BMW 4er Cabriolet Testbericht 2015/2016

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Das BMW 4er Cabrio bietet eine der wenigen Möglichkeiten, ein bequemes Cabriolet der Mittelklasse zu fahren, das aber noch sportlich bleibt und nicht allzu klobig ist. Soweit in der Theorie. Schauen wir uns das neue BMW 4er Cabriolet genauer an und finden wir im Fahrbericht heraus, wie es sich zum Vorgänger 3er Cabrio unterscheidet. Von Thomas Majchrzak

In der neuen BMW 4er-Baureihe mit Coupé und Cabrio ist ungefähr jedes vierte neu zugelassene Fahrzeug in Deutschland ein Cabriolet. Das ist schon recht hoch, nur beim 6er ist der Cabrio-Anteil noch etwas höher. Beim 2er dagegen ist nur jedes 30. neue Fahrzeug ein Cabrio.

In der absoluten Menge ist das 4er Cabrio mit gut 350 Neuzulassungen pro Monat eines der erfolgreichsten in Deutschland. Mehr verkauft werden nur vom Audi A3 Cabriolet (etwas mehr als der BMW) und vom VW Golf Cabriolet (fast doppelt so viel und damit Spitzenreiter). Dann kommt auf dem 3. Rang das BMW 4er Cabrio, knapp gefolgt von Mercedes SLK und Mini Cabrio.

Warum ist der 4er auch als Cabrio so erfolgreich? Ein Schnäppchen ist er schließlich nicht. Im Gegensatz zu den meisten anderen Cabrios befindet er sich in der Mittelklasse, da gibt es ansonsten nur Mercedes E-Klasse Cabrio und Audi A5 Cabrio. Um das Konzept des BMW 4er Cabriolets noch stärker zu betonen und Coupé und Cabriolet gegenüber dem Volumenmodell der 3er Limousine hervorzuheben, hatte sich das Produktmarketing ausgedacht, den Modell-Namen eine Zahl weiter zählen zu lassen.





Exterieur

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Das neue BMW 4er Cabriolet zeichnet sich vom 3er Vorgänger zum einen durch das Facelift in der Front ab. Das aktuelle BMW-Gesicht mit den zur Doppelniere hin zugekniffenen „Augen“ lässt die Front schlanker und moderner erscheinen. Serienmäßig gibt es darin Xenon-Scheinwerfer und LED-Tagfahrlicht. Die Seitenlinie wird weitgehend beibehalten, die Dropping Line, die seitlich in Licht und Schatten unterteilt, ist markanter herausgestellt. Die Fensterrahmen sind serienmäßig in Aluminium eingefasst. Serienausstattung sind 17 Zoll Felgen. 18 Zoll tun dem 4er Cabrio schon optisch gut, die gibt es zu einem humanen Aufpreis von 850 Euro.

Um sich von der 3er Reihe weiterhin nun etwas abzuzeichnen, ist das Heck etwas länger gestreckt als vorher. Das lässt das 4er Cabrio optisch eine halbe Klasse höher steigen, es nähert sich dem 6er an. Die Heckleuchten tragen nun ebenfalls eine geschwungene Linie. Insgesamt wirkt das Heck breiter und flacher.

Geschlossen wiederum steht das 4er Cabrio in seiner Form allein da, denn die anderen Mittelklasse-Cabrios setzen allesamt auf Stoff-Dächer. Das beschert dem 4er im geschlossenen Zustand eine sportlichere Linie – und eine womöglich bessere Geräuschdämmung im Inneren. Allerdings sind z.B. die Audi Akustik-Verdecke (meist optional) auch sehr gut abgedichtet, so dass dieser Vorteil nicht mehr immer zutrifft. Hier müssen wir nach dem Test aber eindeutig sagen: Geschlossen fährt sich der 4er Cabrio von der Geräuschdämmung her wie eine Limousine, top. Nachteile des Hardtops: Man kann es nicht während schnellerer Fahrt schließen und es nimmt viel mehr Platz im Kofferraum ein. Dafür ist die Oberfläche dauerhaft beständiger und der Einbruchsschutz ist höher.

Das neue BMW 4er Cabriolet ist insgesamt eine behutsame Verfeinerung des Vorgängers, von weitem erkennt man die Unterschiede nicht sofort. Insofern dürften die Restwerte des 3er Cabrios auch recht beständig bleiben. Mehr getan hat sich im Interieur.

Interieur

Das neue Interieur ist wie von BMW gewohnt zweckmäßig und aufgeräumt, aber nicht so kühl und anonym wie zum Beispiel bei Audi. Es vermittelt durch die gefühlt größeren Elemente ein wenig mehr das Gefühl von „zu Hause ankommen“. Im Gegensatz zum 3er Cabrio Interieur hat man hier alles auf den neuen Stand gebracht, von innen wirkte das 3er Cabrio doch nun sehr angestaubt.

Im neuen 4er Cabrio sind serienmäßig das BMW Radio Professional, ein 6,5 Zoll Monitor, ein intelligentes Notruf-System (meldet sich bei der BMW Hotline im Falle eines Crashs), Bluetooth-Freisprecheinrichtung, USB-Anschluss, Klimaautomatik und Lederlenkrad. Immerhin – hier zeigt BMW auch mal ab der Basisversion etwas Ausstattung. Serienmäßig ist der Dachhimmel in Schwarz, die Sitze in schwarzem Stoff. Schade: Beim Cabrio gibt es keine Option für Alcantara, weder für die Sitze noch fürs Lenkrad. Das bleibt dem Coupé vorbehalten. Dagegen gibt es optional fürs Cabrio nun auch eine Nackenheizung. Diese ist allerdings nur effektiv, wenn man nicht allzu groß ist und auch keine Jacke trägt. Über 1,80 m Körpergröße bläst einem die Nackenheizung eher in den Rücken. Und wenn es richtig kalt ist, fährt man ohnehin mit Jacke und dann ist der Nacken abgedeckt. Das 4er Cabrio erhält ferner serienmäßig die elektronische Sitzverstellung.

Das beliebte M-Sportpaket (plus 5.200 Euro) bietet 18 Zoll Felgen, Sportfahrwerk, sportlichere Schürzen, M-Lederlenkrad, Sport-Ledersitze, Ambiente-Licht und einige weitere optische Finessen. Etwas günstiger kommt die Ausstattung Sport-Line oder Luxury Line (3.900 Euro). Diese Pakete bieten ebenfalls als Hauptfeatures die Ledersitze sowie optische Aufwertungen – das Luxury-Paket insbesondere mit einem Holz-Fokus. Das M-Sportlenkrad, das als Interface zwischen Fahrer und Fahrzeug wirklich viel ausmacht und einfach die Fahrfreude erhöht, gibt es übrigens nicht nur innerhalb des M-Pakets. Man kann es für lediglich 200 Euro ordern. Und es gibt nun auch eine Lenkradheizung (190 Euro) – toll.

Was bekommt man ansonsten an Sonderausstattung? Ein Head-up-Display liegt bei 1.950 Euro. Das Comfort-Paket inkl. 2-Zonen-Klimaautomatik und Park-Distance-Control vorne und hinten bei 3.150 Euro. Sitzheizung 370 Euro, falls nicht schon eines der „Line“-Pakete angewählt wurde. Von uns empfohlen wird die so genannte „Variable Sportlenkung inkl. Servotronic“ (250 Euro), die die Lenkung noch ein Stück progressiver macht. D.h. ein direkteres Einlenken mit geringerem Lenkaufwand.

Ärgerlich: Das Navi schlägt natürlich wieder mit hohen Kosten zu, entweder das BMW Navi Business (1.490 Euro) oder das Professional (2.390) mit 8,8 anstatt 6,5 Zoll Screen.

Ist das Hardtop elektronisch im Kofferraum verstaut, erleichtert eine neue Ladehilfe die Ausnutzung des verbleibenden Raums. Dabei werden Dach und Kofferraumdeckel auf Knopfdruck hydraulisch nach oben gefahren (serienmäßig). Diese Funktion mutet einerseits sehr seltsam an, weil man den Knopf aus Sicherheitsgründen die ganze Zeit halten muss und sozusagen die Hand mit nach oben fährt. Andererseits freut man sich, dass es nun diese Möglichkeit gibt, das Fahrzeug besser zu beladen, auch wenn das Dach offen ist. Im Mercedes SL ist das aber z.B. besser gelöst, da muss man das Glasdach nur hinaufklappen. Dies war aber konstruktionsbedingt hier im 4er Cabrio nicht möglich. Zudem gibt es optional eine Durchladeöffnung zu den Rücksitzen. Insgesamt hat BMW also darauf geachtet, dass das BMW 4er Cabriolet nun noch besser im Alltag und auch als Erstwagen zu nutzen ist. Wobei man natürlich sagen muss, dass im Vergleich zu Soft-Top-Cabrios immer noch deutlich weniger Platz im Kofferraum bleibt.

Für Fondpassagiere ist dagegen gut gesorgt, denn selbst Erwachsene können hinten Platz nehmen, hier bietet das 4er Cabrio auch noch mal einen deutlichen Vorteil gegenüber dem Vorgänger. Wer allerdings sehr groß ist, wird sich eher freuen, wenn das Dach geöffnet ist. Mit über 1,80 m wird es geschlossen hinten dann so langsam eng, aber insgesamt erzielt das Fahrzeug hier gute Platzwerte.

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Motoren

Mit dem BMW 4er Cabriolet ist man grundsätzlich nie untermotorisiert, auch wenn man die Basis-Version wählt. Für sehr sportlichen Fahrgenuss wären auf dem Papier jeweils die 6-Zylinder angezeigt. Allerdings bieten die stärkeren Vierzylinder wie wir in der Übersicht sehen eine schon deutlich fixere Beschleunigung gegenüber den Basismotoren.

Hier die Motoren in der Übersicht:

Benziner

BMW 420i Cabrio (Basispreis ab 43.200 Euro)
Bi-Turbo 4-Zylinder Benzinmotor mit 2,0 Liter Hubraum
184 PS
8,2 Sek 0-100 km/h
Verbrauch angegeben l/100 km: 6,8

BMW 428i Cabrio (optional als xDrive/Allrad)
Bi-Turbo 4-Zylinder Benzinmotor mit 2,0 Liter Hubraum
245 PS
6,4 Sek 0-100 km/h
Verbrauch angegeben l/100 km: 7,0 (effektiv gemessen im Test: ca. 10 l / 100 km)

BMW 435i Cabrio (optional als xDrive)
Bi-Turbo Reihen-6-Zylinder Benzinmotor mit 3,0 Liter Hubraum
306 PS
5,6 Sek 0-100 km/h
Verbrauch angegeben l/100 km: 8,3

BMW M4 Cabrio (78.500 Euro)
431 PS
4,4 Sek 0-100 km/h

Diesel

BMW 420d Cabrio (Basispreis ab 46.600 Euro)
Bi-Turbo Reihen-4-Zylinder Dieselmotor mit 2,0 Liter Hubraum
184 PS
8,2 Sek 0-100 km/h
Verbrauch angegeben l/100 km: 5,2

BMW 425d Cabrio
Bi-Turbo Reihen-4-Zylinder Dieselmotor mit 2,0 Liter Hubraum
218 PS
7,3 Sek 0-100 km/h
Verbrauch angegeben l/100 km: 5,4

BMW 430d Cabrio (immer mit Automatik)
Bi-Turbo Reihen-6-Zylinder Dieselmotor mit 3,0 Liter Hubraum
258 PS
5,9 Sek 0-100 km/h
Verbrauch angegeben l/100 km: 5,5

BMW 435d xDrive Cabrio (immer mit Automatik)
Bi-Turbo Reihen-6-Zylinder Dieselmotor mit 3,0 Liter Hubraum
313 PS
5,9 Sek 0-100 km/h
Verbrauch angegeben l/100 km: 5,5

Bei Versionen, die grundsätzlich mit Schaltgetriebe kommen, kostet die Automatik-Option 2.150 Euro extra.

Nehmen wir z.B. einen 428 mit Automatik und ein bisschen mehr Ausstattung, landen wir bei gut 56.000 Euro Listenpreis. Diese Kombination dürfte für die meisten Käufer in Frage kommen.

Interessant übrigens: Die Allrad-Modelle sind nicht tiefer gelegt, die Heckantriebs-Modelle sitzen vom Fahrwerk 15 mm tiefer.

Fahrverhalten

Wichtig für das Lenkverhalten: Entgegen der Reglung beim 3er Cabriolet hat das 4er Cabrio nun die Servotronic serienmäßig. Bei BMW hatte man sonst unterteilt in Servolenkung und Servotronic, und nur die Modelle mit Servotronic konnten sich leichtgängiger lenken. So ist das BMW 4er Cabrio nun serienmäßig einfacher zu dirigieren. Auch ist es nicht mehr so mühsam wie beim Vorgänger, den Automatikwählhebel zu betätigen. Hier hat man nun den modernen Driveselector von BMW, der ein Highlight an sich ist.

Das 4er Cabriolet setzt die Allwetter-Tradition fort und präsentiert sich als windresistentes Gefährt. Mit allen Fenstern oben kann man auch locker 120 km/h auf der Autobahn im Winter fahren und muss nicht erfrieren. Nur, wie schon oben angedeutet, kommt der 4er nicht allzu gut mit Wetterwechsel zurecht, weil man nicht eben mit 40 km/h bis zur nächsten Ampel die Verdecksituation ändern kann. Dafür hat man aber den Vorteil, dass man ein völlig leises und dichtes Autobahncoupé direkt mit erhält.

Schaltet man in den Sport-Plus-Modus und deaktiviert damit auch die Traktionskontrolle, kann man auch ein bisschen Gummi auf der Straße lassen. Ansonsten verhält sich das BMW 4er Cabriolet relativ neutral auf der Straße, ist also einfach zu fahren, neigt trotz Hinterradantrieb nicht zum Ausbrechen und präsentiert sich angenehm sportlich, aber keineswegs brutal. Gegenüber den Konkurrenten Mercedes E-Klasse Cabriolet (bald C-Klasse) und Audi A5 Cabriolet ist der BMW 4er durchaus die sportlichere Wahl, wobei wirkliche Sport-Fans wohl nur mit der M-Variante glücklich würden.

Der von uns getestet 428i ist ein guter Durchschnittsmotor mit genügend Leistung fürs Cruisen und für Autobahnfahrten. Nur selbst dieser gönnt sich mit 10 Litern / 100 km schon einiges an Sprit. Abgesehen davon sind wir mit dem Motor vollends zufrieden. Besonders überrascht hat uns die unfassbare Laufruhe im niedrigen Drehzahlbereich, da glaubt man manchmal, man sei mit einem Elektrofahrzeug unterwegs.

Abmessungen

Länge: 4,63 m
Breite: 1,82 / 2,01 m (mit Außenspiegeln)
Höhe: 1,38 m
Radstand: 2,81 m
Gepäckraumvolumen: 220 – 370 Liter (Verdeck geschlossen)
Leergewicht: 1.725 – 1.845

Fazit: Mit dem BMW 4er Cabriolet wurde das Modell nicht neu erfunden, es handelt sich vielmehr um die Verfeinerung eines bewährten Konzeptes. Von außen wurde gegenüber dem 3er Cabrio leicht nachgeschärft, mehr geändert hat sich im Innenraum, der nun modernen Ansprüchen genügt. Das Multimedia-System ist sehr hochwertig, wenn auch teuer in einer vernünftigen Ausstattung. Qualität und Verarbeitung sind wie gewohnt top, in einer Ausstattungs-Linie wie der hier gezeigten Sport-Line gibt es auch optisch einige Finessen. Das Fahrverhalten gibt sich tadellos, das Fahrwerk sorgt für viel Komfort und BMW zeichnet sich von den Konkurrenten durch eine Prise mehr Sportlichkeit ab. Das 4er Cabriolet ist durch die Updates im Innenraum (Beladungshilfe etc.) und das bekannte Hardtop-Konzept mehr denn je ein Spaßauto, das auch vollends als einziges Erstauto taugt.

Autogefühl: ****

Text & Fotos: Autogefühl, Thomas Majchrzak

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2 Responses to BMW 4er Cabriolet Testbericht 2015/2016

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