Rolls-Royce Wraith Test Fahrbericht

Der Rolls-Royce Wraith, der auf der jüngsten IAA noch einen Cabrio-Bruder namens Dawn hinzubekommen hat, ist mit 5,26 m Länge der derzeit kürzeste Rolls-Royce und als Coupé ausgelegt zum Selberfahren, nicht zum Chauffieren. Wir haben den Rolls zum Selberfahren getestet. Von Thomas Majchrzak

Um einen groben Überblick über die Modellpalette zu bieten, ordnen wir den Rolls-Royce Wraith ein: Flaggschiff ist derzeit der Phantom mit 5,83 m Länge (seit 2003), rein ausgerichtet auf Chauffeurdienste. Davon gibt es zwei Ableger, Phantom Coupé (seit 2008) und Phantom Drophead Coupé (Cabriolet, seit 2007) mit 5,60 m Länge. Der Phantom liegt preislich über 400.000 Euro.

Darunter kommt mit 5,39 m der noch neuere Rolls-Royce Ghost (seit 2013), der als Limousine mit knapp 250.000 Euro der günstigste im Lineup ist und damit z.B. auch mit dem Bentley Flying Spur konkurriert. Der Ghost-Ableger als Coupé wiederum heißt Rolls-Royce Wraith und ist mit 5,26 m der kürzeste Rolls, allerdings mit 280.000 Euro etwas teurer. Die neue Cabrio-Variante heißt Dawn. Diese beiden konkurrieren dann zum Bentley Continental GT und GTC.





Exterieur

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Vorne bleibt der Rolls-Royce Wraith der klassischen Linie treu und präsentiert den aufrechten Kühlergrill mit Längsstreben, auf dem traditionsgemäß seit 1911 die Kühlerfigur Spirit of Ecstasy thront, manchmal auch Emily genannt. Die Kühlerfigur kann man sich in verschiedenen Ausführungen bestellen, in Silber, Gold, beleuchtet oder halb-durchsichtig.

Ab der Fahrzeugmitte setzt der Wraith dann eigene Akzente, in dem die Dachlinie eben in coupéform abfällt, anstatt wie bei der Ghost-Limousine Kopfraum für die Fondpassagiere zu behalten. Die Fensterlinie ist dabei von einem massiven Chromrahmen eingefasst.

Die nach innen etwas spitzer zulaufenden Heckleuchten sind für Rolls-Royce-Verhältnisse die mutigsten und entstauben das ansonsten eher biedere Rolls-Royce-Heck.

Bei den vielen erhältlichen Farben kann man übrigens auch ein Kontrast-Schema auswählen: Dabei bedeckt die erste Farbe die Motorhaube und den Himmel, die zweite Farben die untere Hälfte des Fahrzeugs. Bei unserem Testwagen sind dies zwei Rot-Töne, Cherry/Kirsch und Madeira (etwas heller).

Interieur

Im Interieur darf es, aber muss es nicht unbedingt immer nur Wurzelholz sein. Während beim Phantom noch das Wurzelholz dominiert, darf die Ghost-Baureihe mit den Ablegern auch beim Interieur etwas moderner sein. Dennoch werden eher runde Formen betont, sei es bei Schaltern, klassischen Instrumenten oder der Analoguhr. Das Cockpit ist beim Wraith nicht groß abweichend vom Ghost. In unserem Testwagen ist helles Wurzelholz montiert, was aber auch einfach zum Rolls passt. Noch schöner ist unser Meinung nach nur mattes Holz, das haptisch noch mehr bietet.

Besonderes Merkmal ist die Suicide-Door, die Tür, die trotz Coupé-Bauweise nach hinten hin aufklappt. So behält man sich ein typisches Rolls-Royce-Einstiegsfeeling, auch wenn man auf dem Fahrersitz Platz nimmt. Zudem hat man einen komfortableren Einstieg. Allerdings sollte dafür zu den Seiten hin auch genügend Platz sein. Hat man Platz genommen, kann man sich die Türen auch elektrisch schließen lassen mit einem Knopf in der Nähe der A-Säule. Nur öffnen muss man immer manuell, aus Sicherheitsgründen.

Im Innenraum wird außerdem auch das Motto von außen weitergeführt, dass man sich alles bis ins kleinste Detail auswählen kann – sogar die Farben des in die Türen eingelassenen Regenschirms. Der häufigste Extrawunsch ist, dass man sich seine Initialien auf die Kopfstützen sticken lässt, anstatt das RR-Logo. Grundsätzlich setzt Rolls-Royce noch durchweg auf echte Tierhaut, aber da der Kunde König ist, kann man sich seinen Rolls-Royce auch nachhaltiger auf Anfrage mit Mikrofaser ausstatten lassen oder Kunstleder-Elemente verlangen.

Die Verarbeitung ist in jeglicher Hinsicht perfekt, jede Oberfläche, jeder Knopf und jede Naht glänzt mit einer tadellosen Qualität.

Das Infotainment-System ist nicht wie bei anderen Luxuskarossen völlig überaltet, sondern lehnt sich an einem aktuellen BMW-Multimedia-System an. Da tut die Konzernzugehörigkeit gut. Somit hat man als BMW-Kenner keine Mühen, sich durch die Menüs zu scrollen und auch das aktuelle Navi zu bedienen.

Der Kofferraum schließlich hat limousinengemäß zwar keine allzu große Öffnung, durch die Länge des Fahrzeugs geht er aber sehr tief hinein, so dass es kein Problem ist, für mehrere Personen das Gepäck für den Flughafen unterzubringen.

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Motoren

Das 2,5 Tonnen Gefährt wird von einem V12-Motor Biturbo mit 6,5 Litern Hubraum und 632 PS angetrieben, der ebenfalls BMW entliehen ist und dann angepasst wurde. Geschaltet wird über die auch bei BMW häufig eingesetzte und ausgereifte 8 Stufen-Automatik von ZF. Insgesamt ergibt sich dadurch trotz des hohen Gewichts eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h von 4,6 Sekunden.

Im Testverbrauch gönnt sich der Rolls gut 18 Liter auf 100 km – darauf sollte man gefasst sein. Stört nicht, könnte man meinen, wer das Budget für einen Rolls-Royce hat. Allerdings nerven dann doch allzu häufige Tankstopps. Ein V8 würde es mittlerweile sicher auch tun.

Fahrverhalten

Die adaptive Luftfederung sorgt allseits für einen schwebenden Fahrkomfort und ist auch bewusst in Richtung Komfort abgestimmt. Beim Geradeauslauf wird niemand ein Wohlgefühl vermissen. Das Höhen-Niveau kann man in drei Stufen verstellen, höher zum Beispiel, wenn einmal mehr Bodenfreiheit verlangt ist. Im Vergleich zu den größeren Rolls-Royce-Modellen ist der Wraith mehr denn je auf eine Fahrerfokussierung ausgerichtet, ein Trend, den man bei Rolls-Royce allgemein wahrnimmt. Kann man auch verstehen, denn wer so viel Geld für ein Auto ausgibt und so spezielle Wünsche hat, ist in der Regel so autobegeistert, dass er/sie auch selber fahren möchte.

Trotz des kräftigen Vortriebs des V12 kann man von einem flotten spaßigen Fahren beim Rolls-Royce Wraith aber keineswegs sprechen. Beim Kurven hören die Vorzüge der weichen Abstimmung und der 5,26 m Länge auf. Die Lenkung benötigt lange Lenkwege und ist butterweich, das Luftfahrwerk schaukelt sich gerne auf und beim Ausgang von flotter gefahrenen Kurven wird das gesamte Fahrzeug unruhig. Wer den Rolls-Royce wählt, entscheidet sich – auch beim Wraith – für die gemütliche Art des Reisens.

Abmessungen

Länge: 5,26 m
Breite: 1,94 m
Höhe: 1,50 m
Radstand: 3,11 m
Leergewicht: 2.435 kg
Kofferraum: 470 l

Fazit: Der Rolls-Royce Wraith profitiert von der BMW-Zugehörigkeit mit einem modernen Infotainment-System und vielen sinnvollen Bauteilen aus dem Konzern-Teilelager. Durch die Coupé-Struktur und der geringeren Länge betont der Wraith mehr denn je die neue Art des Rolls-Royce-Fahrens: Man fährt selber. Dabei muss der geneigte Wraith-Fahrer den Komfort einer Luftfederung schätzen und abgesehen von der Kraft des V12 keine flotte Gangart einlegen wollen. Die Bentley-Vergleichsmodelle zeigen sich hier z.B. deutlich sportlicher. Dafür bietet Rolls-Royce eine viel größere Kundenindividualisierung. Was man hier möchte, wird auch gemacht – damit man auch seinen Kindern später einmal seinen persönlichen perfekten Rolls-Royce vermachen kann.

Autogefühl: ****

Text: Autogefühl, Thomas Majchrzak
Fotos: Autogefühl, Katharina Kruppa

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