VW Atlas Fahrbericht

Der neue VW Atlas soll wieder die Herzen der Amerikaner gewinnen und wegweisend für den amerikanischen SUV-Markt werden. Doch wie kommt der 7-Sitzer an und wie fährt er sich? Das verraten wir im ersten Fahrbericht. Von Michel Weigel

Der neue Volkswagen Atlas ist durch und durch Amerikaner: Er wird nicht nur in Chattanooga (Tennessee) gefertigt, sondern ist auch das erste Modell, welches einen eigenen Namen vom amerikanischen Marketing erhalten hat. Grund für diesen Schritt war wohl u.a. die für Amerikaner schwierige Aussprache von Touareg und Tiguan.

Der Volkswagen Atlas ist keineswegs im Rahmen der Diesel-Affäre entstanden, da schließlich 2013 bereits das Konzeptfahrzeug „Cross Blue“ vorgestellt wurde, welches dem Atlas schon sehr nahe kam. Das ändert aber nichts daran, dass der Skandal die Erwartungen und den Druck auf den Konzern erhöht hat.

Der VW Atlas gilt als „Mid-Size-SUV“, weil er auf dem Modularen Querbaukasten (MQB) basiert, auf dem auch Golf, Passat und Tiguan aufbauen. In der Länge wäre er allerdings in Europa eher als Full-Size-SUV einzuordnen. Ein Verkauf hierzulande ist nicht geplant. Die europäischen Kunden erhalten weiterhin Tiguan und Touareg, weil SUVs über fünf Meter Länge für wenige EU-Käufer interessant sind. Neben den USA wird der VW Atlas ab 2017 nach Russland exportiert und in China im Joint-Venture SAIC Volkswagen (Shanghai Volkswagen) gebaut. Derzeit ist noch kein offizieller Preis kommuniziert worden, doch man kann durchaus mit einer Summe zwischen 30.000 und 45.000 US-Dollar für den Atlas rechnen, je nach Motorisierung, Frontantrieb/Allrad und Ausstattungslevel. Das ist insofern attraktiv, als dass US-Käufer ein SUV erhalten, das länger ist als ein Touareg, aber günstiger.




Exterieur

Das Design ist der Knackpunkt des VW Atlas, zumindest wenn man unseren amerikanischen Zuschauern glauben mag, denn bei einem Großteil wird das Design auf den ersten Blick eher negativ aufgenommen, es sei zu klobig. Nichtsdestotrotz gibt es auch positive Stimmen, und als Europäer bekommt man direkt den Eindruck, dass es sich um einen „Amerikaner“ handelt. Doch woher kommt das?

Zunächst ist die Front ziemlich hoch gehalten, was einen tatsächlich an einen Jeep erinnert. Aber auch die horizontalen Design-Elemente inkl. der scharfen Frontlichter tragen zu diesem Eindruck bei. Vergleichsweise würde man in Europa eher ein paar Rundungen vorfinden.

Mit seinen 5,04 Metern Länge ist der Volkswagen Atlas nochmals ein großes Stück länger als der Touareg und auch länger als der Konzernkollege Skoda Kodiaq (4,70 m), welcher in den USA nicht verfügbar sein wird, da der VW Tiguan mit langem Radstand (bei uns Allspace genannt) auf den US-Markt kommt. Im Seitenprofil des Atlas sind die Radhäuser betont, indem sie eine Trapezform bilden. Als Offroad-Look-Kontrast ist die Kotflügel-Lippe in schwarzem Plastik gehalten, zudem wird die Trapezform durch Designlinien im Blech unterstützt.

Das Heck ist weitestgehend unspektakulär. Hier wird nur nochmals die Breite von zwei Metern deutlich und spätestens hier realisiert man, dass der Atlas nicht primär für deutsche Straßen gedacht ist. In unseren Augen sind die Rücklichter das Highlight, die in einer sehr schönen Kachel-Optik designt wurden. LED-Technologie ist für die Leuchten jeweils nur optional erhältlich.

Interieur

Der Innenraum wirkt edel und die verwendeten Materialien sind exzellent verarbeitet worden. Vieles erinnert an VW Tiguan und Skoda Kodiaq. Doch der Kernpunkt ist, dass man im VW Atlas schon beim ersten Hineinsetzen den größeren Platz fühlt. Zwar ist dies schon in einem Touareg der Fall, doch hier erlebt man ein ganz anderes Raumerlebnis. In der zweiten Reihe können große Erwachsene trotz Panoramadach problemlos Platz nehmen. Dazu kann die Bank nach vorne und hinten verschoben werden. Dies hat dann Einfluss darauf, wie viel Platz den Mitfahrern sechs und sieben zur Verfügung steht. Die dritte Reihe erreicht man problemlos durch umklappen der zweiten Reihe und auch der Einstieg ist aufgrund der weit öffnenden Tür nahezu problemlos. Des Weiteren müssen Kindersitze nicht vorher herausgenommen werden, um die zweite Reihe umzuklappen – das spart Zeit und Nerven. Sitzt man nun in der letzten Reihe, so hat man neben Becherhaltern auch die Möglichkeit, die Klimatisierung zu regulieren.

Des Weiteren hat man ausreichend Stauraum, wie z.B. unter der Armlehne. Man kann problemlos ein iPad quer hineinlegen, aber auch ein Football könnte durchaus hier Platz nehmen. Wenn man nach Makeln sucht, so wäre es schön, wenn das Handschuhfach ein wenig softer aufklappen würde, aber das sind nur Kleinigkeiten. Wirft man nun einen Blick in den Kofferraum, so fällt einem sofort die relativ hohe Ladekante auf. Allerdings ist der verbleibende Raum bei der hochgeklappten dritten Reihe wirklich sehenswert. Klappt man diese um, so steht dem kommenden Familien-Treffen mit Barbecue nichts im Wege.

Im Grunde sind zwei Dinge ausschlaggebend für die Geräumigkeit. Erstens, die Fahrzeuglänge. Mit 5,04 Metern ist der VW Atlas so ziemlich das größte Midsize-SUV und bewegt sich auf der Wellenlänge von Full-Size-SUVs. Zweitens, die Abstammung aus dem kompakten Baukasten führt dazu, dass der Motor eben quer verbaut wurde und nicht wie in anderen größeren Modellen wie dem Touareg längs. Dies vergrößert den Platz in der Fahrerkabine und legt den Grundstein für die folgenden Sitzreihen.

In puncto Konnektivität gibt es kaum Veränderungen zu den aktuellen Modellen in Europa. Das MMI-Touchscreen reagiert schnell und zuverlässig. Besonders ist, dass man keine echten Shortkeys rund um den Bildschirm mehr hat, stattdessen übernehmen Touch-Flächen den Job (wie beim neuen Skoda Kodiaq). Die A/C lässt sich aber weiterhin über traditionelle Knöpfe bedienen. Des Weiteren kann man problemlos Apple CarPlay oder Android Auto verwenden.

Außerdem stehen einem auch die erwarteten Fahrerassistenzsysteme zur Verfügung, darunter die ACC (Adaptive Cruise Control), Spurthalte-, Notbrems- und Parklenkasisstenten. Außerdem gibt es einen Toten-Winkel-Warner.

Motoren

Benziner

2.0 Liter-Turbo
238 PS

3,6 Liter-V6-Direkteinspritzung (Sauger)
280 PS

Wir gehen davon aus, dass Volkswagen in den nächsten Jahren in den USA bei Benzinern bleiben wird. Nichtsdestotrotz können wir es uns sehr gut vorstellen und wünschen uns, dass zukünftig eine Plug-In-Variante auf dem Markt eingeführt wird.

Abmessungen

Länge: 5,04 m
Breite: 2,00 m
Höhe: 1,77 m
Radstand: 3,00 m

Fahrverhalten

Auch wenn der VW Atlas erst einmal recht einzigartig erscheint, bleibt er dennoch ein Volkswagen. Die Akustik ist mehr als solide. Gerade wenn man das optionale Fender-Soundsystem bestellt hat, kommen die Vorteile zum Vorschein. Die Federung hinterlässt einen soliden Eindruck. Im Fahrmodus „Sport“ ist die Veränderung jedoch zu gering, sodass man nicht von einer härteren Federung reden kann. Mit Blick auf das Lenkverhalten unterscheidet sich der Atlas nicht allzu sehr von einem Tiguan oder Touareg. Die Lenkung ist relativ direkt, aber nicht vergleichbar zu reinen Sportfahrzeugen. Ungewöhnlich bleibt anfangs nur, dass das Lenkrad, gemessen an der Größe des Innenraumes, ein wenig klein wirkt.

Unser Testfahrzeug war mit dem 3,6-Liter-Benziner ausgestattet. Rein von den Zahlen her müsste der Atlas keine Probleme für einen V6 darstellen, doch in der Realität ist die Beschleunigung eher schleppend. Dabei muss ebenso beachtet werden, dass er nicht einmal mit halber Ladung getestet wurde. Somit wird es nichts mit schnellen Überholmanövern auf den amerikanischen Highways. Für harte Offroad-Fahrten eignet sich das SUV auch eher weniger. Doch wozu eignet sich der VW Atlas dann? Ganz einfach gesagt, zum cruisen. Der Volkswagen Atlas ist somit ein reines Fahrzeug für den Alltag, mit dem man entspannt die Kinder zum Sport fährt, den Großeinkauf tätigt oder auch einen Wochenendausflug macht. Er soll gar nicht das nächste sportliche SUV werden, sondern einen soliden und vor allem zuverlässigen Job machen. Und dafür bietet er eine optimale Langstreckentauglichkeit.

Fazit: Die USA bekommen den Tiguan schon als Tiguan Allspace mit langem Radstand, der VW Atlas ist nochmals deutlich länger und bietet auch in der Breite mehr Raum. Gepaart mit dem attraktiven Preis ist der Volkswagen Atlas für USA, Russland und China ein höchst interessantes Fahrzeug. Mehr SUV und mehr Raum gibt es ansonsten kaum fürs Geld, zumindest nicht bei dieser Qualität. Zugegeben, das Design ist nicht unbedingt das Eleganteste, doch die kräftigen Formen könnten bei einigen Kunden gut ankommen. Richtig überzeugen kann der VW Atlas im Innenraum: Platzangebot und Verarbeitungsqualität steuern positiv zum Wohlbefinden bei. Das Fahrverhalten ist nicht allzu spektakulär. Der 3,6 l V6 Benziner ist nicht gerade spritzig, bietet aber noch die seltene Möglichkeit, bei VW zu einem Sauger zu greifen. Generell soll der Atlas ein Fahrzeug für den Alltag werden. Dies merkt man nicht nur beim Fahren, sondern auch beim Startpreis, der bei knapp 30.000 Dollar liegt. Nun bleibt es spannend, ob Volkswagen mit dem neuen Modell die Stimmung auf dem US-Markt umdrehen kann.

Text & Fotos: Autogefühl, Michel Weigel


One Response to VW Atlas Fahrbericht

  1. […] AutogefühlVW Atlas FahrberichtDer neue VW Atlas soll wieder die Herzen der Amerikaner gewinnen und wegweisend für den amerikanischen SUV-Mar… […]

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir zur Optimierung Ihres Lesegenusses Cookies verwenden. mehr

Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir zur Optimierung Ihres Lesegenusses Cookies verwenden. Aus rechtlichen Gründen müssen wir Sie an dieser Stelle darauf hinweisen. Mehr Details gibt es auch in unseren Datenschutzbestimmungen: http://www.autogefuehl.de/impressum/datenschutzerklarung/

Schließen