Renault Talisman Test & Vergleich VW Passat

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Der Nachfolger des Mittelklasse-Modells Laguna heißt Renault Talisman und soll für die Marke eine neue Ära einläuten, mit der man wieder auch in dieser Klasse voll konkurrenzfähig wird – mit viel Serienausstattung. Bei uns im Test: Die Top-Ausstattung Initiale Paris und der mittlere trim level Intense – mit Allradlenkung im Fahrbericht. Von Thomas Majchrzak

Der neue Renault Talisman wird im französischen Douai produziert, wo 420 Millionen Euro investiert wurde. Mit Rat und Tat stand Daimler dabei übrigens zur Seite, etwa bei der Qualitätssicherung. Der Renault Talisman teilt sich viele Elemente mit dem neuen Renault Espace. Er ist als klassisches Stufenheck mit separatem Kofferraum und auch als Kombi erhältlich (Grandtour). Weil der Laguna zuletzt keinen Verkaufserfolg mehr hatte, konzentriert sich Renault nun auch auf bestimmte Märkte und bietet den Renault Talisman nicht mehr überall an (zum Beispiel nicht mehr in Großbritannien). Der Name Talisman, der durchaus für Gelächter sorgte, soll übrigens für Schutz und Kraft stehen, eben das, was ein Talisman geben soll. Der Einstiegspreis liegt bei ca. 28.000 Euro, enthält aber dann direkt viel Serienausstattung wie ein Navi.





Exterieur

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Im Vergleich zum Vorgänger Laguna ist der neue Renault Talisman etwas länger, hat aber einen niedrigeren Schwerpunkt. Optisch zeigt er die neue auffällige Licht-C-Spange des Tagfahrlichts und eine „freundliche Schnauze“ mit der insgesamt nach oben gezogenen Designlinie im Kühlergrill. Seitlich steht der Talisman für klare und moderne sportliche Proportionen, er zeigt sich flacher als vergleichbare Mittelklasse-Modelle – und die Fensterlinie endet spitz. Die Kombiversion Grandtour zeichnet eine fast gerade Dachlinie, die viel Raum im Innern verspricht. Durch den Chromrahmen um die Fenster und eine gestärkte Schulterpartie verliert der Kombi aber trotzdem nicht an Attraktivität. Im Heck sind bei beiden Versionen die Leuchten jeweils stark waagerecht gezogen, das verbreitert das Auto optisch. Die Rückleuchten berühren sich beinahe. Ein sehr mutiger Designschritt, der aber gut ankommt. Mit dem neuen Talisman hat Renault es geschafft, dass selbst diejenigen, die jahrelang nichts mit dem Renault-Design anfangen konnten, nun einen neuen Favoriten haben.

Interieur

Im Interieur dominiert nun wie schon beim Espace der eher senkrecht ausgerichtete große Touchscreen, der alle Funktionen bündelt – zumindest in den höheren Ausstattungslevels. In der Basisversion ist ein eher horizontaler Screen integriert, der dann auch etwas kleiner ist. In Zusammenarbeit mit dem französischen Automobil-Zulieferer Faurecia wurde massiv an der Interieurqualität geschraubt, um diese auch klar vom Laguna abzuzeichnen. So findet man nur, wenn man danach sucht, kleinere Stellen, wo die Qualität noch optimiert werden könnte. Auffällig ist auch das Design-Schema, dass alle Oberflächen möglichst flach bleiben. Es gibt kaum größere Erhebungen im Design, so geht das Armaturenbrett der Beifahrerseite in den Bildschirm über.

Das Renault Multi-Sense System lässt offen, welchen Fahrmodus und welche Stimmung man wünscht. Beleuchtung im Innern und Ansprechverhalten des Motors (und Sound) werden dann dem gewählten Fahrmodus angepasst, ggf. auch die Intensität der optionalen Allradlenkung. Das Infotainment-System kann man im Talisman im Gegensatz zum neuen Megane nicht nur über Touch steuern, sondern auch über einen kleinen Dreh-Drück-Regler in der unteren Mittelkonsole. Das ist insbesondere für den Fahrer relevant, denn als Fahrer kann man nicht so gut und einfach auf dem Bildschirm herumdrücken, während das Auto bei der Fahrt etwas wackelt.

Die Sitzposition vorne ist bequem und bietet ausreichend Platz auch für größere Menschen. Auf den Fotos sehen wir einmal die Ausstattung mit toxisch behandelter Kuh-Haut in der Top-Ausstattung Initiale Paris, später unten auch den trim level Intens, der im Prinzip schon alle Annehmlichkeiten bietet, aber mit der besseren Oberfläche im Mix Stoff innen und Kunstleder außen kommt.

Aus der Zusammenarbeit mit dem Zulieferer ist zudem auch ein neuer Sitz entstanden, der dünner ist, um so für mehr Kniefreiheit im Fond zu sorgen. Trotzdem ist der neue Renault Talisman im Fond kein Platzwunder, im Vergleich zu anderen Wettbewerbern schneidet er hier eher schlecht ab (siehe unten, Vergleich Passat).

Die Ausstattungslevels teilen sich insgesamt auf in Life, Intens und Initiale Paris. Käufer des Top-Trim-Levels erhalten einen Zugang zu einem Renault Callcenter für weitergehende Dienstleistungen wie Pannenhilfe und Beratung. Allgemein zeichnet sich der Renault Talisman wie erwähnt dadurch aus, dass bereits in der Basisausstattung viel mit dabei ist, etwa schon das Navi – sehr ungewöhnlich und positiv zu erwähnen. Auch ein beheizbares Lenkrad ist optional erhältlich.

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Ausstattungsniveaus:

Life

• Chromeinfassungen an den Fenstern
• Leichtmetallfelgen „Hera“, 17 Zoll
• Türgriffe in Wagenfarbe
• Einparkhilfe hinten
• Licht- und Regensensor
• Tempopilot mit Geschwindigkeitsbegrenzer
• Renault R-Link 2: Online-Multimediasystem inkl. Navigation mit Kartenmaterial für Europa und Digitalempfang (DAB)
• Stoffpolsterung Life in Titanium Black
• 2-Zonen-Klimaautomatik mit Partikel- und Aktivkohle-Filter sowie Beschlagsensor
• Infotainment-System in 4,2 Zoll

Intens (zusätzlich zu Life)

• Leichtmetallfelgen „Ceres“, 18 Zoll
• Einparkhilfe vorne und hinten
• 2 USB-Ladebuchsen und AUX-Anschluss hinten
• Voll-LED-Scheinwerfer LED PURE VISION inkl. LED-Rückleuchten
• Fahrer- und Beifahrersitz beheizbar
• Stoff-/Textil-Lederpolsterung Intens in Titanium Black
• Infotainment-System in 7 Zoll

Initiale Paris (zusätzlich zu Intens)
• Leichtmetallfelgen „Initiale Paris“, 19 Zoll
• Einparkhilfe vorne und hinten sowie an den Seiten (360 Grad)
• Notbremsassistent
• Rückfahrkamera
• Sicherheitsabstand-Warner
• Toter-Winkel-Warner
• Adaptives Fahrwerk (EFA)
• Dynamische Allradlenkung 4Control
• Bose® Surround Sound-System mit 13 Lautsprechern
• Head-up-Display
• Fahrer- und Beifahrersitz elektrisch einstellbar (10-fach), belüftet, mit ausziehbarer Oberschenkel- auflage, Memoryfunktion, Massagefunktion und elektrischer Lordosenstütze
• Polsterungsoberfläche aus chemisch behandelter Tierhaut „Initiale Paris“ in Titanium Black oder Chameleon Grey
• Infotainment-System in 8,7 Zoll

Unser Tipp: Die Level Intens nehmen und dann noch das ein oder andere Extra, das man möchte, dazu nehmen. Der automatische Bremsassistent ist leider erst in der Top-Ausstattung mit enthalten bzw. optional erhältlich.

Motoren

Es kommen ausschließlich Turbo-Motoren zum Einsatz.

Benziner (TCE)
1,6 l mit 150 PS
1,6 l mit 200 PS (mit 7,6 Sek. von 0 auf 100 km/h der schnellste)

Diesel (DCI)
1,5 l mit 110 PS
1,6 l mit 130 PS
1,6 l mit 160 PS (Biturbo)

Lediglich der 110 PS kommt immer mit 6-Gang-Schaltgetriebe, alle anderen Motoren in Verbindung mit einem Doppelkupplungsgetriebe (serienmäßig oder nur optional beim 130 PS Diesel). 7 Gang für die Benziner, 6 Gang für die Diesel.

Der Antrieb erfolgt über die Vorderräder, wobei für die Lenkung die neue Allradlenkung optional verfügbar ist (siehe auch Espace oder Megane).

Fahrverhalten

Technisches Highlight ist also die auch beim neuen Renault Espace eingesetzte Allradlenkung 4Control, die bei langsamer Fahrt entgegen lenkt (maximal 3,5 Grad) und somit den Wendekreis verkleinert und bei schneller Fahrt parallel mitlenkt und somit das Fahrzeug stabiler hält. Im neuen Renault Megane GT ist uns die Allradlenkung extrem aufgefallen, da sie dieses kompakte Fahrzeug extrem wendig macht. Im Renault Talisman wird vor allen Dingen die Wendigkeit bei niedrigen Geschwindigkeiten erhöht, sehr praktisch ist das vor allem bei U-Turns usw. Da man den Renault Talisman als Mittelklasse-Limousine allerdings nicht so agil bewegt wie einen Renault Megane GT, ist die Allradlenkung für uns hier nicht das entscheidende Feature, d.h. man verliert nicht viel an Fahrqualität, wenn man sie nicht nimmt. Zudem harmoniert das System hier nicht so sehr mit der Komfortauslegung des Fahrzeugs. Während bei der Sportversion des Kompakten, Renault Megane GT, das straffere Fahrwerk, die explosive Beschleunigung und die ungewöhnlich hohe Agilität der Allradlenkung zusammen spielen, wirkt der Renault Talisman wie ein komfortables Auto, das dann noch eben, weil man die Technologie hatte, die Allradlenkung spendiert bekommen hat. Keine Frage, es ist ein tolles Feature, aber wie gesagt für den Talisman für uns kein Muss.

Generell harmonieren dagegen nämlich die bequemen Sitze, die deutlich weicher gepolstert sind als bei der Konkurrenz, mit dem soften Fahrwerk, das gar nicht auf Agilität, sondern komplett auf Komfort ausgelegt ist. Die Geräuschdämmung ist deutlich besser als beim Vorgänger Laguna, kann aber mit deutschen Konkurrenten noch nicht ganz mithalten.

Überzeugen kann das Doppelkupplungsgetriebe, das bei gemächlicher Fahrt die Übergänge fast verschwinden lässt. Beim Motor testen wir den Top-Diesel mit 160 PS, der durchschnittlich klingt und für das Fahrzeug genügend Durchzug liefert. Wer mehr Fahrspaß haben will, der müsste zum 200 PS Benziner greifen. Der Diesel ist dann eher der gemächliche Langstreckenmotor.

Vergleich zum VW Passat

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Wo sich ein Fahrzeug befindet, das kann man häufig sehr gut daran erkennen, wie es sich zum Klassenprimus verhält. Der Passat, hierzulande meistverkauftes Mittelklassefahrzeug, zeigt beim Exterieur eine deutlich konservativere Linie als der Renault Talisman. Der Talisman ist mit der großen C-LED-Spange eher verspielt und presst sich auch in der Seitenlinie hinunter, was spektakulärer aussieht, aber natürlich auch etwas den Platz reduziert. Von außen jedenfalls bietet der Renault Talisman das deutlich extrovertiertere Paket.

Innen kann man nicht mehr wie früher direkt sagen, dass der Passat nur hui und der Renault nur pfui ist, man muss die Qualitätsunterschiede durchaus suchen, und manches bleibt dann auch Geschmacksache. So wirken die straffer gepolsterten Sitze des Passat z.B. deutlich hochwertiger als die Sofa-Sitze im Intens-trim-level des Talisman. Doch für die Knochen unter der Haut kann der weichere Sitz deutlich angenehmer sein, da bleibt dann die Frage, was einem wichtiger ist. Die Tasten am Lenkrad sind zum Beispiel auch hochwertiger beim Passat, oder die Stabilität der Armlehne, wenn man sie hinaufklappt. Auch die digitale Darstellung des Cockpits wirkt beim Passat ausgereift und beim Talisman eher spielzeugmäßig.

Letztlich spielt aber vielmehr eine Rolle, welches Interieur einen spontan mehr anspricht. Grundsätzlich finden wir, der Passat wirkt deutlich ausgereifter, dem Renault Talisman dagegen merkt man an, dass es der erste Aufschlag einer neuen Generation ist. Aber es ist eine sehr gute Grundlage.

Der Passat ist 8 cm kürzer, trotzdem bietet er mehr Platz im Innenraum. So bleiben gut zwei Finger breit mehr Kniefreiheit im Fond und auch mehr Kopfraum. Auch der Kofferraum des Passat ist besser zu beladen, weil die Öffnung größer ist.

Man sieht: Der Renault Talisman hat einen Designfokus und nutzt den Platz nicht ganz so gut aus wie VW Passat oder Skoda Superb. Ähnlich ist das beim Mazda6, hier haben wir auch ein spektakuläres Design, das aber gleichzeitig ein wenig den Platz reduziert.

Fahrdynamisch ist der Volkswagen Passat dem Renault Talisman weitaus überlegen. Wer sportlich und schnell fahren möchte, der wird mit dem Passat glücklicher. Der Renault Talisman dagegen steht für die gemütliche Fahrt, wo Bodenwellen ausgeschwungen werden. Auch hier kann man nicht sagen, was besser oder schlechter ist, es kommt auf die Vorlieben der Käufer an.

Abmessungen Renault Talisman

Länge: 4,85 m
Breite: 1,87 m
Höhe: 1,46 m
Radstand: 2,81 m
Kofferraumvolumen: 608 – 1.022 l
Gewicht: 1.380 – 1.520 kg

Fazit: Mit dem neuen Renault Talisman ist Renault seit Jahrzehnten endlich wieder konkurrenzfähig im Mittelklasse-Segment. Der Einstiegspreis liegt zwar 3.000 Euro höher als bei der Konkurrenz, doch insgesamt wird man durch das Ausstattungsplus in realistischen Konfigurationen mehrere tausend Euro gegenüber den Mitbewerbern sparen. Renault bietet somit rein vom Listenpreis her mit das attraktivste Package in der Klasse. Das Exterieur ist extravagant und stilvoll zugleich, die Interieurqualität hat ordentlich zugelegt und wir finden moderne Bedienkonzepte. Der Komfort stimmt, lediglich auf Agilität sollte man keinen Wert legen – trotz möglicher Allradlenkung. Die Platzausnutzung könnte besser sein, dafür ist eben ein zu hoher Fokus auf dem Design. Insgesamt ein überzeugendes Auto, das mit VW Passat und Skoda Superb zwar nicht ganz mithalten kann, aber mit der restlichen Konkurrenz allemal.

Weitere Beitrag zum Renault Talisman bei…
1300ccm
Der-Autotester

Autogefühl: ***

Text & Fotos: Autogefühl, Thomas Majchrzak


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7 Responses to Renault Talisman Test & Vergleich VW Passat

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  3. André says:

    Das 4Control erstmals im neuen Espace verbaut wurde, ist leider falsch. Im bereits seit 2007 gebauten Laguna III ist das 4Control bei der GT-Ausstattung bereits Serie. Hierzu gab es bei der Vorstellung auch einen sehr schönen Test in dem der Laguna dem Porsche Boxster zeigt wie Agilität geht.

  4. Frank says:

    Ich bin über 20 Jahre nur die Marke VW gefahren und fahre seit knapp 2 Monaten den Talisman in der Version Initiale Paris und kann nur sagen, dass der Wagen absolut top fährt.

    Einen besseren Komfort hatte ich beim VW CC auch nicht und ein VW wäre in vergleichbarer Ausstattung fast 10.000 EUR teurer. Ausserdem habe ich bei Renault über 25 % Rabatt bekommen.

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