Ferrari California T Fahrbericht – Coupé, Cabrio und Turbo

Mit dem neuen Ferrari California T hat Ferrari sein alltagstaugliches Coupé-Cabriolet überarbeitet und ihn mit einem Turbomotor bestückt. Wir geben uns im Fahrbericht dem offenen Performance-Genuss hin. Von Thomas Majchrzak

1957 gab es bei Ferrari den 250 GT Spyder California, von damals stammt der Name, der für ein Cabriolet kaum passender sein könnte. Ferrari setzt von Anbeginn des modernen California (2008) auf ein Faltdach von Webasto, das somit ein Hardtop-Coupé und ein Cabrio in einem bietet – mit dem Nachteil, das es nicht so schnell auf und zugeht und mehr wiegt als ein Stoffdach.

2012 gab es eine Modellpflege mit 30 PS mehr Leistung, 2014 erfolgte eine weitere Modellpflege, seitdem heißt das Modell Ferrari California T – angelehnt an den nun eingesetzten Turbomotor, seit 1992 wieder der erste Turbo-Motor in einem Ferrari. Es handelt sich um einen V8 3,9 Liter Turbomotor mit 560 PS. Mit 460 PS hatte man ursprünglich mal angefangen und mit einem 4,3 Liter Sauger.

Der derzeitige Preis des Ferrari California T mit dem V8-Turbo in Deutschland beträgt 184.000 Euro. Wettbewerber wären ein Porsche 911 Turbo S Cabriolet (560 PS, 210.000 Euro) oder ein Mercedes-AMG SL 63 Roadster (585 PS, 161.000 Euro).





Exterieur

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Im Vergleich zum bisherigen California sind beim Ferrari California T die Frontleuchten nun sehr schmal und lang gezogen, was dem Fahrzeug einen schmaleren Auftritt verleiht und den Blick nach hinten abfließen lässt. Untypisch wurde die Schulterregion nicht stärker betont, sondern eher weniger. Am Heck bleiben die runden Leuchten, lediglich die Auspuffrohre sind nicht mehr übereinander, sondern klassisch nebeneinander angeordnet. Insgesamt wirkt es auch hier etwas schlanker. Man kann also sagen, Ferrari hat den California T optisch abspecken lassen. In puncto Gewichtsreduzierung kam von vornherein zum Teil Aluminium zum Einsatz, insbesondere beim Hardtop-Klappverdeck und bei einigen Teilen der Karosserie. Bei den Farben gibt es, ganz nach der roten Tradition, sechs verschiedene Rot-Töne, aber auch 8 verschiedene Blau-Töne und weitere Farben wie auch ein extrovertiertes Gelb.

Von vorne erkennt man den Ferrari California T klar als Ferrari, im Seitenprofil lässt er dagegen die Interpretation offener, wie wir erfahren. Der California T erregt nämlich auf der Straße sehr viel Aufmerksamkeit, aber die Leute schauen doch zweimal hin, um zu erkennen, um welche Marke es sich handelt. Dabei hilft dann das große gelbe Ferrari-Logo mit dem schwarzen Pferd auf der Kotflügelseite.

Der Ferrari California T hat natürlich den Vorteil, zwei Gewänder zu haben. Uns gefällt er offen noch besser, da dann die Schultern kräftiger wirken – und er noch mehr Lebensfreude versprüht. Leider ist das Hardtop-Klappverdeck bei unserem Testwagen nicht ganz ohne Fehl und Tadel, manchmal bleibt es mitten im Prozess stecken. Der Vorgang dauert auch einfach zu lange und kann nur im Stand ausgeführt werden. Manche Hersteller bieten da schon Lösungen, dass man zumindest Schrittgeschwindigkeit fahren kann – wobei bei Hardtops zur langen Haltbarkeit und damit sich nichts verzieht es eher angebracht ist, den Prozess tatsächlich im Stand auszuführen.

Interieur

Beim Interieur-Styling durften sich die italienischen Designer ganz ausleben, und das kann man ihnen danken. Hochwertige Ferrari- oder California T-Schriftzüge, rundliche Cockpit-Lüftungsauslässe oder klare geschwungene Linien mit sauberer Verarbeitung – so hat man es als Automobil-Liebhaber gerne. Überholt ist dagegen der massenhafte Einsatz von echter Tierhaut. Allerdings haben wir bereits Ferrari California T mit Alcantara-Einsätzen an Sitzinnenbahnen und Türen gesehen, danach sollte man sich beim Kauf erkundigen. Die Form der Sitze ähnelt zudem eher einer Salatschüssel und nicht der eines sehr gut konturierten Sportsitzes – das kann dem ein oder anderen durchaus Rückenschmerzen machen. Vom Stil des Cockpits her bleibt der California T dagegen ungeschlagen und bietet in diesem Segment ein Alleinstellungsmerkmal.

Highlight ist zudem das Racing-Lenkrad, unten abgeflacht und mit Formel-1-Style-Knöpfen zum Motorstart und zur Wahl der Fahrmodi. Das macht schon Spaß beim Anschauen. Separat muss man zunächst den klassischen Schlüssel herumdrehen, dann kann man den Start-Knopf betätigen und wird mit einem Donnergrollen belohnt. Den Sound haben die Jungs aus Maranello tatsächlich super hinbekommen, hier hört man kein hochfrequentes Turboheulen, sondern glaubt noch eher an einen waschechten Sauger.

Hinter den Vordersitzen gibt es Notsitze, was den Ferrari California T zum 2+2 Sitzer macht. Das Verdeckt öffnet und schließt in gut 15 Sekunden, mit beschriebenen Schwächen. Im Kofferraum bleibt dann kaum noch Platz, es gibt auch keinen Klappmechanismus wie beim Mercedes SL.

Das Infotainment-System ist designmäßig wunderschön eingefügt und fällt daher auch nicht besonders auf – und das ist auch gut so. Denn die Geschwindigkeit und die Funktionalität lässt stark zu wünschen übrig. Wie so häufig bei exklusiven Luxusmarken liegt hier der Schwerpunkt auf Design und Exklusivität und nicht auf einer allzu aktuellen Multimedia-Technik.

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Motoren

Wie beschrieben gibt es ab sofort nur noch den V8 Turbo mit 3,9 Litern Hubraum und 560 PS. Dieser schafft die 0 auf 100 km/h in 3,6 Sekunden, eine halbe Sekunde schneller als der bisherige Sauger. Und in 11,5 Sekunden geht es von 0 auf 200 km/h – damit kommt man schon zweifelsohne in Supersportwagen-Regionen. Uns begeistert der Motor auf ganzer Linie. Man merkt nichts von einem Turboloch, der Sound ist großartig und zählt zu den kräftigsten, die wir bisher gehört haben.

Fahrverhalten

Ferrari hat die Federn zwar härter gemacht nun für das Turbo-Facelift, aber der California T bleibt wunderbar ausgewogen. Ein Auto, mit dem man sowohl cruisen, als auch richtig scharf um die Kurven wetzen kann. Der Ferrari California T stellt vom Fahrverhalten auch den am besten zu fahrenden Ferrari dar, in dem Sinne, in dem man kein Racing-Star oder Kenner von Supersportwagen sein muss, um ihn gut fahren zu können.

Das serienmäßige Doppelkupplungsgetriebe schaltet gefällig die Gänge hoch und runter, hat man den Sportmodus gewählt, spürt man die Stufen stärker, will man dann ja auch. Ansonsten bleiben auch jederzeit die großen Schaltpedals, mit denen man übrigens auch ganz normal den ersten Gang einlegt. Einen Automatik-Wählhebel sucht man vergebens, ist auch gar nicht nötig.

Die Beschleunigung ist atemberaubend und zusammen mit einem offenen Verdeck und dem großartigen Sound ist das wirklich Automobil-Genuss pur. Selten hatten wir mit einem Fahrzeug so viel Freude beim Cruisen und beim rasanten Fahren. Besonders spaßig ist die Launch Control. Dazu stellt man den Fahrmodus-Schalt von Sport auf ESC OFF und wählt den Launch-Button in der unteren Mittelkonsole. Nun lässt sich die Drehzahl im Stand hoch drehen, wenn man die Bremse hält. Dann Bremse loslassen und den Ferrari nach vorne schießen lassen – Formel-1-Feeling pur. Die Lenkung hätte allerdings ruhig ein Stückchen direkter sein können. Und runter auf 0 geht es mit Karbon-Keramik-Bremsen, serienmäßig nun im California T. Die Reifen sind übrigens praktischerweise etwas überlappend, so dass sie die Felgen etwas schützen.

Mit offiziell 10,5 Litern Super auf 100 km sind wir übrigens bestimmt nicht hingekommen, aber zumindest an der Anzeige konnten wir das gar nicht nachprüfen, diese war im Menü nicht auffindbar.

Abmessungen

Länge: 4,56 m
Breite: 1,90 m
Höhe: 1,30 m
Radstand: 2,67 m
Leergewicht: 1.730 kg

Fazit: Der Ferrari California T zählt zu den exklusivsten offenen GTs auf dem Markt. Selten hatten wir so viel Fahrfreude mit einem Auto, das dynamische Fahrverhalten macht einfach richtig viel Spaß. Das Design, gerade des Interieurs, ist ein weiteres Alleinstellungsmerkmal. Man beugt sich hier keiner aktuellen Trendlinie, sondern schafft eher viele klassische Elemente. Auf der negativen Seite sind uns die nicht optimal geschnittenen Sitze aufgefallen und kleine Details, die man für gut 200.000 Euro eigentlich erwarten kann – wie einer Komfort-Öffnungs/Schließungs-Funktion per Autoschlüssel für die Fenster oder sogar fürs Verdeck. Die Imperfektionen werden allerdings vom überragenden Sounddesign – zumindest zeitweise – einfach weggeblasen.

Autogefühl: *****

Text: Autogefühl, Thomas Majchrzak
Fotos: Autogefühl, Michel Weigel

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