Volkswagen in China: Limousinen, Farben und Elektro

Volkswagen Magotan, Foto: Autogefühl

There are nine Million Stufenhecks in Beijing: Der Verkehr in und rund um Peking ist längst nicht mehr von Fahrrädern dominiert, heute will jeder Auto fahren und tut dies – so zumindest der subjektive Eindruck vor Ort – in einer Stufenheck-Limousine der Mittelklasse. VW Passat und Co. lassen grüßen – und haben in China Derivate herausgebildet, die speziell für diesen Markt entwickelt wurden. Kein Wunder, dass China angesichts der wachsenden Mittelschicht mittlerweile der wichtigste Markt für die Volkswagen-Gruppe ist. Und nun soll auch noch eine Elektro-Offensive dazukommen. Von Thomas Majchrzak

Auf den Werbetafeln an der Autobahn Richtung Peking prangt fast ausschließlich Autowerbung – BMW, Toyota, Nissan, Jaguar, alle sind sie dabei. China ist nun der größte Automarkt der Welt, und alle möchten dabei sein. Zwar ist die ganz große Euphorie etwas verflogen, weil das Wirtschaftswachstum nicht mehr so krass anzieht wie zuvor. Doch hier gibt es immer noch viel Geld zu verdienen und wenn ein Wirtschaftswachstum noch über 7 Prozent liegt, dann ist das immer noch auf einem sehr hohen Niveau.

Peking Skyline mit (noch mäßigem) Verkehr, Foto: Autogefühl

Peking Skyline mit (noch mäßigem) Verkehr, Foto: Autogefühl

Schon 1983 rollte der erste VW in China vom Band. 2013 konnte die VW-Gruppe erstmals mehr als 3 Millionen Fahrzeuge in China absetzen – weltweit waren es 9,73 Millionen. Europa zusammen kam dabei auf 4,2 Millionen und liegt damit noch vor China.

VW als Spitzenreiter in China

In China wiederum sind von den 3,2 Millionen abgesetzten Volkswagen-Konzern-Fahrzeugen 2,5 Millionen VW und eine halbe Million Audi – den Rest füllen Skoda und Porsche auf, Bentley natürlich dann noch in nicht nennenswerter Stückzahl. Prägnant ist jedoch, dass VW, Skoda und Porsche zumeist tatsächlich lokal vor Ort produziert werden. Dahinter zwecken zwei Joint Ventures, weil die ausländischen Konzerne nicht einfach selber nach China kommen durften und produzieren, sondern ein lokales Unternehmen ins Boot holen mussten.

Volkswagen Magotan (Passat mit längerem Radstand), Foto: Autogefühl

Volkswagen Magotan (Passat mit längerem Radstand), Foto: Autogefühl

Bei FAW Volkswagen werden Jetta, Sagitar, Magotan (Passat mit längerem Radstand), Bora, CC, Golf und die Audi-Modelle produziert.

Im zweiten Joint Venture Shanghai Volkswagen laufen Lavida, Santana, Passat, Gran Lavida, Polo, Touran, Tiguan und die Skoda-Modelle vom Band. Für China produziert VW insbesondere Stufenheck-Modelle und bietet dafür auch lange Radstände an. So ist der beliebte Magotan eben ein Passat mit langem Radstand.

VW Magotan Interieur, Foto: Autogefühl

VW Magotan Interieur, Foto: Autogefühl

VW Magotan Interieur, Foto: Autogefühl

VW Magotan Interieur, Foto: Autogefühl

Vorlieben in China: Braun und Kupfer außen, beige innen

Auch bei den Außenfarben gibt es Vorlieben bei den Chinesen: Gold, Kupfer und Braun stehen hoch im Kurs, im Innenraum Stoff oder Leder in beige. VW China-Chef Prof. Dr. Jochem Heizmann: “Wir wollen das nachhaltigste Automobilunternehmen in China sein.” Die Menschen würden dabei im Mittelpunkt stehen, heißt es. Damit meint er sowohl die Kunden als auch die Mitarbeiter. So steuert Volkswagen zum Beispiel Umweltprojekte und Projekte zur Verkehrssicherheit. “Driven by Values” lautet ein Slogan dabei, also getrieben von Werten. “Bei uns geht es um mehr als nur um Wirtschaftszahlen”, verspricht Heizmann das gesellschaftliche Engagement.

VW China-Chef Prof. Dr. Jochem Heizmann in Peking, Foto: Autogefühl

VW China-Chef Prof. Dr. Jochem Heizmann in Peking, Foto: Autogefühl

Herausforderungen für den Konzern

Dr. Heinz-Jakob Neußer aus dem Volkswagen-Vorstand sieht vielfältige Herausforderungen für den Konzern in China: Dazu zählen Rahmenbedingungen des Gesetzgebers wie CO2-Ausstoß-Vorgaben, die Mischung aus Kurz- und Langstrecken-Kunden Zentral sei dabei die Baukasten-Strategie, die die Plattform-Strategie (eine Basis für verschiedene Autos) und die Modul-Strategie (einzelne Komponenten können in mehreren Fahrzeugsegmenten verbaut sein) zusammenfasst. So kann Volkswagen viele verschiedene Modelle mit großen Synergien bei der Produktion herstellen.

VW Vorstandsmitglied Dr. Heinz-Jakob Neußer in Peking, Foto: Autogefühl

VW Vorstandsmitglied Dr. Heinz-Jakob Neußer in Peking, Foto: Autogefühl

Letztlich bleibt in China natürlich noch das große Problem des Verkehrs. Die Megacities wie Peking und Shanghai sind vollgestopft, wo bleibt da überhaupt noch Platz, um Autos zu fahren, die man kauft? “Wir sind weiterhin optimistisch für den chinesischen Markt”, so Jochem Heizmann. Im Fokus würden nun nämlich die “kleineren” Städte stehen, die für europäische Verhältnisse noch groß sind, Städte mit etwa 1 Million Einwohnern. Bei diesen Städten würden die Infrastruktur-Probleme nicht so groß sein oder man hätte schon besser die Infrastruktur planen können.

Stufenhecks immer in Sicht: Verkehr auf den Hauptachsen in Peking, Foto: Autogefühl

Stufenhecks immer in Sicht: Verkehr auf den Hauptachsen in Peking, Foto: Autogefühl

Die Volkswagen AG bündelt derzeit 12 Marken mit mehr als 310 Modellen. Weltweit gibt es 570.000 Mitarbeiter an 106 Standorten.

In China steht nun laut VW-Chef Martin Winterkorn an, die “größte Initiative für E-Mobilität in Chinas automobiler Geschichte” zu starten. Den Auftakt machen die Voll-Elekto-Autos e-up! und e-Golf. Den Porsche Panamera S E-hybrid gibt es schon in China, im kommenden Jahr folgen dann noch Audi A3 e-tron und Golf GTE. 2016 sollen dann der Audi A6 und eine neue VW Mittelklasse-Limousine ebenfalls als Hybrid folgen. Bis 2018 will Volkswagen mehr als 18 Milliarden Euro für neue Fahrzeuge, Technologien und Werke investieren.

Volkswagen-Chef Martin Winkerkorn auf der Volkswagen Group Night in Peking, Foto: Autogefühl

Volkswagen-Chef Martin Winkerkorn auf der Volkswagen Group Night in Peking, Foto: Autogefühl

Die wichtigste Neuheit auf der Auto China 2014 für Volkswagen ist der Volkswagen NMC (New Midsize Coupé), auf den wir in einem separaten Artikel noch näher eingehen.

Volkswagen NMC Concept auf der Auto China 2014, Foto: Autogefühl

Volkswagen NMC Concept auf der Auto China 2014, Foto: Autogefühl

Text & Fotos: Autogefühl, Thomas Majchrzak


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