Chevrolet Corvette Museum: Riesenerdloch

Das nationale Corvette Museum in Bowling Green ist der heilige Gral für die weltweite Corvette-Fangemeinde. Am Mittwochmorgen schluckte ein riesiges Schlundloch acht seltene Exponate neun Meter in die Tiefe. Zum Glück geschah der Vorfall am frühen Morgen, sodass niemand verletzt wurde. Doch der materielle Schaden geht in die Millionen. Von Thomas Imhof

Bowling Green, Kentucky ist für Fans der amerikanischen Sportwagen-Legende Corvette eine heilige Pilgerstätte. Im dortigen National Corvette Museum wird wie sonst nirgends auf der Welt die Geschichte der seit 1953 gebauten US-Ikone ausgestellt, ja regelrecht zelebriert. Nun wurde der automobile Kultort Opfer einer der zahlreihen Erdlöcher, die zuletzt im wegen seines kalkhaltigen Bodens besonders löchrigen Bundesstaat Florida Ferien-Villen einstürzen ließen.

Der Sky Dome am Donnerstagmorgen - Foto: National Corvette Museum

Der Sky Dome am Donnerstagmorgen – Foto: National Corvette Museum

Es war kurz vor 5.40 Uhr am Mittwochmorgen, als im Corvette-Museum die Bewegungsmelder anschlugen. Überwachungskameras filmten, wie sich im Innenteil des runden „Sky Dome“-Flügels plötzlich der Boden öffnete. Ein zwölf Meter breites Loch entstand, das acht Corvetten neun Meter tief auf Tauchstation gehen ließ. „Eine fast surreale Szene, das Loch ist so groß, dass die darin liegenden Autos aussehen wie Matchbox-Modelle”, entfuhr es der geschockten Museumssprecherin Katie Frassinelli.

Mit Hilfe ferngesteuerter Drohnen machten sich Geologen und Ingenieure der nahen Western Kentucky University sogleich an die Ursachenforschung. Ihre gute Nachricht: Der Sky Dome habe keine strukturellen Schäden davongetragen. Als Grund für den plötzlichen Kollaps sehen sie eine unterirdische Höhle. Was nicht wundert, liegt das Museum doch mitten in einer der größten Karst-Regionen der Welt. Und in der als National Park geführte Mammoth Cave – mit rund 627 km kartierter Ausdehnung die weitläufigste bekannte Höhle der Welt.

Ein kreisrunder Krater riss die Autos in die Tiefe - Foto: National Corvette Museum

Ein kreisrunder Krater riss die Autos in die Tiefe – Foto: National Corvette Museum

Sechs der acht in die Tiefe gestürzten Chevy Corvettes wurden dem Museum von Privatbesitzern vermacht; zwei sind Eigentum des Herstellers General Motors. Im Einzelnen erwischte es folgende Exponate:

  • eine “Black Corvette” von 1962
  • ein Pace Car für die Indycar-Serie von 1984
  • einen ZR1 “Blue Devil” von 2009
  • die weiße “Eine-Million-Corvette” von 1992
  • die in Ruby red lackierte “40th Anniversary Corvette” von 1993
  • eine Mallett Hammer Z06 Corvette von 2001
  • die weiße “1,5-Million-Corvette” von 2009 und
  •  einen ZR-1 Spyder von 1993
Diese blaue "Vette" kam noch relativ glimpflich davon - Foto: National Corvette Museum

Diese blaue “Vette” kam noch relativ glimpflich davon,weniger das rote Exemplar – Foto: National Corvette Museum

Nach einer ersten Bestandsaufnahme wurden sofort alle noch im Sky Dome verbliebenen Fahrzeuge – zum Teil mit Hilfe spezieller Rampen – aufs Trockene gebracht. Mit besonderer Eile das „unersetzliche Modell des Jahrgangs 1983.“ In der Tat baute GM 1983 nur 43 Vorserienmodelle der Corvette. Weil neue Sicherheitsgesetze in Kraft traten, hätte das mit einem Targa-Dach ausgestattete Modell komplett überarbeitet werden müssen. Daher entschloss sich der damalige GM-Boss Bob Stempel, bis auf eines alle Modelle zu verschrotten und sofort zum 84er Modell überzugehen. Das überlebende Auto gehört heute dem Museum und soll laut Frassinelli an anderer Stelle einen Patz finden. Die übrigen Exponate aus dem Sky Dome dagegen sollen zunächst zwischengelagert werden. Von den havarierten Fahrzeugen würden „wohl mindestens zwei noch zu retten sein“, hofft Museumsleiter Wendall Strode. Doch sei noch unklar, wann genau mit der Bergung begonnen werden könne. In jedem Fall dürfen sich Corvette Restaurateure wohl schon jetzt auf satte Aufträge freuen.

Diese schwarze "Vette" blieb auf halber Höhe hängen - Foto: National Corvette Museum

Diese schwarze “Vette” blieb auf halber Höhe hängen – Foto: National Corvette Museum

Das National Corvette Museum wurde im September 1994 auf einem Areal von 128.000 m2 gegründet. Nach einer Erweiterung um 4.400 m2 im Jahr 2008 umfasst die Ausstellungsfläche heute 10.700 m2. Auf ihr ist Platz für rund 80 Fahrzeuge, manche Dauerexponate, manche temporäre Leihgaben. Das Museum beherbergt darüber hinaus das weltweit größte Corvette Archiv und eine riesige Bibliothek, dazu – natürlich – zahlreihe Souvenir-Shops, Werkstätten und ein im Stil eines Eisenbahn-Speisewagens der 60er Jahre eingerichtetes Café.

Der Sky Dome mit roter spitze von außen - Foto: National Corvette Museum

Der gelbe Sky Dome mit seiner einem Minarett ähnelnden roten Spitze – Foto: National Corvette Museum

In unmittelbarer Nachbarschaft des Museums befindet sich das Montagewerk Bowling Green. Dort baut Chevrolet seit 1981 die Corvette. Die räumliche Nähe wird gern dazu genutzt, um Kunden, die ihr neues Auto im Museum in Empfang nehmen, auch noch eine Werksführung angedeihen zu lassen.

Das Schlundloch hätte sich zu keinem unpassenderen Zeitpunkt aufsperren können. Denn das Corvette Museum ist schon mitten in den Vorbereitungen für die Feierlichkeiten zu seinem 20jährigen Jubiläum und will im August auch noch einen 74,5 Hektar großen Motorsport Park (Foto unten) eröffnen. Schon jetzt haben sich für dessen „Grand Opening” 5.000 Gäste angemeldet. Auf dem Areal des neuen Motorsport-Spielparks seien Schlundlöcher keine Gefahr, beeilte sich PR-Dame Frassinelli zu betonen: Man habe während der Bauarbeiten mehrere davon entdeckt, sie aber alle als „harmlos“ eingestuft.

Luftaufname des geplanten Motorsport-Parks - Foto: National Corvette Museum

Luftaufname des geplanten Motorsport-Parks – Foto: National Corvette Museum

Am Donnerstag wurde das Corvette Corvette Museum erstmal geschlossen, bis auf den schwer beschädigten Sky Dome vielleicht nur für kurze Zeit. Spätestens bis zum Sommer soll dann aber auch die von einer 30 Meter hohen Glaskuppel und einer roten Spitze gekrönte „Corvette-Kathedrale” wieder begehbar sein. Wohl in der Hoffnung, dass sich bis dahin keine weiteren Löcher im Karst-Boden von Kentucky aufgetan haben.

Text: Autogefühl, Thomas Imhof
Fotos: National Corvette Museum


One Response to Chevrolet Corvette Museum: Riesenerdloch

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