Neuer Kia Rio Fahrbericht

Die vierte Generation des Kia Rio kommt auf den Markt und möchte im Kampf gegen VW Polo und Opel Corsa antreten. Ob es dem Kleinwagen gelingt, klären wir in unserem Testbericht.Von Michel Weigel & Holger Majchrzak

Nach einem absatzstarken Jahr 2012, als Kia den Rio über 10.000 Mal in Deutschland an den Mann bringen konnte, befinden sich die Zahlen des Kompaktwagens bei gut 5.500 Einheiten. Ein Corsa hingegen konnte in den letzten drei Jahren mehr als 150.000 Fahrzeuge in Deutschland verkaufen und der VW Polo ist mit knapp 70.000 jährlichen Einheiten eindeutige Spitze. Somit steht der vierten Generation des neuen Rios eine große Herausforderung vor der Tür, wenn er an die Klassenbesten herantreten möchte – nur eins ist jetzt schon sicher, von heute auf Morgen kann dies nicht geschehen.

Preislich beginnt die neue Generation bei 11.690 Euro in der Ausstattungslinie Attract, darüber hinaus gibt es die Edition 7 (13.490 Euro) und den Spirit (16.690 Euro). Außerdem gibt es noch die Sondermodelle Dream-Team (14.990 Euro) und die Platinum Edition (20.290 Euro). Bei den Sondermodellen handelt es sich um eine limitierte Anzahl von Fahrzeugen, vollständigkeitshalber werden wir sie trotzdem im Folgenden erläutern.




Exterieur

An der Front folgt der Kia Rio anderen Modellen der Südkoreaner. Der Kühlergrill besitzt die typische Form eines Kias – die Tigernase – , die man z. B. aus dem Niro kennt. Die Frontleuchten sind eher rund, zumindest erscheinen sie so, wenn man den direkten Vergleich zum neuen Seat Ibiza zieht. Die C-förmigen Lufteinlässe verleihen dem Fahrzeug ein wenig mehr Agilität. Ab der Editition 7 ist der Kühlergrill dazu mit Chrom verziert und ebenso sind die Türgriffe in Wagenfarbe gehalten.

Die Länge des neuen Kia Rio hat sich um 1,5 cm auf 4,07 Meter vergrößert. Die beiden günstigsten Ausstattungslinien erhalten serienmäßig 14 Zoll Felgen. Der Spirit bekommt 16 Zöller, wie auch der Dream-Team, welchem auch noch die Option auf 15 Zoll zur Verfügung steht. Der Platinum kommt mit 17 Zoll Rädern. Generell ist das Seitenprofil recht schlicht gehalten, es sei denn man hat sich für den Spirit entschieden, denn hier werden die unteren Fensterrahmen mit einem Chromstreifen verziert.

Die Rückleuchten sind wie die Frontleuchten eher rund gehalten. Neu ist die C-Form, die in unseren Augen sehr modern wirkt, aber leider nicht zum Rest des Hecks passt. Denn dieses ist ansonsten eher schlicht designed und weniger verspielt. Ein bisschen mehr Harmonie wäre angebracht. Nichtsdestotrotz kommen die Leuchten mit LED-Technologie beim Platinum.

Interieur

Der Innenraum der vierten Generation des Kia Rio passt sich seiner Klasse an. Grundweg solide und zufriedenstellend sind die richtigen Beschreibungen. Da sich Kia mit der neuen Generation auch eher an eine jüngere Zielgruppe richten möchte, ist positiv zu erwähnen, dass eine USB-Schnittstelle serienmäßig mit an Bord ist. Dies ermöglicht das Abspielen der eigenen Musik und das Aufladen des Handys.

In der Ausstattungslinie Spirit kommt im Gegensatz zu den günstigeren Versionen ein 3,5 Zoll Instrumentendisplay zum Einsatz. Des Weiteren erhält man eine Bluetotooth-Freisprechanlage und ein 7 Zoll großes Infotainmentsystem, dessen Reaktionszeiten solide sind und das serienmäßig mit einem Navi kommt. Ebenso gibt es eine Smartphone Schnittstelle, worüber man sein Handy via Apple CarPlay und Android Auto mit dem System verbinden kann. Das Lenkrad, welches leider mit Echtleder überzogen ist, ist im Spirit beheizbar.

Mit Blick auf Sicherheits- und Assistenzsysteme gibt es serienmäßig eine Berganfahrhilfe. Der autonome Notbremsassistent mit Fußgängererkennung ist erst im Spirit und im Sondermodell Platinum serienmäßig an Bord. Zwar kann man dies in den unteren Ausstattungsversionen noch optional beziehen, doch in unseren Augen ist dieses Feature von solch elementarer Bedeutung, dass es normalerweise Serie in jedem Fahrzeug sein sollte.

Außerdem wird der Spirit serienmäßig mit einer Rückfahrkamera, einem Tempomat, einem Spurhalteassisteten und LED Tagfahrlicht ausgeliefert.

Das Sondermodell Dream-Team ist eine eher abgespeckte Variante des Spirit und kommt dem entsprechend ohne die exklusiv serienmäßigen Sicherheits- und Assistenzsysteme. Die Platinum Edition befindet sich ein kleines Stückchen oberhalb des Spirits und enthält die meisten Features des Spirits. Dazu gibt es einen Smart-Key und Startknopf. Hier kommen serienmäßig Kunstleder zum Einsatz, die visuell einen hochwertigen Eindruck machen und praktischer abzuwischen sind, wenn man z.B. häufiger mit Kindern unterwegs ist. Von den Klima-Eigenschaften her raten wir jedoch eher zu den Stoffsitzen, diese bleiben im Sommer kühler und im Winter wärmer.

Im Gepäckraum hat der Kia Rio deutlich zugelegt. Laut Hersteller ganze 37 Liter, was einem Plus von 13 Prozent entspricht. Nun fasst der Kofferraum 325 Liter. Für einen 7-tägigen Ausflug reicht dies zwar nicht, aber zumindest der Wocheneinkauf für zwei Personen sollte drinsitzen.

Motoren

Benziner

1.2 l, 84 PS, 4.8 l/100 km
1.4 l, 99 PS, 6.1 l/100 km (optional mit Automatikgetriebe)

1.0 l T-GDI, 100 oder 120 PS, 4.7 l/100 km
1.4 l CRDi, 77 oder 90 PS, 3.8 l/100 km

Bei den Verbrauchswerten handelt es sich um Herstellerangaben. Für einen realistischen Verbrauch sollte man zwei oder drei Liter auf den Wert addieren.

Fahrverhalten

Wir sind zwei Motoren gefahren, den kleinsten Benziner und den neuen 3-Zylinder-Motor mit Top-Leistung. Ganz klar macht der neue Motor mehr Spaß, mehr Tempo, ist agiler. Mit der kleinen Maschine ist man doch arg behäbig unterwegs, aber auch dafür gibt es ja einen Markt. Es gibt genug Leute, für die Beschleunigung nicht das Wichtigste am Auto ist. Was am Vorgänger-Modell des Rio an fehlender Leistung bemängelt wurde, ist jetzt behoben. Stark verbessert auch die Lenkung, die jetzt sehr direkt arbeitet und die Dämmung des Fahrzeugs. Wir haben es bei den Testfahrten als ausgesprochen leise empfunden. Loben wollen wir die tolle Rundum-Sicht. KIA hat es geschafft, die Fensterflächen zu vergrößern, was das Raumgefühl verbessert, aber beim Fahren eben auch die Sicht auf die Straße. Eine präzise sanfte Schaltung und ein schlechte Straßen schluckendes Fahrwerk runden den guten Gesamteindruck ab. Nichts zu meckern, für ein Auto dieser Klasse sogar herausragend.

Abmessungen

Länge: 4,07 m (+ 1,5 cm)
Breite: 1,99 m
Höhe: 1,45 m
Radstand: 2,58 m

Fazit:

Der neue KIA Rio ist ein grundsolides Auto, etwas pfiffiger, sportlicher designed als sein Vorgänger, mit deutlich mehr Platz und verbesserten Fahreigenschaften. Der neue Downsize-3-Zylinder-Motor ist die richtige Wahl für die Motorisierung. Ein schönes Stadtauto, das in vielerlei Hinsicht mit VW Polo, Ford Fiesta oder Opel Corsa konkurrieren kann. Speziell in den höheren Ausstattungsvarianten bekommt man ein Auto, das aus dem Niveau der Klasse herausragt. Das lässt sich KIA dann auch bezahlen, ist es aber auch wert. Nach wie vor eines der wichtigsten Argumente für einen KIA-Kauf: die 7-Jahre-Garantie. Und die gibt es beim neuen Rio natürlich auch.

Text: Autogefühl, Michel Weigel & Holger Majchrzak
Fotos: Michel Weigel




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