Jaguar E-type Reborn-Programm – aus alt macht neu

Nach den Reborn-Programmen für den klassischen Land Rover Serie I und den Range Rover Classic (Serie I) stellte Jaguar Classic auf der 29. Techno Classica in Essen sein drittes Werksrestaurierungsprogramm vor. Es ist dem legendären Jaguar E-type gewidmet, von dem aus einer brandneuen Werkstatt in Coventry in einem ersten Schwung zehn zuvor sorgfältig ausgewählte und bereits verkaufte Exemplare restauriert werden sollen. Thomas Imhof sprach mit den Verantwortlichen.

Um die Möglichkeiten des E-type-Reborn-Programms für den erstmals 1961 auf dem Genfer Salon enthüllten Traumsportwagen möglichst plakativ zu zeigen, standen auf dem Essener Stand der erste bereits komplett neu geborene Wagen und ein noch zu restaurierendes Exemplar Seite an Seite. Ebenso wie gleich daneben ein Range Rover Scheunenfund und ein bereits wieder wie neu wirkendes Modell.

Beim makellos im Scheinwerferlicht glänzenden E-type handelte es sich um ein Serie I Fixed Head Coupé mit 4,2-Liter-Motor. Gespeist von drei SU-Vergasern, die Jaguar laut Projekt Ingenieur Dai Williams den speziell bei US-Modell verbauten Stromberg-Mischbatterien vorzieht. Der in der Gunmetal Grey mit rotem Lederinterieur lackierte Wagen wurde im Mai 1965 in Kalifornien zugelassen, 1983 abgemeldet und dann nach einer Laufleistung von 125.000 Kilometern abgemeldet und eingelagert. Das von den Jaguar Experten für eine Restaurierung als geeignet eingestufte Coupé hatte noch die „matching numbers“ für die Karosserie, den Motor und das Getriebe – was den Werterhalt eines Klassikers automatisch enorm steigert. Vor allem dann, wenn die Jaguar Classic Techniker noch einmal alles bis zur letzten Schraube und zum letzten Bolzen auseinandernehmen, um dann mit ihrer geradezu chirurgischen Feinarbeit zu beginnen. „Insgesamt wenden wir ohne die Lackierung und die Behandlung der Rohkarosserie rund 1400 Arbeitsstunden auf“, sagt Williams. „Die Vergaser werden zum Beispiel komplett auseinandergenommen und alle Verschleißteile ersetzt. Der Motor erhält unter anderem neue Ventile und Kolben, alles nach engeren Toleranzen als im ersten Leben des Autos.“ Die Elektronik entspreche ebenfalls moderneren Standards als zu Zeiten von „Lucas – Prince of Darkness“, und wo noch keine Sicherheitsgurte installiert seien, würden sie eingebaut, so Williams weiter. Dass der Wagen nun ein Rechtslenker sei, läge am neuen (englischen) Besitzer: „Das war aber kein großes Problem, da die Karosserien damals so konstruiert wurden, dass man ohne große Probleme Rechts- und Linkslenker bauen konnte“, sagt der gebürtige Waliser. Abhängig von der jeweiligen Fahrzeugspezifikation startet das E-type Reborn-Programm bei 285.000 Pfund Sterling.

„Wir suchen nach gut erhaltenen Autos im Zustand 4“ (Dai Williams, Projektingenieur)

Das neben dem makellosen E-type stehende Schwestermodell präsentierte sich in einem oberflächlich betrachtet manierlichen Zustand. Williams: „Es ist ein Auto, wie wir es für unser E-type Reborn-Programm wünschen. Ohne große Schäden, in einem Zustand der Kategorie 4. Dieses Modell ist ein 1966er 4.2 mit voll-synchronisiertem Schaltgetriebe in der Farbe Golden Sand mit Interieur in Tan.“ Auf die Frage, was die größte Schwachstelle eines E-type sei, nennt er als Erstes die Türschweller. „Dort sammelt sich gerne Feuchtigkeit und in der Folge macht sich Rost breit. Da hilft dann nur noch der Austausch des ganzen Teils.“

Das E-type Reborn-Programm ist analog zu den beiden vorangegangenen Land Rover Programmen als umfassendes Serviceangebot konzipiert. Jeder als Spendermobil für eine Restaurierung ausgewählte E-type wird nach den Original-Werksspezifikationen aus den 1960er-Jahren wieder in einen Neuzustand versetzt. Zugang zu Auslieferungslisten mit allen Fahrzeugdaten und Originalzeichnungen aus dem Archiv des Jaguar Heritage Trust sowie die teils jahrzehntelange Erfahrung der Teammitglieder verheißen absolute Originalität.

Tim Hannig, Direktor Jaguar Land Rover Classic, betont: „Die unseren Experten und Technikern zur Verfügung stehenden Quellen und Unterlagen sind unvergleichlich, wodurch absolut authentische E-type-Restaurierungen möglich sind.”

So viele Originalteile wie möglich sollen bei der Restaurierung erhalten werden

Dabei gelte das Prinzip, so viele Original-Teile wie möglich zu erhalten oder nach Original-Arbeitsverfahren und -Spezifikationen neu aufzubauen. Sind sicherheitsrelevante Teile in schlechtem Zustand, werden sie generell durch Neuteile aus dem Warenlager von Jaguar Classic Parts ersetzt. Die Liebe zum Detail ist erstaunlich – so gehen Williams und Co. sogar so weit, bei der Montage neuer Bleche das historisch korrekte Punktschweißschema nachzuahmen.

Wer will, kann auf Wunsch und natürlich „for a few dollars more“ technische Innovationen aus späteren E-type-Modellen in den Restaurierungsprozess einfließen lassen. Wie zum Beispiel – unter Verwendung von E-type Lightweight-Teilen – ein leistungsfähigeres Kühlsystem, ein vollsynchronisiertes Getriebe (falls nicht schon im Original-Modell installiert) oder größere Bremssättel aus dem E-type Series II. Laut Dai Williams denke man auch über stärkere Bremsen nach. Kein Problem seien neue Reifen – hier muss Jaguar nicht wie beim Supersportwagen XJ220 eigens Reifen von Pirelli nachfertigen lassen.

Erstes kontinentaleuropäisches Classic Center eröffnet noch 2017 in Essen

Jaguar Land Rover Classic ist eine Tochter des Geschäftsbereichs Special Vehicle Operations und ist auch für die so genannten Continuation Cars zuständig. Das sind von Grund auf komplett neu aufgebaute Nachbildungen des E-type Lightweight und des Jaguar XKSS – „letzterer wird uns noch das ganze laufende Jahr beschäftigen“, sagt Hannig. Waren Jaguar und Land Rover Classic anfangs an zwei verschiedenen Orten angesiedelt, investierte man laut Tim Hannig nun 10 Millionen Euro in eine brandneue Classic Werkstatt in Coventry’s Oxford Road. „Nun haben wir unter einem Dach unsere Kollektion von rund 500 klassischen Fahrzeugen, 54 Arbeitsstationen und einen Showroom.“ Aktuell arbeiten 70 Klassik-Spezialisten in dem neuen Gebäude, bis Ende des Jahres sollen es 130 sein.

Noch für dieses Jahr kündigte Hannig die Eröffnung eines ersten kontinentaleuropäischen Classic Centers an – und zwar in Essen! Unabhängig davon hat Jaguar Land Rover Deutschland schon heute ein Netz von über 20 Betrieben gespannt, die sich um alle Belange und Sorgen deutscher Jaguar und Land Rover Klassik-Kunden kümmern. Zum Leistungsspektrum zählen eine Farbdatenbank, spezielle Classic Fahrzeugöle, Oldtimer-Versicherungen oder die Erstellung von „Geburtsurkunden“, über die Jaguar Land Rover „matching numbers“ für Motor, Getriebe oder Fahrgestell bestätigt. Weiterhin stehen der Aufbau einer Classic Datenbank, die Digitalisierung des Literatur Archivs und Trainings für Händler auf der Agenda der deutschen Jaguar Land Rover Classic-Leiters Till Beckmann.

P.S.: Wer nicht das nötige Kleingeld für das Jaguar E-type Reborn Programm zusammenkratzen kann, aber dennoch ein Stück E-type erwerben möchte, dem bietet Jaguar Classic unter dem Label „Jaguar Bonnet Art“ phantasievoll bemalte E-type-Motorhauben an. Entweder einfarbig oder ergänzt um eine Startnummer und/oder Rennstreifen. Zu Preisen ab 9.200 Euro ein attraktiver Wandschmuck für die eigene Oldtimer-Garage oder – falls genügend Platz vorhanden ist – das heimische Wohnzimmer.

Text: Autogefühl, Thomas Imhof
Fotos: Autogefühl, Thomas Majchrzak / Jaguar (Studio)


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