Seat Leon SC 1.6 TDI Testbericht

Seat Leon SC, Foto: Autogefühl

In der am stärksten nachgefragten (Marktanteil 25 %), aber auch hart umkämpften Kompaktklasse muss sich der Seat Leon nicht nur gegen die Verkaufsrenner Ford Focus, BMW 1er, Mercedes A-Klasse oder Opel Astra behaupten, sondern auch gegen die konzerninterne Konkurrenz von Audi, Volkswagen und Skoda. Abgesehen davon, dass der Preis verschiedene Käufer ansteuert, hat der Leon insbesondere als Seat Leon SC (3-türiges Coupé) seine ganz bestimmte Nische gefunden. Von Thomas Majchrzak


Seat Leon SC, Foto: Autogefühl

Seat Leon SC, Foto: Autogefühl

Was für ein Auftritt: Man spricht so oft vom schönen Wörtchen Dynamik, aber hier ist es wirklich angebracht: Der Seat Leon SC strahlt eine große Dynamik aus, und zwar durch seine Scheinwerfer, kantigen Außenspiegel und auch durch die Rückleuchten. Die dreitürige SC-Version unterstreicht den Look dabei. Drei Türen sind zwar nicht gerade praktisch, aber wer die hintere Sitzbank nie benötigt, der kann sich auch diesen Design-Luxus gönnen. Der Clou beim Seat Leon: Hier stimmt nicht nur der Look, sondern auch die Qualität – was man manchmal an kleinen Merkmalen festmachen kann. Der Ton, den die Heck-Klappe beim Schließen macht, zum Beispiel. Ein satter, dumpfer Ton, nichts klappert, nichts scheppert. Hört sich gut an.

Seat Leon SC dynamische außenspiegel, Foto: Autogefühl

Seat Leon SC dynamische außenspiegel, Foto: Autogefühl

 

Interieur clean und zum Wohlfühlen

Auch im Innenraum herrscht typische Volkswagen-Konzern-Qualität. Geringe Spaltmaße, kein Knopf oder Klapp-Mechanismus, der sich in eine ungewollte Richtung schieben lässt. Das Interieur ist eher gewohnt nüchtern, aber hat dadurch auch einen gewissen Charme: In wenigen Sekunden hat man den Überblick, was wofür da ist und kommt in dem Auto gut zurecht. Einige dynamische Charaktermerkmale werden dann doch im Innenraum fortgesetzt, und das gefällt: Etwa der zackige Abschluss des Armaturenbretts auf der Beifahrerseite oder die Designlinie auf den Innenseiten der Türen, die geschwungen nach hinten abfällt. Übrigens wird die Sicht in den Außenspiegel nicht durch die zackige Form behindert. Der spitz zulaufende Zusatz bringt dagegen sogar bessere Übersicht, etwa auf der Autobahn. Ferner gibt es schräg nach vorne eine besonders gute Übersicht, weil die A-Säule sehr schmal ist.

Seat Leon SC Cockpit, Foto: Autogefühl

Seat Leon SC Cockpit, Foto: Autogefühl

Das griffige Lenkrad bietet kaum Lenk-Widerstand. Das ist zunächst gewöhnungsbedürftig, macht aber schnell Spaß. Der Umgriff ist recht klein, das heißt, das Lenkrad ist im Griffbereich recht schmal, was die sportliche Note unterstreicht und das Fahrzeug insgesamt leichtfüßiger wirken lässt. Freunde einer sportlichen Sitzhaltung finden auch schnell Gefallen, weil sich die Sitze wirklich ganz tief herunter hebeln lassen. Das passt in diesem Fall besonders gut zu den optionalen Alcantara-Leder-Mix-Sitzen (Aufpreis 700 Euro), die in unserem Testwagen verbaut sind. Diese sind, auch auf Langstrecken, sehr bequem. Das Alcantara fühlt sich gut an, und irgendwie fühlt sich die Sitzheizung durch die Alcantara-Sitze sogar noch angenehmer an als durch Voll-Ledersitze.

Seat Leon SC Alcantara-Leder-Mix, Foto: Autogefühl

Seat Leon SC Alcantara-Leder-Mix, Foto: Autogefühl

Das iPhone ist fix mit dem System verbunden. Und beim Ausschalten des Motors erinnert der Bildschirm gerne daran, sein Mobiltelefon nicht zu vergessen. Das Navigationssystem wirkt dagegen in der graphischen Darstellung etwas überladen, da würde man gut tun, sich bei Konzernschwester Skoda einzudecken.

Seat Leon SC Alcantara-Leder-Mix, Foto: Autogefühl

Seat Leon SC Alcantara-Leder-Mix, Foto: Autogefühl

Insgesamt ergibt sich durch das Interieur ein sofortiges Wohlfühlen. Einsteigen, man findet sich sofort zurecht und fühlt sich rundherum gut aufgehoben. Das Einsteigen in die hintere Sitzreihe ist übrigens einfacher, als man denkt: Die vorderen Sitze fahren auf der Schiene ein wenig nach vorne, während man die Sitze umklappt. Die Rückbank sieht erst klein aus, bietet aber dann doch ausreichend Platz.

Seat Leon SC Armaturen klassisch und sehr klar, Foto: Autogefühl

Seat Leon SC Armaturen klassisch und sehr klar, Foto: Autogefühl

Einziger Nachteil für die vorderen Passagiere durch die 3-Türer-Form: Die Gurthalter sind dann immer recht weit hinten, so dass man beim Anschnallen weit hinter sich fassen muss. Da würde man sich Gurtanreicher wünschen. Ansonsten fällt negativ noch die Abdeckung des Schalthebels auf, die man nach unten abziehen kann. Das wäre dann aber auch die einzige Kleinigkeit, ansonsten spielt Seat da zusammen mit den Konzernschwester in einer völlig anderen Liga als vergleichbare Konkurrenten.

Seat Leon SC Fond, Foto: Autogefühl

Seat Leon SC Fond, Foto: Autogefühl

 

Das Autogefühl

Das Fahrgefühl ist – wenn man möchte – sehr entspannt. Das kleine Lenkrad, der Seitenhalt auf den Alcantara-Sitzen und die gute Seitenlage des Seat Leon SC verführen allerdings auch zu einer schnelleren Gangart in den Kurven. Das macht er gerne mit. Nur Querfugen mag er nicht allzu gerne.

Seat Leon SC, Foto: Autogefühl

Seat Leon SC, Foto: Autogefühl

Die dynamische Optik hat übrigens offensichtlich einen so stromlinienförmigen Effekt, dass sich der Seat Leon SC problemlos über 10 Grad Außentemperatur mit komplett heruntergelassenen Fenstern noch bis 80 km/h fahren lässt, ohne dass einem der Kopf wegfliegt. Gewöhnlich wird es bei den meisten Fahrzeugen über 50 km/h unangenehm, wenn die Seitenscheiben heruntergelassen sind. Dem Sommer mit ordentlich frischer Luft steht also nichts mehr im Wege.

Seat Leon SC Ausstattungsvarianten

Über der Basisversion fängt “Reference” an, was Klimaanlage und beheizbare Außenspiegel enthält.
Darüber kommt “Style“, dabei gibt es Chrom-Applikationen im Innenraum, Lederlenkrad, Lederschaltknauf und 16-Zoll-Aluräder. In dieser Ausstattung gibt es den Seat Leon SC ab 19.340 Euro. In unserem Test kämen wir mit der Style-Ausstattung und dem 1.6 Liter TDI auf 23.840 Euro.
Die Variante FR, euphorisch für Formula Racing, liefert dann schon 17-Zoll-Räder und Sportsitze in Stoff-Lederoptik.

Hier eine Video-Kurzvorstellung der Sport-Designversion FR:

Übrigens kostet ein Glas-Schiebedach grundsätzlich 890 Euro extra und ein Lederpaket 1.490 Euro.

Seat Leon SC Motoren

Los geht es mit dem 1.2 Liter Benziner mit 105 PS, darüber gibt es den 1.4 Liter mit 122 oder 140 PS.

Als Diesel stehen der von uns getestete 1.6 Liter Diesel mit 105 PS zur Verfügung sowie ein 2.0 Liter Diesel mit 150 PS. Alle sind mit Turbos versorgt.

Seat Leon SC Heck, Foto: Autogefühl

Seat Leon SC Heck, Foto: Autogefühl

Wir fahren den Seat Leon SC Style 1.6 TDI mit 105 PS, die sparsame Wahl. In der Version CR ist er mit 3,8 l Verbrauch / 100 km angegeben, als Ecomotive sogar nur mit 3,3 l / 100 km. Der Testverbrauch liegt (wie fast immer) gut 2 Liter über dem angegebenen Verbrauch, wir kommen im Mix von Stadtfahrten, Überland und Autobahn auf 5,4 Liter / 100 km. Das könnte für den 105 PS Diesel durchaus weniger sein, bleibt aber im Rahmen.

Was steckt hinter Leon?

Benannt ist der Seat Leon übrigens nicht wie man vermutet nach dem Löwen, sondern nach der spanischen Stadt León, eine mittelgroße Stadt mit 130.000 Einwohnern im Nordwesten Spaniens. Trotzdem heißt Leon auch Löwe, und warum soll es nicht erlaubt sein, einen Löwen zu fahren. In Verbindung mit dem übersetzten Markennamen ergeben sich zudem nette Gedanken wie “Sitz, Löwe”.

Seat Leon SC, Foto: Autogefühl

Seat Leon SC, Foto: Autogefühl

Die erste Generation war von 1999 bis 2005 auf dem Markt, die zweite Generation von 2005 bis 2012, seit Ende 2012 haben wir den Seat Leon in der aktuellen zackigen Seat-Optik. Den Dreitürer gibt es seit Mitte vergangenen Jahres, Ende 2013 kam der Leon ST als Kombi hinzu. Und kürzlich als Top-Sportmodell der Seat Leon Cupra.

Der Seat Leon liegt bei den Zulassungen markenintern auf Platz 2 hinter dem Seat Ibiza. Im Jahr 2013 wurden in Deutschland 23.908 Seat Leon neu zugelassen, das war ein Wachstum von 28,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Seat Leon SC Fond, Foto: Autogefühl

Seat Leon SC Fond, Foto: Autogefühl

Seat Leon SC Daten und Fakten

Länge: 4.263 mm
Breite: 1.784 mm
Höhe: 1.459 mm
Radstand: 2.636 mm
Leergewicht: 1.188–1.345 kg

Zum Abschluss zeigen wir noch einen kurzen Vergleich der Kompaktklasse-Produkte aus dem Volkswagen-Konzern, jeweils in den Basisausstattungen:

Seat Leon SC Kofferraum, Foto: Autogefühl

Seat Leon SC Kofferraum, Foto: Autogefühl

Skoda Rapid – ab 13.990 Euro, 4,30 m lang
Seat Leon – ab 14.990 Euro, 4,26 m lang
Skoda Octavia – ab 16.250 Euro, 4,65 m lang
VW Golf – ab 17.175 Euro, 4,25 m lang
Audi A3 – ab 21.900 Euro, 4,23 m lang

Wir sehen sofort: Der Skoda Octavia zählt zwar noch zur Kompaktklasse, ist aber deutlich länger und orientiert sich damit zwischen Kompakt- und Mittelklasse. Der Audi A3 ist mit seiner Premium-Ausrichtung der preisliche Ausreißer.

Seat Leon SC, Foto: Autogefühl

Seat Leon SC, Foto: Autogefühl

Fazit

Was bleibt? Der Seat Leon ist fast der günstigste in diesem Vergleich und er sieht von allen Modellen am schnittigsten aus. Und da haben wir auch schon das beste Kaufargument. Dynamisches Design mit zuverlässiger Technik zu einem annehmbaren Preis. Der Seat Leon SC lässt einen fünf bis zehn Jahre jünger fühlen.

Text, Foto, Video: Autogefühl, Thomas Majchrzak


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