1962 Tojeiro EE-Buick Coupé Ecurie Ecosse

Tojiero-Buick Coupé, Foto: Foto: Bonhams

Bonhams versteigert eine Serie von unglaublich wertvollen Rennwagen, die vor Schönheit und Einzigartigkeit nur so glänzt. Hier stellen wir das 1962er Tojeiro EE-Buick Coupé vor. Von Thomas Imhof

Schätzpreis: 220.000 – 280.000 Euro
Realisierter Auktionspreis: 259.427 Euro
Amtliches Kennzeichen: TSU 719
Chassis Nummer. TAD-4-62/EE-2
Motornummer: 3501194 HH353671

Das Coupé aus der Feder des Designers John Tojeiro mit im Heck installiertem V8 gilt als Vorläufer des Lola-Ford Mark VI GT von 1963 und der Ford GT 40-Familie. Er geht zurück auf den Plan David Murrays, für das Le Mans-Rennen von 1962 ein Coupé mit dem ihm zur Verfügung stehenden 2,5 Liter Coventry Climax-Motor in der GT-Prototypen-Klasse einzusetzen.

Bei einem Mittagessen in Murrays Wohnung in der Cambridge Street von Edinburgh schlug ihm John Tojeiro vor, dazu ein vorhandenes Formel Junior Tojeiro-Chassis zu nutzen. Es müsste nur noch etwas verbreitert und verstärkt werden. Und so kam es, dass Murray schon am 28. Februar 1962 das Auto für das Le Mans-Rennen meldete.

Bis zum Rennen in Frankreich wurde dann jedoch nur ein Auto, ausgerüstet mit dem im Heck installierten Climax-Motor und dem mit etwas Mühe daran angepassten Fünfganggetriebe aus dem inzwischen ausrangierten Cooper-Monaco des Teams. Das zweite Auto fungierte nur als Ersatzteillager, jedoch ohne Motor und Getriebe.

Tojiero-Buick Coupé, Foto: Foto: Bonhams

Tojiero-Buick Coupé, Foto: Foto: Bonhams

Murray versuchte zunächst alles, um den Sieger von 1956, Ninian Sanderson, zu einem Einsatz am Steuer des neuen Tojeiro EE-Climax Coupés zu überreden. Doch der zog den Start auf einem TVR vor, so dass nun neben Tommy Dickson der altgediente Jack Fairman für die Ecurie Ecosse die Kohlen aus dem Feuer holen musste.

Erst am Montag vor dem Rennen wurden beide Coupés um 16:30 Uhr in Richtung Frankreich abtransportiert – die Lackierung des Einsatzwagens konnte erst im Fahrerlager von Le Mans nachgeholt werden. Zu allem Überfluss hatte der Commer-Transporter des Teams auf nasser Strecke bei Sevenoaks (Kent) einen Unfall und traf dabei eine Mauer – was auch die Karosserie des Einsatzwagens beschädigte.

Gottlob konnte alles rechtzeitig repariert werden und auch die technische Abnahme in Le Mans verlief bis auf eine von den Kommissaren als etwas zu eng bemängelte Türöffnung problemlos. Nachdem das Team die Scharniere geändert hatte und die Tür somit weiter aufschwang, gaben die Franzosen dann ihr Okay.

Im Rennen lief das Metallic-blaue Coupé dann acht Stunden lang ohne Probleme, bis das Cooper-Getriebe kurz vor 23 Uhr zwei Gänge auf einmal einlegte und festging. Zu diesem Zeitpunkt war der Wagen das zweitbeste britische Auto im Rennen. Für die Ecurie Ecosse in ihrer ursprünglichen Form sollte es der letzte Einsatz in Le Mans sein.

Doch es kam noch schlimmer: Im August trat Fairman bei der über 50 Runden gehenden Guards Trophy International in Brands Hatch an. Im strömenden Regen drehte und überschlug er sich. Fahrer und Wagen kamen zwar glimpflich davon, doch nun hatte Murray offenbar erst einmal genug von den Rennen. Stattdessen meldete er das wiederhergestellte Tojeiro EE Coupé bei der FIA für Rekordfahrten im Autodrom von Monza an. Ziel: neue Rekorde über eine Stunde und 100 Kilometer.

Doch bis auf eine neue Rekord-Höchstgeschwindigkeit für diesen Fahrzeugtyp von 244 km/h auf dem Steilwandoval brachte der Italien-Ausflug nichts Handfestes, musste doch Fairman den blauen Wagen vorzeitig mit einer geborstenen Ölleitung rauchend an der Box abstellen.

Für die Saison 1963 überlegte man in Merchiston Mews, eines der beiden EE Coupés mit einem der neuen amerikanischen V8-Motoren auszurüsten. Im Focus stand ein 3,5 Liter-Motor von Buick mit Aluminium-Block, gekoppelt an ein Chevrolet Corvair-Getriebe.

Am Ende wurde in der Tat ein Buick V8 angeschafft, um eine Trockensumpfschmierung ergänzt und von serienmäßig 140 auf stolze 228 Brems-PS getunt. Als Fahrer verpflichtete Murray unter anderen Jackie Stewart, der mit dem Tojeiro-Buick am 30. Juni in Charterhall ein Rennen gewann und in einem weiteren Zweiter wurde. Derweil war auch der Ex-Le Mans-Wagen von Climax- auf Ami-Power umgerüstet worden und feierte am 23. Juni auf dem Flugplatzkurs von Oulston mit Tommy Dickson (Platz vier) Premiere.

Dieses Modell kam danach noch mit Dickson auf Platz zwei in Charterhall, schied mit (erstmals) Jackie Stewart am Steuer in Snetterton aus und landete mit Doug Graham nur auf Platz 14 in Silverstone. Dafür gewann Stewart das Rennen vom 5. August in Snetterton, ließ an gleicher Stelle 14 Tage später noch einen dritten Platz folgen, ehe er am 31. August in Oulton Park ausfiel.

Das von Bonhams versteigerte Tojeiro EE-Buick Coupé gelangte nach langen Jahren der Inaktivität in den Besitz des neuen Besitzers der Ecurie Ecosse, Hugh McCaig. Er und Hugh Chalmers setzten das Modell in den 1990er Jahren sporadisch ein, unter anderen 1998 in Goodwood, wo es hinter einem Aston Martin Platz Zwei belegte. Zwischen 2002 und 2005 war der Tojeiro-Buick Stammgast beim Goodwood Revival Meeting. Ein Hewland-Getriebe hatte längst die Original-Corvair-Box ersetzt und 2002 gelang es dem inzwischen leider verstorbenen Schotten David Leslie, mit diesem Modell weitaus modernere Ford GT40 rundenlang hinter sich zu halten.

In den Besitz von Dick Skipworth gelangte das Fahrzeug 2009. James Dean Racing Services bereitete diesen seltenen, aber wichtigen Vorläufer so vieler späterer Sportcoupés mit V8-Heckmotor für Einsätze bei Classic Car Events vor.

Hier geht es zum Sammel-Artikel und den weiteren einzelnen Autos.

Text: Autogefühl, Thomas Imhof
Fotos: Bonhams


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