Jaguar F-Type SVR 575 PS Fahrbericht

Satte 575 PS und nur 3,7 Sekunden von 0 auf 100 – nur wenige Fahrzeuge erreichen solche Ziffern, darunter der Jaguar F-Type SVR, die neue absolute Topvariante des Jaguar F-Type. Welche Vor- und Nachteile der Brite mit sich bringt, verrät unser ausführlicher Testbericht. Von Thomas Majchrzak

Wer die F-Type Reihe seit längerem verfolgt, dem ist klar, dass auch der SVR sowohl als Coupé (ab 138.400 Euro), als auch als Cabriolet-Variante (145.400 Euro) verfügbar ist. Zum Vergleich fängt die Basisvariante des F-Type bei gut der Hälfte mit etwa 68.000 Euro an, daher sind die Erwartungen an den SVR hoch.




Exterieur

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Was soll man zum Jaguar F-Type sagen? Er sieht einfach klasse aus und vereint luxuriöse und elegante Elemente auf der einen Seite und die aggressivere Grundstimmung und Sportlichkeit andererseits. Die sich nach vorne verjüngende Motorhaube unterstützt nicht nur diesen Eindruck, sondern verbessert auch den Luftstrom, wodurch sich der Luftwiderstand verringert und damit die Performance steigt. Die SVR-Version, hier in der traumhaften Farbe Ultra Blue, hat besonders große und aggressive Lufteinlässe an der Front sowie ein SVR-badge. Auf der Motorhaube thronen die Supercharged-Luftauslässe, die traditionell auf Jaguar-Rennwagen platziert sind. In der Seitenansicht erkennt man die lange Front noch besser, das klassische Layout, das man auch schon vom Urgestein Jaguar E-Type kennt. 20-Zoll-Felgen mit gelben Bremssätteln sorgen für Aufmerksamkeit, Karbon-Keramik-Bremsen für die nötige Verzögerung.

Am Heck wird es dann dramatischer – vier Auspuffrohre und ein sehr präsenter Heckspoiler. Dieser ist einerseits fest, andererseits kann er noch hoch- und runtergefahren werden – per Knopfdruck vom Cockpit aus oder automatisch bei höheren Geschwindigkeiten. Während in der Front die Leuchten noch eher rund und breit gehalten sind, setzt der Brite auf dünne Rückleuchten, die mit der runden Auskerbung ebenfalls vom E-Type inspiriert wurden. Serienmäßig werden Bi-Xenon-Scheinwerfer in der Front mit LED-Tagfahrlicht verbaut, am Heck erhält man LED-Leuchten.

Im Vergleich Cabriolet und Coupé zeigt die geschlossene Variante noch mal mehr Design, weil die rundliche Linie am Heck vollendet werden kann. Die Frage ist nur, wie wichtig einem die Frischluft ist. Darüber hinaus raubt der Heckspoiler beim Cabrio den nahtlosen Charme des Fahrzeuges. Das Cabrio-Dach lässt sich übrigens binnen 12 Sekunden und bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h öffnen und schließen.

Interieur

Wie außen, so setzt Jaguar auch beim SVR-Interieur auf viele traditionelle Elemente, darunter leider auch die serienmäßigen Ledersitze, die gerade für ein so sportliches Fahrzeug ungeeignet sind. Neben den ethisch-moralischen Aspekten schwitzt man schnell auf diesen Sitzen, zudem rutscht man bei schneller Fahrt eher hin und her. Vielleicht sollte Jaguar sich in diesem Punkt ein Beispiel an Mercedes nehmen, die auch in den teuren AMG-Versionen die Kombination Mikrofaser innen / Kunstleder außen anbietet. Mikrofaser auf den Sitzen gibt es beim F-Type nur in der Basisversion. Dabei zeigt gerade der F-Type SVR ansonsten eine Premium-Velours-Kompetenz: Mikrofaser-Bezüge finden wir am Armaturenbrett, Instrumenten-Abdeckung und Mittelkonsole. Dazu blaue Kontrastnähte, die zur Außenfarbe passen – großes Kino! Die Sportsitze sind zumindest rein vom Design her toll gemacht und mit einer Rauten-Form verziert. Sie weisen im Vergleich zu den „kleineren“ F-Type Versionen deutlich mehr Seitenhalt auf, gerade im Schulterbereich. Die Sitze lassen sich im Übrigen elektronisch an der Seitentür einstellen und sind für einen kleinen Sportwagen erstaunlich bequem.

Grundsätzlich hinterlässt das Interieur des F-Type SVR einen soliden Eindruck. Er kommt zwar in Sachen Verarbeitungsqualität an die deutschen Premiumhersteller nicht ganz heran, jedoch wirkt das Interieur übersichtlich, aufgeräumt und sehr sportlich – und bietet viele emotionale Details. Ins Auge fallen vor allen Dingen die Flugzeug-Cockpit-Elemente wie die runden Drehknöpfe der Klima-Einheit oder der Race-Modus-Button, der vom Eurofighter inspiriert wurde.

Der 8-Zoll große Touchscreen wird mit dem Jaguar Infotainmentsystem betrieben, die einzelnen Menüpunkte enthalten ein angenehmes Design und eine gut Auflösung, die Ladezeiten könnten jedoch kürzer sein. Mit den InControl Apps ist die Vernetzung sichergestellt. Jaguar Land Rover setzt hier auf ein eigenes System, bei dem man zunächst die entsprechende App auf seinem Handy installieren muss. Neben einem SOS- und Pannen-Notruf, kann der Besitzer Informationen wie den Standort, oder ob alle Türen geschlossen sind, auf sein Smartphone mittels einer eigenen App erhalten. Einen Schritt weiter geht dann InControl Secure, welches den Besitzer darauf aufmerksam macht, sobald sein Fahrzeug unbefugt bewegt wird. Parallel werden öffentliche Behörden in Kenntnis gesetzt, den Wagen zu orten. Dieses System ist optional erhältlich und enthält eine Lizenz von drei Jahren. Für Musikliebhaber könnte das Meridian Soundsystem eine Option zu der serienmäßigen Anlage darstellen.

Wie schaut es mit dem Wocheneinkauf oder einer Urlaubsfahrt aus? Im Coupe ist das weniger ein Problem, hier stehen 400 Liter Kofferraumvolumen zur Verfügung. Im Cabrio wird es dann knapper.

An Assistenzsystemen kann man sich einen Toter-Winkel-Warner bestellen, der bis auf eine Distanz von 70 m funktioniert. Des Weiteren kann der Notfall-Bremsassistent bei Gefahr den Wagen autonom zum Stillstand bringen.

Weitere optionale Features sind u. a.:
– Rückfahrkamera
– Seitliche Rückfahrüberwachung
– Intelligentes Fernlicht (wechselt automatisch zwischen Fern- und Abblendlicht)

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Motor

5.0 l 8-Zylinder (V8)
575 PS
3,7 Sek. 0 auf 100
11,6 l/100 km (Verbrauch kombiniert)

Die schnelle Beschleunigung lässt sich u. a. auf das geringe Gewicht von 1.705 kg zurückführen. Während sich Exterieur und Interieur des Coupés und des Cabrio geringfügig unterscheiden, schaut es in Sachen maximale Geschwindigkeit anders aus. Das Coupé erreicht ein Maximum von 322 km/h (200 mp/h) und das Cabriolet „lediglich“ 312 km/h (194 mp/h). Solche Werte sind ein Sinnbild, dass es sich hierbei um ein Rennfahrzeug handelt und weniger um einen Stadtflitzer, denn solche Geschwindigkeiten sind natürlich unrealistisch und dienen eher dem „haben wollen“ Wert. Außerdem ist der Jaguar F-Type SVR somit wieder der erste Jaguar, der die 200 mp/h knackt – seit dem Jaguar XJ220, das berühmte Modell aus den 90ern.

Fahrverhalten

Der F-Type SVR kommt mit einem Allradantrieb, nichtsdestotrotz liegt die Hauptverteilung mit 2/3 am Heck. Wie erwartet lässt sich der SVR nochmals agiler und sportlicher fahren. Dabei kommt dem Fahrer u.a. das Torque Vectoring zur Hilfe. Dieses System bremst die zur Kurve zeigenden Räder, um ein Ausbrechen und ein Untersteuern zu vermeiden. Es verbessert nicht nur die Sicherheit, sondern liefert auch eine bessere Fahrdynamik, da das Fahrzeug gefühlt an der Straße klebt, ohne dass man sich Sorgen um ein Ausbrechen machen muss. Präzisen Kurvenfahrten steht somit nichts im Wege.

Der Sound des 5.0 V8 Motors ist einfach überragend, er zählt zu den besten, den wir jemals gehört haben. Tritt man richtig aufs Gaspedal, muss man sich nur noch Sorgen um eins machen: die Nachbarn.

Der F-Type SVR ist kein Sportfahrzeug der alten Schule, denn im Gegensatz zu früheren Supersportwagen, wie dem Jaguar XJ220, kann man den F-Type SVR auch komfortabel fahren. Dies wird durch das adaptive Fahrwerk erreicht, oder wie Jaguar es nennt: Adaptive Dynamics. Das System beobachtet konstant den Fahrstil und die Straßenbedingungen. Der Bordcomputer analysiert 500 Mal in der Sekunde die Lenk- und Karosseriebewegung. Daraufhin passen sich die Dämpfer regelmäßig an und ermöglichen daher eine sehr angenehme Fahrt. Natürlich lässt sich das Fahrwerk auch sportlicher einstellen, dafür ist der Race-Button verantwortlich. Doch insgesamt muss man festhalten, dass der F-Type SVR auch im Vergleich zur Basisversion zwar mehr Fahrbahnkontakt vermittelt, aber keine kompromisslose unbequeme Sportkiste ist, sondern immer noch angenehm komfortabel zu fahren ist – eine gelungene Fahrwerksmischung.

Stichwort Bremsscheiben. Wohl eins der wichtigsten Elemente eines jeden sportlichen Fahrzeugs. Beim Jaguar F-Type SVR erhält man optional Karbon-Keramik-Scheiben, die das Fahrzeug problemlos in Geschwindigkeitsregionen von 300 km/h zum Stillstand bringen können. Dazu kommt auch, dass diese das Gewicht um 21 kg reduzieren. Im Zusammenspiel weiterer Gewichtsoptimierungen wie der generellen Leichtbaukarosserie lassen sich dann Beschleunigungswerte wie die 3,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h erreichen, das ist noch mal 0,4 Sekunden schneller als beim F-Type R AWD.

Abmessungen

Länge: 4,47 m
Breite: 1,92 m
Höhe: 1,31 m
Radstand: 2,62 m

Fazit: Der Jaguar F-Type SVR ist eher für Sammler gedacht, denen der Fahrzeugpreis egal ist. Mehr als den doppelten Preis des Basis F-Type ist er rein logisch nicht wert, denn ein Basis-F-Type bietet schon Fahrspaß pur. Für alle Sportbegeisterten stellt er jedoch die Spitze des Modells dar, treibt die Sportlichkeit in noch höhere Regionen – ohne aber unkomfortabel zu werden, das ist ganz wichtig. Design, Interieur-Ausstattung mit passenden Kontrastnähten und viel Mikrofaser und der betörende Sound machen den Traum-F-Type aus.

Autogefühl: *****

Produktion: Autogefühl, Michel Weigel & Thomas Majchrzak

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4 Responses to Jaguar F-Type SVR 575 PS Fahrbericht

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