Lexus GS F Fahrbericht

Lexus ist bekannt für ein markantes und auffälliges Design. Das behalten die Japaner auch im Lexus GS F bei, der Top-Sportversion der GS Limousine der oberen Mittelklasse, der z.B. gegen einen BMW M5 antritt. Wir testen die Performance. Von Thomas Majchrzak

Bis einschließlich 2005 wurde die Modellreihe als „Aristo“ vom Konzernpartner Toyota vertrieben. Jedoch eignete sich diese Version nicht auf dem wichtigen US-Markt, wodurch dann schlussendlich Lexus den GS ins Leben rief. Seit der dritten Generation gibt es nur noch den Lexus, die vierte Generation läuft seit 2012. Ende 2015 wurde der Lexus GS optisch auf dem neuesten Stand gebracht und im Rahmen dieses Facelifts wurde nun ebenso die F-Version, also die Top-Sportvariante, auf den Markt gebracht.

Preislich beginnt die Standardvariante des GS bei 47.100 Euro. Fast doppelt so teuer ist der GS F mit 98.700 Euro. Doch welcher Mehrwert wird hierdurch erzielt?




Exterieur

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Am auffälligsten ist der kantige und optisch groß wirkende Kühlergrill. Ein aggressives Aussehen wird nicht zuletzt durch die überdurchschnittlich großen Lufteinlässe suggeriert, sondern auch durch die eckigen Frontleuchten. Im GS F sind diese serienmäßig mit der Matrix-LED-Technologie inkl. einem Fernlicht-Assistenten ausgestattet.

Die eher bedrohliche Designführung wird auch entlang der Seite des 4,85 Meter langen Fahrzeuges beibehalten. So befinden sich in der Sportversion weitere Lufteinlässe direkt hinter den Rädern. Zur Standardausstattung des GS F zählen die gezeigten 19 Zoll Felgen, die in der Front mit 19 Zoll Bremsscheiben und im hinteren Teil mit 18 Zoll großen Bremsscheiben ausgestattet sind.

Die Rückleuchten sind horizontal gestreckt und verleihen dem Heck durch eine leichte Beugung ein agiles Auftreten. Außerdem zählt hier die LED-Technologie zur Basis. Ein wenig befremdlich ist die Anordnung der vier Auspuffrohre, bei welcher sich auf jeder Seite eins über das andere stapelt. Dies wirkt anfänglich zu gewollt und weniger strukturiert.

Interieur

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Der Innenraum lässt kaum etwas an Features zum Wünschen übrig. Die standardmäßige Ambientebeleuchtung verleiht dem Innenraum einen persönlichen Touch. Auch wirkt alles ziemlich aufgeräumt, was auch auf die Integrierung des 12,3 Zoll großen Infotainmentsystems zurückzuführen ist. Während einige Hersteller jedoch eine flache Einbauweise bevorzugen, versteckt Lexus das System in einer tiefen Furche. Über den Screen kann man seine eigene Musik z. B. via Bluetooth über das Mark Levison Soundsystem wiedergeben. Der Sound ist solide, aber nicht überragend. Ein „Premium Navigationssystem“ zählt, wie auch das Soundsystem, erfreulicherweise zur Serienausstattung. Lediglich die Infotainment-Bedienung ist eigenwillig, man hat ein bewegliches Kontrollfeld, das man in alle Ecken schieben kann, in der Software wandert der Cursor dann wie magnetisch von Funktion zu Funktion. Nicht gerade benutzerfreundlich. Ein nettes Gimmick dagegen ist eine analoge Uhr. Und einen weiteren Pluspunkt stellt auch das beheizbare Lenkrad dar.

Die Sitze bestehen aus einer Mischung von Alcantara und Echtleder. Nichtsdestotrotz fragen wir uns, weshalb man an den Außenseiten nicht einfach Kunstleder verwendet. Generell ist die Verarbeitungsqualität auf einem sehr hohen Niveau. Gefallen tut uns auch der Einsatz von mehr Alcantara an Türinnenseiten und auf dem Armaturenbrett.

Sitzen kann man mit 1,86 m Körpergröße auf allen vier Sitzen, wobei nicht mehr viel Kopfraum übrig bleibt. Auch die Beinfreiheit ist angesichts der Fahrzeuglänge im Fond nicht optimal. Es reicht für vier große Erwachsene, aber so viel Platz hat man teilweise in manchen sehr praktisch gebauten Kompakt-Wagen.

Der Kofferraum ist erstaunlich breit, hier wird wenig Platz verschwendet. Limousinengemäß ist die Einfüll-Luke jedoch beschränkt. Umklappen kann man die Rücksitzbank nicht, es existiert lediglich eine Skidurchreiche.

Zur den weiteren Features im GS F zählen serienmäßig:

– Einparkhilfe vorne und hinten mit Rückfahrkamera
– Verkehrszeichenerkennung
– Head-Up-Display
– Spurverlassen-Warnung

Gegen Aufpreis kann man auch einen Totwinkel-, sowie Querverkehr-Assistenten ordern.

Einige Features sind übrigens bereits in den Einstiegs-GS-Versionen enthalten, etwa Rückfahrkamera, ACC, Bluetooth-Streaming und Velours-Sitze.

Motoren

Der Lexus GS F kommt mit einem 5,0 Liter V8 Benziner und 477 PS (Saugrohr-Direkteinspritzung). Dabei kommt ein 8-Stufen-Automatikgetriebe zum Einsatz.

Für den normalen GS stehen folgende Benziner/Hybride zur Auswahl:

2.5 l, 223 PS (R4 Benziner und Elektromotor) GS 300h
3.5 l, 343 PS (V6 Benziner und Elektromotor) GS 450h
3.5 l, 306 PS (nur USA, GS 350)

Lediglich bei den Hybrid-Versionen kommt das stufenlose e-CVT-Getriebe zum Einsatz, ansonsten das 6-Gang-Automatikgetriebe. Unabhängig vom gewählten Motor kommen der GS und GS F mit Hinterradantrieb, nur den GS 350 in den USA kann man mit Allrad bestellen.

Fahrverhalten

Im Lexus GS F fahren wir denselben V8-Sauger, den wir bereits im Lexus RC F getestet haben. Ein Motor der klassischen Schule, der mit seiner souveränen und harmonischen Beschleunigung überzeugt. Man bekommt keinen Turbo-Kick, sondern hat sonor eine kräftige Leistung. In 4,6 Sekunden geht es von 0 auf 100 km/h. Der grollende Sauger-Sound bereitet weiteres Vergnügen. Übrigens ist ein V8 Sauger gar nicht so umweltfeindlich, wie man denkt, denn die kleinen Turbomotoren stoßen kleinere gefährliche Partikel aus und verbrauchen unter Voll-Last gar nicht mal viel weniger Sprit. Den V8 hier kann man locker mit 12 Liter / 100 km fahren, ohne auf Spaß zu verzichten.

Zur Einstellung des Fahrerlebnisses stehen dem Fahrer vier Fahrmodi zur Auswahl: Eco, Comfort, Sport und Sport+. Ebenfalls kann man auch individuelle Einstellungen festlegen. Im Eco-Modus wird die Gasannahme reduziert, in den Sport-Modi wird dagegen die Gasannahme verstärkt. Außerdem wird nach und nach die Stabilitätskontrolle zurückgefahren, so dass man im Sport+ Modus auch das Heck etwas herumzirkeln kann. Dieser Modus ist natürlich nicht für den normalen Straßenverkehr geeignet. Interessant sind ferner die Einstellungen des Torque Vectoring, das die Drehmomente an den einzelnen Rädern anpasst. Im Slalom-Modus imitiert der Lexus GS F ein Auto mit geringerem Radstand, und tatsächlich, das funktioniert. Ein irres Gefühl, wenn es sich plötzlich so anfühlt, als würde man ein GoKart lenken, Hut ab.

Das Fahrwerk ist deutlich rauer als bei den normalen GS-Modellen, völlig übertrieben ist es nicht, es bietet eben mehr Fahrbahnkontakt für den sportlichen Fahrer. Wer jedoch häufig Langstrecken fährt, sollte sich vielleicht eher für die zivile RC-Version entscheiden.

Abmessungen

Länge: 4,85 m
Breite: 1,84 m
Höhe: 1,46 m
Radstand: 2,85 m

Fazit: Der Lexus GS F ist ein echtes Spaßmobil in der oberen Mittelklasse und bietet eine aggressive Optik, einen hochwertigen Innenraum und schöne Alcantara-Elemente. Der V8-Sauger ist ein Alleinstellungsmerkmal und macht nach wie vor viel Freude und bringt Souveränität. Das Fahrwerk ist betont sportlich, Langstreckenfahrer sollten vielleicht doch den GS 450h nehmen. Wer dagegen Freude an der rauen Gangart hat, findet ein 4,85 langes Vehikel vor, das sich – gerade im Slalom-Modus – deutlich kürzer anfühlt. Lediglich das Package (Verhältnis Länge außen zu Platz innen) lässt etwas zu wünschen übrig. Ferner kann die Infotainment-Bedienung nicht überzeugen. Ansonsten bietet der Lexus GS F zu den Konkurrenten BMW M5, Mercedes E63 und Audi RS6 die genannten interessanten Alleinstellungsmerkmale als Exot auf dem deutschen Markt.

Autogefühl: ****

Text: Autogefühl, Thomas Majchrzak
Fotos: Autogefühl, Michel Weigel




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