Test Sommerreifen gegen Winterreifen

Michelin Winter Experience, Foto: Autogefühl

Es gibt Experten, die behaupten, dass ein Sommerreifen mit viel Profil auch im Winter gut geeignet ist. Wir wollten diese These prüfen und haben uns auf den Weg nach Lappland gemacht, um dort neue Sommerreifen gegen Winterreifen im Härtetest antreten zu lassen – und haben Erschreckendes festgestellt. Von Mikhail Bievetskiy

Statistik


An der technischen Universität in Dresden beschäftigt man sich unter anderem mit der Verkehrsunfallforschung (kurz: VUFO) und erhebt dazu statistische Daten. Anhand dieser Daten lässt sich das theoretische Unfallrisiko ableiten. Dieses ist – im Vergleich zu trockener Fahrbahn – bei nasser Fahrbahn doppelt so hoch. Bei verschneiter Fahrbahn steigt das Risiko sogar auf ein Vierfaches. Ist hingegen Eis im Spiel, so schnellt das Unfallrisiko auf das Zehnfache nach oben. Diese Statistik klingt auf den ersten Blick erschreckend, jedoch sieht es in der Realität so aus, dass sich 93% der Unfälle im Winter auf trockener oder nasser Fahrbahn ereignen. Der Anteil der Unfälle bei verschneiter oder vereister Fahrbahn liegt im einstelligen Prozentbereich. Schließlich gibt es in Deutschland nicht so viele Tage mit Schnee- und Eisglätte.

Vergleich: Der Sommerreifen mit wenig Profil. Foto: Michelin

Vergleich: Der Sommerreifen mit wenig Profil. Foto: Michelin

Vergleich: Der Winterreifen mit viel Profil. Foto: Michelin

Vergleich: Der Winterreifen mit viel Profil. Foto: Michelin

Die Unterschiede zwischen Sommerreifen und Winterreifen

Wir befinden uns auf dem zugefrorenen See Pasasjärvi am Polarkreis in Ivalo. Ideale Bedingungen, um Winter mit Schneefall und Eisbildung zu haben, während es in Deutschland schon frühlingshaft ist. Als Testfahrzeuge stehen uns zwei baugleiche Volkswagen Touareg zur Verfügung, bereift mit neuen Michelin Latitude Sport Sommerreifen und Latitude LA2 Winterreifen.

Brems- und Dynamik-Übungen auf Eis mit dem VW Touareg, Foto: Michelin

Brems- und Dynamik-Übungen auf Eis mit dem VW Touareg, Foto: Michelin

Mithilfe von Pylonen steht ein aufgebauter Parcours bereit, der zunächst als Beschleunigungsstrecke aus dem Stand ausgelegt ist. Nach rund 350 Metern Beschleunigung soll der Geländewagen zu einem vollständigen Stillstand gebracht werden. Wir sitzen zunächst im winterbereiften Touareg und starten mit einem Kickdown, um eine ordentliche Startgeschwindigkeit (rund 80 km/h) zu bekommen. Anschließend steigen wir voll auf die Bremse und merken einen ABS-Eingriff, bringen den Wagen jedoch sicher vor der Haltelinie zum Stillstand.

Mit dem VW Touareg die Grenzen ausloten. Foto: Michelin

Mit dem VW Touareg die Grenzen ausloten. Foto: Michelin

Nach der Haltelinie ist ein Slalomparcours aufgebaut, den wir möglichst ohne Unter-/Übersteuern absolvieren müssen. Hier stellen wir fest, dass der Touareg sauber auf unsere Lenkbefehle reagiert und der Reifen stets genügend Grip aufbaut.

Start mit Sommerreifen

Nachdem wir zurück am Startpunkt sind, schnappen wir uns das Auto mit den Latitude Sport Sommerreifen. Wir erinnern uns zurück, dass wir auf einer Eisdicke von rund 60 Zentimetern mit neuen Reifen unterwegs sind. Und hier beginnt das gleiche Spiel wie zuvor. Zunächst beschleunigen wir wieder mittels Kickdown, um eine Startgeschwindigkeit zu bekommen. Das Heck schlendert einige Male hin- und her, allerdings kommen wir nicht vom Fleck.

Langsames Tempo mit Sommerreifen, Foto: Autogefühl

Langsames Tempo mit Sommerreifen, Foto: Autogefühl

Erst nach einem sanften Gasstoß bewegt sich der Touareg und wir bekommen eine Geschwindigkeit von rund 30 km/h auf dem Tacho. Nun wollen wir jene Geschwindigkeit vor der Bremslinie wieder runterbremsen und merken, dass wir die Kontrolle über das Fahrzeug beinahe gänzlich verloren haben, da der Bremseingriff nur mit einer Zeitverzögerung von einigen Sekunden umgesetzt wird.

Michelin Winter Experience, Foto: Autogefühl

Michelin Winter Experience, Foto: Autogefühl

Angekommen auf dem Slalomparcours haben wir ähnliche Probleme. Um hier die Kontrolle über das Auto zu behalten, dürfen wir eine Geschwindigkeit von 10-15 km/h nicht überschreiten, da es sonst ausbricht. Am Wendepunkt haben wir sogar Schwierigkeiten damit, diese minimale Geschwindigkeit zu halten, da wir eine 180°-Drehung absolvieren müssen, bei der das Auto – trotz Allrad – eigenwillig über die eigene Achse schiebt.

Mit Sommerreifen ist nur wenig Lenkeinschlag möglich, Foto: Autogefühl

Mit Sommerreifen ist nur wenig Lenkeinschlag möglich, Foto: Autogefühl

Eine eindrucksvolle Erfahrung, wenn man die Theorie einmal so deutlich in der Praxis erlebt.

Winterreifen lohnen sich bereits ab 7°, Umrüstung O bis O

An dieser Stelle sei erwähnt, dass wir in Deutschland natürlich andere Witterungsbedingungen haben, jedoch empfiehlt sich eine Umrüstung auf Winterreifen schon ab 7° Celsius, da bei diesen Reifen eine andere Materialmischung verwendet wird; als Faustregel für eine Umrüstung gilt das klassische “O bis O”, also Oktober bis Ostern.

Brems- und Dynamik-Übungen auf Eis mit dem VW Touareg, Foto: Michelin

Brems- und Dynamik-Übungen auf Eis mit dem VW Touareg, Foto: Michelin

Mehr Informationen zur Michelin-Modellpalette gibt es bei NewCarz.

Text: Mikhail Bievetskiy
Fotos: Mikhail Bievetskiy / Michelin
Video: Autogefühl


2 Responses to Test Sommerreifen gegen Winterreifen

  1. […] Berichte vom Polarkreis gibt es im Automobil-Blog, bei Autophorie, Autogefühl und […]

  2. […] AutogefühlTest Sommerreifen gegen Winterreifen bei der Michelin Winter ExperienceAutogefühl – das Auto Blog! http://www.autogefuehl.de Es gibt Experten, die behaupten, dass ein Sommerreifen … […]

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