Neuer Infiniti Q30 Test Fahrbericht

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Mit dem neuen Infiniti Q30 bringt Infiniti nun einen neuen Kompaktwagen auf Basis der Mercedes A-Klasse. Wir haben den neusten Infiniti getestet und mehr über die Strategie dahinter erfahren. Von Thomas Majchrzak

Während das jüngste Facelift der Mercedes A-Klasse bei 23.700 Euro beginnt (A160 – 1,6 l mit 102 PS), startet der Infiniti Q30 bei 24.200 Euro (1,6 l mit 122 PS). Zum Vergleich: Der bisher günstigste Infiniti, der Q50, beginnt bei 36.500 Euro. Nun gibt es also eine neue Einstiegs-Möglichkeit in die Infiniti-Welt.

Mit vergleichbarer Ausstattung ist der Q30 übrigens dann wieder nicht mehr billiger als die A-Klasse, nimmt man A250 Sport vs. Q30 Sport mit demselben 2.0 Liter Turbomotor mit gut 210 PS, so landet man bei 37.000 Euro (Mercedes) vs. 40.000 Euro (Infiniti). Letztlich wird das individuelle Angebot beim Händler entscheidend sein.

Und noch viel wichtiger: Wie verhält sich der neue Infiniti Q30 als einzelnes Fahrzeug für sich?





Exterieur

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Vorne zeigt der Q30 den bekannten trapezförmigen Infiniti-Grill, daneben befinden sich allerdings schlitzförmige Scheinwerfer, die sich von den größeren Modellen abzeichnen. Die Form soll vom menschlichen Auge inspiriert sein. Im grundsätzlichen Layout erkennt man durchaus eine A-Klasse, wobei die Details dann doch stark abweichen. Die Infiniti-Designer hatten die Aufgabe, das Modell möglichst anders zu machen. Und das ist auch gelungen. Der neue Infiniti Q30 ist zweifelsohne das außergewöhnlichste Fahrzeug im Kompakt-Segment. Und das wird wahrscheinlich auch das primäre Kaufargument. Alleinstellungsmerkmal ist zum Beispiel auch der pfeilartige Knick am hinteren Fenster. Zudem ist der Infiniti Q30 mit 4,42 m gut 13 cm länger (A-Klasse 4,29 m), wobei der Radstand identisch ist (2,70 m).

Serienmäßig sind Stahlfelgen mit 17 Zoll, die höheren Ausstattungen tragen dann größere Alufelgen in 18 oder 19 Zoll (siehe Fotos vom Q30S).

Interieur

Der neue Infiniti Q30 hat eine etwas erhöhte Sitzposition und mehr Bodenfreiheit als vergleichbare Kompaktfahrzeuge. Zieht man wieder den Mercedes-Vergleich, so befindet er sich in der Höhe zwischen A-Klasse und GLA. Später wird es auch noch einen QX30 geben, der dann wiederum noch einmal etwas höher liegt als der GLA.

Auch im Interieur schreit es an manchen Stellen nach A-Klasse, etwa bei den Knöpfen für die Fensterheber oder bei den Tasten auf dem Lenkrad. Das ist aber nicht schlecht, denn diese Knöpfe sind schlichtweg gut. So manch anderer Hersteller würde sich über Teile von Mercedes riesig freuen.

Ansonsten ist das Cockpit des Infiniti 30 im grundsätzlichen Layout total anders, etwa weil der Screen eingefasst und nicht wie bei allen aktuellen Mercedes-Modellen attached ist. Mit einigen geschwungenen asymmetrischen Linien und einer übersichtlichen Anzahl an Bedienelementen wirkt das Interieur sauber und aufgeräumt. Die Verarbeitung im Detail und die Material-Verliebtheit sind sogar noch besser als bei der A-Klasse. Besonders gut gefällt uns die Q30S-Ausstattung, die mit Alcantara-Bezügen an Armaturenbrett, Türinnenseiten und Armauflage kommt. Nicht überzeugen kann das Multimedia-System. Es hat zwar den Vorteil, dass es sowohl mit einem Dreh-/Drück-Schalter in der unteren Mittelkonsole als auch per Touch zu bedienen ist, doch ist es weder besonders modern in der Darstellung noch in der Software des Navigationssystems. Verfahren ist hier vorprogrammiert.

Serienmäßig sind eine manuelle Einzonen-Klimaanlage und auch schon bereits das Auffahrwarnsystem mit Stopp-Funktion. Gut, dass dieses mit in der Serienausstattung steckt, das machen nicht alle Hersteller.

Die Ausstattungslinien teilen sich dann auf in Basisausstattung (ohne Namen), Premium, Premium Tech und Sport. Dazu gibt es noch spezielle Design-Pakete wie das City Black Paket.

Der Standardsitz wird Komfort-Sitz genannt, diesen gibt es in der Serienausstattung in Stoff, optional mit chemisch behandelter Kuhhaut bezogen. In der Q30S-Ausstattung gibt es ferner Sportsitze, deren Sitzfläche zwar gleich ist, die aber eine stärker konturierte Rückenlehne haben. Für große Menschen ist diese nicht optimal, da sie dann etwas zu sehr einengt. Überhaupt sind die Sitze grundsätzlich eher auf eine mittlere Größe ausgelegt. Die ausziehbare Sitzflächenverlängerung wie beim jüngsten A-Klasse-Facelift fehlt, ebenso die Option für ein zu öffnendes Schiebedach. Der Infiniti Q30 bietet optional nur das Panorama-Dach an, das nicht zu öffnen ist. Infiniti kann wegen eines geringeren Budgets eben nicht alle Optionen vorhalten, was aber auch kein Drama ist.

Fazit aus dem Interieur: Derzeit mit das Beste, was man im Kompaktsegment bekommen kann – und deutlich emotionaler und individueller als alle anderen.

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Motoren

Folgende Motoren sind erhältlich und ebenfalls von Daimler, genau wie die optionale oder bei höheren Motorisierungen inkludierte 7-Gang-Doppelkupplungsautomatik DCT (Dual Clutch Transmission):

Benziner
1,6 l mit 122 PS (6-Gang-Handschaltung, optional DCT) oder 156 PS (immer DCT)
2,0 l mit 211 PS (Q30 Sport, immer mit DCT und Allrad sowie Sportfahrwerk)

Diesel
1,5 l mit 109 PS (6-Gang-Handschaltung)
2,2 l mit 170 PS (serienmäßig mit DCT sowie Sportfahrwerk, optional in Verbindung mit Allrad)

Der kleine Diesel stammt von Nissan, alle anderen Motoren von Daimler.

Fahrverhalten

Wir testen den 2,0 l Turbo und den 2,2 l Diesel.

Der 2,0 l Turbo verhält sich im Leerlauf sehr ruhig und glänzt mit einer überzeugenden Kultiviertheit in den niedrigen Geschwindigkeitsbereichen. Der Sound ist nicht kernig, aber durchaus angenehm. Mit 7,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h ist er auch der schnellste im Portfolio. Im normalen Drive-Modus der Automatik kann es schon mal passieren, dass er etwas zu untertourig fährt, aber für diesen Fall kann man immer den S-Modus wählen, der die Gänge dann höher ausfährt. Insgesamt ist dies der emotionalste Motor für das Fahrzeug.

Der 2,2 l Diesel hat die Besonderheit, das er mit einem Active Noise Cancellation versehen ist, also einer Aktiven Geräuschunterdrückung. Das soll den akustischen Komfort noch steigern. Tatsächlich hört sich der Motor nur im Leerlauf an wie ein Diesel, bei normaler Fahrt spürt man den Unterschied kaum, egal ob von der Performance oder vom Sound. In 8,5 Sekunden geht es hier von 0 auf 100 km/h, also etwas langsamer als der Turbo-Benziner. Dafür besticht der 2,2 l Diesel jedoch mit seiner Laufruhe, gerade bei längeren Autobahnfahrten.

Sowohl in der Sport als auch in der Premium-Version ist der Infiniti Q30 mit einem Sportfahrwerk ausgerüstet, das jedoch keineswegs unangenehm straff ist. Der Q30 ist eher Richtung Komfort abgestimmt, und das ist auch gut so. Dennoch macht es Spaß, ihn flott zu bewegen. Das Mehr an Bodenfreiheit hilft im City-Alltag ungemein, etwa bei Geschwindigkeitshuckeln, dem ein oder anderen Bordstein, Tiefgargen-Rampen usw. Zudem trägt die höhere Sitzposition bei der Fahrt zum Komfort bei. Die Lenkung ist angenehm direkt, könnte lediglich etwas progressiver sein, so dass man teilweise einen noch kürzeren Lenkweg benötigt, etwa wie bei den Fahrzeugen der Volkswagen-Gruppe. Bei Mercedes verhält sich die Lenkung jedoch ähnlich.

Die Geräuschdämmung ist grundsätzlich ordentlich, aber nicht führend im Kompaktsegment. Laufruhe und Komfort dagegen sind ausgezeichnet.

Abmessungen

Länge: 4,42 m (Mercedes A-Klasse: 4,29 m)
Radstand: 2,70 m
Breite: 1,80 m / 2,08 m (mit Außenspiegeln)
Höhe: 1,45 m (ohne Dachreling)

Fazit: Der neue Infiniti Q30 ist ein mehr als ernst zu nehmender Konkurrent im Premium-Kompaktsegment. Gerade die Kompaktfahrzeuge im Premiumbereich werden in den nächsten Jahr ein überdurchschnittliches Wachstum erleben, da allein in den Wachstumsmärkten wie China & Co. eine wachsende wohlhabende Mittelschicht in den Premium-Sektor über das Kompaktsegment einsteigt. Der Infiniti Q30 wurde allerdings primär für Europa (und China) gemacht, man möchte hier endlich auch bestehen und damit beweisen, dass man mithalten kann. Bislang konzentrieren sich die Verkäufe noch auf die USA (in den ersten 9 Monaten in 2015 gut 150.000 Infiniti-Verkäufe weltweit, davon 100.000 in den Staaten). Es ist schon erstaunlich, dass Infiniti das Grundkonzept von der A-Klasse übernehmen durfte und somit so plötzlich und mit deutlich geringeren Entwicklungskosten einen Kompaktwagen auf die Beine stellen konnte, der sich mit allen gängigen Konkurrenten messen kann. Das Design ist außen wie innen zweifelsohne am auffälligsten und sinnlichsten und kann damit bei allen Käufern punkten, die mehr Individualität und etwas Spektakuläres möchten. Die Verarbeitung im Detail und die Materialien sind zum Teil sogar noch besser als bei der A-Klasse. Auch das Konzept der leichten Höherlegung des Fahrzeugs sollte am Markt gut ankommen, denn moderne Bedürfnisse nach Fahrkomfort und einem einfachen Einstieg deuten klar in diese Richtung. Der neue Infiniti Q30 wird zweifelsohne seine Freunde finden, weil er nun eigentlich sogar schon die Spitze des Kompaktsegments ausmacht. So ein gutes Fahrzeug kann eigentlich gar nicht floppen, sonst könnte man die Marke gleich ganz dichtmachen. Wir sind gespannt.

Text: Autogefühl, Thomas Majchrzak
Fotos: Autogefühl, Katharina Kruppa

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4 Responses to Neuer Infiniti Q30 Test Fahrbericht

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  3. Chris says:

    Ein sehr schöner Wagen und auf alle Fälle ein Geheimtipp für alle, die einen nicht alltäglichen Cityflitzer mit viel Komfort suchen. Ich finde das Modell ist eine sehr gute Alternative zu den deutschen Konkurrenten. Da bin ich mal gespannt, ob man einem Infintiti zukünftig öfter auf den heimischen Straßen begegnet. Ich kann mich garnicht daran erinnern, überhaupt mal ein Fahrzeug des Herstellers im Alltag gesehen zu haben :-)

  4. […] nimmt. Gefahren sind wir also den kleinsten Diesel und größten Benziner, dazwischen sind noch ein 2.2 Liter Diesel mit 170 PS und ein 1.6 Benziner mit 120 oder 165 PS verfügbar. Außer für den kleinsten Benziner ist das DCT […]

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