Porsche Cayman GTS 2015 Testbericht – der sportlichste Porsche?

Porsche Cayman oder Porsche 911? Diese Frage wird in Fan- und Fachkreisen häufig gestellt, wenn es darum geht, welcher eigentlich der sportlichere Porsche ist. Der neue Porsche Cayman GTS könnte diese Frage nun endgültig beantworten, denn er kommt mit noch ein Stückchen mehr Power und präsentiert sich mehr denn je als perfekte kompakte Fahrmaschine mit Mittelmotor. Von Thomas Majchrzak

Überblick

Von 1996 bis 2004 lief der offene Porsche Boxster in erster Generation. In seiner Neuauflage erhielt er einen Bruder mit geschlossenem Dach, so dass die erste Generation des Porsche Cayman 2005 vom Band lief. Seit 2013 gibt es die zweite Generation des Cayman (Typ 981c), die sich immer noch die Plattform mit dem Porsche Boxster (Typ 981) teilt. Obwohl der Boxster mit Stoffverdeck-Konstruktion eigentlich teurer sein müsste, ist der Cayman immer etwas teurer als sein offener Bruder – trotz gleicher Ausstattung. Es gibt lediglich immer ein paar PS mehr. Diese Positionierung ist sehr unüblich, denn alle anderen Hersteller bieten aus logischen Gründen das Coupé günstiger an.

Im Vergleich zum Porsche 911 Carrera ist der Porsche Cayman 9 cm kürzer. In der Breite bleibt der Unterschied auf Millimeter-Ebene. Anstatt Mittelmotor beim Cayman sitzt der Motor beim 911er hinten. Von den PS-Zahlen müsste man eigentlich den Porsche Cayman GTS mit dem normalen 911 Carrera vergleichen (340 PS vs 350 PS), aber auf den Rennstrecken wird meistens auch ein 911 Carrera S zitiert – der dann doch noch etwas stärker ist und in den Rundenzeiten häufig ein, zwei Sekunden schneller. Der 911er verhält sich dabei souveräner, doch der Cayman ist das aggressivere Sportgerät.

Den Auftakt für die GTS-Reihe machte der 904 Carrera GTS von 1963. Heutzutage sind GTS-Modelle für Cayman, Cayenne, Panamera und 911er erhältlich.

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Exterieur

Leichte Designänderungen gegenüber dem Vorgänger GTS (übrigens = Gran Turismo Sport) gibt es am Heck, vorne gibt es zudem geschwärzte Bi-Xenon-Scheinwerfer, die adaptiv auf Richtungsänderungen reagieren. GTS-Schriftzüge in schwarz zieren die Seiten. Die serienmäßigen 20-Zoll-Felgen mit Reifen in 235/35 vorne und 265/35 hinten setzten alle Zeichen auf Sportlichkeit. Zwischen ihnen sind die roten Bremssättel zu erkennen.

Die Optik ist die erste große Stärke des Porsche Cayman GTS. Das Design wirkt wie eine Skulptur. Das beginnt bei den porsche-klassischen Ausformungen oberhalb der Scheinwerfer. Der Blick wandert weiter zur Coupé-Endung der Fenster. Im Gegensatz zum größeren 911er wirkt das Heck deutlich harmonischer. Denn während das Heck bei 911er durch das Heckmotor-Prinzip vergleichsweise etwas aufgeblasen aussieht, behält der Cayman GTS seine schlanke Linie auch hinten. Dynamisch aggressiv zeichnen die Heckleuchten mit 3D-Effekt, in der GTS-Version auch mit schwarzem Inlet. Die Auspuffrohre sind in der Mitte zusammengefasst und werden vom großen Heck-Diffusor in Schwarz unterstrichen.

Wir empfehlen ganz klar die Farbe unseres Testwagens, Saphirblau Metallic. Die wahrscheinlich schönste Farbe im Porsche-Portfolio, wenn dies natürlich auch immer eine subjektive Einschätzung bleibt.

Ein weiteres optisches Highlight ist die große Glas-Heckscheibe. Darunter sieht man zunächst, wie man glauben mag, einen Subwoofer. Aber mitnichten. Die Alukonstruktion mit zwei abschraubbaren Abdeckungen versteckt die Einfüllmöglichkeiten für Kühlwasser und Motoröl. Eine tolle Lösung, und eine Möglichkeit, den Mittelmotor schnell zu erreichen.

Beim Einsteigen wird der Fahrer von den formschönen Handgriffen begrüßt, die sich beim Öffnen stilvoll etwas nach oben hin klappen.

Interieur

Serienmäßig ist beim GTS nun das Sport Chrono-Paket enthalten. Dieses umfasst ein dynamisches Getriebelager, eine noch sportlichere Einstellung der Gaspedalkennlinie, eine dynamische Zwischengasfunktion bei Rückschaltvorgängen und im Interieur eine analoge und digitale Stoppuhr sowie die Sport Plus Taste auf der Mittelkonsole.

Serienmäßig kommt die Lederausstattung der Sportsitze Plus mit erhöhten Seitenwangen und stärkerer Ausformung des Schulterbereichs. In unserem Testwagen ist dagegen sogar der Sport-Schalensitz verbaut, der mehr als 2.000 Euro Aufpreis kostet. Für besseren sportlichen Halt haben die Sitze auch Alcantara-Anteile. Das nur im GTS serienmäßige Sport-Design-Lenkrad zeichnet sich dadurch aus, dass es keine Multifunktionstasten direkt auf dem Lenkradkranz besitzt.

Im Innenraum gibt es insgesamt den nüchternen Porsche-Racing-Style, der im Porsche Cayman GTS noch weiter unterstrichen wird. Optisch attraktiv ist die dank serienmäßig inkludiertem Sport Chrono Paket vorhandene analoge Stoppuhr in der Mitte des Armaturenbretts. Etwas altmodisch wirken dagegen mittlerweile die vielen rechteckigen Knöpfe in der Multimedia-Einheit. Trotzdem ist diese von der Software her auf dem neusten Stand. So stellt das Navigationssystem in 3D die Gebäude einer großen Stadt dar, und die Reaktionszeit ist optimal, d.h. die Adresseingabe erfolgt sehr schnell.

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Im Vergleich zu den normalen Versionen unterscheidet sich der Porsche Cayman GTS am stärksten im Innenraum durch die Supersportsitze. Wenn man einsteigt, wundert man sich zunächst, dass man die Sitze nur vor- und zurückschieben kann, mehr nicht. Die Rückenlehne ist sofort ganz steil eingestellt, so wie es auf der Rennstrecke sein muss. Verstellbarkeit: Fehlanzeige. Der Porsche Cayman GTS sagt damit ganz klar: Ich bin ein Auto für die Rennstrecke.

Dadurch, dass die Sitze einen exzellenten Seitenhalt bieten, fühlt man sich direkt so, als könnte man jederzeit auf der Rennstrecke loslegen. Im alltäglichen Fahren bieten die Sitze eine Art Geborgenheit, und die steile Rückenlehne ist gar nicht so umkomfortabel – weil sie dem Rücken eben auch Halt gibt. Einen Komfortnachteil gibt es beim Ein- und Aussteigen. Denn die steifen Sitzwangen schmerzen doch ein wenig, wenn man über sie rutscht. Gerade beim Aussteigen im Parkhaus ist das ein Nachteil. Zum Glück besitzt der Porsche Cayman GTS eine Komfortfunktion der Fenster: Hält man das Öffnen-Symbol auf dem Schlüssel gedrückt, senken sich die Fenster ab. Da diese natürlich rahmenlos sind, wie es sich für ein Coupé gehört, kann man besser ein- und aussteigen. Zum Schließen der Fenster dann einfach den Schließ-Button auf dem Schlüssel halten.

An Gepäckraum steht zum Einen ein kleiner Platz im Heck zur Verfügung, also hinter dem Motor. Dort kann man kleinere Taschen und auch kleinere Einkäufe schnell einladen. Den großen Gepäckraum gibt es der Tradition verpflichtet vorne. Dieser reicht recht tief nach unten hinein, so dass man auch Getränkekisten transportieren kann.
Sonderausstattung

Dass man keyless entry (880 Euro), Parkassistent inkl. Rückfahrkamera (1.535 Euro), Sitzheizung (416 Euro) sowie 2-Zonen-Klimaautomatik (760 Euro) noch in der Topvariante GTS extra bestellen muss, mutet doch etwas kleinkariert an. Eine Sitzlüftungs-Funktion kostet 928 Euro, Lenkradheizung 270 Euro, das Porsche-Doppelkupplungs-Getriebe liegt bei 3.450 Euro Aufpreis.

Motor

Der Sechszylinder-Boxermotor ist wie beschrieben als Mittelmotor verbaut, was sich besonders günstig auf die ausgeglichene Gewichtsverteilung auswirkt. Weist der Einstiegs-Cayman einen Hubraum von 2,7 Liter auf und kommt auf 275 PS, sind es ab dem Cayman S 3,4 Liter und 325 PS und schließlich im Porsche Cayman GTS 340 PS. Das bedeutet gegenüber dem Vorgänger ein Leistungszuwachs von 15 PS und 10 Nm. Maximales Drehmoment: 380 Nm.

Mit dem optionalen Doppelkupplungsgetriebe PDK und aktiver Sport Plus-Taste erreicht der Porsche Cayman GTS dann den Spurt von 0 auf 100 km/h in 4,6 Sekunden. In dieser Konfiguration wiegt der Porsche Cayman GTS 1.375 kg. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei knapp über 280 km/h. Ab 120 km/h fährt der kleine Heckspoiler automatisch aus. Angegeben ist der Motor mit kombiniert 8,2 Liter Verbrauch auf 100 km mit PDK bzw. 9 Liter mit manuellem Schaltgetriebe.

Das besonders angenehme an dem Boxermotor ist, dass der Sound immer knackig bleibt, kein Turbo heult auf. Zudem hält sich der Verbrauch in Grenzen. Wenn man gemäßigt fährt und viel Autobahn, landet man bei 8 Litern, mit ein wenig mehr Freude und/oder mehr Stadtfahrten bekommt man den Cayman GTS auf 10 Liter. Das ist für so ein sportliches Auto völlig in Ordnung, kleine Benzin-Turbomotoren brauchen locker genauso viel.

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Fahrverhalten

Das neue serienmäßige adaptive Fahrwerk soll es ermöglichen, Sportlichkeit und Langstreckenkomfort zu vereinbaren. Dabei ist das Fahrzwerk im GTS grundsätzlich 10 mm tiefer gelegt. Wie schon der Cayman S verfügt der Cayman GTS über einen Klappenauspuff, der für noch mehr Klang sorgt.

Das Fahrverhalten macht schon auf den ersten Metern klar: Der Porsche Cayman GTS gehört einfach auf die Rennstrecke. Das Fahrwerk ist für normale Straßenverhältnisse knüppelhart und verzeiht kein Kopfsteinpflaster und kein Schlagloch. Beine und Rücken bekommen die Stöße direkt weitergeleitet. Ist die Straße dagegen eben, fühlt sich der Porsche Cayman GTS an wie ein Arcade-Rennspiel. Alles ist möglich, die Wendigkeit ist unübertroffen. In der Sportlichkeit spielt der kleine GTS alle Karten aus und übertrumpft vom Spaßfaktor sogar den größeren Bruder 911. Das Mittelmotorkonzept sorgt für einen noch zentraleren Schwerpunkt. Sportlicher und agiler kann man ein Serienfahrzeug wahrscheinlich nicht bauen.

Der Sound des Boxermotors ist herrlich blubbernd und übertrumpft die modernen Turbobenziner. Mit einem Druck auf die Auspuff-Taste in der Mittelkonsole öffnen sich zusätzliche Klappen, die den Cayman GTS noch weiter röhren lassen. Ist die deaktiviert und bleibt man im niedrigen Drehzahlbereich, lässt sich das Fahrzeug dennoch auch sozialverträglich in der Stadt bewegen. Auch der Verbrauch ist bei niedriger bis mittlerer Last in Ordnung. Mit 10 Litern im Mix auf 100 km muss man rechnen, wenn man nicht gerade von Ampel zu Ampel jagt.

Das von uns getestete manuelle Schaltwerk ist ohne Fehl und Tadel, versprüht mit einem bewusst aggressiv gewählten Sounddesign sogar einen Hauch von Formel-1-Feeling der Vergangenheit. Gerade beim Wechsel/Übergang über die Neutral-Stellung hört man ein unmissverständliches „Einrasten“, das jedem Racer Freude macht.

Der Einstiegspreis für den Porsche Cayman GTS liegt bei 73.757 Euro. Das ist natürlich kein Schnäppchen, aber für diese extreme Sportlichkeit und 340 PS immer noch günstig gegenüber einem 911 Carrera mit 350 PS für 90.400 Euro.

Abmessungen

Länge: 4,40 m
Breite: 1,80 m
Höhe: 1,28 m
Radstand: 2,47 m
Leergewicht: 1.385–1.425 kg

Fazit: Der Porsche Cayman GTS ist _das_ Racing-Spaßmobil von Porsche. Die Optik kann kaum emotionaler sein und wirkt von allen Porsche-Modellen am stimmigsten. Kein anderer Serien-Porsche ist zudem so leicht und agil, so brutal im Alltag und so überragend im Renneinsatz. Für den täglichen Gebrauch ist eindeutig die Basis-Version des Cayman zu empfehlen, weil der Komfort zu stark leidet – insbesondere mit Blick auf die Supersport-Sitze und das Fahrwerk. Wer den GTS wählt, der sollte ihm auch regelmäßig auf der Rundstrecke freien Auslauf geben. Auch im Vergleich zum 911er ist der Cayman GTS ganz klar auf die unmissverständliche Sportlichkeit ausgelegt. In der Ausführung erhalten wir Porsche-Perfektion von Handgriffen bis Schaltung – und das in der Topversion des Cayman schon zu einem deutlich geringeren Preis als ein Einstiegs-911er.

Autogefühl: *****

Text & Video: Autogefühl, Thomas Majchrzak
Fotos & Kamera: Autogefühl, Katharina Kruppa

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4 Responses to Porsche Cayman GTS 2015 Testbericht – der sportlichste Porsche?

  1. Frank says:

    Die hier abgebildeten “Sportschalensitze” sind keine Serie für den GTS, sondern kosten 2.814,35 € Aufpreis!
    Das ist irreführend und sollte im Artikel etwas nachgeschärft werden:)
    Wem das Fahrwerk zu hart ist, kann doch beim serienmäßigen PASM Fahrwerk die Dämpferhärte ändern.
    Hierzu wurde gar nichts im Artikel gesagt.

    Gruß F

    • Autogefühl says:

      Hallo Frank!

      Das stimmt, die Sitze sind nicht Serie für den GTS, danke auch, das noch mal im Kommentar zu erwähnen. Die Verstellung der Dämpferhärte ist per PASM möglich, aber grundsätzlich bleibt die Grundcharakteristik sportlich hart, was man ja auch von einem GTS erwarten kann.

      LG

      Thomas

  2. […] dem Porsche Cayman GTS wurde nun auch der aktuelle Porsche 911 Carrera erneut mit dem GTS-Zusatz geadelt. Manche sagen, […]

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