Range Rover Evoque Cabriolet Test Fahrbericht

Nur Deutschland, Großbritannien und Kalifornien gelten weltweit als Cabriomärkte, und der Segment-Anteil liegt hierzulande selbst nur bei knapp zwei Prozent, Tendenz rückläufig. In einer Zeit, in der man sich in der lauten anonymen City gerne in seine eigene Burg zurückzieht, blüht der Cabriomarkt von Herstellerseite plötzlich wieder auf. Mercedes führt nun fünf Cabrios im Portfolio, VW zeigte in Genf eine Kompakt-SUV-Cabrio-Studie und Land Rover hat bereits Tatsachen geschaffen: Mit dem neuen Range Rover Evoque Cabriolet. Und Schwupps sind schon 500 davon in Deutschland verkauft, ohne das Fahrzeug gefahren zu haben. Wir konnten das nun tun. Von Thomas Majchrzak

Mit dem Erscheinen des Range Rover Evoque Cabriolets wird die Versionspalette wieder neu geordnet. Einstiegs-Evoque ist der 5-Türer mit Frontantrieb und Pure-Ausstattung für 34.500 Euro, dann folgt das Coupé/3-Türer automatisch mit dem höheren Ausstattungslevel SE Dynamic für 42.600 Euro, die Spitze markiert das Cabrio ebenfalls mit mindestens SE Dynamic, allerdings immer mit Allrad und Automatik für 51.200 Euro.

Bereinigen wir den Preis, halten also einen 5-Türer mit Automatik, Allrad und SE Dynamic trim dagegen, kommen wir auf 46.750 Euro. Der reine Cabrio-Aufpreis beträgt also 4.450 Euro.




Exterieur

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Erstaunlich ist, dass das Range Rover Evoque Cabriolet die grundsätzlichen Elemente des Evoque gut beibehalten kann, die Cabriolinie stört also ganz und gar nicht. Die kompakten Abmessungen lassen ihn natürlich sehr bullig erscheinen, die aggressive Optik mit steilem Kühlergrill, ausgestellten Kotflügeln und sehr schmaler Fensterlinie wird durch das Cabrio eher verstärkt – sowohl im geschlossenen als auch im offenen Zustand. Da das Dach nicht stark ausgewölbt ist, wirkt das Cabrio geschlossen sogar noch flacher als das Coupé. Standard sind 18 Zoll Felgen. Unsere Fotos zeigen die Launch-Farbe Phoenix Orange, eine sehr ausdrucksvolle Gestaltung. Nur der Heckspoiler gefällt uns nicht so ganz, aber den muss man auch nicht zwingend nehmen.

Interieur

Der Range Rover Evoque bietet auch schon in der Basisausstattung interessante Materialien im Innenraum, etwa hochwertige Textiloberflächen an den Innenseiten der Türen und fürs gesamte Armaturenbrett. Leider gibt es das Cabriolet nur mit sehr hoher Ausstattung, vermutlich möchte man im Werk nicht allzu viele verschiedene Versionen bauen, das würde sich vielleicht nicht lohnen. Und man geht wohl davon aus, dass Cabrio-Käufer ohnehin viel Geld ins Auto investieren, so dass diese ohnehin einen höheren trim level wählen würden. Trotzdem könnte man als Kunde durchaus mal den Wunsch beim Händler nach einer günstigeren Ausstattung äußern, der Kunden sollte schließlich König sein.

Das schon höhere Niveau SE Dynamic enthält:

– InControl Touch Pro mit 10,2 Zoll Touchscreen
– 380 Watt Meridian Audiosystem mit 11 Lautsprechern
– 8-fach elektrisch verstellbare Sitze mit Bezug aus chemisch behandelter Kuh-Haut

Stoff-Sitze sind somit leider offiziell für das Cabrio nicht erhältlich.

Für 6.000 Aufpreis kommt das HSE Dynamic Niveau mit zusätzlich:

außen
– Außenspiegel – mit Memoryfunktion und automatisch herunterklappend im Rückwärtsgang
– Lufteinlässe in der Motorhaube in Schwarz
– Xenon-Scheinwerfer mit LED-Signatur und automatischer Leuchtweitenregulierung
– Nebelscheinwerfer vorne
– Beleuchtete Einstiegsleisten – Range Rover Schriftzug
– 19 Zoll Felgen (statt 18″) mit 7 Doppelspeichen, Sparkle Finish, Style 707

innen
– 12-fach elektrisch verstellbare Sitze aus Oxford-Leder für Fahrer und Beifahrer
– InControl Touch Pro Navigationssystem
– Konfigurierbare Ambiente-Innenraumbeleuchtung
– Einparkhilfe hinten

Insgesamt begeistert das Cockpit mit einer hohen Verarbeitungsqualität, in Audi-Manier findet man hier sogar Freude daran, die Knöpfe zu klicken und dem Geräusch zu lauschen. Auch eine Lenkradheizung ist optional erhältlich, somit steht dem winterlichen Cabriovergnügen nichts im Wege.

Vorne haben große Erwachsene ohne Probleme Platz, auch, wenn das Dach geschlossen ist. Der Fond hat dieselbe Kopffreiheit wie der 5-Türer, somit erzielt das Range Rover Evoque Cabriolet hier auch ein sehr gutes Ergebnis. Kopffreiheit satt, obwohl die Dachlinie von außen so flach ausschaut. Die Kniefreiheit gleicht der des 3-Türers, ist somit eher eingeschränkt. Hinter einem großen Fahrer kann damit dann nur noch jemand kleineres sitzen.

Der Kofferraum ist eine Art Ladeluke, bietet nicht mehr allzu viel Platz. Wenn man den allerdings mit anderen Cabrios vergleicht, bleibt er passabel. Zudem gibt es eine Ski-Durchreiche, und für den Urlaubstrip zu zweit kann man auch die Rückbank für eine Reisetasche nutzen.

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Motoren

Die Auswahl ist für das Cabrio eingeschränkter, es stehen nur die Top-Versionen mit Automatik und Allrad zur Verfügung.

Diesel
2.0 TD4 mit Automatikgetriebe (150PS)
Beschleunigung 0-100 km/h in 12,0 Sekunden
2.0 TD4 mit Automatikgetriebe (180PS)
Beschleunigung 0-100 km/h in 10,3 Sekunden

Benziner
2.0 Si4 mit Automatikgetriebe (240PS)
Beschleunigung 0-100 km/h in 8,6 Sekunden

Fahrverhalten

Der 150 PS Diesel reicht für Stadt und Landstraße völlig aus. Nur auf der Autobahn würde man sich etwas mehr Druck wünschen, das wäre dann bei der 180 PS Version gegeben. Als Durchschnittsverbrauch für den Diesel erzielen wir mit dem Evoque gut 7 Liter / 100 km. Der Handschalter-Version muss man nicht hinterher trauern, dass es für das Cabrio nur die ZF-9-Gang-Automatik gibt, ist angenehm. Die Automatik schaltet weich und zuverlässig.

Das Fahrwerk ist grundsätzlich, das war schon immer beim Evoque so, eher sportlich abgestimmt. Daher sollte man darauf achten, nicht noch optional die 20 Zoll Felgen zu nehmen, da diese den Komfort noch einschränken. Auf der anderen Seite des Komfortverlusts steht aber eine sehr sportliche Gangart. Und somit vereint das Range Rover Evoque Cabriolet Dinge, die unvereinbar scheinen. Sportlichkeit, Offenfahren, Allrad und Offroad, hohe Sitzposition – ein Tausendsassa. Und genau das macht den Reiz aus. Es ist einfach herrlich, mit einer übersichtlichen und aufrechten Sitzposition offen durch die Landschaft zu cruisen. Viele Cabriofahrer, die sonst nur sportliche offene Gefährten gewohnt sind, haben vielleicht genau auf dieses Konzept gewartet.

Erstaunlich ist ferner, dass man locker 100 km/h offen fahren kann, ohne dass es allzu zugig wird. Entgegen der Annahme hat das Range Rover Evoque Cabriolet hervorragende Windeigenschaften. Das großzügige Windschott und die vier Fenster wirken Wunder. Die Fenster kann man übrigens praktisch mit einer Aktivierungstaste auch zugleich bedienen.

Negativ fällt von hinten seitlich ein klapperndes Geräusch auf, wir konnten bis zuletzt nicht klären, woher das entstammt – vielleicht von den Abdeckungen des Verdecks? Hier müsste Land Rover noch einmal genau hinschauen. Ansonsten bleibt das Geräuschniveau niedrig – sowohl vom Diesel als auch allgemein im geschlossenen Zustand.

Als Sahnehäubchen bewegen wir das Evoque Cabrio noch offroad. Und das ist eine ganz neue Erfahrung. Hier offenbaren sich weitere Stärken. Anstiege sind mit dem Allradantrieb gar kein Problem, und die größere Bodenfreiheit ermöglicht das Cabriofahren selbst auf unwegsamen Straßen, wo der ein oder andere Porsche stehen bleiben müsste. Wenn es ganz steil bergab geht, bietet der Evoque auch als Cabrio die Bergabfahrhilfe an, die wohl zu den besten Systemen auf dem Markt zählt. Denn man kann sie ganz einfach über die Tempomat-Tasten am Lenkrad in der Geschwindigkeit verändern, z.B. auf eine minimale Geschwindigkeit zum langsamen Herunterkriechen eines Hanges.

Abmessungen

Länge: 4,36 m
Breite: 1,97 m
Höhe: 1,61 m
Leergewicht: 1.543 – 1.674 kg

Fazit: Das Range Rover Evoque Cabriolet erweitert ein tot geglaubtes Segment mit einem mutigen Schritt, die Verbindung von SUV-Komfort und erhöhter Sitzposition und Offenfahrvergnügen. Dabei bleibt das Äußere spektakulär und der Innenraum sehr hochwertig. Schade nur, dass es das Evoque Cabrio nicht auch günstiger in einer Einstiegsvariante gibt wie den 5-Türer. Generell geht das Konzept aber voll auf: Wer auf wirklich allen Straßen offen fahren möchte, für den gibt es jetzt _das_ Auto. Schöner kann das Genießen der Natur im Auto nicht sein. Und das sehen wohl schon einige Kunden so. Land Rover wird die ursprünglich angedachte Produktionskapazität für das Cabrio wohl erweitern müssen.

Autogefühl: *****

Text: Autogefühl, Thomas Majchrzak
Fotos & Kamera (Video): Autogefühl, Michel Weigel

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