McLaren 570GT Fahrbericht und Vergleich 540C & 570S

Satte 570 PS, gerade einmal 3,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h und einfach nur Aufmerksamkeit erregend – der neue McLaren 570GT. Für gut 195.000 Euro ist der Brite verfügbar, doch worin spiegelt sich der Preis wieder und wie macht sich die Leistung im Alltag? Denn der 570 GT ist der erste McLaren mit „Kofferraum“. Unser ausführlicher Testbericht verrät mehr, auch die Unterschiede zu den weiteren Modellen der Sports Series, 540C und 570S. Von Thomas Majchrzak

Mit der neuen Sports Series hat McLaren sein Produktsortiment erweitert, um mehr Kunden anzuwerben. Die Fahrzeuge dieser Serie sind die – für McLaren-Verhältnisse – alltagstauglichsten Modelle, die nicht alleine für die Rundstrecke ausgerichtet sein sollen. Trotzdem fehlen diesen Modellen natürlich nicht die McLaren typischen Racing-Merkmale, der V8-Biturbo ist zum Beispiel bei allen Modellen grundsätzlich gleich, ist nur in verschiedenen PS-Abstufungen ausgelegt. Die kräftigeren und teureren Modelle haben dann noch hochwertigere Komponenten im Motor, um den ggf. noch höheren Belastungen besser Stand zu halten.

Der günstigste und dem Namen zufolge auch mit der “geringsten” Leistung aus der Sport Series ist der 540C mit 160.000 Euro, darauf folgt der 570S mit 182.000 Euro und zum Schluss der schon angesprochene 570GT.




Exterieur

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Die Front des McLaren 570GT neigt sich flach in Richtung Asphalt. Generell ist die Front eher rund gehalten. Die gesamte Sports-Series ist in den Detail-Elementen aber etwas schärfer und moderner gezeichnet als die bisherigen McLaren-Modelle bzw. die Modelle der Super und Ultimate Series. Im Seitenprofil erkennt man die großen Lufteinlässe für den Mittelmotor, die als Signatur für die Sports Series ein Federblatt formen. Die überaus kräftigen Schultern leiten über zu den Heckleuchten. Das Heck fängt mit der runden LED-Signatur die Scheinwerfer von der Front designtechnisch ein. Im Allgemeinen hat es McLaren geschafft, runde Elemente, die eher für Eleganz stehen, aggressiv und brutal wirken zu lassen. Dies ist auch der Serien-Stil.

Zur Grundausstattung und unabhängig vom Serienmodell kommen alle Modelle mit einer Karosserie mit integrierter Aerodynamik (also ohne ausfahrbaren Spoiler), 19 Zoll Felgen in der Front und 20 Zoll am Heck und voller LED Ausstattung. Beim 570S kommt noch ein modifizierter Frontsplitter und beim 570GT ein vergrößerter Heckspoiler hinzu. Der 570GT hat zudem eine etwas abgeänderte Dachlinie, um Platz für McLarens ersten Kofferraum zu schaffen.

Vergleicht man 540C, 570S und 570GT, so sieht man in der Einstiegsversion 540C kein Karbon an Frontsplitter, Diffusor und Seiten-Inlet. Zudem verfügt der 540C serienmäßig nicht über Keramik-Bremsen. Den 570GT erkennt man an der durchgehenden Dachlinie für den Kofferraum. Das ist zwar praktischer, aber hindert gleichzeitig auch die letzte Sichtmöglichkeit auf den Motor. Zudem ist der 570GT eleganter gestyled, indem das Inlet der seitlichen Feder-Öffnung in Wagenfarbe gehalten ist. Der 570S ist dagegen vorne, seitlich und hinten mit Karbon versehen und kommt auch direkt mit Keramik-Bremsen.

Interieur

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Wie schon das Äußere, ist auch das Innere der Sports Series Fahrzeuge nahezu gleich. Doch Schritt für Schritt. Traditionell lassen sich auch in der Sport Series die Türen vertikal öffnen, beim 570GT kann außerdem die Glasheckklappe seitlich geöffnet werden. Das sorgt immer wieder für einen Hingucker. So vergrößert sich der Stauraum von allein 150 l vorne auf insgesamt 370 l. Vorher konnte man zwar auch etwas auf die Ablage legen, allerdings nur, wenn man den Sitz nach vorne geklappt hat.

Im Testfahrzeug sind die Sitze mit Tierhaut bezogen, am Alcantara-Himmel erkennt man allerdings, dass McLaren auch ein gutes Angebot an Alcantara-Varianten bietet. Gerade für einen waschechten Sportwagen wären Mikrofaser-Sportsitze gegeben. Das so genannte Touring Deck, also der Teil, welcher sich unterhalb der Glasheckscheibe verbirgt, ist ebenfalls mit Tierhaut versehen.

Das 7 Zoll große Infotainmentsystem und eine Satellitennavigation sind serienmäßig dabei. Sie erfüllen die Basisfunktionen wie Navi und Bluetooth-Verbindung, ohne groß aufzufallen. Im Infotainment ist McLaren sicher noch nicht Spitze. Acht Lautsprecher gibt es von Haus aus. optional steht ein kräftigeres Bowers & Wilkins Soundsystem zur Verfügung. Ebenso verfügt die Sport Series von Haus über eine W-LAN und Tethering Unterstützung für alle Modelle.

Optional kann man sich seinen Innenraum entweder mit einem Luxus- oder Sport-Design ausstatten. Für die optionalen Sportsitze stehen dem Käufer einmal die normalen und andererseits größeren Sitze zur Verfügung, wovon größere Menschen profitieren werden. Grundsätzlich ist der Einstieg in einen Supersportwagen natürlich nicht ganz mühelos, aber die Sports Series Fahrzeuge ermöglichen durch das modifizierte Monocoque einen leichteren Einstieg. Der äußere Rahmen ist nämlich etwas schmaler und hat eine tiefere Ausbuchtung zum Einstieg. Die Sitze an sich sind für einen Supersportwagen durchaus bequem, lange Fahrten sorgen nicht sofort für Rückenschmerzen.

Zentraler Interieur-Aspekt des McLaren 570GT ist das Panorama-Glasdach, das zusammen mit der zweiten Glasscheibe im Heck für mehr Licht im Innenraum sorgt – bei praller Sonne aber auch für mehr Hitze.

Motoren

Der 570GT besitzt denselben Motor wie der 570S:

3.8 l, V8 Doppelturbo
570 PS
7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
3,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h

Im Vergleich zum 570S ist der 570GT in Sachen Beschleunigung 0,2 Sekunden langsamer. Grund hierfür scheint zum einen das Gewicht zu sein, welches mit 1.350 kg gut 37 kg höher liegt als beim 570S. Zum anderen sorgt die Dachlinie für einen anderen Strömungswiderstand.

Mit 540 PS und 3,5 Sekunden stellt der 540C das „Schlusslicht“ der neuen Sport Series dar, was auch keine Überraschung ist, da dieser bei 160.000 Euro beginnt und im Vergleich zum Topmodell 35.000 Euro günstiger ist. Im Grunde genommen ist das der McLaren mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis.

Laut Hersteller soll bei allen drei Modellen der kombinierte Verbrauch bei 10,7 l/100 km liegen, um jedoch einen realistischen Verbrauch zu simulieren sollte man zwei bis vier Liter addieren. Nichtsdestotrotz wird sich ein McLaren Besitzer wohl kaum Sorgen um den hohen Spritverbrauch machen.

Fahrverhalten

Die wenigsten McLaren-Kunden gehen mit ihrem teuren Sammlerstück auf die Nordschleife, muss man schließlich auch nicht. Umso wichtiger ist es, dass McLaren dies erkannt hat und die neuen Modelle auch Richtung Komfort besser ausrichtet. Der 540C kommt mit der Aktiven Dämpfung C, der 570S mit der Aktiven Dämpfung S und hochgestuftem Standardauspuff und für den 570GT wird eine eigene GT Dämpfung parat gestellt. Grob gesehen wird die Dämpfung und somit der Komfort von Modell zu Modell verbessert.

Und das merken wir auch direkt. Der McLaren 570GT ist der beste McLaren für den Alltag. Er beschwert sich nicht bei Bodenwellen oder Schlaglöchern, sondern kommt hier einem Fahrkomfort aus einem Audi R8 sehr nahe. Im normalen Touring-Modus kann man den 570GT so gut und angenehm fahren wie keinen McLaren zuvor. Sogar noch der 12C verhielt sich deutlich aggressiver, allein schon, wenn man die Bremse löste. Ein 570GT schießt nicht sofort im Standgas los, sondern lässt sich trotz der geballten Power behutsam dirigieren. Das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe schaltet nahtlos hoch und bleibt bei ruhiger Fahrt in den höheren Gängen, so muss man auch nicht immer die Nachbarschaft aufwecken.

An Assistenzsystemen & Co. stehen das so genannte Nose Lift und eine Rückfahrkamera zur Verfügung. Der Nose Lift ist praktisch, weil man damit das Fahrwerk an Tiefgaragenrampen etwas hochlegen kann, damit man vorne nicht aufsetzt. Die Rückfahrkamera ist anzuraten, weil die Sicht nach hinten doch sehr eingeschränkt ist. Durch die vertikale Ausrichtung des Displays bleibt die Rückfahrkamera allerdings vergleichsweise winzig.

Und nun zum Performance-Part. Denn der neue Komfort darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch der McLaren 570GT ein echtes Monster sein kann, auch wenn er nicht so leicht ausbricht wie ein 650S. Ein Tritt aufs Gaspedal und die Formel 1 Saison beginnt. Besonders anzuraten ist es, einfach im Tour Modus zu bleiben, den Komfort zu genießen, und bei Bedarf die Schaltpaddles zu benutzen, die herrlich klicken und dann im niedrigeren Gang die spontanere Leistung bereitstellen.

Wer es noch sportlicher und individueller mag, kann die manuelle Kontrolle in der Mittelkonsole aktivieren und Handling, Traktionskontrolle und Ansprechverhalten Richtung Sport bewegen.

Abmessungen

Länge: 4,53 m
Breite: 2,09 m
Höhe: 1,20 m
Radstand: 2,67 m

Fazit: Aus Sicht der Kunden ist der McLaren 570GT der wahrscheinlich beste McLaren aller Zeiten. Kein McLaren zuvor ließ sich für einen Supersportwagen vergleichsweise unkompliziert und einfach fahren, kein McLaren war bislang so komfortabel. Wer das Fahrzeug in Stadt, Land und Autobahn bewegt, braucht keine härtere Abstimmung, zudem die Fahrmodi dies jederzeit immer noch ermöglichen. Das neue Touring-Deck ist ferner eine gute Ergänzung für die Alltagstauglichkeit. Angenehm: Selbst der Front-Kofferraum lässt sich mit nur einem Schlüsseldrücken öffnen und benötigt keine zweite Entriegelung. Mit allen Elementen zusammen ist der neue GT der bislang alltagstauglichste McLaren, der natürlich immer noch die großen Reserven an Bord hat, so dass sich 250 km/h auf der Autobahn anfühlt wie 50 km/h mit einem normalen Pkw.

Autogefühl: ****

Produktion: Autogefühl, Michel Weigel & Thomas Majchrzak

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2 Responses to McLaren 570GT Fahrbericht und Vergleich 540C & 570S

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