Lancia Fulvia F&M

lancia fulvia

Man schrieb die Rennsaison 1969, als Lancia Rennleiter Cesare Fiorio und der am Ende einer langen und erfolgreichen Karriere stehende Rennfahrer Umberto Maglioli mit einer Renn-Barchetta auf Basis der Fulvia HF Renn- und Rallyepisten unsicher machten. Einer von nur drei gebauten Italo-Flachmännern stand jetzt bei einer Auktion von Coys zum Verkauf. Von Thomas Imhof

Bei dem unter den Hammer kommenden Modell handelt es sich um das zweite von drei für das Werksteam HF Squadra Corse unter die Guillotine gekommene Fulvia Coupé. Chassis ‘00200’ gilt als das einzig noch existierende Exemplar von ehemals drei Barchettas. Nach langen Jahren im Verborgenen war es vom Vorsitzenden des Lancia Registers, Oscar Capellani, aufgestöbert worden war. Es folgten nochmals jahrelange zähe Verhandlungen, bis es Capellani endlich gelang, das Auto zu kaufen. Danach setzte er das “Bötchen” (italienisch: Barchetta) bis zu seinem Tod im vergangenen Jahr bei kleineren Rennen rund um Turin ein.

Die Rennsemmel bei einem Einsatz in Mugello - Foto: Collezione Maglioli

Die Rennsemmel bei einem Einsatz in Mugello – Foto: Collezione Maglioli

Die Ursprünge des Fulvia ohne Dach liegen der Legende nach im 24-Stunden-Rennen von Daytona 1969 verborgen. Während des Rennens in Florida litten die Lancia Fahrer wegen überhitzender Cockpits an frühzeitiger Ermüdung. Für die kommende Targa Florio auf Sizilien entschieden sich Rennleiter Cesare Fiorio und sein Topfahrer Umberto Maglioli daher für einen radikalen Umbau: Neben der Umwandlung zum schamlos offenen Spider verkürzte man das Heck um 24 Zentimeter und holte gegenüber dem Fulvia Coupé 80 überflüssige Kilo aus dem Auto. Um noch genügend Verwindungssteifigkeit zu bewahren, wurde der Aufbau durch einen soliden Gitterrohrrahmen verstärkt.

Die drei gebauten Lancia FM Specials (in der Mitte der deutlich abweichende Nr.3) - oto: Collezione Maglioli

Die drei Lancia F&M Specials (rechts die Nr.2, in der Mitte die deutlich von den beiden ersten Modellen abweichende Nr.3) – Foto: Collezione Maglioli

Mit diesem abgespeckten und von einem im Bug installierten V4-Motor mit rund 135 PS angetriebenen Modell trat Lancia bei der Targa in der Klasse bis 1,6 Liter an. Mit Erfolg: Sandro Munari und sein Rallye-Kollege Rauno Aaltonen liefen als Neunte im Gesamtklassement und Zweite in der Klasse ein. Beim 1000-km-Rennen auf dem Nürburgring feierte die Squadra Lancia mit ihren Rennbügelbrettern sogar einen doppelten Klassensieg: Platz Eins (und P27 im Gesamt) für Munari/Aaltonen und Platz Zwei (P29 im Gesamt) für Maglioli und “Lele” Pinto.

Mit allen Vieren in der Luft am Ring - Foto: Coys

Mit allen Vieren in der Luft am “Ring” – Foto: Coys

Auch bei großen Rallyes wie der Tour de Corse kamen die Lancia Fulvia FM zum Einsatz – dann jedoch bestückt mit der Original-Windschutzscheibe des Coupés, Seitenscheiben, einem soliden Überrollkäfig und der für die damalige Zeit üblichen Batterie Zusatzscheinwerfer. Unter den Fahrern dieser Hybrid-Modelle waren Rallye-Größen wie Sandro Munari, Timo Mäkkinen oder Harry Källström, der mit einem solch halboffenen Fulvia 1969 die Rallye des Mittelmeers gewann. Als mehr oder weniger wirksamen Schutz gegen Regen hatte Lancia übrigens schnell montierbare “Hardtops” aus Aluminium in Form gedengelt…

V4-Motor im Bug und extrem filigraner Überrollschutz - Foto: Collezione Maglioli

V4-Motor im Bug und extrem filigraner Überrollschutz – Foto: Collezione Maglioli

Das sehr originalgetreue und mit der richtigen Prise Patina veredelte Stück Motorsportgeschichte der späten 1960er Jahre ging am Samstag (11. Januar) beim Auktionator Coys für stattliche £231.000 (umgerechnet 277.000 Euro)an einen neuen Besitzer.

Rallye-Version des Fulvia FM Spider im Einsatz bei der Tour de Corse - Foto: forum-auto.com

Rallye-Version des Fulvia FM Spider im Einsatz bei der Tour de Corse – Foto: forum-auto.com

Eine sehr schöne Website (leider nur auf italienisch) zur Lancia Fulvia im Allgemeinen und zur Fulvia F & M Special Barchetta samt eines Interviews mit dem 1999 verstorbenen dreifachen Targo Florio-Sieger und ehemaligen Porsche-Werksfahrer Umberto Maglioli finden sich unter diesem Link

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Text: Autogefuehl, Thomas Imhof
Fotos: Sammlung Maglioli, forum-auto.com


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