Mai 1960 auf der schottischen Rennstrecke Charterhall. Wo immer er danach auch auftauchte, wurde er von Zuschauern und Fans bewundert. Doch während der Commer-Truck schon in den 1960er Jahren als 1:48-Modellauto von Corgi Toys zur Spielzeug-Ikone wurde, erging es dem Original mit der Zeit immer schlechter. Als sich das Team 1971 auflöste, gelangte der Truck zunächst in den Besitz des bekannten Fahrers historischer Rennwagen, Neil Corner, der noch heute einen Ex-Ecurie Ecosse D-Type Jaguar bei Rennen einsetzt. Er verzierte die Flanken mit „Corner Racing”-Schriftzügen, behielt jedoch die original Ecurie Ecosse Lackierung bei. Nachdem der Wagen durch die Hände der weiteren Besitzer Tony Merrick und Roger Ludgate gegangen war, verschlechterte sich sein Zustand. Angeblich soll er sogar einmal selbst für nur £15 keinen Käufer mehr gefunden haben; ein anderes Gerücht besagt, dass er zeitweise für den Transport von Bierfässern und Tierfutter missbraucht wurde…

Ecurie Ecosse Gruppenfoto mit Transporter, Foto: Bonhams

Ecurie Ecosse Gruppenfoto mit Transporter, Foto: Bonhams

Doch nun trat auch hier Dick Skipworth als Retter auf. Gerade hatte er von Campbell MacLaren seinen Ecurie Ecosse C-Type Jaguar ‘KSF 182’ erworben. Das gute Stück auf einem offenen Trailer durch die Gegend zu transportieren, erschien ihm aber nicht standesgemäß. Bei einem Kaffee mit Chris Keith-Lucas vom Jaguar-Spezialisten Lynx kam dann eine Lösung: „Ich hätte da was für Sie”, sagte Keith-Lucas, „aber es erfordert einiges an Arbeit!“

Und so kam zusammen, was zusammengehört. Nahezu alleine versetzte der inzwischen verstorbene John Hay bei Lynx den kurz vor der Verschrottung gestandenen Lastesel quasi in den Neuzustand zurück. Dabei nutzte er unter anderen die Chance, auch noch Schlafkojen für die Besatzung einzurichten.

Heute ist der Ecurie Ecosse Transporter wieder eine absolute Top-Attraktion in jedem Fahrerlager. Wie 2007, als tauchte Skipworth mit “VSG 7” beim Scottish Classic Race Meeting in Knockhill auftauchte – mit dem Ex-Ecosse Austin-Healey Sprite, dem D-Type Jaguar und dem Tojeiro-Jaguar an Bord.

Der Lkw hat ein historisches Nummernschild, das ihn von der gewöhnlichen englischen KfZ-Steuer befreit. Er ist mit einem Gewicht von 11,5 Tonnen angegeben und verbraucht bei einer Höchstgeschwindigkeit von knapp 90 km/h rund 13 Liter Diesel auf 100 Kilometer.

Hier geht es zum Sammel-Artikel und den weiteren einzelnen Autos.

Text: Autogefühl, Thomas Imhof
Fotos: Bonhams


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