Rennwagen der Zukunft von Dunlop

Während sich die Formel 1-Oberen mit dem Gedanken tragen, ab 2016 das von vielen Teams als zu teuer und von Bernie Ecclestone zu leise (!) empfundene Motorenkonzept schon wieder zu ändern, nehmen in den Gehirnen der Vorausdenker schon die Rennwagen des post-fossilen Zeitalters Gestalt an. Der langjährige Formel-1-Designer Sergio Rinland hat im Auftrag von Dunlop einen solchen Rennwagen der Zukunft entwickelt. Für das „Dunlop Future Racecar“-Konzept übernahm der 62-jährige Argentinier auch Anregungen von Fans, Studenten und Ingenieure, die das ganze Jahr 2014 hindurch in den sozialen Netzwerken und zusätzlich bei den 24 Stunden von Le Mans gesammelt wurden. Von Thomas Imhof

Am 10. Dezember stellte Rinland sein Projekt auf der Motorsport Engineering Conference der MSEA (Motorsports Engineering Activity Group) einem Fachpublikum vor. Im US-Motorsport-Mekka Indianapolis trafen sich die Experten der Branche unter dem Motto „Der Rennsport muss sich verändern – Chance oder Hindernis?“

Auch wenn es die Hardcore-Fans ungern hören – auch der Motorsport wird sich früher der später den Zeitläuften anpassen müssen. Was die Formula E heute schon auf vergleichsweise bescheidenem Niveau beginnt und ein spanisches Team selbst bei der berüchtigten Dakar wagt, wird irgendwann kommen: Motorsport mit zunehmend „grüneren“ Antrieben und in letzter Konsequenz batterieelektrischen Powertrains. 

„Das ‚Dunlop Future Racecar’-Konzept soll Denkanstöße liefern“, sagt Rinland, der auf eine jahrzehntelange Erfahrung im Design von Formel-1-Autos (unter anderem bei Sauber, Benetton, Brabham, Williams, Dallara, Arrows) sowie in jüngerer Zeit auch Le-Mans-Rennwagen zurückblicken kann. „Die Ideen sollen Diskussionen darüber auslösen, wie der Motorsport auch künftig ein Testfeld für fortschrittliche Technologien bleiben kann. Für Technologien, die für die Zukunft des Automobils und der gesamten Mobilität eine entscheidende Rolle spielen.“

Das ganze Jahr 2014 hindurch hatte Goodyear Dunlop Europe Motorsport-Fans, Studenten und Ingenieure aufgefordert, Ideen für einen Rennwagen der Zukunft einzureichen. Die Vorschläge wurden bei den 24 Stunden von Le Mans und via Online-Debatten in den sozialen Netzwerken gesammelt. Rinland wurde dann damit beauftragt, seine eigenen und die besten Ideen der externen Experten in ein schlüssiges Fahrzeugkonzept umzusetzen. Auf einen möglichen Starttermin wollten sich die Initiatoren der Dunlop Future Race Car Challenge jedoch nicht festlegen.

Future Race Car, von Sergio Rinland im Auftrag von Dunlop gezeichnet - Foto: Goodyear Dunlop

Future Race Car, von Sergio Rinland im Auftrag von Dunlop gezeichnet – Foto: Goodyear Dunlop

Vier E-Motoren und Wasserstoff-Brennstoffzelle
Der Rennwagen der Zukunft von Dunlop verfügt über einen Zero-Emission-Antrieb mit vier Elektromotoren. Noch liegen sie innen, doch mit abnehmendem Gewicht und zunehmender Leistung könnten sie später als „Radnabenmotoren“ nach außen in die vollverschalten Radkästen wandern. Mit der Anordnung “ein Motor pro Rad” sind die Voraussetzungen für das so genannte „Torque Vectoring“ gegeben – die individuelle Kraftverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse sowie den Rädern der rechten und linken Seite.

Im ersten Stadium sieht Dunlop einen Antrieb per Wasserstoff-Brennstoffzelle vor, ergänzt um eine kleine Lithium-Ionen-Batterie als Pufferspeicher. Mit fortschreitender Entwicklung könnte die Aufladung der Batterien per Induktion erfolgen – das Auto bekäme dann seinen Strom über in die Fahrbahn der Rennstrecke eingelassene Induktionsschwellen – eine Innovation, von der auch die Macher der Formula E träumen und die sogar 24-Stunden-Rennen für E-Autos möglich machen würden.

Aktive Aerodynamik
Eine adaptiv ausgelegte Karosserie wird es den Rennwagen der Zukunft ermöglichen, ihre Form während des Rennens zu verändern, um so die Energie-Effizienz zu maximieren. Sprich: Auf den Geraden wird der Luftwiderstand minimiert, in Kurven der Anpressdruck erhöht und auch die Kühllufteinlässe werden flexibel geschlossen oder geöffnet. Konventionelle Rückspiegel sind passé – Kameras und kleine Bildschirme spenden dem Piloten einen 360-Grad-Rundumblick und verbessern natürlich ebenfalls die Aerodynamik.

Intelligente Reifen werden auf den Geraden  schmal wie Motorradpneus
Dunlop wäre kein Reifenkonstrukteur, würden nicht auch die Pneus der Zukunft intelligenter sein als der heute verwendete Renngummi. Im Rennauto des Jahres 2020 oder 2025 kommuniziert das „schwarze Gold“ mit Fahrzeug und Fahrer und passt sich geschmeidig dem Streckenbelag und den Witterungsbedingungen an. Die Reifen messen permanent ihren Druck und ihre Temperaturen, ja sie können sogar ihre Form verändern. Auf den Geraden nehmen sie die Kontur eines Motorradreifens an – was Roll- und Luftwiderstand minimiert. In den Bremszonen und in Kurven wird dann die Aufstandsfläche wieder erhöht. Dank der eingehenden Informationen regelt ein Rechengehirn darüber hinaus die Feder-/ Dämpfer-Abstimmung, die Kraftzufuhr und die Bremskräfte – alles zugunsten eines Reifens, der seine Stärken voll ausspielen kann. Da verwundert es nicht, dass bei einsetzendem Regen auch nicht kein Reifenwechsel mehr nötig sein wird.

Selbst Scheibenbremsen werden in Zukunft ein Relikt der Vergangenheit
In Rinlands Auto wird theoretisch 100 Prozent der Verzögerungsenergie zurückgewonnen und in Schwungrädern oder Super-Kapazitoren gespeichert. Als zusätzliche PS-Spritzen können diese Reserven dann im Rennen kurzzeitig angezapft werden. In letzter Konsequenz könnte dies dazu führen, dass auch energieverschwendende Scheibenbremsen ein Ding der Vergangenheit sein werden. Schon heute kann man mit einem BMW i3 oder E-Golf so fahren, dass in der höchsten Rekuperationsstufe das Bremspedal nie oder nur noch höchst selten gedrückt werden muss. Auch bei E-Bikes mit Bremsenergierückgewinnung (wie beim smart-Bike) ist selbst bei steiler Bergabfahrt bremsen überflüssig. Warum sollte das also nicht auch in einem Rennwagen möglich sein?

Der pneumatische Reifen debütierte vor 125 Jahren – so viel Zeit hat der Motorsport nicht für einen Wandel
Im vergangenen Jahr feierte Dunlop den 125. Geburtstag des pneumatischen Reifens. Das futuristische Konzept, das Sergio Rinland nun in Indianapolis vorgestellt hat, braucht hoffentlich nicht ebenfalls 125 Jahre bis zu seiner Umsetzung. Denn so lange werden die Erde, der Individualverkehr mit Automobilen und der Motorsport nicht warten können, um sich an die dramatischen Klimaveränderungen und die knapper werdenden Ressourcen an fossilen Treibstoffen anzupassen.

Text: Thomas Imhof , Autogefühl

Fotos: Goodyear Dunlop

 

 


2 Responses to Rennwagen der Zukunft von Dunlop

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