Maserati Levante S Q4 3.0 l V6 SUV Test

Mit dem Maserati Levante bringt der italienische Luxus-Hersteller sein erstes SUV auf den Markt. Was kann er im Vergleich zu anderen Premium-SUVs und ist er auch interessant für Maserati-Fans, die bislang z.B. einen Ghibli oder einen Quattroporte fahren? Von Thomas Majchrzak




Exterieur

Optisch weist der Maserati Levante eine gewisse Verwandtschaft mit dem Alfa Stelvio auf. Allerdings basiert der Alfa Stelvio auf der Giorgio-Plattform, die auch von der Alfa Giulia genutzt wird. Für den Maserati Levante wird dagegen die selbe Plattform wie für Ghibli und Quattroporte benutzt.

Der Maserati Levante zeigt den klassischen breiten Kühlergrill mit den senkrechten Streben und dem Trident-Logo (Dreizack), ein imposanter Auftritt. Leider ist das Logo nur in 2D, weil dahinter der Sensor für die Adaptive Cruise Control versteckt ist. Die Augen/Bi-Xenon-Scheinwefer führen schlitzartig nach hinten. Im Seitenprofil erkennt man die klassischen Luftauslässe oberhalb der vorderen Radhäuser, eine coupéartige Linie mit fallender Dachsilhouette, rundlicher Fensterrahmen-Grafik sowie stark ausgeprägte Schultern. Der Levante Diesel kommt mit 18 Zoll Felgen serienmäßig, der S-Benziner mit 19 Zoll – nach oben hin geht es optional bis auf 21 Zoll. Hier sehen wir 19-Zoll-Felgen, die den Vorteil haben, dass sie den Fahrkomfort nicht einschränken und auch nicht so schnell verkratzen. Es stimmt allerdings, dass 19 Zoll auf diesem Fahrzeug vergleichsweise klein aussieht. Alle vier Türen öffnen übrigens coupé-artig, d.h. der Rahmen bleibt stehen und man kann die Scheiben komplett sehen, das sorgt für Exklusivität. Das Heck ist durch die flache Heckscheibe bestimmt und durch die ebenfalls horizontal gezogenen Rückleuchten mit LED-Technologie. Im Vergleich zur imposanten Front wirkt das Heck allerdings vergleichsweise zurückhaltend.

Interieur

Das Interieur zeichnet sich zunächst einmal durch einige sportliche und emotionale Elemente aus, wie die Türgriffe, die nahtlos in eine Dekorleiste übergehen, die Karbon-Inlets oder die chromumrandeten analogen Instrumente. Einen erhabenen Levante-Schriftzug findet man unter dem Infotainment-System, ebenso eine formschöne analoge Uhr. Das Lenkrad ist wie von anderen Maserati-Modellen gewohnt sehr dick, man kann nicht wirklich herumfassen. Die Klima-Einheit ist noch separat, d.h. man kann Temperatur und Lüftung auch noch per Knopf einstellen und nicht nur übers Infotainment-System, das gefällt.

Die Serienausstattung umfasst eine 2-Zonen-Klimaautomatik, Tierhautsitze, keyless entry, ein 8,4 Zoll großes Infotainment-System mit Multimedia-Anschlüssen, Audio-System mit 8 Lautsprechern sowie Regensensor und Tempomat. Das Infotainment-System kann man entweder per Touch bedienen oder aber als Fahrer auch mit einem Dreh-Drück-Regler. Über dem Infotainment-System-Ring ist ein zweiter Dreh-Ring platziert, mit dem man die Lautstärke regeln kann.

Sitzheizung, Panorama-Dach, Bowers & Wilkins 17 Lautsprecher System und Navi gehen extra. So steigt der Wert des Testfahrzeugs von 88.000 auf 107.000 Euro.

Ausreichend vorhanden sind Flaschenhalter: Zwei unter der vorderen Abdeckung in der unteren Mittelkonsole, zwei weitere unter der Armlehne. Außerdem gibt es vorne für den Fahrer einen USB-Slot, zwei im Handschuhfach und zwei für die rückwärtigen Passagiere. Die Abdeckungen für die einzelnen Fächer haben eigenwillige Klappmechanismen, die Abdeckungen sind hier in hochwertiger Karbonfaser gehalten.

Das Platzangebot auf den Vordersitzen ist üppig, auch für sehr große Personen. Über 2 Memory-Sitzeinstellungen kann man sich als Fahrer auch einfach abwechseln. Enttäuschend ist das Platzangebot im Fond. Schon bei 1,86 m Körpergröße stößt man mit den Knien an den Vordersitz, wenn ein großer Fahrer fährt – und das bei 5 Metern Fahrzeuglänge. Lediglich die Kopffreiheit ist uneingeschränkt. Ferner sind die Rücksitze unterhalb des Lendenwirbels in einer komischen Art und Weise verstärkt, so dass es sich anfühlt, als hätte man sich ein Handtuch ans Steißbein gelegt. Positiv dagegen: Die Rückbank lässt sich mit einem Hebel in verschiedene Grad-Winkel verstellen, so dass man je nach Wunsch aufrechter oder flacher sitzen kann. Über diesen seitlichen Hebel klappt man auch die Sitze vom Fond aus um, denn vom Kofferraum geht das nicht. Der Kofferraum ist erstaunlich flach, aber im Vergleich zu anderen Maserati-Modellen immer noch der praktischste.

Motoren

Levante S
3.0 l V6 mit 430 PS
5,2 Sek 0-100 km/h
88.000 Euro
(In den USA ist ferner eine Einstiegs-Variante mit 350 PS verfügbar.)

Levante Diesel
3.0 l V6 mit 275 PS
6,9 Sek 0-100 km/h
70.000 Euro

Allradantrieb ist immer serienmäßig.

Fahrverhalten

Wir fahren den Maserati Levante S Q4 mit 3.0 l V6 und 430 PS. Der V6 grollt angenehm, ohne übertrieben zu sein. Mit dem Levante möchte man zwar Einzigartigkeit zeigen, aber auch nicht um jeden Preis auffallen. Hubraum, Allrad und PS sorgen für eine souveräne Kraftentfaltung. Als SUV verführt der Levante nicht allzu stark dazu, sehr schnell fahren zu wollen, darauf ist die serienmäßige adaptive Luftfederung auch nicht ausgelegt. Vielmehr möchte der Levante gemütlich gefahren werden, hält aber immer genügend Kraftreserven für ein Überholmanöver bereit. Als Testverbrauch erzielen wir 12 l / 100 km, das aber nur bei gemäßigter Fahrweise.

Die Lenkung ist relativ indirekt, man muss schon recht viel am Lenkrad schrauben. Beim Einparken ist das etwas hinderlich. Die Rundum-Übersicht gehört auch nicht zu den besten, da muss man sich schon eher auf die Rückfahrkamera verlassen, wenn es rückwärts gehen soll. Insgesamt fühlt sich der Maserati Levante relativ wuchtig an.

Wenn man richtig aufs Gaspedal tritt, wirft der V6 den Levante nach vorne, durch den Allradantrieb ist die Beschleunigung aber nicht nur schnell, sondern auch harmonisch. Normal wird hauptsächlich die Hinterachse angesprochen, tritt man aufs Gaspedal, hat man häufig eine Verteilung von 20/80 oder 30/70 Vorderachse-Hinterachse. Die Hinterrad-Tendenz bleibt also erhalten. Um es noch sportlicher zu machen, kann man im Sport-Modus die Auspuff-Klappen früher einsetzen lassen, die Automatik entsprechend ausrichten und in der zweiten Stufen das Fahrwerk auch straffer machen. Allerdings passt das straffere Fahrwerk dann noch weniger zur Lenkung.

Abmessungen

Länge: 5,00 m
Breite: 1,96 m
Höhe: 1,67 m
Radstand: 3,00 m
Leergewicht: 2.109 – 2.205 kg

Fazit: Der Maserati Levante ist für die Marke sehr wichtig, ganz einfach weil SUVs weiterhin boomen und klassische Limousinen immer weniger nachgefragt werden. Zudem ist der Levante mit der Heckklappe deutlich praktischer als die anderen Modelle, eignet sich am ehesten für eine Familie. Das Styling enthält die maskuline und unverwechselbare Maserati-Front, der Rest ist allerdings eher austauschbar. Das Interieur wartet mit einigen emotionalen Elementen auf, ist aber in der Grundgestaltung konservativ und in den Sitzematerialien rückschrittlich und nicht nachhaltig. Verarbeitung und Funktionsweisen könnten für ein 100.000-Euro-Auto ein Stückchen besser sein. Im Fahrverhalten zeigt sich der Maserati Levante eher wuchtig und gemütlich, wobei der V6 bei Bedarf auch richtig grollen kann.

Autogefühl: ***

Text: Autogefühl, Thomas Majchrzak
Fotos: Autogefühl, Michel Weigel


3 Responses to Maserati Levante S Q4 3.0 l V6 SUV Test

  1. […] AutogefühlMaserati Levante S Q4 3.0 l V6 SUV TestMit dem Maserati Levante bringt der italienische Luxus-Hersteller sein erstes SUV auf den Markt. Was kann er im… […]

  2. Kerry DelVecchio says:

    How does the Levante compare to the Jaguar F Pace?

    Thanks
    Kerry

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