1961 Austin-Healey Sebring Sprite Ecurie Ecosse

1961 Austin-Healey 'Sebring' Sprite, Foto: Bonhams

Bonhams versteigert eine Serie von unglaublich wertvollen Rennwagen, die vor Schönheit und Einzigartigkeit nur so glänzt. Hier stellen wir den 1961er Austin-Healey Sebring Sprite vor. Von Thomas Imhof

Schätzpreis: 36.000 – 60.000 Euro
Realisierter Auktionspreis: 75.031 Euro
Amtliches Kennzeichen: 1413 WD
Chassis-Nummer: AN5 47402

1961 befand sich die Ecurie Ecosse im Abwind. Die großen Jaguar Jahre waren vorbei, und die Zwischenspiele mit Tojeiro und Lister-Jaguar brachten nicht die von David Murray und seinen Förderern erhofften Erfolge. So kam es, dass die Schotten für das Le Mans-Rennen von 1961 den früherer D-TYPE-Sieger Ninian Sanderson und einen 23jährigen Nachwuchsmann aus Glasgow namens Bill Mackay auf einem 998 ccm kleinen Austin-Healey Sprite mit englischer Zulassung ‘1413 WD’ einsetzten.

Der Wagen war ursprünglich von der Donald Healey Motor Company für einen Einsatz beim 4 Stunden Rennen von Sebring im März 1961 vorbereitet worden – ein Vorlauf zum zur WM zählenden 12-Stunden-Rennen an gleicher Stelle. Der mit einer seriennahen „Froschaugen“-Haube ausgerüstete Wagen war für das Florida-Rennen dem vielfachen SCCA-Meister Walt Hansgen anvertraut worden – ein Pilot mit Erfahrung auf Cunningham-Jaguars und Lister-Jaguars. Hinter zwei Abarths kam er auf einen ehrenvollen dritten Platz, gefolgt von fünf weiteren Sprites mit Fahrern wie Stirling Moss, dessen Schwester Pat, Bruce McLaren, Paul Hawkins, Briggs Cunningham und Dick Thompson. Der drittplazierte Sprite wurde danach zurück ins Werk der Healey Motor Company in The Cape, Warwick, gebracht. Wo ihn David Murray während eines Besuchs bei seinem alten Freund Donald Healey entdeckte.

Murray hatte bereits seinen Cooper Monaco für Le Mans genannt; doch nun reizte es ihn, den lukrativen Effizienz-Index mit dem kleinen Sebring Sprite zu gewinnen. Healey konnte sich ebenfalls für die Idee erwärmen, verpasste dem Auto eine stromlinienförmigere Schnauze mit eingezogenen Scheinwerfern und ein verlängertes Aluminium-Hardtop. Beides sollte die Höchstgeschwindigkeit auf der 5,8 Kilometer langen Mulsanne-Geraden steigern helfen.

Nachdem sich schon Bruce Halford nach seinem Unfall im Cooper Monaco des Teams in der Dunlop Kurve üble Verletzungen zugezogen hatte, kam es für die Mannschaft des Ecurie Ecosse Sprite mit Nr. 46 noch dicker. Bill MacKay verlor auf feuchter Kurve bei Maison Blanche die Kontrolle über das Fahrzeug, drehte sich in die Absperrungen und setzte zu mehreren Überschlägen an.

MacKay wurde im Auto eingeklemmt, erlitt Verletzungen an der Halbwirbelsäule, einen gebrochenen Arm, dazu Verbrennungen und Prellungen. Als er vom Unfall seines Sohnes erfuhr, flog sein als Arzt tätiger Vater sofort nach Frankreich, um die Behandlung und den Rücktransport nach Glasgow zu überwachen. Es dauerte elf Monate und 15 Operationen, ehe Bill MacKay wieder voll hergestellt war. Er bestritt danach wieder Rallyes auf einem MGB und war- wie schon vor seinem Le Mans-Abenteuer – erneut erfolgreich bei Yacht-Rennen.

Der schwer beschädigte Sprite wurde zurück zur Donald Healey Motor Company in Warwick geschafft, und nach Demontage noch verwertbarer Teile als „dem Tod geweiht“ im Werkshof abgestellt. Bis ihn ein junger Roy Lane, der später als vielfacher Sieger der britischen Bergmeisterschaft bekannt werden sollte, über den Zaun blickend entdeckte und als Ex-Ecurie Ecosse Le Mans Sprite identifizierte. „Ich überredete Geoff Healey, mir die Reste zu verkaufen und mich mit neuen Teilen zu versorgen. Sie wollten nur die stromlinienförmige Bugpartie behalten. Ich erwarb ein betont eng abgestuftes Getriebe von ihnen, hatte aber kein Geld für einen neuen Motor. Also nahm ich einen Motor von einem gebrauchten Austin A40 und fuhr das Auto erstmals Ende 1969. Ich hatte auch einige Erfolge, ehe ich es gegen einen Lotus 11 eintauschte und an Richard Groves verkaufte.

Groves fuhr den Wagen sporadisch bis 1970, bis sich seine Spuren verloren. Fakt ist, dass Dick Skipworth in den späten 1990er Jahren die Überreste des Wagens in Form einer „Kiste mit Teilen” erwarb. Wichtigster Bestandteil des Pakets war die Original-Ecurie Ecosse-Chassisnummer ‘AN5 47402’. „Lynx fertigte ein neues Aluminium-Dach und die Motorhaube, während ich den Rest besorgte. Wir hatten nun einen Wagen, der dem 1961 von der Ecurie Ecosse eingesetzten Le Mans Sprite in allen Details exakt entsprach“, freute sich Skipworth. Der Sprite ist für historische Rennen zugelassen, trat zweimal beim Goodwood Revival Meeting an und gewann einen Preis bei den Le Mans Classics 2008. Mit einem 1.275 cm3 großen Swiftune-Motor mit Zweistufen-Weber-Vergaser ist der kleine Renner bestens bestückt. Ein Original-Motor mit 998 cm3 Inhalt und zwei SU-Vergasern gehört neben einem Ersatzgetriebe zum jetzt bei Bonhams versteigerten Paket.

Hier geht es zum Sammel-Artikel und den weiteren einzelnen Autos.

Text: Autogefühl, Thomas Imhof
Fotos: Bonhams


One Response to 1961 Austin-Healey Sebring Sprite Ecurie Ecosse

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir zur Optimierung Ihres Lesegenusses Cookies verwenden. mehr

Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir zur Optimierung Ihres Lesegenusses Cookies verwenden. Aus rechtlichen Gründen müssen wir Sie an dieser Stelle darauf hinweisen. Mehr Details gibt es auch in unseren Datenschutzbestimmungen: http://www.autogefuehl.de/impressum/datenschutzerklarung/

Schließen