Nissan Navara Pickup Testbericht

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Nissan setzt wohl verständlich ganz auf moderne SUVs: So wurde das Juke Facelift auf den Markt geschoben, mit dem ganz neuen Qashqai der riesige Verkaufserfolg fortgesetzt und der X-Trail neu aufgelegt, aber in Geländesachen auch weichgespült. Der Pathfinder wird nun eingestellt, der Murano ist das große und in Deutschland eher unbekannte Luxus-SUV. Einer bleibt also noch übrig als Geländekönner: der Nissan Navara Pickup. Er taugt noch so richtig was fürs Gelände.

Zwar verkaufen sich Pickups in Deutschland nicht ganz so gut wie anderswo, aber innerhalb des Segments ist der Nissan Navara immer oben mit dabei. Gegen die VW-Urmacht mit dem Amarok kommt man zahlenmäßig seit einigen Jahren nicht mehr an, mit dem Ford Ranger streitet man sich immer um den zweiten Platz in der Zulassungsstatistik hierzulande.

Der im spanischen Nissan-Werk in Barcelona produzierte Nissan Navara teilt sich eine Basis mit dem auslaufenden Pathfinder. Wie dieser baut er also auf einem Leiterrahmenchassis auf, zur vorderen Einzelradaufhängung mit Dreiecksquerlenkern kommt jedoch Pickup typisch eine hintere Starrachse mit Blattfedern. Der aktuelle Nissan Navara (in den USA auch als Nissan Frontier bekannt) ist die dritte Generation der Baureihe und debütierte im März 2005 in Genf. Zuletzt wurde das am Ende seines Lifecycles angelangte Modell 2010 umfangreich geliftet. Auf dem Papier ist er also schon ein wenig in die Jahre gekommen.

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Exterieur

Von außen wird ein Pickup allerdings nicht so schnell alt. Irgendwie sieht er immer noch gut aus. Die große Öffnung des Kühlergrills und die steile Front machen ihn klassengemäß mächtig. Das Seitenprofil wird durch die offene Ladefläche gezeichnet, und hinten gilt das Motto quadratisch, praktisch gut. Fahrräder aufladen für eine Runde Mountainbike fahren? Kein Problem drauf damit und zwei Spanngurte darüber. Gartenabfall wegfahren? Die leichteste Übung. Egal welches Hobby man verfolgt, der Nissan Navara kann jedes unterstützen.

Es gibt eine King-Cab-Version ohne B-Säulen und mit gegenläufig öffnenden Türen sowie eine Double-Cab-Ausführung mit vier konventionellen Türen und fünf Sitzplätzen. Die Länge der Ladefläche beträgt 1,86 Meter (King Cab) bzw. 1,51 Meter (Double Cab), bei Anhängelasten von bis zu 3.000 kg.

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Interieur

Im Interieur sieht man schon eher, dass der Navara in die Jahre gekommen ist. Zwar sollte man von einem Pickup nichts erwarten, dass über die Zweckmäßigkeit hinaus geht, doch wenn man den VW Amarok dagegen setzt, dann fällt der Nissan schon deutlich ab – gerade beim Infotainment-System. Es ist derart nicht selbsterklärend, dass man eigentlich gar keine Lust hat, es in irgendeiner Form zu bedienen. Das iPhone ist erst nach mehreren Wiederholungen des Vorgangs mit der Bluetooth-Komponente gekoppelt. Hilfreich ist immer die allgemeine “Menü”-Taste, denn die bringt einen wieder zurück zum Startbildschirm und man kann alles noch einmal neu versuchen. Nach einigen Versuchen läuft dann auch das Audio-Streaming.

Die Sitzposition ist natürlich aufrecht und daher auch sehr angenehm, allerdings sind die Sitze extrem kurz. Kleine Menschen haben damit sicher keine Probleme, größere schon. Als Komfortfeature lässt sich die Neigung des Sitzes einstellen. Angenehm ist die großzügige Aufstellfläche für den linken Fuß, die man in der Automatik-Version gerne wahrnimmt.

Im Fond sitzt man als Erwachsener nicht optimal, weil die Sitze noch ein Stück kürzer sind. Dabei fahren wir schon die Double-Cab-Ausführung. Eine Kombination, die gut passt: Erwachsene unter 1,80 m mit Kindern im Fond – das geht gut.

Der Basispreis des Nissan Navara liegt bei 26.499 Euro. Es gibt drei Ausstattungsstufen: XE, SE und LE, dazu das Sondermodell Navara Platinum Evo. Hier die Übersicht.

Ausstattungsvarianten Nissan Navara

Während XE das Grundniveau darstellt, kommen zusätzlich mit…

SE (ca. 4.000 Euro Aufpreis)
– Airbags (In Grundversion nicht enthalten !!)
– Tempomat
– Bluetooth
– Sitzheizung
– Radio/CD
– Klimaautomatik 2 Zonen

Platinum Evo (zusätzlich zu SE, ca. 7.000 Euro über Basis)
– Anhängerkupplung
– Glas-Hub-Schiebedach
– Rückfahrkamera im Rückspiegel integriert

LE (zusätzlich zu SE, ca. 9.000 Euro über Basis)
– Außenspiegel elektrisch ranklappbar
– Regensensor
– Dachträger (beim Double Cab)

Ferner gibt es noch die Sondervariante LE Evo jeweils mit mehr Extras als Topausstattung. Insgesamt ist die Zusammenstellungspolitik etwas kompliziert geraten.

Motoren

Topmotorisierung ist ein 3.0 Liter V6-Diesel mit 231 PS, 550 Nm und Siebengang-Automatik. Darunter angesiedelt ist ein 2,5-Liter-Vierzyliner Diesel in zwei Leistungsstufen, 190 PS und 144 PS. In letzterer nur in Verbindung mit dem manuellem Sechsganggetriebe.

Fahrverhalten

Wir fahren den 2,5 Liter Diesel mit 190 PS und 5-Stufen-Automatik. Diese erweist sich als zuverlässig und bleibt stets unauffällig, tut wunderbar ihren Dienst. Der Motor kommt in unserem Test auf einen Verbrauch von fast 10 Litern / 100 km.

Die Lenkung benötigt entgegen einer modernen Progressiv-Lenkung teilweise einen Lenkumschlag mehr, ist allerdings angenehm leichtgängig, so dass der Nissan Navara erstaunlich gut zu dirigieren ist. Die Rückfahrkamera (ab Niveau Platinum s.o.) ist auf jeden Fall zu empfehlen, da man dann im Rückspiegel per Kamera sehen kann, wo das Fahrzeug aufhört. Dem Navara würde das nicht viel machen, wenn er irgendwo langsam gegen fahren würde, aber wahrscheinlich würde sich das gegnerische Objekt beschweren. Mit so einem langen Pickup muss man manchmal etwas improvisieren, etwa mit den Hinterrädern den Bordstein hochfahren, um aus einer Parkbox zu kommen. Aber zum Glück ist der Nissan Navara sehr unempfindlich.

Im normalen Fahrbetrieb wird die Hinterachse angetrieben, der Allradantrieb wird im Verhältnis von 50:50 Prozent per Drehknopf zugeschaltet. Und das merkt man, selbst auf der Straße. Sobald der Allrad zugeschaltet ist, auch während der Fahrt, nur nicht direkt während des Gasgebens, rumort es spürbar im Unterboden. Man merkt also die zusätzliche Reibung, die durch das Allradsystem entsteht. Zusätzlich verfügt der Nissan Navara über eine elektrisch aktivierbare Geländeuntersetzung und ein Hinterachsdifferenzial mit begrenztem Schlupf (optional mit 100 Prozent Sperrwirkung).

Im Gelände macht der Navara dann so richtig Spaß. Schön, wenn man weiß, das kein Untergrund es einem anhaben kann. Absolut spursicher und völlig unaufgeregt wandert der Nissan Navara über die Autogefühl-Offroadstrecke, zeigt sich dabei von tiefen Furchen und auch bei Anstiegen völlig unbeeindruckt. Das Interessante dabei: Nachdem man mit dem Fahrzeug einmal offroad unterwegs war, fühlt man sich ihm auf der Straße auch direkt viel näher, das sammelt Sympathie.

Trotz der langen Federwege verhält sich der Nissan Navara im Straßenverkehr und auch auf der Autobahn bei Bodenwellen sehr ruhig, ist also nicht zu nervös für die Straße. Trotzdem hat man das Pickup-typische spaßige Fahrgefühl, dass man etwas über den Dingen schwebt. Die Innenraumakustik ist dabei erstaunlich gut, auch auf der Autobahn. Andere Pickups sind da teilweise lauter und weniger gut abgedichtet.

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Nissan Navara Abmessungen

Länge 5.29 m
Breite 1.84 m
Höhe 1.78 m

Fazit: Der Nissan Navara ist ein Pickup der alten Schule. Außen sieht er zeitlos modern aus, innen ist er in die Jahre gekommen. Es muss nicht teuer sein, aber ein unkomplizierteres Multimedia-System würde dem Navara gut tun. Groß Gewachsene werden mit den Sitzen nicht allzu gut klar kommen, da diese dafür vorne wie hinten zu kurz sind. Ansonsten ist der Navara für einen vielseitig nutzbaren Pickup sehr gut zu dirigieren, der leichtgängigen Lenkung sei Dank. In Verbindung mit der Rückfahrkamera muss man dann auch vor keinem Stadtgeschehen Angst haben. Und Offroad macht er richtig viel Laune. Der Navara ist ein unkompliziertes Auto, das zwar nicht viel verspricht, aber dafür alles hält, was er verspricht.

Autogefühl: **

Text: Autogefühl, Thomas Majchrzak
Fotos & Video: Michel Weigel

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