Jeep Grand Cherokee Fahrbericht

Jeep Grand Cherokee, Foto: Jeep

Selten sind die Automobil-Legenden, und noch seltener die lebenden Legenden. Der Jeep Grand Cherokee ist so eine, auch wenn er “erst” vor 20 Jahren auf die Bühne trat. Er bietet vor allen Dingen reichlich Luxus und Größe nach amerikanischem Stil bei einem vertretbaren Preis. Von Thomas Majchrzak

Seit 1993 ist der Jeep Grand Cherokee erhältlich, aktuell in der fünften Modellgeneration (seit 2010). Zum 20-jährigen Jubiläum gab es 2013 ein umfangreiches Facelift, das ein frisches Äußeres vorsah sowie ein Innenraumupdate und eine Aufwertung des Interieurs auch in Bezug auf die Ausstattungspakete. So gibt es zum Beispiel die Lenkradheizung nun schon innerhalb der zweiten Ausstattungsstufe Limited und nicht erst in der dritten Ausstattungsstufe Overland.

2014 Jeep Grand Cherokee Limited, Foto: Jeep

2014 Jeep Grand Cherokee Limited, Foto: Jeep

Mit knapp 300 Neuzulassungen pro Monat in 2013 war der Jeep Grand Cherokee der beliebteste Jeep markenintern, ungefähr so häufig verkauft wie Range Rover und Range Rover Sport zusammen. Mit diesen Modellen lässt sich der Jeep Grand Cherokee zumindest in den höheren Ausstattungen auch am ehesten vergleichen – wenn auch nicht in Preis, Anmutung und High-End-Luxus, aber von der grundsätzlichen Ausrichtung als exklusiver Außenseiter. Denn er ist nicht so aalglatt wie die deutschen Kontrahenten, sondern ein rassiger Import, der eben besonders sein möchte.

2014 Jeep Grand Cherokee Limited, Foto: Jeep

2014 Jeep Grand Cherokee Limited, Foto: Jeep

Außen besticht der Jeep Grand Cherokee durch den Kühlergrill mit sieben eckigen Einfassungen, die neuen kleinen zackigen Scheinwerfer heben den großen Ami ins Jahr 2014. Doch allgemein ist das Design absolut zeitlos. Das gelingt nur wenigen Automobilen: Zeitlos aussehen, aber dennoch auf der Höhe der Zeit sein. Trotzdem zeichnet sich der Jeep gerade in der Betrachtung von der Seite und von hinten vom Wettbewerb ab, in dem er durch etwas mehr Formen und Kanten ein wenig mehr Ami-Protz versprüht als das ein oder andere konservativ designte deutsche SUV.

2014 Jeep Grand Cherokee Limited Interieur, Foto: Jeep

2014 Jeep Grand Cherokee Limited Interieur, Foto: Jeep

Im Innenraum werden wir sofort von mannigfaltigen Eindrücken verwöhnt, in unserem Fall in der Top-Ausstattung Summit: Das mit Leder bezogene Armaturenbrett, das (beheizbare) Lederlenkrad mit Holz-Intarsie auf der Oberseite, der moderne Automatik-Wählhebel mit Leder-Oberfläche und natürlich die weichen Ledersitze mit Perforierung, damit die Sitz-Klimatisierung ihre Wirkung entfalten kann – und nicht nur die Sitzheizung.

Lediglich die Anmutung der Knöpfe in der Mittelkonsole will nicht ganz zu dem Bild passen, und wenn man die Mittelarmlehne nach oben klappt, dann lässt sie sich weit hin- und her rütteln. Da gibt es schon einen Qualitätsunterschied im Detail zu Audi & Co. Dafür spart man aber auch gutes Geld und ist trotzdem in der Luxusklasse.

2014 Jeep Grand Cherokee Limited, Foto: Jeep

2014 Jeep Grand Cherokee Limited, Foto: Jeep

Fahren wir mal los. Der 3.0 Liter Diesel zieht gut an, braucht aber im Normalen D-Modus eine Gedenksekunde. Wer es spritziger haben möchte (und dafür auch etwas Mehrverbrauch in Kauf nimmt), schaltet direkt auf S und sportet daher. Der Diesel heult laut auf, hört sich daher etwas altmodisch an. Der Verbrauch geht mit gut 9 Litern für so ein großes Schiff in Ordnung, könnte aber noch etwas weniger sein.

Jeep Grand Cherokee Motoren

Bei der Motorenwahl geht es los beim 3 Liter V6 Diesel mit 190 PS (offiziell 7,5 l auf 100 km kombiniert und 10,2 Sek. von 0 auf 100 km/h). Dazu gibt es diesen Diesel noch mit 250 PS.

Die Benziner beginnen beim 3.6 Liter V6 mit 286 PS und gehen über den 5.7 Liter V8 mit 352 PS bis zum 6.4 Liter V8 mit 468 PS – wobei diese hierzulande wirklich nicht zu empfehlen sind. Da steigt der Verbrauch in astronomische Höhen.

Ein Einstiegs-Diesel in Summit-Ausstattung kostet z.B. 65.500 Euro. Der Benziner SRT (sozusagen die Supersport-Variante) liegt übrigens bei 76.900 Euro.

Was uns direkt gefällt, ist die Luftfederung, die ab dem Ausstattungsniveau Overland (siehe Übersicht unten) enthalten ist. Es gibt wirklich nichts Schöneres. Mit einer Luftfederung schwebt man über der Straße, man freut sich über jedes Berliner Kissen, anstatt die Huckel zu meiden. Wenn die Straßenbauer gegen die Autofahrer aufrüsten und gute Straßen künstlich durch Verkehrshindernisse verschlechtern, dann muss man eben auch aufrüsten. So kann man souverän über alles, was kommt, drüberhopsen – und sich dabei natürlich auch souverän an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten. Nicht, dass der Eindruck entsteht, man würde mit dem Jeep Grand Cherokee zum Rowdy. Ganz im Gegenteil. Das hohe souveräne Fahrgefühl mit der Luftfederung verführt nicht zum Rasen, sondern zum gemächlichen Dahincruisen nach dem Stil amerikanischer Bundesstraßen.

2014 Jeep Grand Cherokee Limited, Foto: Jeep

2014 Jeep Grand Cherokee Limited, Foto: Jeep

In diese Richtung geht auch das riesige Lenkrad. Es ist eher etwas zum Geradeausfahren denn zum fixen Lenken. Durch die dicken Ausmaße kann man es in der Mitte kaum umgreifen. Die Holzintarsie sieht toll aus und fühlt sich auch wunderbar an, aber behindert natürlich etwas dabei, wenn man das Lenkrad sich selber zurückdrehen lassen will. Und übrigens muss man bei niedrigen Geschwindigkeiten tatsächlich etwas nachhelfen. Zunächst will der Jeep immer eine Lenkumdrehung mehr als zum Beispiel ein großes Audi-SUV, und dann möchte er teilweise auch noch beim Geradeauslenken wieder zurückgeschoben werden. Bei der Lenkung und beim Lenkrad herrscht also Nachbesserungsbedarf.

Auf der anderen Seite hat das dicke Lenkrad natürlich auch etwas Besonderes. Going big, würden die Amis wahrscheinlich sagen. Und die Lenkradheizung ist herrlich für kalte Tage. Wenn es frostet, gehen nach dem Start automatisch Lenkradheizung und Sitzheizung an. Als wenn der Jeep die Wünsche von den Lippen abliest.

Für unsere amerikanischen Zeitgenossen sind auch die zentralen Becherhalter im XXL-Format angelegt. Also schnell zu McDonalds und die Kingsize-Cola bestellen.

Für das Multimedia-System thront in der Mitte das 7-Zoll-TFT-Display. Die Anmutung und grafische Aufbereitung erinnert an die Apple-Produkte, dementsprechend modern kommt es auch daher. Für ein paar Funktionen hätten wir uns einzeln Knöpfe doch gewünscht, etwa für die Sitzheizung. Ansonsten ist es recht einfach, sich im Touchscreen zurecht zu finden.

2014 Jeep Grand Cherokee Limited Interieur, Foto: Jeep

2014 Jeep Grand Cherokee Limited Interieur, Foto: Jeep

Der Basispreis des Jeep Grand Cherokee liegt bei 45.500 Euro. Wir fassen die wesentlichen Features und Unterscheidungen der einzelnen Ausstattungslinien zusammen. Kurz vorweg: In puncto Preis/Leistung bzw. must-have ist die Ausstattung Limited zu empfehlen, Overland dann zum absoluten Genuss. Summit und SRT enthalten durchaus dann schon Spielereien.

Jeep Grand Cherokee Ausstattungs-Linien

Laredo Limited Overland Summit SRT

Serie / Laredo
Keyless Entry
2-Zonen-Klimaautomatik,
Fahrersitz 8-fach und Beifahrersitz 6-fach elektrisch verstellbar
Leder-Lenkrad
bluetooth-Freisprecheinrichtung
Cruise Control

2014 Jeep Grand Cherokee Limited Interieur, Foto: Jeep

2014 Jeep Grand Cherokee Limited Interieur, Foto: Jeep

Limited bietet zusätzlich dazu
Einparkhilfe: Parksensoren vorn und hinten
Rückfahrkamera
Sitzpolsterung in Leder
Fahrer- und Beifahrersitz 8-fach elektrisch verstellbar
Sitzheizung vorn und hinten
Lenkrad beheizbar
Alpine Sound System mit 506 Watt, 5.1-Surround-Sound-Verstärker,
10 Lautsprechern inkl. Subwoofer
USB-Anschlüsse im Fond

Overland bietet zusätzlich
Totwinkel-Assistent inkl. hinterer Bewegungserkennung
Luftfederung
Sitzpolsterung in Nappa-Leder inkl. Belederung des Armaturenbretts
Vordersitze belüftet
Echtholz-Dekoreinlagen
Lederlenkrad mit Echtholz-Applikation
Seitenscheiben hinten und Heckscheibe abgedunkelt
Navi
Adaptiver Tempomat
Panorama-Glasdach
20-Zoll-Räder

2014 Jeep Grand Cherokee Limited Interieur, Foto: Jeep

2014 Jeep Grand Cherokee Limited Interieur, Foto: Jeep

Summit dazu u.a.:
Polierte Aluräder
Sitzpolsterung in Natura-Plus-Leder
Velours-Applikationen an A-Säule und Dachhimmel
Auspuffendrohre mit exklusivem, abgeflachten Design

Der 3.0 Liter Diesel Motor mit Summit Ausstattungsvariante, den wir in unserem Test fahren, kommt somit auf einen Preis ab 66.500 Euro.

SRT bietet u.a. zusätzlich zur Overland-Ausstattung:
Sportsitze vorn, belüftet
Sport-Lederlenkrad, beheizbar
Sportpedale in Aluminium-Design
Brembo Hochleistungs-Bremsanlage
Sitzpolsterung in Nappa-/Velours-Leder
Luftauslässe in der Motorhaube
Harman Kardon 7.3 Surround Sound System mit 825 Watt, 12-Kanal-Class-D-Verstärker, 19 GreenEdge-Lautsprechern inkl. Subwoofer

2014 Jeep Grand Cherokee Limited, Foto: Jeep

2014 Jeep Grand Cherokee Limited, Foto: Jeep

Jeep Grand Cherokee Abmessungen

Länge: 4.822 – 4.846 mm (SRT ist etwas länger)
Breite: 1.943 mm
Höhe: 1.749 – 1.781 mm (SRT ist der niedrigere)
Radstand: 2.916 mm

Fazit: Der Jeep Grand Cherokee macht einen mächtigen Auftritt und schwebt mit der Luftfederung nur so über die Straße. Souveränes Amikreuzer-Feeling kommt auf, zum Genießen für lange Autobahnfahrten. Im Detail kann der Jeep mit der Premium-Konkurrenz aus Deutschland nicht ganz mithalten, dafür bietet er mehr Rasse und Individualität – und einen attraktiveren Preis.

Autogefühl: ***

Text: Autogefühl, Thomas Majchrzak
Fotos: Jeep


2 Responses to Jeep Grand Cherokee Fahrbericht

  1. […] AutogefühlJeep Grand Cherokee Fahrbericht – Souveräner Ami-Luxus günstiger als die KonkurrenzAutogefühl – das Auto Blog! http://www.autogefuehl.de Selten sind die Automobil-Legenden, und noch seltener … […]

  2. […] hat der Cherokee bei den Neuzulassungen den Wrangler schon fast eingeholt. Stärker sind noch der Klassiker Grand Cherokee und neuerdings der mit 18.000 Euro günstigste Jeep […]

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