Sensationeller Scheunenfund in Frankreich – großer Oldtimer-Schatz

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Auf halbem Weg zwischen Poitiers und La Rochelle liegt ein Schloss, wie es wohl tausende in Frankreich gibt. Das Anwesen im Westen gehörte einst dem Transportunternehmer Roger Baillon, der auf dem drei Hektar großen Gelände in den 50er- und 60er-Jahren eine gigantische Automobilsammlung anhäufte. Nachdem er aufgrund schlechter gehender Geschäfte in den 70er-Jahren zum Verkauf von 50 Autos gezwungen worden war, geriet die Rest-Kollektion in Vergessenheit. Durch einen Anruf aus der Familie des vor etwa zehn Jahren verstorbenen Sammlers kam sie jetzt plötzlich wieder ans Tageslicht. „Es war, als würden Lord Carnarvon und Howard Carter erneut Tutanchamuns Grab betreten“, staunte Matthieu Lamoure vom Pariser Auktionshaus Artcurial, das 60 Exemplare aus dem noch weitaus größeren Schatz am 6. Februar bei der Rétromobile unter den Hammer bringen wird. Und sein Kollege Pierre Novikoff fügte hinzu: „Nie wieder, egal wo auf der Welt, wird nochmals ein solch sensationeller Scheunenfund entdeckt werden.“ Von Thomas Imhof

Bugatti, Hispano-Suiza, Talbot-Lago, Panhard-Levassor, Maserati, Ferrari, Delahaye, Delage – Prunkstücke solch legendärer Marken gehören zu den Juwelen jenes Schatzes, den die Artcurial-Schatzsucher Matthieu Lamoure und Pierre Novikoff auf dem verwunschenen Schlossgelände vorfanden. Viele davon mit Sonderaufbauten solch berühmter Karosseriebauer wie Million-Guiet, Chapron und Saoutchik. Zu den einmaligen Fundstücken gehörten auch mehrere Talbot Lago T26, darunter ein sehr rarer Grand Sport Aérodynamique und ein Cabriolet aus dem Besitz des einstigen ägyptischen Königs Faruk. Die wohl an die 100 schlafenden Schönheiten standen in Nebengebäuden und unter behelfsmäßig zusammengezimmerten Verschlägen mit zum Teil schon eingeknickten Wellblechdächern.

Ferrari 250 GT California SWB et Maserati A6G 2000 berlinetta Grand Sport Frua

Ferrari 250 GT SWB California Spider (links) und Maserati A6G 2000 Berlinetta Grand Sport Frua – Foto: Artcurial





Etwas besser geschützt, nämlich in einer zur Garage umgebauten Scheune, warteten auf die automobilen Archäologen dann noch zwei echte Sensationen: Einer von nur drei gebauten Maserati A6G Gran Sport (Chassis 2140) Baujahr 1956 mit Karosserie von Frua. Und gleich daneben, unter einem Stapel von Zeitschriften, ein Ferrari 250 GT SWB California Spider mit Plexiglasabdeckungen für die gelb getönten Scheinwerfer. Die Recherchen ergaben: Das Modell Baujahr 1961 mit Chassisnummer 2935 gehörte ursprünglich dem Schauspieler Gérard Blain (1930-2000), der es dann an Frankreichs Starmimen jener Jahre, Alain Delon, verkaufte. Der Beau ließ sich am Steuer des Ferrari mehrmals ablichten – 1964 mit Jane Fonda als Beifahrerin während der Dreharbeiten zum Psychothriller Les Félins (deutscher Verleihtitel Wie Raubkatzen) und später bei einer Spritztour an der Côte d’Azur mit  Shirley MacLaine als Beifahrerin. Das bei Pininfarina designte Cabrio wurde nur 37 Mal gebaut – und für Historiker der Marke galt das nun wiederentdeckte Modell stets als verschollen. Kein Wunder, dass Artcurial für die auf den 6. Februar anberaumten Versteigerung von 60 Exemplaren der Sammlung schon für den Delon-Ferrari schon jetzt einen Schätzpreis von 9,5 bis 12 Millionen Euro aufgerufen hat. Für den Maserati wird mit einem Ergebnis von „nur“ 800.000 bis 1,2 Millionen gerechnet.

 

Delahaye GFA 148 L et Talbot Lago Baby cabriolet von Guillore - Foto: Artcurial

Delahaye GFA 148 L (links) und Talbot Lago Baby Cabriolet von Guillore – Foto: Artcurial

Rückblick in das Frankreich der frühen 50er Jahre. Roger Baillon, erfolgreicher Transportunternehmer im Westen Frankreichs, träumt davon, das Erbe der zumeist französischen Vor- und unmittelbaren Nachkriegsfahrzeuge in einer Art Museum zu bewahren. Zu diesem Zweck erwirbt er das Schloss Gaillard nahe Niort im Département Deux-Sèvres samt umliegender Parkanlagen. 1947 hatte der innovationsfreudige Baillon auf dem Pariser Autosalon sogar einen selbstentworfenen Roadster namens Oiseau bleu (Blauer Vogel) gezeigt. Und für seinen Lkw-Fuhrpark als Erster Laster mit Frontlenker-Fahrerhäusern eingeführt. Trotzdem schlittert sein Geschäft in den 70er-Jahren in eine Krise. So sieht sich Baillon gezwungen, 50 Exemplare seiner Sammlung zu verkaufen. Der Rest jedoch bleibt auf dem Schlossgelände, fortan unangetastet und dem Vergessen anheim gegeben. Vor etwa zehn Jahren stirbt Baillon, und im vergangenen Jahr dann auch sein als Erbverwalter agierender Sohn. Erst aus der Enkelgeneration erhält Artcurial dann offenbar den entscheidenden Anruf….

Als Matthieu Lamoure, Geschäftsführer von Artcurial, das einzigartige Scheunengold erstmals zu Gesicht bekommt, muss er erst ein paar Mal kräftig durchatmen. Nach seiner Meinung hat es „seit der Enthüllung der Sammlung Schlumpf in Mülhausen keinen vergleichbaren Fund von Automobilikonen gegeben, vor allem nicht in diesem Originalzustand. Die Magie dieser geheimnisvollen mechanischen Kreaturen erinnert fast an ein riesiges Kunstwerk: der unerfüllt gebliebene Traum ihres Besitzers.“ Sein Kollege Pierre Novikoff, fügt hinzu: „Diese schlafenden Schönheiten tragen die kostbare Patina vergangener Zeiten. Eine Sammlung wie diese muss die Begeisterung all jener entfachen, die Automobile, Kunst und Geschichte lieben. Niemals wieder wird, egal wo auf der Welt, noch einmal ein solcher Schatz gehoben werden!“

 

Facel Vega Excellence und Talbot Lago T26 Cabriolet Saoutchik ex-König Faruk - Foto: Artcurial

Facel Vega Excellence (Mitte) und Talbot Lago T26 Cabriolet Saoutchik (rechts) – Foto: Artcurial

 

Interview mit Mattieu Lamoure und Pierre Novikoff:

Es muss für Sie wie das Auffinden eines großen Schatzes gewesen sein. Passiert Ihnen so etwas öfters?

Matthieu Lamoure, Geschäftsführer, Artcurial Motorcars : „Nein, leider nicht oft genug! Denn man übt ja diesen Beruf gerade mit Blick auf solche Entdeckungen aus. Aber in der Tat, das ist ein riesiger Schatz, wie er nur einmal im Leben vorkommen dürfte. Es sind wirkliche Scheunenfunde, also Autos, die intakt sind, aber Jahrzehnte lang unberührt gelagert waren und nun neu entdeckt wurden. Ich muss sagen, dass uns die Emotionen übermannten, als wir das hier erstmals gesehen haben. So müssen sich Lord Carrington und Howard Carter gefühlt haben, als sie die Grabkammer des Pharaos Tutanchamun entdeckten. Es war wirklich die Auferweckung schlafender Schönheiten.”

Eine der vielen schlafenden Schönheiten - Foto: Artcurial

Eine der vielen schlafenden Schönheiten – Foto: Artcurial

Pierre Novikoff, Senior Specialist, Artcurial Motorcars: „Wir sind ja wie Schatzsucher! Ich glaube, dass unsere Branche seit der Entdeckung der Schlumpf Sammlung nichts Vergleichbares mehr gesehen hat. Und es wird mit großer Sicherheit auch das letzte Mal sein, dass wir weltweit eine solche Entdeckung erleben werden. Das Besondere hier ist die Zahl der Autos (60), ihre Baujahre (von den Anfängen der Motorisierung bis in die 1970er Jahre) sowie die Qualität und Exklusivität der Modelle. Im Gegensatz zur Schlumpf-Sammlung, die man kannte und die sehr gut dokumentiert war, ist diese hier eine echte Neuentdeckung!”

Also etwas ganz Besonderes !

ML: „Ja, und dass passt auch zur Philosophie von Artcurial Motorcars. Wir zielen darauf, Autos zu finden, die zuvor kaum einmal oder gar nicht auf dem Markt aufgetaucht sind. Das ist unsere Spezialität, doch erfordert das eine Unmenge an Arbeit. Wir verbringen das ganze Jahr damit, auf der Suche nach Autos durch Europa und die Welt zu reisen. Es ist kein Zufall, dass Sammler aus der ganzen Welt zu unseren Auktionen kommen. In diesem Jahr werden sich unsere Verkaufserlöse zwischen 50 und 66 Millionen Euro bewegen, ein Plus von 13 Prozent gegenüber 2013.”

PN : „Das ist ein willkommener Lohn für unsere harte Arbeit. Aber in einem kleinen Dorf im Westen Frankreichs einen solchen Schatz zu heben – das gab es noch nie.”

Schatzsucher Matthieu Lamoure und Pierre Novikoff - Foto: Artcurial

Schatzsucher Matthieu Lamoure und Pierre Novikoff – Foto: Artcurial

Wie genau ging es denn los ?

PN: „Das ist echt eine spannende Geschichte. Wenn wir eine neue Auktion vorbereiten, schauen wir erst kreuz und quer durch Frankreich, reisen dann auf der Suche nach raren Objekten rund um die Welt. Dabei bauen wir Beziehungen auf und bekommen so oft versteckte Hinweise, wo sich etwas Interessantes verbergen könnte. An diesem Tag hatte ich das Gefühl, das etwas Besonderes passieren würde. Am Telefon erhielt ich eine Information, von der ich ahnte, dass sich dahinter etwas Großes verbergen könnte. Ohne die Ausmaße nur ahnen zu können, sprach ich sofort Matthieu an und wir entschlossen uns, dort hinzufahren und herauszufinden, was dahinter steckte.”

Die Autos standen in teils schon eingebrochenen, behelfsmäßigen Unterständen - Foto: Artcurial

Die Autos standen in teils schon eingebrochenen, behelfsmäßigen Unterständen – Foto: Artcurial

Und als Sie ankamen, was erwartete Sie da?

ML: „Es war ein schwer beschreibbares Gefühl. Am Eingang des Grundstücks hatten wir keine Ahnung, was uns erwarten würde. Wir mussten von hinten durch die Gartenanlagen gehen, um einen ersten Überblick zu bekommen. Über eine Fläche von drei Hektar konnten wir verschiedene behelfsmäßige Schuppen erkennen. Niedrige Unterstände mit Wellblechdächern. Noch war uns nicht bewusst, worauf wir da blickten. Man sah verwitterte Karosserien, einige mit modernen und andere mit älteren Formen.”

PN: Unglaublich, die Autos waren nicht in für sie angefertigten festen Garagen oder Hallen, sondern fast ausschließlich unter provisorischen Unterständen gelagert. Wir kamen näher heran und realisierten, dass da viele Dutzend abgestellt waren. Schnell erfassten wir, dass einige sicher schon seit 50 Jahren unberührt hier gestanden haben mussten. Die zwischen den Autos stehenden Holzpfosten stützten die fragilen Dächer mehr schlecht als recht, während die Autos zu den Seiten ungeschützt den Elementen ausgesetzt waren. Noch kannten wir weder die Zahl der Autos, noch die Marken, noch den genauen Zustand.”

 

Der Delon-Ferrari vor verrottenden Lkws des einst florierenden Baillon Transportunternehmens - Foto: Artcurial

Der Delon-Ferrari vor verrottenden Lkws des einst florierenden Transportunternehmens Baillon – Foto: Artcurial

Sie fühlten sich also fast wie am Beginn einer archäologischen Ausgrabung?

ML: „Genau! Doch ehe wir in die Details gingen, wollten wir zunächst einen ganzen Überblick. Daher setzten wir unseren Erkundungszug an einer zweiten Stelle fort; danach in einer alten Scheune, die zu einer improvisierten Garage umgebaut worden war.”

PN: „Und dort kamen dann die nächsten Schockerlebnisse. Zunächst war da die Schönheit dieser metallischen Strukturen, dann der Anblick unglaublicher Modelle von ikonischen Marken. Es war wie eine Mischung aus metallischem Friedhof und Museum. Die Natur hatte sich über die Jahre auch ihren Platz erobert; die Räder eines Autos waren zum Beispiel komplett von Efeu umrankt; bei einem anderen hatte sich Unkraut im Innenraum ausgebreitet wie in einem Gewächshaus. Manchmal waren die Wellblechdächer eingefallen, sodass sie direkt auf den Autos auflagen.”

Okay, aber was ist nun die Geschichte hinter diesem Schatz?

Der Talbot-Lago des ägyptischen Königs trägt würdevolle Patina - Foto: Artcurial

Der Talbot-Lago des ehemaligen ägyptischen Königs Faruk trägt würdevolle Patina – Foto: Artcurial

ML: „Natürlich war das die erste Frage, die auch wir uns stellten. Wir waren auch neugierig und wollten mehr erfahren. Wie konnte es jemand schaffen, eine solche Zahl an Autos anzusammeln? Und aus welchem Grund?”

PN: „Nach und nach kam Licht ins Dunkel und die Teile des Puzzles begannen sich zusammenzusetzen. Wir standen vor der Sammlung Baillon. In den 1970er Jahren war sie schon einmal Gegenstand einer großen und gut dokumentierten Versteigerung, und man war damals davon ausgegangen, dass alles verkauft worden sei. Doch nun hatten wir den Rest der inzwischen vergessenen Sammlung gefunden. Die verrotteten und im Park abgestellten roten Lkw, Mitte des 20. Jahrhunderts im Auftrag des Unternehmens „Transports Baillon“ unterwegs, ließen keinen Zweifel zu.”

Wie kam es dazu, dass die Sammlung vergessen wurde?

 

Hispano Suiza H6B Cabriolet Millon-Guiet - Foto: Artcurial

Hispano Suiza H6B Cabriolet Millon-Guiet – Foto: Artcurial

PN: „Ich muss Ihnen die Story erzählen. Schon 1947 hatte Roger Baillon er auf dem Pariser Salon einen selbst konstruierten Wagen vorgestellt – den Oiseau bleu (Blauer Vogel). Das Werk eines Künstlers, sehr skulptural im Design und gebaut nach den höchsten Standards. Er war ein großer Erfinder und Automobil-Enthusiast. Bis 1977 betrieb er dann ein lange Zeit sehr gut laufendes Transport- und Lkw-Bau-Unternehmen im Westen Frankreichs. ”

ML: „Es war die Zeit nach dem Krieg, als das Transportwesen in Frankreich boomte. Baillon besaß das Monopol auf Lkw zum Transport von gefährlichen chemischen Flüssigkeiten, dank eines von ihm konstruierten sicheren, weil wasserdichten Tanks. Zur gleichen Zeit konstruierte er 1950 einen revolutionären Lastwagen, mit dem ersten Frontlenker-Fahrerhaus der Transporter-Industrie. Es war sehr bewegend, die Relikte dieser großen Zeit im Garten des Anwesens zu finden.”

 

Immer wieder tauchten neue verborgene Schätze auf... - Foto: Artcurial

Immer wieder tauchten neue verborgene Schätze auf… – Foto: Artcurial

PN: „Zwischen 1955 und 1965 häufte er den Großteil der Modelle an. Leider gingen seine Geschäfte in den 70er Jahren zurück, was den Verkauf der 50 Modelle zum Ende des Jahrzehnts erklärt.

Doch woher diese Sammelwut?

PN: „Das muss man in einem größeren Zusammenhang sehen. Auch wenn heute speziell französische Nachkriegsmodelle wieder hoch im Kurs stehen, war dies nicht immer der Fall. Zu jener Zeit bewahrte Roger Baillon viele dieser Fahrzeuge vor der Schrottpresse. Darunter auch historisch sehr wichtige!”

 

Talbot Lago T26 Grand Sport Coupé Saoutchik - Foto: Artcurial

Talbot Lago T26 Grand Sport Coupé Saoutchik – Foto: Artcurial

ML: „Dieser Mann war einer der frühen Sammler. Er wollte die Kunst des Automobilbaus feiern und kaufte 1953 ein Anwesen, das er zu einer Art Museum umbauen wollte. Er begann, wichtige Modelle in Frankreich und Europa zu kaufen. Und dank seines Transportunternehmens ließ er die Fahrzeuge dann auch direkt dorthin anliefern. Er plante sogar einen kleinen Zug, mit dem er die Besucher des Museums an den Exponaten vorbeifahren wollte!”

PN: „Als die Autos eintrafen, stellte er sie ohne große Umstände ab. Er ließ einige restaurieren und beließ andere im Originalzustand. Zugleich gab er seine Passion an seine Kinder und Enkel weiter. Sie blieben der Sammlung, die sie hatten wachsen sehen, eng verbunden. Immerhin wuchsen sie ja quasi rund um diese Autos auf.”

Seit über 40 Jahren im Verborgenen geblieben - Foto: Artcurial

Seit über 40 Jahren im Verborgenen geblieben – Foto: Artcurial

Ich nehme an, dass Sie bei genauerem Studium der Autos von einer Überraschung in die nächste fielen?

ML: „Nun, geschätzt an die insgesamt 100 Autos von legendären Marken, im Zustand von Scheunenfunden. Das war an sich schon unfassbar. Schon bei unserem ersten Rundgang hatten wir einige echte Juwelen ausgemacht, doch bei einer ersten Bestandsaufnahme wurde uns die Dimension des Ganzen erst richtig bewusst. Ein mystischer Karosseriebauer nach dem anderen. Ich muss Ihnen von drei Talbots von Saoutchik erzählen: Trotz seines Zustands war es unmöglich, sich nicht in die Linien des Talbot Lago T26 Rekord Coupés zu verlieben. Wie ein Kunstwerk von Brancusi*. Als wir den Historiker der Marke vom Fund unterrichteten, konnte er es einfach nicht fassen! Als er den ersten Schock überwunden hatte, bombardierte er uns mit Fragen.”

PN: „Ich glaube, ich habe niemals zuvor so viele außergewöhnliche Autos an einem Ort zusammen gesehen: Bugatti, Hispano-Suiza, Talbot-Lago, Panhard-Levassor, Maserati, Ferrari, Delahaye, Delage… Roger Baillon rettete diese Autos und erreichte sein Ziel: die Geschichte des Automobils anhand der schönsten Exemplare nachzuzeichnen. Wenn ich mir das imposante Hispano Suiza H6B Cabriolet Million-Guiet anschaue, ein in Frankreich gebautes Modell, bin ich beeindruckt von den Proportionen und der Liebe zu den Details. Diese Männer waren echte Künstler.”

Porsche 356, Ford Taunus, Opel Diplomat - Foto: Artcurial

Porsche 356, Ford Taunus, Opel Diplomat – Foto: Artcurial

Sie sehen die Autos als echte Kunstwerke?

PN: „Aber klar doch, das sind sie! Manche Autos sind wie Gemälde oder Skulpturen. Kunstwerke, geschaffen von Künstlern. Nicht nur ihre Technik, sondern auch ihr Design spiegelt ihre Geschichte wider.”

ML: „Ich denke, man kann beim Anblick der kubistischen Formen eines Pablo Picasso die gleichen Emotionen verspüren wie bei den geometrischen, aber sanften Formen eines Constantin Brancusi, einem Bücherregal des Designers Ron Arad** oder einem perfekt gestylten Ferrari 250 GT SWB California.”

1961 Ferrari 250 GT SWB California Spider, das Ex-Delon-Auto dürfte der Star der Auktion auf der Rétromobile Paris sein - Foto: Artcurial

1961 Ferrari 250 GT SWB California Spider, das Ex-Delon-Auto dürfte der absolute Star der Auktion auf der Rétromobile Paris sein – Foto: Artcurial

 

Erzählen Sie uns was von diesem Ferrari. Ist das DIE Entdeckung schlechthin?

ML: „Ferrari ist ein legendärer Name in der Automobilwelt. Und dieses Auto ist in der Tat einzigartig. Nur 37 Exemplare wurden davon gebaut, alle wurden von Historikern genau dokumentiert und dieser hier galt als verschollen. Und nun haben wir ihn gefunden!”

PN: „Wir haben ihn wirklich ‚gefunden’ – in dieser kleinen Garage, unter einem Haufen alter Exemplare der Zeitschrift „La Vie de l’Auto“ und diverser anderer Titel. Kein Zustand, den man von einem Modell erwarten würde, das sicher 10 bis 12 Millionen Euro wert sein dürfte. Gleich daneben parkte ein anderer Schatz – ein Maserati A6G Grand Sport Frua.”

Haben einige der Wagen eine spezielle Geschichte?

ML: „Auf jeden Fall der Ferrari, der dem Schauspieler Alain Delon gehörte.”

 

Die Natur hat manche Modelle erobert - Foto: Artcurial

Die Natur hat manche Modelle erobert – Foto: Artcurial

PN: „Er wurde im Neuzustand vom Schauspieler Gérard Blain erworben, der ihn dann an seinen Kollegen Delon weiterverkaufte. Delon wurde mehrmals am Steuer des Autos fotografiert: 1964 mit Jane Fonda während der Dreharbeiten zu ‘Les Félins’ und an der Côte d’Azur mit Shirley MacLaine.”

ML: „Die Sammlung umfasst auch ein extravagantes Talbot Lago T26 Cabriolet aus dem Besitz des ehemaligen ägyptischen Königs Faruk.”

Was wird nun mit den Fahrzeugen passieren?

PN: „Wir hoffen, dass einige von ihnen große Sammlungen in und außerhalb von Frankreich bereichern werden, vielleicht auch Museen. Unter den 60 für die Auktion ausgewählten Fahrzeugen reichen die Estimates von 500 Euro bis zu mehreren Millionen. Wir werden sie in ihrem Originalzustand ausstellen und verkaufen, so, wie wir sie vorgefunden haben. Okay, vielleicht werden bis dahin ein paar Spinnweben verschwunden und auch der Staub weggeputzt sein – aber dabei soll es bleiben!”

Auch Massenmobile wie dieser Renault 4CV waren unter den Funden - Foto: Artcurial

Auch Massenmobile wie dieser Renault Dauphine waren unter den Funden – Foto: Artcurial

 

ML: „Der Zustand der Fahrzeuge ist schon bemerkenswert. Ich finde, man sollte einige von ihnen im Originalzustand belassen, andere hingegen verdienten eine Restaurierung. Es liegt nun an den Sammlern, die den Zuschlag erhalten werden, was mit den Modellen passieren wird. Ich habe aber eine klare Meinung: Es gibt doch schon genug restaurierten Modellen auf dem Markt. Aber diese hier sind einmalig. Daher sollte man zum Beispiel das Talbot Lago T26 Grand Sport Coupé von Saoutchik in seinem Originalzustand belassen – es ist eine echte Skulptur.”

Schlafende Schönheiten, so weit das Auge reicht - Foto: Artcurial

Schlafende Schönheiten, so weit das Auge reicht – Foto: Artcurial

Die Autos werden im Februar 2015 auf der Rétromobile ausgestellt werden. Wie transportieren Sie solch fragile Objekte?

ML: „Genauso präzise und sorgfältig wie ein Kunstwerk vom Kaliber einer Mona Lisa! Die Autos werden per Hand auf spezielle Transporter verladen und wie Berühmtheiten in einem Studio einzeln fotografiert und inspiziert, auch wegen der Texte für den Verkaufskatalog, der im Januar fertig sein soll. Bis dahin werden ganz sicher noch viele schöne Geschichten zur Herkunft der einzelnen Fahrzeuge ans Tageslicht kommen!”

PN : „Sie werden die Autos im Februar im Parc des Expositions an der Porte de Versailles wiedersehen. Im Rahmen der traditionellen Rétromobile-Auktion werden sie dann am 6. Februar unter den Hammer kommen.”

Delahaye Coupé Chauffeur - Foto: Artcurial

Delahaye Coupé Chauffeur – Foto: Artcurial

 

Liste der 60 zur Auktion stehenden Fahrzeuge von Artcurial Motorcars:*

Amilcar C6 Berline

Amilcar CGS

Ariès Coach

Auto Union Cabriolet

Avions Voisin C15

Avions Voisin limousine C15

Avions Voisin C7 von Gallé

Ballot 8 Cyl Limousine

Barré Torpédo

Berliet Coupé Chauffeur

Berliet Type VIGB 10HP Taxi Landaulet

Bugatti 57 Ventoux

Citroën Trèfle

Delage D6

Delage D8 Coach

Delahaye 135 Cabriolet Faget Varnet

Delahaye 135 Coach Chapron

Delahaye 235 Coach Chapron

Delahaye 235 Coach Chapron

Delahaye 235 Coupé Chapron

Delahaye Type 43 Coupé Chauffeur

Delahaye GFA 148 L

Delahaye Type 43 Camionnette

Delaunay Belleville Limousine VL8

Facel Vega Excellence

Ferrari 250 GT SWB California Spider

Ferrari 308 GTS i

Ferrari 400

Ferrari Mondial 3.2L Cabriolet

Hispano Suiza H6B Cabriolet Millon-Guiet

Hotchkiss Vabriolet

Innocenti S Cabriolet

Jaguar S-type 3.4 L

La Buire 12 A

Lagonda LG45 Cabriolet

Lancia Thema 8.32

Lorraine Dietrich B3/6 Plateau

Lorraine Dietrich B3/6 Torpédo von Grumman

Lorraine-Dietrich Torpédo

Maserati A6G 2000 Berlinetta Grand Sport Frua

Mathis Cabriolet

Mathis FOH

Packard Cabriolet Super Eight

Panhard-Levassor Dynamic Berline X77

Panhard-Levassor Dynamic Coupé X76

Panhard-Levassor Limousine X72

Porsche 356 SC ex-Sonauto

Renault AX Torpédo

Renault Vivastella Cabriolet

Sandford Cyclecar Dreirad

Singer Cabriolet

Talbot Lago 11/6 Cabriolet

Talbot Lago Baby Cabriolet

Talbot Lago Baby Cabriolet

Talbot Lago Cadette 11

Talbot Lago Coach

Talbot Lago T26 Coach

Talbot Lago T26 Grand Sport Coupé Saoutchik

Talbot Lago T26 Record Coupé Saoutchik

Talbot Lago T26 Cabriolet Saoutchik Ex-König Farouk

Die Sammlung umfasst noch viele weitere Fahrzeuge – wie zum Beispiel einen Opel Diplomat, einen Ford Taunus oder einen Porsche 356. Einige Modelle verbleiben im Besitz der Familie, einige andere sind in einem so schlechten Zustand, dass sich eine Restaurierung wohl nicht mehr lohnt

*Constantin Brâncuși (1876 – 1957) war ein rumänisch-französischer Bildhauer der Moderne und Fotograf seiner Werke im Umfeld seines Ateliers. Brâncuși, der nach dem Besuch der Kunstakademie Bukarest ab 1904 in Paris lebte und arbeitete, zählt zu den prägenden Bildhauern des 20. Jahrhunderts, der neben Auguste Rodin, den der Künstler kannte und bewunderte, die Skulptur nachhaltig beeinflusste, indem er mit der wirklichkeitsgetreuen Wiedergabe von Objekten durch Reduktion brach. Nach einem traditionell-akademischen Werkbeginn bildete sich ab 1907 sein individueller Stil heraus, der von afrikanischer und rumänischer Volkskunst beeinflusst war. Brâncușis plastische Arbeiten in Bronze, Marmor, Holz und Gips zeigen häufig abstrakte eiförmige Köpfe und fliegende Vögel; sie werden der Avantgarde in der Bildenden Kunst zugeschrieben. Er realisierte nur wenige Themen, die er in der Tendenz des Kubismus, mit dem er ab 1910 in Berührung kam, variierte. Mit dem dreiteiligen Kriegsdenkmal in Târgu Jiu aus dem Jahr 1938 erreichte er die Verschmelzung von Architektur und Skulptur. (Quelle: Wikipedia)

**Ron Arad RA (*1951 in Tel Aviv) ist ein britischer, in London lebender, international bekannter Industriedesigner und Architekt. Arad war von 1994 bis 1997 Professor für Produktdesign an der Universität für angewandte Kunst Wien; von 1997 bis 2009 Professor am Royal College of Art in London, zunächst für Möbeldesign, später für Produktdesign. Arad ist Architekt des 2008 erbauten Bauhaus Museums in Tel Aviv. Zusammen mit Bruno Asa konzipierte er das erste Design-Museum Israels, das 2010 in Cholon eröffnete. (Quelle: Wikipedia)

Neue Erkenntnisse zu diesem Fall gibt es hier.

Text: Autogefühl, Thomas Imhof

Fotos: Artcurial


3 Responses to Sensationeller Scheunenfund in Frankreich – großer Oldtimer-Schatz

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