CURVES Band 4: Stefan Bogner curvt durch die Pyrenäen

Stefan Bogner ist mal wieder “gecurvt”. In CURVES Band 4 schlängelt er sich diesmal über 1.340 Kilometer durch die Pyrenäen – immer scharf entlang der französisch-spanischen Grenze, von Narbonne am Mittelmeer bis nach Biarritz am Atlantik. In seiner puristischen Fotosprache ist sich der Münchener treu geblieben, nur das nebenbei erzählte Roadmovie weicht vom Drehbuch der ersten drei Bände ab: Zwar geht einer der beiden Jugendfreunde wie gewohnt mit einem Porsche auf Pässe-Jagd, jedoch schwingt sich sein Kumpel diesmal auf den Sattel eines klassischen Fanini-Rennrads. Eine Hommage an den Geist der Tour de France, der auf vielen der Bilder zu spüren ist. Am Ende ist der eindeutig “grünste” CURVES-Band herausgekommen. Es zeigt die vielfältigen Facetten eines Gebirges, dem sich Bogner zunächst noch mit Skepsis genähert hatte.Von Thomas Imhof

“Mit gemischten Gefühlen starteten wir letzten September zu unserer Reise in die Pyrenäen. Eigentlich lieben wir hohe Pässe mit Spitzkehren. Und auch zum Fotografieren sind wir gern oberhalb der Baumgrenze”, erinnert sich der Neffe des als Skirennfahrer sowie Filme- und Modemacher erfolgreichen Willy Bogner. “Aber wirklich hoch ist es in den Pyrenäen nirgends. Auch die lange An- und Abreise schreckte uns erst einmal ab. Doch wirklich jeder, der einmal dort war, schwärmte uns von der Gegend vor.”

Leere Straßen, grüne Matten, wunderschöne Fernblicke mit Wolkenspielen - die Pyrenäen - Foto: Bogner

Leere Straßen, grüne Matten, wunderschöne Fernblicke mit Wolkenspielen – typisches Szenario der Pyrenäen – Foto: Bogner

Am Ende war es dann doch so etwas wie Liebe auf den zweiten Blick, wie es der 45-jährige Münchener heute aus der Distanz sieht. “Es ist in jedem Fall die bislang grünste Ausgabe von CURVES, so viele Bäume hatten wir zuvor nirgendwo vorgefunden. Dazu die große Einsamkeit und diese endlose Weite der Landschaft, die mich an gewisse Gegenden in Amerika erinnerte und die es in dieser Form in den Alpen nicht gibt.”

Zum Start: Fahrt auf den Tour de Madeloc (652 m) bei Banyuls - im Hintergrund das Mittelmeer - Foto: Bogner

Als Warm-up: Fahrt auf den Tour de Madeloc (652 m) bei Banyuls – im Hintergrund das Mittelmeer – Foto: Bogner

Auch Band 4 von CURVES kommt in der vertrauten Bildersprache – und das ist gut so. Kein Auto und kein Touristenbus stören die scheinbare Unschuld der mitunter fast an die schottischen Highlands erinnernden Landschaft. Nur Huftiere und einmal sogar ein Lama (!) verirren sich auf die mitunter von Tour de France-Graffiti verzierten Asphaltbänder. Architektonische Grausamkeiten in Gestalt noch auf den Winter wartender Ski-Resorts stören nur kurz das Bild eines Gebirges, das sich mit zunehmender Entfernung zum Meer in der Dramatik steigert. Bogners Bilder sind immer dann am stärksten, wenn er aus dem Helikopter die Landschaft wie ein Relief wirken lässt. Durchzogen von Passstraßen, die dann wie Arterien des menschlichen Körpers wirken. Anders als in den Alpen kennen die Pyrenäen zwar keine ewig schneebedeckten Gipfel, aber ihre grün mattierten Hochebenen und schroffen Schluchten sorgen bei der Fahrt nie für Langeweile.

"So grün wie bei der Pyrenänen-Tour ging es bei CURVES noch nie zu" (Stefan Bogner)

“So grün wie bei der Pyrenäen-Tour ging es bei CURVES noch nie zu. Diese Passage am Col de Peyresourde war eine meiner Lieblingsstrecken”             (Stefan Bogner)

“Was viele Deutsche von den Pyrenäen fern hält, ist die verdammt lange Anfahrt. Allein von München sind es 1.300 Kilometer. Daher sollte man sich zwei Tage Zeit nehmen zur Anreise, dann kommt man schon viel entspannter da unten an”, empfiehlt Bogner. “Um 4 Uhr morgens geht es los Richtung Süden. Nichts los auf der Autostrada, nur gute Musik und das Schnurren des Motors. Die Zweifel an der Reise lösen sich spätestens mit dem Zucker in unserem Espresso bei Sonnenaufgang in Bella Italia auf”, startet der Inhaber der Münchner Designagentur fpm seinen Reisebericht. “Nach sieben Stunden Fahrtzeit gibt’s Pasta mit Meerblick. Wir gönnen uns ein wenig Kultur und chillen. Fahren nicht gleich weiter, sondern lassen uns treiben.”

Architektonische Schandflecken wie dieses Ski-Resort konnten die Traumroute nur kurz stören - Foto: Bogner

Architektonische Schandflecken wie dieses in die Berglandschaft geklotzte Ski-Resort beim Aufstieg zum Tourmalet konnten den “Flow-Zustand” nur kurz schmälern – Foto: Bogner

Bogner und Team begannen ihre Fahrt vom Mittelmeer zum Atlantik in Narbonne beziehungsweise Perpignan. Von dort bogen sie ab zur kleinen katalanischen Stadt Banyuls-sur-Mer. Den ersten Pyrenäen-Ausläufern, den sogenannten Monts Albères, folgte die Truppe Richtung Westen bis zum Tour de Madeloc. Nach diesem Abstecher ging es zunächst noch einmal zurück ans Ufer des Mittelmeers – ehe der Kompass vor dem Cap de Creus endgültig Richtung Westen Richtung Figueres zeigte. Weitere Etappen-Ziele am ersten Tag waren – mit viermaligem Überqueren der spanisch/französischen Grenze: St-Laurent-de-Cerdans, Prats-de-Mollo-la-Preste, Sant Pau de Segúries, Ripoll, Puigcerdà, der Lac de Puyvalador und Ax-les-Thermes.

Into the great wide open: "Diese Weite der Landschaft, diese Fernblicke findest Du in den Alpen nicht" (Stefan Bogner)

Into the great wide open (Port de Larrau): “Diese Weite der Landschaft, diese Fernblicke findest Du in den Alpen nicht” (Stefan Bogner)

Am zweiten Tag verließ Bogner Ax-les-Thermes gen Süden und erreichte nach rund 35 Kilometern das nicht gerade pittoreske Fürstentum Andorra. Die Durchquerung des Zwergstaats nahm zum Glück kaum 20 Minuten in Anspruch, ehe es über La Seu d’Urgell in einer Ost-Süd-West-Schleife rund um den Parc Natural de Cadi-Moixeró ging. Auf der Straße C-14 landete man aus südlicher Richtung kommend wieder kurz vor La Seu. Über mehrere Pässe führte die Route von dort in nordwestlicher Richtung und nach insgesamt 440 Kilometern sowie acht Stunden Fahrzeit ins französische Arreau.

"Straßen teilweise wie neu und weniger Serpentinen als in den Alpen. Dafür fließt es in weiten Schwüngen, ein Traum für Motorradfahrer" (Stefan Bogner)

“Straßen teilweise wie neu – wie hier an der Port de la Bonaigua – aber weniger Serpentinen als in den Alpen. Dafür fließt es in weiten Schwüngen, ein Traum für Motorradfahrer” (Stefan Bogner)

Die dritte Etappe stand dann ganz im Zeichen der Tour de France – ging es doch hier u.a. über den berühmten Col du Tourmalet. Von Arreau nahm Bogner zunächst Kurs auf den Col d’Aspin und erreichte dann die 2.115 Meter hohe Passhöhe des Tourmalet (französisch für “schlechter Weg”) von Westen aus. Von dort aus lockte es ihn noch, die Sackgassenstrecke zum Port du Boucharo zu erkunden. Wartete doch dort der spektakuläre Cirque de Gavarnie – ein Felskessel mit gigantischen Ausmaßen. Über Luz-Saint-Sauveur und Soulom gelangte man dann zum Hauptort des Kantons, Argelès-Gazost.

Neben diesem Pferd und den Kühen trafen wir auch ein Lama und jede Menge Schafe. Ansonsten meistens Einsamkeit" (Stefan Bogner)

“Neben diesem Pferd am Col de Pailhères und den Kühen auf dem Aufmacherfoto trafen wir ein Lama und jede Menge Schafe. Ansonsten meistens Einsamkeit” (Stefan Bogner)

Inzwischen deutlich im westlichen Teil der Pyrenäen angekommen, erklomm man am vierten Tag nach dem Start in Argelès-Gazost die Pyrenäen-Hochstraße, mit den auch häufig von der Tour de Frane besuchten Pässen Col du Soulor und Col d’Aubisque. Beim Abstieg zum Col du Pourtalet wurde erneut die Staatsgrenze zwischen Frankreich und Spanien überquert. Auf einem landschaftlich und fahrerisch reizvollen Schwenk nach Osten stieg man in den Canyon de Añisclo ein. Danach hieß die Parole dann wieder Go West – über den Grenzpass Col de Somport ins französische Bergdorf Lescun.

Die Tour fand Mitte September 2013 statt. Für Aufnahmen wie diese lieh sich Bogner einen Heli der lokalen Bergwacht - Foto: Bogner

Die Tour fand Mitte September 2013 statt. Für spektakuläre Aufnahmen wie diese vom Col d’Aubisque lieh sich Bogner stundenweise einen Heli der lokalen Bergwacht – Foto: Bogner

Die letzte Etappe hinüber zum Atlantik führte Bogners Truppe zum guten Schluss noch einmal über vier sanfte Pyrenäen-Pässe. Sie starteten auf der französischen Seite des Hauptkamms und kamen über den Col de la Pierre St. Martin in die spanische Provinz Navarra. Über den Port de Larrau dann ein letztes Mal hinüber ins (französische) Baskenland. Nun nur noch das Pässe-Duo Col de Burdincurutcheta und Col de Bagargui – und das mondäne Seebad Biarritz war erreicht. “An diesem letzten Tag erreichten wir den “Flow” Zustand“, berichtet Bogner. “Die letzte Etappe ist auf der Karte die langweiligste: kaum Pässe und es geht Richtung Meeresspiegel mit noch mehr Vegetation. Aber wenn es eine Etappe gibt, die wir gerne noch einmal fahren würden, dann diese! Speziell für Motorradfahrer ist sie ein Traum.”

Die Tour de France fuhr im Geister immer mit - Foto: Bogner

Die Tour de France fuhr im Geiste immer mit – wie hier auf dem Tourmalet (2.115 Meter). Die Skulptur des Radfahrers erinnert an den Franzosen Octave Lapize, der bei der 8. Tour de France 1910 während einer Etappe von Luchon nach Bayonne  als Erster die Passhöhe erklomm und in diesem Jahr die Frankreich-Rundfahrt auch als Gesamtsieger beendete. Er starb 1917 im ersten weltkreg ,  – Foto: Bogner

Ein klassisches Fanini-Rennrad spielt im begleitenden Roadmovie eine zentrale Rolle - Foto: Stefan Bogner

Ein klassisches Fanini-Rennrad spielt im begleitenden Roadmovie eine zentrale Rolle – Foto: Bogner

“Das Wetter war eigentlich viel zu schön zum Fotografieren, die Strassen leer und oft in Neuzustand. Das Essen eine 1a Entrecôte-Diät. Super für die Figur!”, schwärmt Bogner, der nun sagt: “Dort war ich sicher nicht zum letzten Mal.” Wie immer enthält sein neuester Reiseführer detailliertes Kartenmaterial, Hinweise zu Hotels und Restaurants entlang der Strecke und Höhenprofile der großen Passagen über den Col de Pailheres, den Col de Peyresourde, den Tourmalet und den Soulor sowie einigen anderen. Der Preis ist mit 15 Euro mehr als fair für ein Werk mit echtem Sammlerwert.

Für 15 Euro ist CURVES fast geschenkt - denn es ist Lese- und Bilderbuch zugleich, dazu Reiseführer für Pässesammler auf zwei und vier Rädern - Foto: Delius Klasing

Für 15 Euro ist CURVES fast geschenkt – denn es ist Lese- und Bilderbuch zugleich, dazu Reiseführer für Pässesammler auf zwei und vier Rädern. Und Band 5 ist schon in der Mache  – Foto: Delius Klasing

 

Detaillierte Karten und Höhenprofile gehören zur Grundausstattung von CURVES - Foto: Delius Klasing

Detaillierte Karten und Höhenprofile gehören zur Grundausstattung von CURVES – Foto: Delius Klasing

Im Spätsommer erscheint Curves 5 – Österreich

Während ab dem 2. Mai CURVES 4 im deutschen Buch- und Zeitschriftenhandel sowie unter www.curves-magazin.com startet, bereitet Bogner schon den (lange erwarteten) Band über Österreich vor; CURVES 5 soll im August erscheinen. “Wir fahren von Bregenz nach Triest, natürlich kommen alle Klassiker wie Großglockner, Silvretta-Hochalpenstraße, Timmelsjoch und die Turracher Höhe, aber auch ein Abschnitt in Slowenien vor”, kündigt Bogner an. Ebenfalls noch 2014 erscheint ein Band über Island, jedoch nicht als Teil der CURVES-Reihe, sondern vor allem als Bilderbuch. Worauf sich Bogner- und Island-Fans freuen können, verrät schon mal eine opulente Bilder-Galerie unter http://www.curves-magazin.com/de/Blog/Island/Tag-1.

Bislang erschienen:

CURVES Norditalien – Lombardei, Venetien, Südtirol
CURVES Schweiz  – entlang der Schweizer/Italienischen Grenze)
CURVES Frankreich – Routes des Grandes Alpes (Genfer See-Mittelmeer)

Text: Autogefühl, Thomas Imhof
Fotos: Stefan Bogner/Delius Klasing


2 Responses to CURVES Band 4: Stefan Bogner curvt durch die Pyrenäen

  1. […] Eine Empehlung wert ist auch der zuvor in 2013 erschienene Band Curves Norditalien, aus dem z.B. die Strecke für den Test des Seat Leon FR aus 2013 stammt. Im August soll auch der 5. Band Curves Österreich erscheinen. Er führt von Triest nach Reutte über Klassiker wie die Großglockner Hochalpenstraße, das Timmelsjoch oder die Silvretta-Hochalpenstraße. Noch mehr Infos zu Curves Pyrenäen gibts von Thomas Imhof auf autogefühl.de. […]

  2. […] ACV Fotos: Autogefühl (1); Stefan Bogner […]

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