Neuer Kia Optima Test Fahrbericht

Der Kia Optima wird hierzulande wenig beachtet, zu Unrecht. Die Mittelklasse-Limousine kommt mit einem auffälligen Styling und viel Serienausstattung zu einem Kampfpreis. Kann die neue Generation nun zum Durchstarten verhelfen? Von Thomas Majchrzak

Wie schon beim Kia Sportage setzt Kia auf kürzere Produktionszyklen als die Konkurrenz. Auch die Vorgänger-Generation des Kia Optima war nur fünf Jahre auf dem Markt (2010-2015), normal sind derzeit noch sieben bis acht Jahre – aber das ändert sich, wie man sieht. Die neue Generation teilt sich wieder die Plattform mit dem Hyundai Sonata, der in Deutschland nicht verkauft wird. Da es vom Sonata allerdings bereits eine Hybrid-Variante gab, gibt es diese auch für den Optima, allerdings in Europa/Deutschland verspätet. Ferner kommt nun auch eine Kombi-Variante namens Sportswagon.

Los geht es mit dem Kia Optima als Limousine bei 25.000 Euro. Hoch geht es bis 36.000 Euro für den stärksten Diesel mit höchster Ausstattung. Damit liegt man preislich ähnlich wie die Konkurrenz, etwa dem Mazda6, dem VW Passat oder dem Skoda Octavia. Allerdings hat der Kia Optima für denselben Preis stets viel mehr Ausstattung inklusive.





Exterieur

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Der Kia Optima war schon in der Vorgänger-Version richtig schick designed, in der neuen Generation hat er noch mal an optischer Breite zugelegt. Dafür sorgen die schmalen horizontalen Scheinwerfer, die mit dem neuen Tigernasen-Kühlergrill eine Linie bilden. Auffällig sind die verchromten Fake-Luftauslässe an den Seiten oberhalb der vorderen Radhäuser sowie die Chromleiste oberhalb der Fenster, die keinen kompletten Rahmen mit der unteren Fensterlinie bildet, sondern dafür weiter als gewöhnlich Richtung Heck geführt ist – ein interessantes Detail. Unser Testfahrzeug in der Top-Ausstattungsvariante Spirit zeigt 18 Zoll Felgen mit Bicolor-Design. Auch die Heckleuchten sind nun weiter in die Breite gezogen. Ab dem Ausstattungsniveau Spirit sind diese in Voll-LED. Insgesamt zeigt der neue Kia Optima einen klassisch-eleganten und zugleich sportlichen Auftritt.

Interieur

Der Innenraum wurde im Kia Optima komplett neu aufgelegt. Auf den ersten Blick erinnert er etwas an BMW – etwa die senkrechten Versteller für die Lüftungsdüsen und die zwei Einheiten für Sound-System und Klimaeinheit, die noch vorwiegend per Knopf bedient werden. Denn nicht alle Knöpfe sind ins Infotainment-System gewandert, und die Knopfleisten sind horizontal angeordnet. Hier orientiert man sich an eher konservativen Nutzern. Design-mäßig mag das zwar nachteilig sein, aber es fällt direkt auf, dass alle Schalter und Knöpfe sehr intuitiv angeordnet sind, relativ groß daherkommen und somit insgesamt sehr einfach zu bedienen sind. Zudem finden wir eine sehr hohe Verarbeitungsqualität, das überzeugt! Der Infotainment-Screen ist nicht tief eingefasst, es soll eher der Effekt eines insgesamt flachen Armaturenbretts entstehen. Die Reaktionszeiten des Systems sind extrem kurz, man kann sich also schnell durchs Menü tippen. Außerdem ist auch hier die Menüführung angenehm intuitiv. Optional (bzw. je nach Ausstattungsvariante) kann man sein Smartphone auch induktiv laden. Angenehm ist auch wieder, dass man sich ein beheizbares Lenkrad bestellen kann (bzw. Serie ab Ausstattungsniveau Vision).

Beim Thema Sitzbezüge verhält sich Kia vorwiegend zeitgemäß, Stoffsitze sind Standard, optional gibt es die Kombination Stoff/Kunstleder. Letztere ist auch bei unserem Testwagen im Niveau Spirit zu sehen. Nur auf Wunsch kann man sich dann noch echte chemisch prozessierte Tierhaut bestellen, wobei auch hier mit Kunstleder gemischt wird.

Unser Testwagen kommt in der höheren Ausstattung Spirit. Allerdings verfolgt Kia die Strategie, dass selbst in den Basisversionen bereits viele Ausstattungshighlights enthalten sind. Hier die Übersicht über die trims:

Edition 7
– 16-Zoll-Felgen
– Stoffsitze
– 6 Lautsprecher
– Navi
– Klimaanlage
– Rückfahrkamera
– Außenspiegel beheizbar, elektrisch einstellbar 
und elektrisch anklappbar
– Bluetooth®-Freisprecheinrichtung

Eigentlich kann man hier schon was: Was will man noch mehr?

Vision (zusätzlich; 2.700 Euro extra)
– 17-Zoll-Felgen
– Kühlergrill in Metallglanz
– Stoffsitze
– Klimaautomatik, Zwei-Zonen
– Lenkrad beheizbar
– Parksensoren vorn und hinten
– Sitzheizung vorn
– Solarverglasung
– Verkehrszeichenerkennung
– Wasserabweisende Seitenscheiben vorn

Spirit (zusätzlich; weitere 4.000 Euro extra)
– 18-Zoll-Felgen
– Bi-Xenonscheinwerfer mit automatischer Leuchtweitenregulierung
– Dynamisches Kurvenlicht
– Fahrersitz 8-fach elektrisch einstellbar
– mit 4-fach elektrisch einstellbarer Lendenwirbelstütze und Memory-Funktion für Sitz- und Außenspiegeleinstellung
– Harman/Kardon Premium-Soundsystem mit
– 10 Lautsprechern inklusive Subwoofer und externem Verstärker
– größeres Infotainment-System
– Sitze mit Mix Stoff/Kunstleder

Für Fahrer und Beifahrer ergibt sich sofort beim Einsteigen das Gefühl von viel Platz. Dafür sorgen die bequemen und optisch attraktiven Sitze sowie das zurückgenommene Cockpit, das nicht aufdringlich sein möchte. Große Ablagefächer stärken den Eindruck. Noch überraschender ist das Ergebnis im Fond, hier gibt es massig Beinfreiheit, selbst mit 1,90 m hat man noch eine Handlänge Platz vor den Knien, selbst, wenn vorne ein großer Fahrer pilotiert. Die Kopffreiheit ist auch noch so gerade gegeben, insgesamt ein gutes Ergebnis. Wer da noch mehr möchte, sollte dann auf den Sportswagon zurückgreifen. Letzterer hat dann auch ein intelligenteres Ladekonzept, denn in der Limousine kann man die Rücksitze nur im Kofferraum entriegeln und muss sie dann vom Fond aus umklappen. Und dann bleibt nur eine eingeschränkte Öffnung. Dafür ist aber der Kofferraum für eine normale Limousine gut zugänglich und riesig.

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Motoren

Benziner
2.0 CVVL (6-Gang) mit 163 PS
Interessant ist, dass hier tatsächlich noch ein Sauger zum Einsatz kommt, was ja gar nicht verkehrt ist.

In den USA werden weitere Motoren angeboten, ein 1.6 Liter Turbo mit 180 PS, ein 2.0 Liter Turbo mit 245 PS und ein 2.4 Liter Sauger-Benziner mit 180 PS.

Diesel
1.7 CRDi (6-Gang oder 7-Gang-DCT) mit 141 PS

Die Automatik braucht eine Sekunde länger von 0-100 km/h (11 Sekunden), weil ein Schaltvorgang mehr eingeplant ist.
Man setzt bewusst nicht auf kräftige V6-Motoren, wie sie für die deutsche Premium-Konkurrenz erhältlich sind. Damit konzentriert sich Kia auf den Flottenmarkt, der eher die wirtschaftlicheren Motoren bevorzugt. Und man muss hier auch wirklich nicht die unzeitgemäßen Motorisierungen widerspiegeln.

Fahrverhalten

Wir fahren den 1.7 Liter Diesel mit manueller Schaltung. Eine Besonderheit beim Diesel ist, dass hier in der Kombination eine neue Art elektronischer Servolenkung zum Einsatz kommt, die die Befehle besonders direkt auf die Straße leitet. Zusammen damit, dass die Karosserie um 50 Prozent steifer geworden ist, ergibt sich ein neues, deutlich sportlicheres Fahrverhalten im neuen Optima. Ferner hat Kia an der Schalldämmung gearbeitet, so dass der Geräuschkomfort nun auch bei höheren Geschwindigkeiten besser geworden ist.

Der Diesel gibt kein lautes Nageln von sich und ist von der Leistung gut auf das Fahrzeug zugeschnitten. 10 Sekunden dauert der Sprint von 0 auf 100 km/h. Die Schaltvorgänge gestalten sich geschmeidig, insofern vermisst man auch nicht die Automatik. Einen guten Grund dafür gibt es aber: Der autonome Bremsassistent ist ab der Ausstattung Spirit verfügbar, und auch nur in Verbindung mit dem optionalen Doppelkupplungsgetriebe. Den AEB würden wir uns für alle Motorisierungen ab Basis-Ausstattung wünschen.

Das Fahrwerk ist grundsätzlich eher soft ausgelegt, nicht zu weich, aber doch deutlich in Richtung Komfort, ähnlich wie beim Mazda6. Die deutschen Konkurrenten gehen da eher in eine noch sportlichere Richtung, es kommt hier darauf an, was man eher möchte.

Abmessungen

Länge: 4,85 m
Breite: 1,86 m
Höhe: 1,46 m
Radstand: 2,80 m
Gewicht: 1.530 – 1.720 kg

Fazit: Der neue Kia Optima führt das Konzept der Vorgängergeneration verfeinert fort: Ein edles Ambiente außen und innen, das eher schon Premium-Feeling aufkommen lässt, und das zu einem günstigen Preis. Denn hier ist stets schon mehr Ausstattung enthalten als bei der Konkurrenz. Auch wenn es langweilig ist, das in jedem Kia-Fahrbericht zu erwähnen, so sollte jedoch immer darauf hingewiesen werden, dass Kia 7 Jahre Garantie bietet – während deutsche Premium-Hersteller gerade einmal 2 Jahre geben. Das ist selbstbewusst und natürlich für den Kunden auch kalkulierbar, auch wenn es nicht das Standard 2- oder 3-Jahres-Leasing wird. Der Kia Optima ist somit einer der meist unterschätzten Business-Liomusinen in der Mittelklasse, der nun auch als Kombi erhältlich sein wird.

Autogefühl: ***

Text & Fotos: Autogefühl, Thomas Majchrzak

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3 Responses to Neuer Kia Optima Test Fahrbericht

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