Mercedes AMG GT-R vs GT S Coupé Test

In der Mercedes-AMG GT Familie gibt es das Coupé und den Roadster, und diese jeweils in unterschiedlichen Kraft-Stufen. Diesmal zeigen wir die Top-Racing-Variante Mercedes AMG GT-R und geben dem Supersportwagen die Sporen auf der Rennstrecke, außerdem vergleichen wir den Mercedes AMG GT S auf der Straße. Von Thomas Majchrzak





Exterieur

AMG GT S

AMG GT-R

Die Markenzeichen des AMG GT ist der markante AMG Panamericana Grill, ein breites Heck, die muskulöse Fahrzeugschulter und selbstverständlich die extrem lange Motorhaube. Die Frontschürze lässt den Supersportwagen noch breiter wirken und damit optisch noch näher am Asphalt liegen. Der Grill wurde Panamericana getauft, weil er sich an den Kühlergrill des 300 SL Rennwagen anlehnt, der 1952 das legendäre Panamericana-Rennen gewonnen hat.

Serie für die gesamte AMG GT Familie sind LED High Performance-Scheinwerfer. Die unteren Spoiler vorne, seitlich und hinten sind beim GT-R am kraftvollsten. und tragen Einleger in Hochglanzschwarz. Leichtmetallfelgen in den Dimensionen 19- und 20-Zoll runden die Optik ab. Beim AMG GT-R kommen die Felgen in Dunkelgrau, zudem ist eine Sportbereifung montiert, die auf die (trockene) Rundstrecke optimiert ist. Bei Nässe auf der Straße sollte man damit vorsichtiger sein. Reduziert wird die Geschwindigkeit über eine AMG Hochleistungs-Verbundbremsanlage. Ein Panoramadach ist für den GT-R nicht erhältlich, stattdessen ist das feste Dach aus Carbon.

AMG GT C Roadster und AMG GT-R sind am Heck 57 mm breiter als der AMG GT. Durch die entsprechend breitere Spur sind höhere Kurvengeschwindigkeiten möglich. Der GT-R hat keinen integrierten automatisch ausfahrbaren Spoiler, sondern einen festen Spoiler, der manuell mechanisch für unterschiedliche Strecken verstellt werden kann. Der Sound kommt aus einer AMG Performance-Abgasanlage mit Titan-Nachschalldämpfer. Ferner ist das Heck von den schmalen, horizontal gezogenen Heckleuchten geprägt.

Interieur

AMG GT S

AMG GT-R

Wie die Formen am Exterieur wirken auch die Formen und Linien im Inneren muskulös und massiv. Allen voran die breite Mittelkonsole, auf der wichtige Funktionen wie die Fahrmodi immer in unmittelbarer Reichweite des Fahrers liegen. Der Navigationsbildschirm ist auch in den neuen AMG GT Modellen nicht voll ins Cockpit integriert sondern “aufgesetzt”. Durch die niedrige Sitzposition ist der Fahrer dafür praktisch perfekt ins Cockpit integriert. Verarbeitung und Touch & Feel der Bedienelemente sind wie gewohnt von hoher Qualität. Die Breite der Mittelkonsole klaut dabei etwas Platz für die Passagiere.

Der AMG GT startet als Standard-Version mit einer attraktiven wie nachhaltigen Sitzoberfläche in der Mischung Stoff/Kunstleder (Artico), alternativ kann man auf Mikrofaser Dinamica innen und Artico außen wechseln (Serie im GT S). Optional stehen diverse Tierhäute zur Verfügung. Neben dem Basis-Sportsitz gibt es den AMG-Performance-Sitz, der auch hier im GT S Interieur gezeigt wird. Dieser mindert allerdings etwas den Komfort auf der Langstrecke, es sei denn, man kommt ganz besonders gut mit dünneren Sportsitzen zurecht. Der GT-R kommt direkt mit AMG Sportschalensitzen in der Mischung Dinamica innen und Tierhaut außen, unverständlich, warum AMG beim Topmodell von der Oberflächenstrategie absieht. Dafür kommt der GT-R direkt mit dem AMG Performance Lenkrad in Mikrofaser für echte Rennfahrer, das wir übrigens hier auch im GT S zeigen. Die Zierelemente sind im GT-R ferner vorwiegend in Klavierlack gehalten.

Die Serienausstattung im Interieur ist recht dürftig, gerade angesichts des Preises. Die automatische Notbremsfunktion ist enthalten, dafür aber kaum weitere Assistenzsysteme und auch nur das Basis-Radio, nicht das große Navi. Fast alles muss man optional dazubuchen.

Motoren

Grundsätzlich kommt ein 4,0-Liter V8 Biturbo-Benziner zum Einsatz, dieser in verschiedenen Leistungsstufen. Geschaltet wird über ein 7-Stufen-Doppelkupplungsgetriebe.

Mercedes-AMG GT
476 PS
4,0 Sek. 0-100 km/h
117.000 Euro

Mercedes-AMG GT S
522 PS
3,8 Sek. 0-100 km/h
136.000 Euro

Neu ist hier ein Mercedes-AMG GT C, den es bislang nur als Roadster gab, ebenfalls dann mit 557 PS. Er kommt derzeit als Special Edition zum 50-jährigen Bestehen von AMG.

Mercedes-AMG GT-R
585 PS
3,6 Sek. 0-100 km/h
165.000 Euro

Mercedes-AMG GT Roadster
476 PS
4,0 Sek. 0-100 km/h
129.000 Euro

AMG GT C Roadster
557 PS
3,8 Sek. 0-100 km/h
160.000 Euro

Die Einstiegsvarianten starten mit dem normalen AMG-Sportfahrwerk, Die S, C und R-Modelle erhalten das AMG Ride Control Sportfahrwerk mit adaptiver Verstelldämpfung. Ferner kommen C (optional) und R (Serie) mit der aktiven Hinterachslenkung.

Fahrverhalten

Die Leistung zwischen den Varianten unterscheidet sich von Stufe zu Stufe nicht weltbewegend. Der V8 bringt jederzeit einen sonoren grollenden Sound, ohne dabei allzu laut und übertrieben zu sein. Im Comfort-Modus kann man den Mercedes-AMG GT durchaus ruhig fahren, im Sport+ Modus schaltet sich dann die Auspuffklappe hinzu und es ploppt ordentlich aus dem Auspuff bei jedem Schaltvorgang oder insbesondere bei der Gaswegnahme. Der Sport+ Modus ermöglicht übrigens auch das Nutzen der Launch Control, dazu muss man dann nur noch die Bremse voll durchdrücken und dann das Gas komplett anlegen, anschließend die Bremse lösen. Trotz Hinterradantrieb wird die Beschleunigung dann so effizient gelöst, dass man keine Gummistreifen auf dem Asphalt lässt.

Größter Fahrdynamik-Unterschied zwischen GT Basis und den Super-Sport-Modellen ist die Hinterachs-Lenkung. Dadurch wird bei geringeren Geschwindigkeiten ein kürzerer Radstand vorgetäuscht (Hinterräder lenken entgegengesetzt zu den Vorderrädern) und bei höheren Geschwindigkeiten ein längerer Radstand (Hinterräder lenken parallel zu den Vorderrädern). Bei niedrigen Geschwindigkeiten erhält man also mehr Agilität, und bei höherem Speed mehr Stabilität. Die Hinterachslenkung macht sich im Slalom deutlich bemerkbar. Er fühlt sich insgesamt etwas rauer an als der große Konkurrent Porsche 911, was auch am Fahrwerk liegt. Während z.B. ein Mercedes SL auf Komfort ausgelegt ist, setzt der AMG GT klar auf die Sportlichkeit.

Der Mercedes-AMG GT-R kommt ferner mit einer einstellbaren Traktionskontrolle mitsamt elektronischem Hinterachs-Sperrdifferenzial. Somit kann man beim GT-R die gesamte Regel-Elektronik auf Wunsch rausnehmen.

Den GT-R fahren wir auf der Rennstrecke, allerdings bei Nässe. Aber hier merkt man sofort, dass die Kraft so gewaltig ist, dass selbst nur im normalen Sportmodus die Räder gerne einmal ein wenig durchdrehen. Im GT-R sitzt man noch tiefer, durch den Karbon-Schaft von vorne bis hinten um den Antriebsstrang herum ist er noch verwindungssteifer. Echt etwas für die Rennstrecke.

Den AMG GT S kann man da schon einfacher etwas entspannter auf der Straße fahren. Die Lenkung ist super direkt und angenehm, gerade in Verbindung mit dem Mikrofaser-Lenkrad. Das Fahrwerk macht sich erst bei Bodenwellen als straff-sportlich bemerkbar. Extrem leise ist es im AMG GT nie, dafür sorgt allein das Motor-Grollen.

Abmessungen

Länge: 4,55
Breite: 1,94
Höhe: 1,29
Radstand: 2,63 m
Leergewicht: 1.630 kg

Fazit: Der Mercedes-AMG GT-R ist der raueste Vertreter der AMG-Familie, der direkt für die Rennstrecke gedacht ist. Alle AMG GT Modelle zeigen eine Mischung aus Traditions-Zitaten und modernen Stilelementen. Das Interieur ist qualitativ hochwertig, könnte aber von der Anzahl der Elemente etwas abgespeckt werden. Bei den Sitzoptionen hat die Grundversion GT klar die Nase vorn, denn für den Alltagsnutzen sollte man bei den Basis-Sitzen bleiben und nicht die eher unbequemen Schalen-Sitze wählen. Der GT-R ist wirklich nur für die Rundstrecke besser, für alle anderen Einsatzzwecke sind die Familienbrüder besser.

Autogefühl: ****

Text: Autogefühl, Thomas Majchrzak
Foto & Video: Autogefühl, Michel Weigel


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