Neue Mercedes E-Klasse W213 (Autonomer) Fahrbericht

Die neue Mercedes E-Klasse sieht nicht danach aus, als würde sie viel Neues bringen. Tatsächlich bringt sie aber mehr neue Technologien als alle anderen Mercedes-Modelle der vergangenen Jahre. Wir haben uns verschiedene Ausstattungs-Varianten angesehen, haben uns autonom fahren und einparken lassen – und haben natürlich auch das Steuer selber in die Hand genommen. Von Thomas Majchrzak

Der Basispreis der neuen Mercedes E-Klasse mit der internen Bezeichnung W213 liegt bei 45.000 Euro (Limousine) mit einem Benziner mit 184 PS und Automatik. Zum Vergleich:

BMW 5er – 40.000 Euro mit Diesel 150 PS (manuell)
Audi A6 – 39.000 Euro mit Benziner 190 PS (manuell)

Die E-Klasse kommt zwar direkt mit Automatik, ist aber nach Liste schon ordentlich teurer. Den Preis kann man letztlich noch gut verdoppeln, wenn man eine stärkere Motorvariante nimmt und viel Ausstattung hineinpackt.





Exterieur

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Die neue Mercedes E-Klasse ist in der Front deutlich dezenter und schlanker geworden, sie folgt eher dem Design der kleineren C-Klasse. Zudem betont die Dropping Line auf Höhe der Türgriffe die neue gewünschte Sportlichkeit. Insgesamt ergibt sich ein deutlich agileres Bild, es soll Schluss sein mit der biederen E-Klasse. Vielmehr nähert sich der E dem kontemporären Mercedes-Designbild an. Halogen-Scheinwerfer sind Serie, optional gibt es LED, letztere sind auch auf den Fotos zu sehen.

Die neue Mercedes E-Klasse kommt auf ganze 4,92 m Länge, hat also in Radstand und Länge noch mal um 6 cm zugenommen. Durch den Einsatz von mehr Aluminium wird aber bis zu 100 kg Gewicht gegenüber dem Vorgänger eingespart.

Auffällig sind die zwei verschiedenen Kühlergrills: Einmal der traditionelle eingefasste Drei-Lamellen-Grill mit Stern on Top (Standard oder auch im optionalen Exclusive-Exterieur, hier am weißen Fahrzeug), und einmal der sportliche Zwei-Lamellen-Grill mit zentralem Stern (Avantgarde oder AMG Line Exterieur, Avantgarde auf den Fotos beim roten Fahrzeug). Die sportlichen Linien kann man nur bei genauem Hinsehen voneinander unterscheiden, die AMG Line ist vorne noch etwas aggressiver. Unser roter Testwagen trägt ferner das Night Paket mit schwarzen Spiegelkappen und einem schwarzen Rahmen um die Fenster.

Los geht es bei 16-Zoll-Felgen, hoch geht es bis 20 Zoll (größere Felgen inkludiert in den Exterieur-Paketen). Alle unsere Testfahrzeuge haben 18 Zoll montiert, ein guter Kompromiss zwischen Komfort und Look.

Interieur

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Nach erster Betrachtung des wohl designten Interieurs wird schnell klar, dass es die S-Klasse künftig schwer hat. Denn schon in der Standard-Ausstattung macht die E-Klasse nun deutlich mehr her, als man es von der letzten Taxi-Fahrt kennt.

Geschickt haben die Mercedes-Designer mögliche Kanten und Lücken versteckt, indem Teile des Interieurs etwas überlappen. In schwungvollen Formen wird die Sinnlichkeit des Interieurs betont. In unseren Testwagen finden wir offenporiges Echtholz, das sich toll und natürlich anfühlt. Natürlich kann man sich das Interieur auch sportlicher gestalten, etwa mit Alu oder Hochglanz-Schwarz in der AMG Line. Die Verarbeitung ist auf höchstem Niveau.

Serie sind Stoffsitze, für 600 Euro extra gibt es die Ledernachbildung Artico in Schwarz, die übrigens eben bei Taxifahrern wegen der Langlebigkeit beliebt ist. Weitere nennenswerte Serienausstattungselemente sind:

– keyless start (kein keyless entry)
– ein neuer eleganter Fahrzeugschlüssel
– Regensensor
– Vordersitze elektrisch einstellbar
– 2-Zonen-Klimaautomatik
– automatische Notbremse
– Multimedia-System Audio 20 (optional dann mit neuem 70 cm breiten HD-Monitor nach S-Klasse Vorbild)

Die Konfiguration des Innenraums zeichnet sich wie beim Exterieur auch durch verschiedene Paket-Linien aus, die sich im Prinzip wiederholen. Dabei kann man auch untereinander kombinieren, etwa Avantgarde außen und AMG Line innen. Die Pakete für Innen kosten 1.500 bis 2.500 Euro extra.

Im Avantgarde Interieur-Paket kann man sich ferner auch für Artico in Braun und Beige entscheiden. Dieses Paket enthält ferner eine andere Sitzform sowie verfeinerte Zierelemente. Für echte abgezogene Tierhaut muss man zum Glück noch mal extra etwas drauflegen, gut, dass Mercedes dies nicht sofort mit dem Avantgarde-Paket verbindet.

Anders sieht es beim Exclusive Interieur-Paket aus, dieses steht dann für den alten schweren Luxus.

Beim AMG Line Interieur findet man die beste Kombination vor, Mikrofaser Dinamica auf den Innenflächen der Sitze, Ledernachbildung Artico außen. Zudem bieten die Sitze mehr Seitenhalt. Auch Instrumententafel und Türinnenseiten sind hier mit Kunstleder bezogen, was das Interieur noch hochwertiger macht.

Unser Fazit: AMG Line und Avantgarde sind außen wie innen unsere Favoriten. Sie vermitteln eine moderne Eleganz.

Das Navi geht natürlich immer extra (Comand Online, plus 2.000 Euro). Wem Geräuschisolierung besonders wichtig ist, kann optional noch ein Akustik-Komfort-Paket mit Infrarot-absorbierender Folie bestellen.

Interessant wird es bei den Instrumenten. Standard sind analoge Instrumente für den Fahrer und ein kleinerer Infotainment-Bildschirm in der Mitte. Optional gibt es dann die große waagerechte Einheit mit digitalen Instrumenten und dem ebenso großen zentralen Screen. Eine technische Spielerei, die viele Möglichkeiten bietet. So ist es erstmals einem Hersteller gelungen, dass man vom Lenkrad aus, ohne die Hände vom Lenkrad zu nehmen, beide Screens gut bedienen kann. Das zentrale Bedienterminal in der Mittelkonsole ist bei Mercedes nicht sehr benutzerfreundlich, die Lenkradbedienung ist dagegen der Hit. Man kann per Drücken wählen und mit Daumenwischen nach rechts, links, oben oder unten gehen. Dazu gibt es für die rechte Bildschirmseite auf der rechten Daumenseite noch eine Home-Taste zum Anwählen des Menüs. Top! Auch eine Smartphone-Einbindung per Apple CarPlay oder MirrorLink ist möglich, allerdings ist es dann etwas kompliziert, zwischen diesem Menü und z.B. dem klassischen Navi hin und her zu schalten, dann nimmt man das Handy lieber wieder vom Kabel und verbindet es wieder über Bluetooth.

Vorne hat man in jedem Fall eine sehr komfortable Sitzposition, wie bei einer klassischen Limousine sitzt man traditionell relativ tief. Die Sitze sind in alle Richtungen einstellbar, in den höheren Ausstattungslinien geht natürlich alles elektrisch mit den attraktiven Verstellknöpfen am Innern der Fahrzeugtür. Ein großer Genuss ist die optionale Massagefunktion, die beste, die jemals in einem Auto verbaut wurde, noch besser als in der S-Klasse. Die Massage kann man auf erhöhte Intensität stellen, und wenn man dann z.B. Wave/Welle anwählt, dann wird man so richtig schön aktiviert, vom Popo bis zu den Schultern.

Die Kniefreiheit auf der Rückbank wurde im Vergleich zum Vorgänger verbessert, man kann auch mit sehr langen Beinen hinten ohne Probleme sitzen. Nur bei der Kopffreiheit wird es ab 1,90 m etwas knapp, wenn auch das Panorama-Dach verbaut ist. Ein Platzwunder ist die E-Klasse wahrlich nicht, das liegt an der Bauform. Auch der Kofferraum bleibt bauartbedingt eingeschränkt nutzbar, weil die Höhe fehlt. Hier müssen Liebhaber der Praktikabilität auf das T-Modell warten. Die rückwärtigen Sitze lassen sich vom Kofferraum aus entriegeln, umlegen muss man sie dann aber vom Fahrgastraum aus.

Motoren

Vorerst sind folgende Motoren verfügbar:

Benziner
E200 – 2.0 l R4 184 PS

Diesel
E220d – 2.0 l R4 194 PS
E350d – 3.0 l V6 258 PS

Alle mit 9G-Tronic (Wandler-Automatik).

Es folgen größere Benziner wie der E300 (rotes Fahrzeug auf den Fotos) und auch der Plugin-Hybrid, später auch noch PS-starke AMG-Modelle.

Fahrverhalten

Die neue Mercedes E-Klasse kommt direkt mit einem adaptiven Dämpfersystem. In der AMG Line und Avantgarde Line ist das Fahrwerk zudem 15 mm tiefer gelegt. Optional steht auch eine Luftfederung zur Verfügung, die wir auch testen. Es ist ein Genuss, mit der Luftfederung unterwegs zu sein. Man schwebt auf der Straße, aber in schnelleren Kurven hat man trotzdem genügend Fahrbahnkontakt. Für ganz sportliche Fahrer ist das nichts, das wäre dem Sportenthusiasten trotzdem etwas zu schwammig. Für den generellen Einsatzzweck der E-Klasse ist die Luftfederung aber eine perfekte Kombination.

Großen Wert hat Mercedes auch auf die Fahrassistenzsysteme gelegt. So kommt neben der bekannten Distronic Plus, dem adaptiven Tempomaten, nun auch optional der Drive Pilot hinzu, der automatisch auch dafür sorgt, dass man die Spur hält – oder auch per Spurwechselassistent die Spur wechselt. Ein weiterer Schritt Richtung Autonomes Fahren. Wir testen den Drive Pilot, der nun eine Weile erlaubt, die Hände komplett vom Lenkrad zu nehmen. Gedacht ist das so noch nicht, man soll eher die Hände lose am Lenkrad belassen. Aber möglich ist es. Wenn man die Hände ganz weg vom Lenkrad nimmt, beschwert sich das Auto irgendwann. Mercedes möchte hier noch nicht so weit wie Tesla gehen, solange die gesetzlichen Rahmenbedingungen noch nicht soweit sind. Perfekt ist der Drive Pilot für die Autobahn, hier ist dann Entspannung angesagt. Man muss einfach nichts mehr tun, solange das kleine Grüne Lenkradsymbol im Display scheint und man den Distronic-Hebel aktiviert hat. Auch der Spurwechsel auf der Autobahn erfolgt autonom, wenn man den Blinker gesetzt hat und die Bahn frei ist.

Auf Landstraße und Straße bringt der autonome Assistenz dagegen noch nicht ganz so viel, weil es nicht wie bei Tesla den Navi-Daten direkt folgen kann. Allerdings fühlt sich auf der Autobahn der Mercedes-Assistent etwas ruhiger und ausgereifter an. Eine perfekte Verbindung wäre also die Verbindung der autonomen Assistenten von Mercedes und Tesla.

Die E-Klasse selber fahren ist aber auch ein Komfort-Genuss, wir messen bei über 100 km/h nur knapp 70 dB an Lautstärke – so etwas messen wir in anderen (guten!) Autos bei knapp 50 km/h, unfassbar. Auch bei der Geräuschisolierung setzt Mercedes also neue Maßstäbe. Wir testen den 220d, der völlig ausreicht für das Fahrzeug, ein größerer Motor muss es gar nicht sein. Der Realverbrauch landet bei gut 6 Liter / 100 km. Wenn man möchte, geht es auch in 7,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h, genügend Durchzug ist also vorhanden. Nur beim Durchtreten des Gaspedals hört man etwas Dieselnageln, ansonsten ist auch der kleine Diesel sehr ruhig und fügt sich somit in das Gesamtkonzept des Fahrzeugs ein.

Ferner testen wir noch die Technologie des autonomen Einparkens und der NFC, Near Field Communication. Mit einer speziellen Vodafone-SIM-Karte und der gewählten Option – und dem passenden Handy mit NFC – kann man das Fahrzeug dann auch mit dem Handy öffnen, wenn man es an den Türgriff hält. Neu: Jetzt kann man das Auto damit auch starten.

Der Einparkassistent braucht bei der Hardware ein paar Voraussetzungen wie Automatik und den Parkpilot. Wichtig ist aber die passende App und die Freischaltung für die Option, die 250 Euro für drei Jahre kostet. Hier können wir auch sehen, wie die Autohersteller künftig Geld verdienen möchten. Der Assistent kann sowohl selber einparken (Lenkradbewegung und Gasgeben), wenn man im Auto sitzen bleibt (scannt dann auf Parklücken und parkt rückwärts oder vorwärts ein), oder aber auch wenn man aussteigt und in eine enge Parklücke dann das Auto per Handy hineinbugsiert. Dazu streicht man dann auf dem Handy in der App immer wieder im Kreis, bis der Vorgang beendet ist.

Abmessungen

Länge: 4,92 m
Breite: 1,85 m / 2,06 m (mit Außenspiegeln)
Höhe: 1,46 m
Radstand: 2,93 m
Leergewicht: 1.605 – 1.800 kg

Fazit: Die neue Mercedes E-Klasse ist zweifelsohne eines der besten Autos, die wir bisher getestet haben, sie setzt Maßstäbe. In der Limousinen-Version ist sie natürlich nicht gerade praktisch und auch der Preis schnellt schnell in die Höhe. Auch ist das Exterieur recht konservativ, doch die sportlichen Linien können das schnell aufpeppen. Das Interieur ist von höchster Qualität und es gibt ausreichend Möglichkeiten, den Innenraum auch ohne Echtleder sehr hochwertig zu gestalten. Die neuen Infotainment-Systeme sind vielleicht etwas over-engineered, aber sie kommen mit cleveren Lösungen und Integrationen. NFC und Einparkfunktion sind nette Features, aber natürlich nicht weltbewegend. Der Drive Pilot dagegen funktioniert tadellos und bietet eine perfekte Möglichkeit, auf langen Autobahnfahrten sich besser zu entspannen – gerade in Verbindung mit der weltbesten Sitzmassage. Die neue E-Klasse kann also in hoher Ausstattung mit Drive Pilot ein hochtechnisiertes Fahrzeug sein – aber auch in Basisversion mit analogem Tacho eine trotzdem führende Limousine in der oberen Mittelklasse.

Autogefühl: *****

Text: Autogefühl, Thomas Majchrzak
Fotos: Autogefühl, Michel Weigel




5 Responses to Neue Mercedes E-Klasse W213 (Autonomer) Fahrbericht

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