Skoda Octavia Limousine Test Facelift 2017

Der Skoda Octavia hat jüngst ein Facelift erhalten, wir werfen noch einmal einen Blick auf die Änderungen und stellen generell die aktuelle Skoda Octavia Limousine vor. Von Thomas Majchrzak

Der Skoda Octavia hat sich in seiner bereits über 50-jährigen Existenz über 5 Millionen Mal weltweit verkauft und ist somit die wichtigste Baureihe von Skoda. Schaut man alleine auf die Entwicklung in Deutschland, so wurde das Fahrzeug in den letzten drei Kalenderjahren über 150.000 Mal verkauft. Im Zuge des Facelifts wurde vor allem an den Frontleuchten gearbeitet. Ebenso gibt es ein aktualisiertes Infotainmentsystem, wie auch fünf neue Assistenzsysteme. Es gibt den Skoda Octavia weiterhin als Kombi und als Limousine. Dazu stehen die Ausstattungslinien Active, Ambition, Style und L&K zur Auswahl. Der neue Skoda Octavia RS ist nun entweder als RS230 oder RS245 verfügbar.

Der Basispreis der Octavia Limousine liegt bei 17.500 Euro, unser Testwagen kommt mit Ausstattung Style und einigen teuren Extras (großes Navi, LED-Lichter, elektrische Memory-Sitze) auf gut 35.000 Euro.





Exterieur

Gerne verändern Hersteller Merkmale an der Front, wenn ein Facelift auf den Markt kommt, so auch Skoda. Im Octavia Facelift gab es eine eher radikale Änderung an den Frontleuchten. Während jede Leuchte zum ursprünglichen Launch noch eine Einheit darstellte, wurden nun vorne die Leuchten zweigeteilt, das erinnert an die alte Mercedes E-Klasse. Dabei befinden sich nun die „abgeschnittenen“ Elemente direkt am Kühlergrill. Darüber hinaus wirkt die Designführung ein wenig kantiger. Optional kommen die Scheinwerfer nun in Voll-LED-Technik mit adaptiven Frontscheinwerfern (AFS). In den beiden höchsten Ausstattungslinien zählt LED zum Standard, darunter gibt es Halogen-Leuchten. Außerdem verfügt der Kühlergrill nun über eine modernere Struktur.

Das Facelift ist minimal gewachsen, und zwar um 11 Millimeter, was an geänderten Stoßfängern liegt. Nun misst der Skoda Octavia 4,67 Meter. Auch darüber hinaus bleiben die Veränderungen im Seitenprofil nahezu marginal. Unser Testwagen zeigt 17-Zoll-Felgen in Schwarz. Während der Kombi klassisch kastenförmiger endet, geht die Limousine ein wenig eleganter zum Heck über. Die Limousine hat allerdings keinen ganz abgeschlossenen Kofferraum, sondern stellt wie beim Superb eine gute Kompromiss-Lösung aus Design und Alltagsnutzen dar, da der Kofferraum auch hatch-artig öffnet. Außerdem wurde an den Leuchten gewerkelt. Diese kommen ebenfalls optional mit LED-Technik in Kristallglasoptik.

Interieur

Der Skoda Octavia weist in puncto Materialverarbeitung und Übersicht im Innenraum weiterhin den Weg. Die horizontale Designführung verleiht dem Innenraum eine klare Struktur. Alle Funktionen sind intuitiv zu finden, man braucht das Auto nicht erst zu lernen. Für Atmosphäre sorgt eine Ambientebeleuchtung, die für den Style optional und im L&K Serie ist. Die dezenten Lichtleiter in den vorderen und hinteren Türen lassen sich in zehn Farben regeln.

Der Innenraum misst in der Länge 1,78 Meter und bietet auf den hinteren Sitzen viel Beinfreiheit. Der Skoda Octavia zeigt damit erneut, dass er sich zwischen Kompakt- und Mittelklasse bewegt. Das Chassis hat eine Basis aus dem Kompakt-Segment, aber der Octavia bietet mindestens den Platz wie in der Mittelklasse. Für große Menschen und für die Familie optimal. Übrigens ist auch in der Limousine der Kopfraum kein Problem, selbst auf den hinteren Plätzen kann man mit 1,90 m sitzen. Nur darüber und wenn man sich dann nach hinten lehnt, für diesen Fall ist der Kombi besser.

Active und Ambition kommen serienmäßig mit Stoffsitzen in Schwarz/Grau. Style kommt mit einer Stoff-Kunstleder-Mischung in Schwarz oder Beige. L&K kommt mit einem Alcantara-Kunstleder-Mix in Braun. Optional stehen für Ambition und Style Stoff-Sportsitze zur Verfügung mit mehr Seitenhalt.

Skoda kommuniziert in den Preislisten übrigens das Wort “Leder” ganz bewusst falsch, und zwar im doppelten Sinne. Hinter der Strategie steckt die Annahme, dass alle Kunden “Leder” als hochwertig und besser einschätzen. Dabei werden an Armaturenbrett und Sitzaußenwangen mittlerweile fast bei allen Marken Kunstleder-Teile verwendet, weil diese länger haltbar sind, weniger chemische Ausdünstungen enthalten und insgesamt nachhaltiger und tierfreundlicher sind. Es ist in der Tat so, dass auch bei Skoda in den Sitzkombinationen die Außenteile aus Kunstleder bestehen, obwohl dies explizit nicht so angegeben ist – zumindest beim Octavia (beim neuen Karoq ist das anders und noch komplizierter). Leder ist schließlich kein geschützter Begriff. Einmal ist dies irreführend gegenüber dem Kunden. Aber der eigentliche Marketingfehler: Skoda sollte transparent darstellen, dass das Kunstleder ein Vorteil für Kunde und Umwelt ist und es deswegen auch beim Namen nennen. Die Mischung von Stoff oder Alcantara innen und Kunstleder außen ist durchweg positiv, und genau deswegen sollte man es auch so darstellen und sich nicht verstecken. Hier sehen wir die Alcantara-Kunstleder-Ausstattung in Beige, das macht den gesamten Innenraum hell und wirkt sehr hochwertig. Die Sitze sind auch im Komfort exzellent und eignen sich für große Menschen und auch für Langstrecken.

Die größte Neuerung im Innenraum wurde am Infotainmentsystem vorgenommen. Los geht es mit dem Basis-System Swing mit 6,5 Zoll, weiter mit Bolero und Amundsen mit 8 Zoll oder das Columbus mit 9,2 Zoll. Um es sich besser vorzustellen, ist der kleinste Bildschirm ein wenig größer als ein durchschnittliches Smartphone und der größte ist vergleichbar mit einem Tablet. Die größte Version erhält eine Auflösung von 1.280 x 640, was einer Pixeldichte von 155 entspricht. Ein Näherungssensor lässt einzelne Funktionen größer erscheinen, sobald man sich mit seinem Finger dem Bildschirm nähert.

Des Weiteren besteht die Möglichkeit, sein Smartphone über MirrorLink, Apple CarPlay oder Android Auto mit dem Computer zu verbinden. Neu ist, dass es einen W-LAN-Hotspot gibt, der surfen bis zu 150 Mbit erlaubt. Mit Skoda Connect erhält man u.a. eine Notruffunktion, die auch automatisch nach einem Unfall auslöst, aber auch viele andere Dienste, wie einen Fahrzeugfernzugriff mit Zugriffsmöglichkeit auf Fahrzeugdaten und -funktionen via Smartphone, z.B. Parkposition, Warnblinkanlage einschalten, oder dem aktuellen Status der Tankfüllung. Auch Google Streetview ist nun optional mit an Bord.

Was das Kofferraum-Volumen angeht, gehört Skoda in allen Klassen zu den führenden Marken. In der Skoda Octavia Limousine beträgt das Volumen 590 Liter, welches durch Umklappen der Rückbank auf maximal 1.580 Liter erweitert werden kann. Der Kombi fasst 610 bzw. 1.740 Liter – kaum einer schafft da mehr.

Bei den Assistenzsystemen kommen nun noch ein Toter-Winkel-Warner, ein „vorausschauender Fußgängerschutz“, Rear Traffic Alert, Anhängerrangierassistent, Front Assist und der Crew Protect Assist (schützt die Passagiere auf den Vordersitzen bei einem möglichen Unfall). Die meisten der Features gibt es leider nur optional. Gleiches gilt für die ACC, den Lane Assist oder dem Park Assist. Besonders ist, dass nun auch die Dynamic Chasis Control (DCC) erhältlich ist. Diese kennen wir bereits aus dem Superb, sie ermöglicht das Wechseln in die Fahrmodi Comfort, Normal und Sport.

Das wichtigste Sicherheitssystem, die City Notbremse, kostet im Basis-Trim extra und ist leider erst ab Ambition mit inkludiert.

Mehr zu Skoda Assistenzsystemen gibt es auch in unserem Feature zu diesem Thema.

Motoren

Benziner (TSI)

1.2 l, 86 PS, 4.9 l/100 km
1.0 l, 115 PS, 4.9 l/100 km
1.4 l, 150 PS, 5.3 l/100 km
1.8 l, 180 PS, 6.1 l/100 km (optional Allrad)

Octavia RS Benziner

Octavia RS 2.0 l TSI, 230 PS oder 245 PS, 6.6 l/100 km (dem RS vorenthalten; wird später durch eine 245 PS-Version ersetzt)
Octavia RS 2.0 l TDI, 184 PS, 5.1 l/100 km

Diesel (TDI)

1.6 l, 90 oder 115 PS, 4.2 l/100 km
2.0 l, 150 oder 184 PS, 5 l/100 km (optional Allrad)

Weitere

1.4 l G-Tec (Erdgas), 110 PS, 5.7 l/100 km

Bei den Verbrauchswerten handelt es sich um Werksangaben. Für einen realistischen, Wert sollte man zwei bis drei Liter addieren.

Fahrverhalten

Beim Fahrverhalten hat der neue Octavia, vor allem mit dem optionalen verstellbaren Fahrwerk (DCC), deutlich gewonnen. Während die erste Generation manchmal an der Hinterachse noch hölzern abrollte, beherrscht das Facelift mit dieser Option nun das gediegene Abrollen. Im „Komfort-Modus“ egalisiert das Fahrwerk Schlaglöcher und Bodenwellen nun auf einem hohen Niveau, wobei man bei schnellen Autobahn-Etappen und langen Bodenwellen besser in den Normal- bzw. Sportmodus des Fahrwerks schalten sollte, um unangenehmes Wippen zu vermeiden. Zusätzlich vermeidet das DCC nun die früher etwas poltrigen Fahrwerksgeräusche und bekommt von uns, wenn noch im persönlichen Budget, eine echte Kaufempfehlung. Diesmal testen wir das Basis-Fahrwerk, das ebenfalls verbessert wurde und ein sehr ausgeglichenes Fahrgefühl vermittelt. DCC ist damit kein unbedingtes Muss, aber eine sehr interessante Option.

Die Spurweiten wurden, je nach Modell/Motorisierung um 20 bzw. 30 mm angehoben, so dass die Räder nun etwas bündiger im Radkasten stehen. Zudem vermittelt der Skoda ein noch sichereres Fahrgefühl, dass zu schnell gefahrene Kurven mit üblichem, unproblematischem Untersteuern quittiert. Dass einem durch die elektrische Servolenkung die Mittellage des Lenkrades etwas undefiniert vorkommt, trübt den Fahrspaß kaum. Die Bremsen jedenfalls packen ordentlich zu und haben einen guten Druckpunkt. Insgesamt gesehen fällt das Innengeräuschniveau nun subjektiv deutlich leiser aus, was nun eine noch bessere Langstreckentauglichkeit verspricht.

Generell zeichnet sich der Skoda Octavia weiterhin durch seinen guten Langstreckenkomfort aus, was auch am Platzangebot und an der angenehmen Sitzposition liegt. Die Lenkung ist bereits in den Nicht-Sportversionen angenehm direkt und progressiv, man muss also nicht viel kurbeln. Beim 6-Gang-Schaltgetriebe lassen sich die Gänge butterweich einlegen, so soll es sein. Eine unauffällige und gefällige Schaltung. Optional steht ein 7-Gang-DSG zur Verfügung, das natürlich den Komfort steigert.

Der Testverbrauch des 1.8 l Benziners mit 180 PS landete bei knapp 8 l / 100 km, diesmal testen wir den neuen 1.0 l Dreizylinder-Turbo mit 115 PS. Hier verbrauchen wir 6 l / 100 km, das ist für ein Fahrzeug dieser Größe gut. Der kleine Dreizylinder ist durchaus ausreichend, nur auf der Autobahn muss man ihn schon etwas drücken. Wer nicht ständig mit vielen Personen oder viel Gepäck fährt, kann hiermit einen niedrigen Einstiegspreis erzielen, das ist auch für Flotten interessant. Große sportliche Leistungen darf man dann aber natürlich nicht erwarten, der 0 auf 100 km/h Wert liegt bei gut 10 Sekunden.

Abmessungen

Länge: 4,67 m
Breite: 1,81 m
Höhe: 1,44 m
Radstand: 2,69 m

Fazit: Ein Auto dort verbessern, wo es sinnvoll ist. Das scheint sich Skoda bei der Überarbeitung des Octavia sehr zu Herzen genommen zu haben. Auch wenn das neue Gesicht polarisiert, so sind die Qualitäten, die der Octavia zu bieten hat, unbenommen hoch. Ein verbesserter Komfort ohne und mit dem optionalen adaptiven Fahrwerk, moderne Unterhaltungssysteme mit Online-Anbindung und Assistenzsysteme en masse. „Simply Clever“-Details, wie einen Regenschirm unter dem Beifahrersitz, oder eine herausnehmbare Akku-Taschenlampe im Kofferraum-Abteil, gibt es gratis. Insgesamt ist der Skoda Octavia immer noch einer der Preis-Leistungs-Könige überhaupt.

Autogefühl: *****

Text: Autogefühl, Thomas Majchrzak


One Response to Skoda Octavia Limousine Test Facelift 2017

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