Skoda Superb Assistenzsysteme im Test

2,5 Millionen Verkehrsunfälle alleine in 2015, darunter 306.000 mit Personenschaden und etwa 3.500 Tote, das ist die Bilanz der Verkehrsunfälle in Deutschland. Trotz sinkender Zahlen ist diese Summe noch deutlich zu hoch, denn schon ein Verunglückter ist zu viel. Hauptgrund ist laut dem Statistischen Bundesamt in Fällen mit Personenschaden weiterhin überhöhte Geschwindigkeit. Aber auch Alkohol, zu geringer Abstand zum Vordermann, falsches Abbiegen sowie Nichtbeachten der Vorfahrtsregeln fehlen unter den Top 5 nicht. Und viele haben sicher schon die Situation erlebt, dass plötzlich ein schneller Sportwagen im Toten Winkel aufgetaucht ist. Wir wollten wissen, zu was aktuelle Sicherheitssysteme in der Lage sind und haben uns dazu ein Erfolgsmodell aus dem letzten Jahr ausgesucht: den Skoda Superb. Dazu beraten wir, welche Assistenzsysteme ein Muss sind, und auf welche man eher verzichten kann. Von Michel Weigel




Parklenksystem

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Das erste System nennt sich Parklenksystem. Wie der Name schon verrät, hilft es dem Fahrer beim Einparken, entweder längs oder quer, je nachdem, in welcher Ausgangssituation man sich befindet. Sucht man einen Parkplatz, so aktiviert man rechts vom Schaltknauf die Parktaste „P“, woraufhin Sensoren das gesamte Umfeld für eine Parklücke untersuchen. Hat der Bordcomputer einen optimalen Platz gefunden, so informiert er den Fahrer über den Instrumentenbildschirm, wie er weiter zu verfahren hat. Grüne Pfeile geben Auskunft darüber, ob der Fahrer nun geradeaus fahren soll oder doch in den Rückwärtsgang steigen soll. Die Lenkarbeit übernimmt das System selber, der Fahrer muss nur darauf achten, dass er möglichst langsam – Schrittgeschwindigkeit – fährt und selbstständig bremst. Akustische und optische Signale warnen vor dem Auffahren eines parkenden Fahrzeuges.

In der Theorie scheint dieses System einwandfrei zu funktionieren, jedoch ist dies praktisch nicht immer der Fall. Damit der Computer eine passende Parklücke findet, muss das Fahrzeug einen Abstand von etwa einem Meter zu den Parkbuchsen halten, ansonsten reagiert der Assistent nicht. Ebenfalls bestehen Zweifel, wo der Parklenkassistent einen hinleitet, wenn zwei Parklücken nebeneinander frei sind. Erfahrungsgemäß würde das Fahrzeug sich genau mittig zwischen den beiden Buchsen platzieren. Des Weiteren kann es immer wieder vorkommen, dass eigentlich ausreichende Parklücken erst beim zweiten oder dritten Mal Vorbeifahren als solche erkannt werden. In Anbetracht zur allgemeinen Gemütslage der Verkehrsteilnehmer würde man durchaus rapide ein Hup-Konzert erleben oder andere Fahrzeugbesitzer rasen an einem ohne Vorsicht vorbei.

Nach dem Einparken folgt schlussendlich das Ausparken. Hier kann das System ebenfalls die Lenkarbeit übernehmen. Der Ausparkassistent beobachtet konstant den Verkehr und warnt den Fahrer akustisch und optisch über den zentralen Bildschirm vor Kollisionen mit dem Gegen- und Querverkehr. Sollte der Fahrer nicht frühzeitig reagieren, so bremst der Assistent autonom.

Toter-Winkel-Warner

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Beim Ausparken werden die Sensoren des Spurwechselassistenten oder wie Skoda es nennt „Blind Sport Detection“, verwendet. Dieses Feature macht den Toten Winkel sichtbar: In den Seitenspiegeln leuchten gelbe Lampen auf, sobald sich ein anderer Verkehrsteilnehmer im Toten Winkel befindet. Neben dieser optischen Warnung ertönt im Ernstfall auch ein Warnsignal.

Dieses System ist durchaus ein Muss für jeden Käufer, denn wer kennt es nicht, man möchte den Vordermann überholen, doch man hat ein mulmiges Gefühl, da man sich fragt, wo das Fahrzeug hinter einem geblieben ist. Mehr als 13.000 Schadensfälle mit Personen könnten damit drastisch reduziert werden, daher sollte der Tote-Winkel-Assistent serienmäßig bei jedem Neuwagen mit an Bord sein. Denn zum derzeitigen Zeitpunkt werden diese Systeme, unabhängig vom Hersteller, nur gegen Aufpreis angeboten.

Fahrwerkskontrolle

Als nächstes gäbe es dann noch die Driving Chassis Control bzw. Fahrwerkskontrolle. Mit Hilfe dieses Systems verändert sich das Fahrwerk je nach der Oberfläche und soll damit maximale Kontrolle erwirken. Man kann auch selber solch eine Einstellung vornehmen, dazu bietet der Superb die Presets Komfort, Sport und Eco an. Unter dem Reiter „Individual“ kann sich der Fahrer das Fahrwerk auf seine eigenen Wünsche anpassen. In vielen Fahrzeugen merkt man einen deutlichen Unterschied, wenn man von Komfort zu Sport wechselt, so wird im Sport-Modus das Fahrwerk deutlich härter und zugleich weniger bequem. Im Superb unterscheiden sich die beiden Modi in puncto Fahrwerk nur geringfügig. Natürlich geht im Sport-Modus der Drehzahlmesser weiter nach oben und dazu beschleunigt das Fahrzeug schneller, nichtsdestotrotz bleibt das Fahrwerk beinahe konstant, daher muss man sich fragen, ob dieses Feature wirklich seinen Aufpreis wert ist.

Adaptive Cruise Control

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Autonomes Anfahren, Abbremsen, Tempomat, optimalen Abstand halten oder auch kurz gesagt Active Cruise Control mit Stauassistenten. Alle genannten Funktionen kann die ACC vollkommen selbständig ausführen. Durch einfaches Drücken des Hebels wird die Geschwindigkeit gesetzt, durch das Bedienen eines kleinen Hebels setzt man den Abstand. Dieser lässt sich in mehreren Stufen bzw. Sekunden unterteilen. Nun kann es sein, dass der Vordermann langsamer ist als man selbst, in diesem Fall bremst das Fahrzeug automatisch ab, hält dabei aber die festgelegte Distanz. Sollte der andere Verkehrsteilnehmer abbiegen oder die Spur wechseln, so beschleunigt der Superb auf die festgesetzte Geschwindigkeit. Aber Vorsicht: Sobald der Fahrer selbstständig die Bremse betätigt oder das Fahrzeug länger als 5 Sekunden steht, schaltet sich die ACC aus. Schlussendlich muss man sagen, dass die ACC das Fahrerlebnis bequemer und weniger anstrengend macht, vor allem wenn man im Stau festsitzt, ist es angenehm, dass das Fahrzeug selbstständig anfährt. Zudem gibt es Situationen, in denen man z.B. aufs Navigationssystem schaut oder durchs Telefonieren abgelenkt ist, dann hilft die eingeschaltete ACC auch, vielleicht die entscheidende Sekunde früher zu reagieren.

Spurhalteassistent

Ein weiteres nettes Feature stellt der Spurhalteassistent dar, welcher kurzfristig die Lenkung übernehmen kann. Akustische Warnsignale ertönen, wenn der Fahrer das Lenkrad zu lange nicht berührt hat. Resultat: Zuerst beginnt das Fahrzeug ein wenig zu segeln, d.h. es bewegt sich leicht von links nach rechts, um dem weiteren Verkehr zu suggerieren, dass etwas nicht stimmt. Wenn weiterhin nichts geschieht, bremst das Fahrzeug in kurzen Intervallen mit zunehmender Stärke ab, bis schlussendlich die City-Notbremsfunktion aktiv wird und damit das Fahrzeug zum völligen Stillstand gebracht wird.

Elektronische Handbremse betätigen?

Das ist schon einmal ein ganz wichtiger Punkt, wenn man als alleinige Person im Fahrzeug z.B. ohnmächtig wird, doch was könnte ein Beifahrer in diesem Fall unternehmen? Im Gegensatz zur allgemeinen Vermutung verfügt die elektronische Handbremse über eine Notbremsfunktion. Einfach so fest und lange wie es geht den Hebel ziehen und schon wird das Fahrzeug gebremst. Daraufhin werden die Warnleuchten automatisch aktiviert. Eine durchaus gute Lösung, die sehr zuverlässig und konsequent arbeitet, jedoch kann diese Funktion unter Umständen schnell zu Missbrauch führen. Ein Kind könnte das über die elektronische Parkbremse z.B. einfacher tun als mit einer manuellen Handbremse.

Generell sei anzumerken, dass nicht nur Skoda über diese Systeme verfügt. Alle genannten Hilfen werden ebenfalls in allen weiteren Volkswagen Marken (meist nur optional) ggf. unter anderen Bezeichnungen eingesetzt. Ebenfalls besitzen alle weiteren Hersteller Sicherheitssysteme, die den Funktionen des VW Konzerns weitgehend gleichgestellt sind, jedoch aufgrund von Markenschutz einen anderen Namen erhalten und vielleicht mit anderen Messtechniken arbeiten.

Fazit

Zum derzeitigen Stand der Dinge sind die verfügbaren Sicherheitssysteme ein Schritt in die richtige Richtung. Nur sollten in naher Zukunft viele Sicherheits-Features serienmäßig erhältlich sein, vor allem bemängeln wir dies beim Toten-Winkel-Assistenten. Am allerwichtigsten ist jedoch, dass die Automatische Notbremsfunktion (AEB) in allen Fahrzeugen serienmäßig wird.

Auf Optionen wie dem Parkassistenten kann durchaus verzichtet werden, aber es ist auch kein Nachteil, wenn man es hat. Schlussendlich bleibt eine kleine Verunsicherung bei der Fahrwerkskontrolle, da der Unterschied im Skoda Superb zwischen den Modi so geringfügig ist, dass es sich eher weniger rentiert, einen Aufpreis zu zahlen. Dafür ist das normale Fahrwerk des Skoda Superb auch schon gut genug. Für Leute, die häufiger lange Strecken hinter sich bringen müssen, stellt die ACC mit Stauassistenten durchaus eine sinnvolle Option dar.

Text/Foto/Video: Autogefühl, Michel Weigel
Report (Video): Autogefühl, Holger Majchrzak

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