Chris Froome: per Rad von England nach Frankreich

Der amtierende Tour de France-Sieger Chris Froome vom Team Sky hat zum 20. Jahrestag der Eröffnung des Eurotunnels als erster Mensch die Strecke zwischen England und Frankreich mit dem Fahrrad absolviert. Bei der 55-minütigen Hatz durch den Servicetunnel des Untersee-Bauwerks nutzte der Brite sein neues Tour-Rad des italienischen Spezialisten Pinarello. Dessen Design wurde maßgeblich vom Sky-Teampartner Jaguar mitentwickelt, seit diesem Jahr offizieller Innovationspartner des Profirennstalls. Von Thomas Imhof

Der 1994 eröffnete Eurotunnel ist 50 Kilometer lang, davon verlaufen 38 Kilometer unter Wasser. Im Schnitt liegt die Wasseroberfläche 40, an der tiefsten Stelle 75 Meter über den beiden im Abstand von 30 Metern auf dem Meeresgrund ruhenden Eisenbahnröhren. Während sich die Tour de France 2014 nach drei Tagen in England schon auf die erste Etappe auf “heimischem Territorium” vorbereitete, veröffentlichte Jaguar unter dem Titel „Team Sky – Cycling Under The Sea“ zwei spektakuläre Kurzfilme über den bereits am 1. Juni absolvierten Husarenritt Froomes. In dem gut zwei Minuten langen Video sieht man, wie die Nummer Eins des Teams Sky in voller Rennmontur vom Bahnsteig in Folkstone losprescht und dann in die schmale Röhre des Servicetunnels einfährt. Der zweite, gut fünf Minuten lange Film gibt interessante Einblicke in die Dreharbeiten und das Drum und Dran der PR-trächtigen Aktion.

Das Tor zur Unterwelt hat sich geöffnet: Froome bei der Einfahrt in den Servicetunnel - Foto: Jaguar

Das Tor zur Unterwelt hat sich geöffnet: Froome bei der Einfahrt in den streng überwachten Servicetunnel – Foto: Jaguar

Die nur von kleinen Fahrzeugen befahrbare Serviceröhre hat einen Durchmesser von 4,8 Meter und ist alle 375 Meter durch Querdurchgänge mit den Haupttunneln verbunden. Sie dient neben Wartungsarbeiten auch der Evakuierung bei Notfällen und beherbergt zudem alle Wasserleitungen für eventuell nötige Löschaktionen. Nach 55 Minuten schießt Froome im französischen Coquelles (4,5 km südwestlich von Calais) aus diesem Mauseloch wieder zurück ans grelle Tageslicht, mit Applaus begrüßt von seinen Mechanikern, die mit den auch in diesem Jahr bei der Tour de France wieder als  Servicefahrzeuge des Teams Sky eingesetzten Jaguar XF Sportbrake schon per Zug vorausgeeilt waren und nun auf ihn warten.

Die Einsamkeit des Langstreckenläufers: Chris Froome in der Monotonie der Röhre - Foto: Jaguar

Die Einsamkeit des Langstreckenläufers: Chris Froome in der Monotonie der Röhre. “Ich kam mir phasenweise vor wie der Teil eines Fließbands” – Foto: Jaguar

„Die Fahrt unter dem Meer war eine ganz besondere Erfahrung”, sagte der auch in diesem Jahr wieder zu den großen Tour-Favoriten zählende Froome. „Das einzige, was ich sehen konnte, war diese endlose Reihe von Leuchten über mir. Ich kam mir zeitweise vor wie der Teil eines Fließbandes. Es wird nicht mehr so viele Möglichkeiten geben, auf einem Rad eine ähnliche Erstleistung zu vollbringen. Als erster Mensch durch den Eurotunnel geradelt zu sein, ist daher nur noch mit einigen meiner größten Fahrten bei Radrennen zu vergleichen.“

Welcome to France: Froome mit seinem Pinarello Bike und zwei Jaguar XF Sportbrake Servicefahrzeugen des Teams Sky - Foto: Jaguar

Welcome to France: Froome mit seinem Pinarello Bike (im Trim für ein Einzelzeitfahren) und zwei Jaguar XF Sportbrake Servicefahrzeugen des Teams Sky – Foto: Jaguar

Erste Gespräche zwischen Jaguar, dem Team Sky und den Eurotunnel Betreibern begannen bereits Anfang des Jahres. Die Vorbereitungen waren intensiv, schließlich gehört der Eurotunnel zu den am schärfsten bewachten Hochsicherheits-Objekten im Vereinigten Königreich und Frankreich. Umso größer dann die Erleichterung bei allen Beteiligten, als alle Sicherheitsbedenken aus dem Weg geräumt waren.

Für Mark Cameron, Direktor Global Brand Experience, Jaguar Land Rover, passt die Unterquerung der “Straße von Dover” nahezu ideal zur Jaguar Philosophie des ‚Keep pushing‘ – “eine Tat, die niemand zuvor unternommen hat und wohl auch kaum jemals wiederholen wird.”

Das britische Eurotunnel Portal bei Folkstone - die beiden Jaguar fuhren per Zug durch die "Straße von Dover" - Foto: Jaguar

Das britische Eurotunnel Portal bei Folkstone – die beiden Jaguar fuhren per Zug durch die “Straße von Dover” – Foto: Jaguar

John Keefe, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit bei Eurotunnel, freute sich ebenfalls über den geglückten Coup: „Der Eurotunnel ist ein einmaliges technisches Bauwerk und vergleichbar mit der Golden Gate Bridge von San Francisco oder dem Opernhaus von Sydney. Das Problem ist nur, dass ihn niemand wirklich zu Gesicht bekommt und einmal hautnah erleben kann. Daher waren wir sofort begeistert, als uns Jaguar Land Rover diese ungewöhnliche Idee unterbreitete.”

Jaguar und Team Sky – eine enge Verbindung
Als offizieller Fahrzeugausrüster ist Jaguar seit der Gründung des Teams Sky im Jahr 2010 mit dem Profi-Radsport verbunden. Servicefahrzeuge vom Typ X-TYPE Estate und (seit 2012) XF Sportbake trugen ihren Teil dazu bei, dass der Rennstall 2012 und 2013 zweimal infolge mit Bradley Wiggins und Chris Froome die Tour de France gewann. Schon optisch sind die in den Teamfarben lackierten Jags ein Hingucker. Auf dem Dach finden neun Renn-Bikes im Gesamtwert von rund 125.000 Euro Platz.  Innen sind die Sport-Kombis mit allem ausgestattet, was eine Teamleitung so braucht: Funk, Radio, TV-Monitor – so behalten der sportliche Direktor und seine Crew immer den Überblick. Als großes Plus des XF Sportbrake gilt auch die serienmäßige Luftfederung samt automatischer Niveauregulierung an der Hinterachse. So bleibt selbst bei voller Ausnutzung des 1.675 Liter großen Kofferraums und auf welligen gallischen Landstraßen der Aufbau immer in der Waagerechten.

Das Pinarello-Rad in voller Schönheit - Foto: Jaguar

Das Pinarello-Rad in voller Schönheit – Foto: Jaguar

Im nun fünften Jahr der Kooperation ist Jaguar im Rahmen eines neuen Zweijahres-Vertrags sogar zum offiziellen Innovationspartner des Teams aufgestiegen. Und sofort nahm sich der Premium-Autobauer das neue Pinarello-Rad für Froome und Co. vor, genauer gesagt dessen Aerodynamik. Die Ingenieure des Jaguar Land Rover Entwicklungscenters Gaydon nutzten nicht nur ihren Windkanal, sondern auch ihre mit massiver Rechnerpower gesegneten CFD-Simulationsverfahren. Das Resultat ist das wohl schnellste Pinarello-Bike aller Zeiten. Denn im Vergleich zum Vorgängermodell verbesserte sich die Aerodynamik des neuen Dogma F8 um 26,1 Prozent; sitzt der Fahrer auf dem Sattel, beträgt der Vorteil immerhin noch 6,4 Prozent. Allein der Rahmen fiel um 40 Prozent windschnittiger aus.

Die Siege eines Froome, Wiggins oder Cavendish sowie die Erfolge des mit Jaguar kooperierenden Sky-Rennstalls haben den Profiradsport abseits aller Doping-Skandale der Vergangenheit in Großbritannien so populärer wie nie zuvor gemacht.  Wer die Bilder der begeisterten Zuschauermassen bei den drei Etappen von Leeds über Harrogate, York, Sheffield und Cambridge bis zum Buckingham Palast in London sah, konnte keinen großen Unterschied zu Aufnahmen von französischen Abschnitten ausmachen.

Wer weiß, vielleicht wird ja eine Überfahrt von England nach Frankreich mit dem Rennrad sogar noch zu einer Art Volkssport. Genug positiv Verrückte würden sich sicherlich finden…nur Eurotunnel wäre nicht gerade amused.….

Text: Thomas Imhof, Autogefühl
Fotos: Jaguar


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