Lancia Delta im Test

LanciaDelta

Lancia führt in Deutschland ein Nischendasein, insbesondere der Lancia Delta, der sich in der Kompaktklasse behaupten muss, die doch so sehr von Platzhirschen dominiert ist. Wohl kaum ein anderer Kompaktwagen ist so exklusiv – zumindest in der Anzahl. Von Thomas Majchrzak

Grundsätzlich ist es ja reizvoll, ein Auto zu fahren, das eben nicht alle fahren. Das ist bei Lancia derzeit wahrlich nicht schwierig: 1.606 Neuzulassungen standen insgesamt für Lancia im vergangenen Jahr auf dem Programm, für den Delta nur 172. Gerade in der Kompaktklasse gestaltet es sich schwierig, gegen VW Golf, Ford Focus und Co. anzukommen.

Beim Lancia Delta werden von Namen her zunächst Erinnerungen an die 80er und 90er Jahre wach, als das damals gleichnamige Modell in der Rallye-Version für Furore sorgte. Von 1982 bis 1986 in der legendären Gruppe B Ära mit dem Lancia Delta S4 und von 1986 bis 1997 in der Gruppe A Ära mit dem Lancia Delta HF 4WD-Integrale. Die Autos waren so kantig designed und aggressiv, dass gerade dies den ultimativen Racing-Charme noch steigerte.

Mit den verschiedenen Generationen für die Straße wurde der Lancia Delta aber von Generation zu Generation immer runder im Design. Den aktuellen gibt es seit 2008 und er erinnert keineswegs mehr an das Sport-Quadrat von damals.

LanciaDelta_Front

LanciaDelta_Heck

Exterieur

Vorne dominiert der große Lancia-typische Kühlergrill, der hier in der S-Version schwarz gehalten ist. Die modernen Scheinwerfer haben ein LED-Tagfahrtlicht und sind wie beim derzeit vorherrschenden Design geschwungen. Besonders interessant sind dagegen das Heck und das Seitenprofil. So ist das Heck in jedem Fall völlig anders wie bei allen anderen Wettbewerbern, was hauptsächlich den geschwungenen Heckleuchten geschuldet ist. Sie schwingen sich vom Heck bis zur Seite – und erinnern an die Heckleuchten des Jaguar XJ oder des einstigen Citroen C6. So wird der Rücklicht-Schwung seitlich von der Design-Dropping-Line gestützt, ein interessantes Design-Merkmal.

LanciaDelta_Design

Insgesamt bleibt als Fazit: Das Design ist erfrischend anders und insgesamt macht der Lancia Delta im wahrsten Sinne einen runden Auftritt. Das heißt: Man muss das rundliche Design mögen, setzen die deutschen Hersteller doch eher auf kantige Formen. Auf jeden Fall ist das Auto ein Hingucker, die Passanten drehen sich schon um und rätseln, was das für ein Hersteller sein könnte.

Interieur

Das Interieur ist betont nüchtern, einziges Designelement ist hier der schwarze Hochglanzbereich in der Mittelkonsole. Das Lenkrad wirkt durch den bulligen Mittelteil etwas billig, auch der Bereich rund um die Handbremse könnte gerne mehr Hochwertigkeit gebrauchen. Die hier getesteten Momo-Design-Ledersitze bieten ein recht hartes Leder, auch die Polsterung des Textils auf dem Sitz ist sehr stabil.

Das Platzangebot ist allgemein in Ordnung, auch als großer Mensch findet man vorne genügend Platz. Die Sitzauflage könnte jedoch länger sein. Auch im Fond gibt es keine Probleme mit Bein- oder Kopffreiheit, obwohl die Dachlinie nach hinten abfällt. Mit vier Erwachsenen kommt man also gut klar. Schließlich hat auch der Kofferraum quadratisch-praktische Ausmaße, auch das würde man hinter den rundlichen Formen nicht vermuten.

Bei den Ausstattungsvarianten gibt es die Wahl zwischen Silver, Gold und der hier gezeigten Version “S”, wobei es häufig um optische Finessen innen und außen geht; der größte Unterschied zwischen Silver und Gold ist die Sitzausstattung in Lederausstattung oder wahlweise Alcantara plus Leder-Schaltknauf.

LanciaDeltaCockpit

LanciaDeltaFond

LanciaDeltaKofferraum

Motoren und Fahrverhalten

Los geht es mit dem Lancia Delta ab 21.490 Euro. Den 1.4 Liter Benziner mit 120 PS kann man noch upgraden auf 140 PS. Dazu gibt es einen 1.6 Liter Diesel mit 120 PS und einen 1.9 Liter Diesel mit 190 PS.

Wir fahren den 1.6 Liter Diesel, der die verbrauchsoptimierteste Variante darstellt. Im Testverbrauch landen wir bei knapp 6 Liter auf 100 km. Bis 2.000 Umdrehungen geht bei dem Diesel allerdings nicht viel, er möchte schon auf Drehzahl gehalten werden. Das kann in der Stadt schon mal nicht ganz unkompliziert sein und erfordert einen ganz feinen Fuß am Gas. Ein fast schon merkwürdiges Ansprechverhalten. Das Fahrwerk fällt weder groß positiv noch negativ auf. Die Lenkung könnte auf jeden Fall präziser sein.

Lancia Delta Abmessungen

Länge: 4.520 mm
Breite: 1.797 mm
Höhe: 1.499 mm
Radstand: 2.700 mm
Leergewicht: 1.395–1.505 kg

LanciaDeltaS

Fazit: Mit dem Lancia Delta sichert man sich einer der exklusivsten Varianten in der Kompaktklasse. Wieso das so ist, wird allerdings auch schnell klar: Wenn zum Beispiel ein Seat Leon bei knapp 15.000 Euro los geht, ist kaum jemand bereit, auf die deutsche Perfektion zu verzichten und für den Lancia Delta sogar noch mehr auszugeben. Es bleibt vorwiegend eine Frage des Designs; man muss sich sofort in das Äußere des Delta verlieben. Und allzu lange warten kann man nicht: 2016, so der derzeitige Plan, soll die Marke Lancia nur noch auf dem italienischen Markt weiterleben und auch nur noch mit einem Modell, dem Ypsilon.

Autogefühl: **

Text & Fotos: Autogefühl, Thomas Majchrzak


3 Responses to Lancia Delta im Test

  1. […] AutogefühlLancia Delta im Test – versteckter Italiener in der KompaktklasseAutogefühl – das Auto Blog! http://www.autogefuehl.de Lancia führt in Deutschland ein Nischendasein, insbes… […]

  2. Liga says:

    Lancia sieht man in Deutschland tatsächlich nicht besonders, schade eigentlich, da Lancia gute und elegante Autos herstellt. Auch der Lancia Delta macht einen sehr guten ersten Eindruck, definitiv einen ersten Fahrtest als Vorführwagen wert.

  3. […] auf den Wettbewerb (Fahrberichte): Peugeot 308 Lancia Delta Opel Astra Seat Leon Ford Focus Skoda Rapid Spaceback Kia cee’d Honda Civic Mitsubishi Lancer […]

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