Range Rover TDV6 2015 Testbericht – kleiner Diesel für großen Luxus

Ein kleiner Diesel ist das eigentlich nicht im Range Rover TDV6, aber für einen Range Rover ist er klein. Wir wollten herausfinden, ob 258 PS für den Luxus-Koloss ausreichen und man damit großen Luxus mit akzeptablem Verbrauch verbinden kann. Von Thomas Majchrzak

In den Londoner Stadtteilen Knightsbridge, Belgravia und Regent’s Park kosten die (Reihen-)Häuser mittlerweile hohe zweistellige Millionenbeträge, weil sich Investoren aus dem Ausland, etwa aus Russland oder dem Nahen Osten, mit Rendite-Objekten eindecken. Und die Autos von Bentley bis Rolls-Royce, die hier fahren, sind wahrscheinlich mehr Wert als alle anderen Autos der Stadt zusammen. Nun gehört der Range Rover zu diesem Ensemble schon klassischerweise dazu, die vorherige Generation lief von 2002 bis 2012. Mit der neuen Generation, ist der Range Rover aber zumindest gefühlt und gesichtet zum dominierenden Fahrzeug in der Londoner Nobel-Szene geworden, teilweise wie hier in der noch recht frischen Langversion (LWB).

RangeRover_LWB_London

Im Westen Londons schert man sich nicht allzu sehr um Einpark-Probleme, wenn man bequeme Valet-Parkings zur Verfügung hat. Und der Verbrauch eines großen Diesels oder Benziners wird auch eher irrelevant sein, es sei denn, man achtet bewusst auf die Umwelt. In Deutschland ist dagegen das Thema Umwelt und auch das Thema Selber-Parken deutlich wichtiger. Wer hierzulande ein teures Auto kauft, der möchte in der Regel selber fahren und auch selber parken. Daher ist es für deutsche Range Rover Kunden auch relevanter, wie alltagstauglich das mittlerweile 5 Meter (OK, 4,99 m) lange Gefährt ist und wie viel es verbraucht.

Range Rover Motorenauswahl

Grundsätzlich werden in Deutschland bislang drei herkömmliche Motorisierungen angeboten:

– Ein V8-Kompressor mit 5 Liter Hubraum und 510 PS
– ein V8-Diesel mit 4,4 Liter Hubraum und 339 PS
– ein V6-Diesel mit 3 Liter Hubraum und 258 PS

Die letztere sparsamste Variante testen wir, sie schafft auch schon 600 Nm Drehmoment und sollte daher auf dem Papier schon mal kräftig genug sein. Allerdings wollen auch 2.160 kg bewegt werden. Trotzdem geht es in nur 7,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Der Verbrauch ist mit 7,5 l / 100 km angegeben und kommt daher beim CO2-Wert auf unter 200 g/km. Das ist für diese Klasse beachtlich. Alle Motorisierungen haben das ZF-8-Gang-Automatikgetriebe und permanenten Allradantrieb gemeinsam.

In unserem Testverbrauch erzielen wir gut 8,5 Liter auf 100 km, und das geht wirklich in Ordnung. Mit den meisten Kompakt-SUVs, die deutlich kürzer und leichter sind, landeten wir bei Werten um die 7,5 Liter – da kann man kaum von einem Unterschied sprechen. Außerdem liegt der Wert nur geringfügig über der offiziellen Angabe, was besonders lobend erwähnt werden sollte. Also eine durchaus realistische Angabe. Dass dies funktioniert, liegt hauptsächlich am eingesparten Leergewicht. Zwar wiegt der Range Rover wie erwähnt immer noch über 2 Tonnen, aber im Vergleich zum Vorgänger ist er ein Leichtgewicht. Zum ersten Mal besteht die Karosserie komplett aus Aluminium. Betrug das Gewicht beim Vorgänger-Modell je nach Motorisierung noch 2.684 bis 2.858 kg, liegt es nun bei 2.160 bis 2.360 kg. Die niedrigere Zahl eben mit dem neuen “kleinen” Diesel.

Der V6-Diesel ist für den Range Rover ideal geeignet. Denn mit einem Full-Size-SUV muss man nicht rasen, vielmehr genießt man das souveräne Fahren und das gemütliche cruisen. Command Driving Position nennt man das beim Range Rover, wenn man über den Dingen schwebt. Und das ist hier wirklich der Fall. Durch die gute Isolierung bekommt man von den Störgeräuschen des lauten Alltags kaum etwas mit. Und entspannter als im Range Rover kann man wohl nicht Auto fahren.

Dabei sind die 258 PS keineswegs schlapp. Wenn man auf die Autobahn auffährt und doch mal eine stärkere Beschleunigung benötigt, macht der Motor dies bereitwillig mit. Lediglich das schnelle Zockeln von Ampel zu Ampel ist damit im Vergleich zu einem Kompakt-SUV vorbei. Während dieselbe Hubraum- und PS-Zahl im BMW X3 (mit derselben 8-Gang-Automatik) es ermöglicht, Gaspedalbedienung und Vortrieb zu synchronisieren, hinkt der Diesel im Range Rover wegen des Gewichts immer ein wenig hinterher, wenn es zügig gehen soll. Vielmehr hilft der TDV6 aber dabei, sich zu entschleunigen.

Inzwischen ist übrigens zusätzlich der Range Rover SDV6 Plugin-Hybrid erhältlich, der mit einem 3 Liter Diesel und einem Elektromotor zusammen mit eben nur 3 Liter Hubraum trotzdem die Systemleistung und das Drehmoment des größeren 4.4 Liter Diesels erreicht. Der Hybrid schöpft 292 PS aus dem Diesel, 49 PS aus dem Elektromotor. Sowohl beim Range Rover als auch beim Bruder Range Rover Sport ist der Plugin-Hybrid nur in der höchsten Ausstattung Autobiography erhältlich. Der Sinn dieser Variante sei jedoch dahingestellt, denn rein elektrisch fährt der Hybrid anderthalb Kilometer – und man kann ihn nicht aufladen. Wichtig und richtig ist dagegen, dass Land Rover an einer Plugin-Hybrid-Variante arbeitet, die schon bald erscheinen soll. Diese wäre dann an der Steckdose aufzuladen und würde wahrscheinlich ähnlich wie der kommende Volvo XC90 Plugin-Hybrid gut 40 km rein elektrisch schaffen.

RangeRover_Farbe_Luxor_exterieur_glasdach

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Exterieur

Der Range Rover ist eines der wenigen Fahrzeuge, die im Laufe der Zeit die Form weitgehend beibehalten haben. Die treuen Fans schätzen das, denn sie wollen eigentlich nichts anderes. So war der neue Range Rover aus Fan-Sicht schon fast revolutionär, wohingegen die nüchterne Betrachtung im Design nicht allzu radikale Unterschiede erkennen lässt. Denn die klassische kantige Form mit dem keilartigen Heck ist geblieben. Den größten Akzent setzen die Scheinwerfer im neuen Range Rover Design, was sich durch die gesamte Modellfamilie zieht – dominiert vom zwinkernden Blinker-Auge an den Seiten. Mächtig ist nach wie vor der vordere Kühlergrill, der von sich aus sagt: Ich Chef, du nix! Trotzdem ist es den Range Rover Designern gelungen, ein so enorm großes Fahrzeug mit der nötigen britischen Eleganz zu versehen. Die entsprechenden Konkurrenzmodelle, etwa Mercedes GL oder Audi Q7, wirken dagegen deutlicher plumper.

Ein kleines Extra-Feature ist übrigens das so genannte Puddle Light, ein kleines Licht unterhalb der Außenspiegel, das den Boden neben dem Fahrzeug beleuchtet. So lässt es sich vermeiden, im verregneten England in eine puddle, eine Pfütze, zu treten. Und es sorgt wohl auch nach jahrelangem Besitz jedes Mal für einen Showeffekt, wenn man abends das Fahrzeug betreten möchte. Es ist eine dieser genialen Funktionen, die kein Mensch braucht, aber jeder haben will.

PuddleLight

Interieur

Range Rover fahren heißt vor allem Genießen beim Fahren. Denn das Interieur zeichnet sich noch viel mehr vom Wettbewerb ab als alles andere. Schwarzes Plastik ist hier ein Fremdwort, hier regiert die Liebe zum Detail. Die Innenausstattung setzt mit ihrer Exklusivität und Modernität neue Standards. Dabei zitiert der Mitteltunnel mit Holzfurnier aus der Vergangenheit, während die Knöpfe in Alu-Look auf Tech-Look trimmen und die polygonen Formen von Touchscreen und Airbagabdeckung eine ganz eigene geometrische Designsprache vorweisen. Anmutung und Verabeitung: tadellos. Gerade das Lenkrad ist ein Beispiel für die Verbindung von alt und neu: Auch hier finden wir z.B. oben und unten eine edle Holz-Intarsie, aber in der Mitte die moderne Knopfgestaltung. Die Lenkradheizung, die im Winter so wohltuend ist wie nichts anderes, tut ihr übriges. Chapeau!

RangeRoverInterieur_schwarz

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RangeRover_Fond_Ruecksitze

Ausstattungen

Die trim levels teilen sich auf in HSE, Vogue und Autobiography.

Range Rover HSE
ab 91.300 Euro

Frontgrill in Schwarz
Frontstoßfänger, Türgriffe und Leisten an den Lufteinlässen in Fahrzeugfarbe
19-Zoll-Felgen mit 5 Doppelspeichen
Innenraum mit genarbtem Leder, beheizbare Vordersitze, Fahrersitz mit Memory-Funktion

Range Rover Vogue
ab 101.300 Euro

Frontgrill in Chrom
Frontstoßfänger, Türgriffe und Leisten an den Lufteinlässen in Fahrzeugfarbe
20-Zoll-Felgen mit 5 Doppelspeichen
Innenraum mit klimatisierten Sitzen vorne mit Oxford-Leder, Sitzheizung auch hinten, Fahrer- und Beifahrersitz mit Memory-Funktion.

Range Rover Autobiography
ab 114.800 Euro

Frontgrill in Chrom
Seitenleisten des Frontstoßfängers in Schwarz
Verkleidung der oberen und unteren Türgriffpartien in „Noble“-Optik
21-Zoll-Felgen
vollverglastes Panorama-Dach
Innenraum gegenüber Vogue zusätzlich mit Massagesitzen vorne, perforiertes Semi-Anilin-Leder
Mit Business-Class-Sitzoption optional zwei Einzelsitze im Fond

Die Einzelsitze im Fond geben auch ein gutes Stichwort für eine weitere Variante: die Langversion. Im Fond entstehen dadurch 18,6 cm mehr Beinfreiheit. Hierbei geht es dann bei 128.400 Euro los, wobei diese Version ausschließlich als Autobiography erhältlich ist und nicht mit dem kleinen TDV6.

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RangeRover_LWB_Autobiography_Interieur

RangeRover_LWB_Fond

Fahrverhalten und Alltag

Mit 5 Metern Länge und über 2 Tonnen unterm Hintern kann man nicht erwarten, dass sich ein Spross der Agilität entfaltet. Trotzdem fährt sich der neue Range Rover merklich leichter als der alte, wobei dies keineswegs ein Ausschluss-Kriterium für die bisherige Generation ist.

Gerade aufgrund des souveränen, aber eben natürlich keineswegs sportlichen Fahrverhaltens finden wir, dass der 258-PS-Diesel bestens zum Range Rover passt. Die Lenkwege könnten etwas kürzer sein, da muss man für moderne Verhältnisse schon ein wenig kurbeln. Dafür ist die Lenkung leichtgängig, auch wenn sie keine wirkliche Verbindung zur Straße liefert.

Die Sitze könnten nicht bequemer sein. Die Sitzposition ist vielleicht die angenehmste im gesamten Automobilreich. Wer sich in den Range Rover setzt, dem ist es völlig gleich, ob er nun 10, 100 oder 1.000 km weit fährt. Im Range Rover lässt man alle störenden Faktoren an sich abprallen, ohne dabei arrogant zu sein. Entspannung ist angesagt. Dazu trägt das Meridian-Soundsystem bei, das in den Songs Höhen eröffnet, die man vorher noch gar nicht kannte.

Die Luftfederung sorgt für ein butterweiches fahren, schließlich hat man bei den Federwegen von 26 cm vorn und 31 cm hinten auch genügend Platz, um alles auszugleichen. Was für viele eher nicht in Frage kommen wird: Wasserdurchfahrten sind bis zu einer Höhe von 90 cm möglich. Ein eher imageträchtiger Wert.

Ein Übermaß an Platz gibt es freilich auch im Fond. Es gibt wahrscheinlich kein besseres Auto, um mit vier Erwachsenen zu reisen.

RangeRover2015_offroad

Range Rover Abmessungen

Länge: 4,99 m / 5,20 m (Langversion)
Breite: 1,98 m (ohne Außenspiegel) / 2,07 (mit Außenspiegeln)
Höhe: 1,83 m
Radstand: 2,92 / 3,10 m (Langversion)
Leergewicht: 2.160 – 2.360 kg (je nach Motorisierung)

Wichtig übrigens: Mit einer Breite von 2,07 m inkl. Außenspiegeln darf der Range Rover noch auf die linke Spur in der Baustelle, wenn die Breite auf 2,1 m beschränkt ist. Auch Tiefgaragen sind kein Problem, da diese meistens mindestens 1,90 m hoch sind. Übrigens hat sich der Range Rover in unserem Praxistest als durchaus tauglich für enge Tiefgaragen erweisen. Es ist zwar nicht toll, sich mit einem 5 Meter langen und zwei Meter breiten Fahrzeug in den Untergrund zu begeben, aber durch die rechteckige Bauweise und die hohe Sitzposition ist das Full-Size-SUV besser zu dirigieren als eine große Limousine oder ein langer Sportwagen.

Was uns negativ aufgefallen ist

Der Kofferraum bietet einerseits die witzige kleine Klappe, die nach unten hin aufklappt und auf die man sich sogar draufsetzen kann, andererseits behindert diese auch beim Einladen. Denn dadurch kann man Dinge nicht ganz nach hinten in den Kofferraum durchschieben. Hat man nicht die Option der elektrischen Heckklappe und schließt man diese dann manuell, so klappert der obere kleine Heckspoiler heftig beim Schließen.

Während des Fahrens scheuert und knarzt der Anschnallgurt-Empfänger am Ledersitz. Hier möchte man am liebsten ein Stück Filz zurechtschneiden und diese von innen an den Halter kleben, so wie es heutzutage im Premium-Segment normal ab Werk üblich ist. Warum hier gespart wurde, ist uns ein Rätsel. Ferner schließt die Abdeckung des Flaschenhalterfachs nicht komplett bis zum Ende, wenn es effektvoll halbautomatisch zurückfährt.

Das Multimedia-System ist noch von den älteren Modellen übernommen und kann in Auflösung und Bedienbarkeit nicht mit den modernen Systemen von Audi, BMW und Mercedes mithalten. Dasselbe gilt für die Rückfahrkamera. Hier hätte man vom neuen Range Rover mehr erwartet. Immerhin ist die Reaktionszeit des Touchscreens mittlerweile deutlich verbessert worden.

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Fazit: Die kleinen Kritikpunkte wären vielleicht bei einem deutschen Premium-Fahrzeug nicht aufgetreten, aber sie können trotzdem nicht darüber hinweg täuschen, dass der Range Rover in seiner Anmutung und im Fahrgefühl ohne Konkurrenz ist. Abgesehen von einem Cabrio zum Offenfahren und einem Sportwagen zum Kurvenheizen stellt der Range Rover in der automobilen Welt das Ende der Fahnenstange dar, wenn es darum geht, ein begeisterndes und emotionales Fahrzeug zu bewegen. Die edle Souveränität, die spannenden Einzelheiten und die Luxusfeatures werden die Besitzer so lange begeistern, so lange sie das Fahrzeug besitzen. Mit dem 3 Liter Diesel und der Abspeck-Kur ist es nun zudem möglich, einen Range Rover ohne hohen Verbrauch zu fahren. Bleibt nur noch für die hiesigen Gefilde der Nachteil, dass leider nicht immer große Parkplätze zur Verfügung stehen.

Autogefühl: *****

Text: Autogefühl, Thomas Majchrzak
Fotos: Land Rover


3 Responses to Range Rover TDV6 2015 Testbericht – kleiner Diesel für großen Luxus

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  2. Pongpos says:

    there have been electric cars that could halppiy drive at 100mph if you so wished.Performance has not been the problem, for getting an electric car into production in the pastThe main problem was the Oil companies bought up the patents . It was not in the interests of the Oil Companies to mass produce a car with no need of oil.But times are changing. We will soon see cars on our roads, with no emissions, some form of car that self charges as you drive.The technology already exists, dynamos on the axles, solar panels, storage cells are getting more and more efficient.new super bright LEDs on all the lights will reduce battery drain. The car will be lighter, new alloys and carbon plastics can be as strong as steel.Imagine an all electric car with lower running cost, lower insurance and tax, perhaps even lower parking costs.So if you want to see the cars sooner, make the politicians work , All new cars could be electric in less than 10 years, less than 5 if we push the governments and companies to do it.So whats next????Electric powered Aircraft? and pollution free skiesLets make it happen

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