VW Golf Facelift Test: GTI 230 PS & Highline 1.5 TSI 150 PS

Mit mehr als 30 Millionen produzierten Exemplaren gehört der Volkswagen Golf zu den meistgebauten Fahrzeugen aller Zeiten. Nun erhält die 7. Generation ein Facelift und wir konnten es uns nicht nehmen lassen, das Kultfahrzeug in der Überarbeitung zu testen: Als Golf GTI mit nun 230 PS und als Golf Highline mit dem neuen 1.5 TSI mit 150 PS. Von Thomas Majchrzak

Der Golf ist die wichtigste Baureihe der Marke und erhält nun ein Facelift für alle Modelle, also für den Drei- und Fünftürer, Variant (Kombi), für GTE, GTI, GTD, R, und e-Golf. Jedes Jahr werden gut 1 Mio. VW Golf weltweit verkauft.

Doch zunächst ein wenig über die Geschichte des Golf: Zu Beginn der 60er Jahre gingen die Verkaufszahlen des VW Käfer deutlich zurück. Er war schlicht und ergreifend veraltet. Der VW Typ 3 konnte den negativen Trend nicht aufhalten und gemeinsam mit der damaligen „Auto Union“ (später Audi) entwickelte man einen wassergekühlten Motor, der in Kombination mit einem frischen und modernen Design den Konzern aus der Krise führen sollte. Der Erfolg lässt sich unter anderem an der über 40-jährigen Beständigkeit der Baureihe beweisen:

1974: Golf I
1983: Golf II
1991: Golf III
1997: Golf IV
2003: Golf V
2008: Golf VI
2012: Golf VII ; 2017: Golf VII Facelift

Seit Produktionsbeginn liefen bislang mehr als 30 Millionen Einheiten vom Band. Lediglich die Ford F-Serie und der Toyota Corolla können diese Summe überbieten. Schaut man auf die Absatzhistorie in Deutschland, so hatte der VW Golf seinen Höhepunkt im Jahre 2009 mit 366.231 Neuzulassungen. Ein Jahr später brach der Absatz im Zuge der Finanzkrise auf rund 250.000 Stück ein. Der Golf erholte sich zeitnah und erzielte im abgelaufen Kalenderjahr den zweithöchsten Wert seiner Historie hierzulande: 270.952 Neuzulassungen. Das sind rund 8,5 % der gesamten Neuzulassungen auf dem deutschen Markt in 2015 und damit Platz 1.

Neben geringen Veränderungen am Exterieur und größeren Infotainmentsystemen gibt es eine neue TSI-Generation, den 1.5 TSI Evo mit 150 oder 130 PS. Beim GTI wird in der Standardversion die Leistung auf 230 PS (+10 PS) erhöht und in der Performance-Variante erhält dieser gar 245 PS (+15 PS).




Exterieur

Golf Highline in Kurkuma-Gelb

Golf GTI in Tornado-Rot

Wie bereits betont, basiert der Volkswagen Golf auf einer langen Historie. Doch ist sich der Volkswagen stets treu geblieben. Der horizontal designierte Kühlergrill, die kompromisslose Form und die prominente C-Säule: Allesamt Elemente, die sich dem Trend anpassten, ohne ihren Ursprung zu verlieren.

Im Facelift werden die mittlerweile deutlich horizontal gezogenen Frontleuchten noch besser zur Geltung gebracht, dafür sorgt nicht nur ein kantigeres Design, sondern auch die Form der Motorhaube, die sich den Leuchten zuneigt. Die zuvor dem Golf GTE und dem e-Golf vorenthaltenen LED-Scheinwerfer sind nun auch für die normalen Golf-Modelle erhältlich, jedoch in der Front optional. Inkludiert sind diese in der Top-Ausstattung Highline, sowie für alle GT-Modelle. Außerdem umrandet eine C-Form der Tagfahrlichter die Lufteinlässe, welche man z. B. aus dem Tiguan kennt. In der höchsten Ausbaustufe der LED-Scheinwerfer erhält man animierte Blinker, die einen an einen Audi erinnern lassen.

In der Seitenansicht bleibt die Karosserie unangetastet. Unterschiede machen sich weiterhin zwischen dem Drei- und Fünftürer, sowie dem Variant (Kombi) bemerkbar. Die Länge variiert dabei zwischen 4,26 und 4,56 Meter (Variant).

Am Heck wurde den Rückleuchten ebenfalls ein kantigeres Design verpasst und diese kommen nun serienmäßig mit LED – für alle Varianten, auch für den Variant. Lediglich die animierten Blinker und das zweistufige Bremslicht erhält der Variant nicht. Daher macht der Variant den Eindruck, als hätte er das LED-Update nicht bekommen. Ist aber so, wenn auch nicht in derselben Ausbaustufe.

Interieur

Highline mit Active Info Display und 9,2 Zoll Infotainment (beides optional)

GTI

Im Innenraum erhält der Golf weitere Änderungen, darunter nun die optionalen Digitalinstrumente (Active Info Display 12,3“) aus dem Passat/Tiguan. Einen Golf GTI bekommt man weiterhin mit analogen Instrumenten und kann sich wahlweise für die digitalen entscheiden. Der Golf GTI Performance kommt dagegen serienmäßig mit dem Active Info Display als einziges Modell der Golf-Reihe. Standard startet man gewöhnlich weiterhin mit analogen Instrumenten wie bisher.

Im Vergleich zur Vor-Facelift-Version ist auch das zentrale Infotainment-System gewachsen. Größen von 6,5 Zoll (Standard), 8 Zoll (Highline und GT-Modelle) und 9,2 Zoll (rein optional) sind erhältlich. Das größte Infotainmentsystem heißt Discover Pro und weist gar keine physischen Knöpfe mehr auf. Dadurch ergibt sich eine ebene Fläche, die designtechnisch hervorragend wirkt, der Golf sieht damit noch mehr premium aus. Dazu kommt eine Gestensteuerung. Dabei kann man mit der Hand in der Luft wischen, um sich im Menü fortzubewegen. Diese Funktion ist allerdings noch nicht hundertprozentig ausgereift.

Mit Benutzerkonten wird eine erste Stufe der Volkswagen ID eingeführt, so können sich unterschiedliche Fahrer schnell ihre Einstellungen aufrufen. Dies kann auch an den Fahrzeugschlüssel geknüpft werden, so dass z.B. beim Öffnen mit Fahrzeugschlüssel A eine andere Memory Seat Einstellung aufgerufen wird, als mit Fahrzeugschlüssel B.

In puncto Qualität und Verarbeitung gibt es wie üblich nichts auszusetzen, die Verarbeitungsqualität ist gewohnt sehr gut. Außerdem wirkt die Fahrerkabine weiterhin sehr aufgeräumt, gestärkt noch vom neuen Infotainment-Screen mit kapazitiven Knöpfen. Ein Golf mit Wow-Effekt, der eher an ein bis zwei Klassen höher erinnert.

An Sitzen zeigen wir hier einmal die tradtionellen Rauten-Sitze aus dem GTI mit mehr Seitenhalt sowie die ergoActive Sitze im Golf Highline (höchste Ausbaustufe) mit Mikrofaser innen und Stoff außen. Je nach Körperform wird unterschiedlich empfunden, was bequemer ist. Beide Sitze sind auf jeden Fall zu empfehlen. Der ergoActive Sitz bietet etwas mehr Sitzfläche in der Länge.

Motoren

Wie bereits angedeutet, feiert der neue 1.5 TSI Evo mit 150 PS oder 130 PS als Bluemotion-Variante sein Debüt. Der neue Motor soll einen Liter weniger verbrauchen als vergleichbare Motoren, unter anderem durch eine verbesserte Segel-Funktion, bei der beim Rollen der Motor tatsächlich abgeschaltet wird. Zudem arbeitet der TSI Evo auch mit einer Zylinderabschaltung, bei der gerade nicht benötigte Zylinder eben abgeschaltet werden.

Des Weiteren sind folgende Benziner erhältlich:

1.0 TSI: 115 PS
1.2 TSI: 86, 105 und 110 PS
1.4 TSI: 122 und 125 PS
1.4 TSI (ACT): 140 und 150 PS
1.8 TSI: 172 und 182 PS

Die Auswahl an Diesel-Motoren:

1.6 TDI: 90, 105 und 110 PS
2.0 TDI: 150 und 184 PS (nur Golf GTD)

Darüber hinaus gibt es für den GTI, GTI-Performance, GTI-Clubsport, GTI-Clubsport S und den R weiterhin den 2.0 Liter Turbo-Benziner. Die Leistung liegt je nach gewählter Ausstattung zwischen 230 und 310 PS (für Golf R). Neben der erhöhten Leistung in der Standardversion des GTI, wurde nun auch dem GTI Performance ein Leistungsboost mit auf den Weg gegeben. Jetzt kommt dieser mit 245 PS auf den Markt.

Der Golf ist ebenfalls mit einem 1.4 TGI (Erdgas) und 110 PS erhältlich.

Um für die Zukunft gerüstet zu sein, erhält die Batterie des e-Golf ein Update. Zuvor schaffte dieser 190 Kilometer, nun sollen mit der neuen Batterie ganze 300 Kilometer Reichweite möglich sein. Damit liegt er gleich auf mit dem BMW i3 und nur 50 km hinter der versprochenen Reichweite des Tesla Model 3.

Wer kein rein elektrisch angetriebenes Fahrzeug haben möchte, kann sich für den Golf GTE entscheiden, einem Plug-In-Hybrid. Verbaut ist ein 2.0 Verbrenner mit 150 PS und ein Elektromotor mit 102 PS. Kombiniert ergibt dies 204 PS. Die elektrische Reichweite beträgt etwa 50 Kilometer. Hier wurde mit dem Facelift allerdings nichts verändert.

Außerdem kommt in einigen Motoren das neue 7-Gang-DSG zum Einsatz, welches das alte 6-Gang-DSG Schritt für Schritt ersetzt und eine sanftere Schaltung ermöglichen soll. Während die 6-Gang-Version noch auf eine Nasskupplung setzte, ist das 7-Gang-DSG “trocken”.

Fahrverhalten

Grundsätzlich hat sich am Fahrverhalten des Golf nicht viel verändert, das sieht ein Facelift auch nicht unbedingt vor. Es muss sich auch nicht viel ändern, denn der Golf setzt weiterhin die Maßstäbe in puncto Komfort, Geräuschisolierung und sogar auch beim Fahrspaß.

Selbst der 1.5 Liter Motor mit 150 PS macht schon richtig Freude. An Verbrauch können wir 6 l / 100 km erzielen, wir beobachten auch immer wieder im Display die Zylinderabschaltung. Fühlen kann man das persönlich nämlich nicht, weil die Übergänge so geschmeidig sind.

Der Golf GTI dagegen ist weiterhin erstes Maß an Fahrspaß im Kompakt-Segment, dabei ist die Federung noch so gestaltet, dass man einen GTI ohne Probleme als Alltagsauto verwenden kann. Hier verbrauchen wir übrigens knapp 9 l / 100 km, was ebenfalls noch in Ordnung geht, gerade auch in Verbindung mit dem neuen 7-Gang-DSG, das ebenfalls für den GTI kommt, kann man sparen. Effektiv ist das natürlich beim GTI nicht ganz so realistisch, weil er eben einfach am Gas hängt, wie man so schön sagt.

Neu ist der Stauassistent, der den Golf bis 60 km/h in Verbindung mit DSG teil-autonom fährt, sowie dass der autonome Bremsassistent (Front Assist) nun auch Fußgänger erkennt. Leider ist der AEB erst ab der Ausstattungslinie Comfortline inkludiert, effektiv werden aber sehr viele ausgelieferte VW Golf zumindest das mittlere Ausstattungsniveau besitzen.

Abmessungen

Länge: 4,26 – 4,56 m
Breite: 1,80 m
Höhe: 1,45 m
Radstand: 2,64 m

Fazit: Das VW Golf Facelift schärft nach, was schon richtig gut war. Wer sich ernsthaft mit allen Kompakt-Klasse-Modellen auseinander gesetzt hat, kann nur zu dem Schluss kommen, dass der Golf weiterhin die Messlatte im Segment setzt. Der 9,2 Zoll Screen ist nun der größte in der Kompaktklasse. Mit der nachgeschärften Optik und attraktiven Sitzpaketen und Designs im Interieur ist der Golf ferner ein echtes Traumauto geworden und nicht mehr nur noch ein Standardauto für die Massen. In der höchsten Ausbaustufe erzeugt der Golf im Interieur einen richtigen Wow-Effekt und man wähnt sich eher in der Mittelklasse oder Oberen Mittelklasse. Der Golf ist ein Premium-Auto, auch wenn er noch keinen Premium-Preis vorweist à la Audi, BMW, Mercedes. Von günstig ist der Golf aber natürlich vom Listenpreis her trotzdem entfernt, gerade wenn man an die Spezial-Versionen à la GTI denkt. Doch es lassen sich aufgrund der Vielzahl der Zulassungen immer wieder gute Angebote entdecken, sei es über die Firma oder wie zuletzt beobachtet gerade für Selbstständige über Leasing-Aktionen der großen Händler.

Autogefühl: *****

Text: Autogefühl, Thomas Majchrzak
Fotos: Autogefühl, Cornelius Dally




7 Responses to VW Golf Facelift Test: GTI 230 PS & Highline 1.5 TSI 150 PS

  1. […] AutogefühlVW Golf Facelift Test: GTI 230 PS & Highline 1.5 TSI 150 PSMit mehr als 30 Millionen produzierten Exemplaren gehört der Volkswagen Golf zu den meistgebauten Fahrzeugen a… […]

  2. Thomas Fuchs says:

    Ich vermisse bei einem neu entwickelten Benzinmotor wie dem 1,5 TSI einen Partikelfilter. Diese sollen ja schon im Herbst 2017 Pflicht werden (Abgasnorm 6c).
    Sonst fährt man schon in wenigen Monaten mit veralteter Technologie.

    • Autogefühl says:

      Guter Punkt, es wird in diesem Jahr den ersten VW Benziner mit Partikelfilter geben, ab 2018 werden dann nach und nach alle Benziner den Filter bekommen.

  3. […] Infotainment-Screen beginnt bei 6,5 Zoll, optional ist der neue schon vom Golf Facelift bekannte 9,2 Screen […]

  4. […] hatten wir das Volkswagen Golf Facelift bereits als Golf GTI und mit dem neuen 1.5 l Benziner vorgestellt, nun folgt das Update der Top-Version VW Golf R im Fahrbericht. Von Thomas […]

  5. […] Infotainment-Screen beginnt bei 6,5 Zoll, optional ist der neue schon vom Golf Facelift bekannte 9,2 Screen […]

  6. […] Infotainment-Screen beginnt bei 6,5 Zoll, optional ist der neue schon vom Golf Facelift bekannte 9,2 Screen […]

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